Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Daß das Laubdach ganz dicht sei, ist nicht nöthig, das Licht- und
Schattenspiel gehört mit zur Anmuth der Laube. Auch ist es frei vor
jeder andern Unannehmlichkeit, welche bei der ersten Art der Lauber
oft vorhanden, nämlich, einer Menge von Ungeziefer zum Aufenthalte
zu dienen, welches seinen Unrath oft herunterfallen läßt, was namentlich
deim Essen und Trinken höchst unangenehm. Bei der leichten, freien
Belaubung kommt dieses nur sehr selten vor.
Bei den Kletter- und Schlingpflanzen hat man eine große Aus—
wahl, sowohl bei den einjährigen als bei den perennirenden und strauch—
artigen Stauden. Erstere sind besonders im Anfange sehr nützlich, se
lange die Sträucher noch nicht ausgewachsen sind; später kommen sit
unter der dichten Belaubung nur kümmerlich fort. Man hat einigt
Arten von erstaunlichem Wachsthume, die schon vor der Mitte des
Sommers eine Laube ganz überdecken können. Ganz dicht wird sie
indeß von diesen Pflanzen schwerlich werden, was indeß auch nich
nöthig ist.
Auch von den Kletter. und Schlingpflanzen kann man mehrert
Arten aubringen, doch wähle man nicht zu viele, besonders bei einem
einen Garten. Am besten wählt man eine sehr vollblühende Art, die
auch unten nicht leicht kahl wird, um den Grund in der Belaubung
zu bilden und zwei oder drei für die Beblumung dieses genügt. Es
sind unter denselben mehrere, die sich durch ihren Wohlgeruch empfeh
sen und wovon man wenigstens eine anbringen'sollte.
(Schluß folgt.)

Die Düngung des Untergrundes,
ernten zu erzielen.
Durch die flüssige Düngung der Obstbäume im Untergrunde kann
unmittelbar auf die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres eingewirk!
verden, wenn Anfang Juli und vor Eintritt des zweiten Saftes Gru⸗
hen um die Bäume ausgeworfen werden und mit Wasser verdünnter
Kloakendunger eingeschütlet wird. Der Erfolg zeigt, daß bei einiger⸗
maßen günstiger Witterung sich eine Menge Knospen zu Fruchtknospen
umbilden, welche sonst im folgenden Jahre nur Blätter erzeugt haben
würden: Ein solches Verfahren hat überraschende Resultate geliefert
während das sonst da und dort übliche Düngen der Bäume durch
bloßes Obenaufschütten von flüssigen oder flaches Eingraben von ge
wohnlichen Dungstoffen, meistens kein, oder nuͤr ein schwaches Resul
tat zeigt.
Eine Reihe alter Obstbäume auf dem Arxal des Pomologischen
Instituts zu Reutlingen (Württemberg) hatten im Wuchs namhaft
aachgelassen und lieferten auch nur sehr mitteimäßige Erträge. Im
Sommer 1862, wo sie ziemlich trugen, wurde Anfang August auf die
ben genannte Weife mit flüssigem Dünger (Grubendünger, Asche unt
Wasser) in der Art gedüngt, daß je 2 Löcher mit 3 bis 4 Fuß von
Stamm entfernt, rechts und links, etwa von 19/ Fuß Tiefe aufge
graben und in jedes eiwa zwei Gießkannen voll jenes Düngers ein
zeschüttet und dann die Gruben wieder zugefüllt wurden; der Erfolg
wat ein ganz wunderbarer. Im vorigen Jahre (1863) trugen sämmt
iche Birnen sehr reich, manche überal und zeigten zugleich durch neut
chöne Leitzweige, daß ein neues Leben in dieselben gekommen ist. Ende
Juli 1863 wurde dieselbe Düngung wiederholt und haben die Früchtt
dadurch, trotz der dort längere Zeit anhaltenden Dürre, eine hohe
Vollkommenheit erreicht, wie sonst nur in normalen Jahrgängen; da
»ei hingen sie sehr fest, so daß es nur ganz wenig Fallobst gab. Bei
nahe in der ganzen Umgebung fehlte es an Obst; die späte Kälte
welche die Bluͤthe traf, hatte sichtlich bei den nicht gedüngten Bäu—
men, die ebenfalls schön blühten, weit mehr geschader, als den ge
düngten.
du Am deutlichsten zeigen aber die Pyramiden den Erfolg dieser
duns In dem oben erwähnten Pomologischen Justitut befinder
Ah p mit Chairgeau, Louisebone d'Avranchts, Poire Peche ꝛc.
Age wunderschöne Früchte und in solcher Anzahl liefern, daß es
* enner in Erstaunen seßzt. Hier wurde Mitte Juli ebenfalle
— nd lints ein 1 Fuß tiefes Loch aufgegraben und jedem Bäum
wma zwet Gießeannen von obiaem arf verbdünnsem Dünger 34

ugeben. Sonst wurden diese Bäumchen nicht ein einzigesmal begossen
noch gedüngt.
Daß diese Düngung, wie Manche glauben möchten, auf den
Wohlgeschmack der Früchte einen nachtheiligen Einfluß gehabt hätte,
ließ sich in keiner Weise bei den gereiften Sorten wahrnehmen.
Daß bei unsern Obstbäumen der Untergrund es ist, welcher am
meisten der Düngung bedarf und daß eine Düngung der Oberschicht
des Bodens wenig Nutzen schaffen kann, ist leicht erklärlich und geht
aus der Lehre der Agriculturchemie (Licbig, die Chemie und ihre
Anwendung auf Agricultur und Physiologie, 1862) evident hervor;
daß aber der oben genannte angewandte Dünger der chemischen Zu—
sammensetzung des Holzes wie der Früchte unserer Obstbhäume vollkom—
men entspricht, geht ebenfalls aus den im genannten Werke aufgeführ⸗
ten Analysen zur Genüge hervor. Cloakendünger liefert Phosphorsäure,
Kali und Natron, —8 die Asche, Kali und Kieselerde, so wie
Kalk und sind somit sämmtliche für die vollkommene Ernährung der
Obstbäume erforderlichen Bodenbestandtheile und zwar in einem pas
senden Verhältniß dargeboten.

Miscellen.
Die Goldprodpetion der ganzen Er de wird im Banker's
Magazine folgendermaßen angegeben: „Seit der Entdeckung des Gol—
des in Californien im Jahre 1848 hat sich die Gold- und Silberpro—
duction vervierfacht. Im Jahre 1847 schätzte man die gesammte Gold—
produktion auf 61 Mill Dollars, wovon Rußland und Mexiko das
meiste lieferiten. Für das Jahr 1863 schätzt man die gesammte Gold⸗
production auf 270 Mill. Dollars. Nach genauen Erhebungen kommen
für das Jahr 1863 auf Nord- und Südamerika 96,350,000 Dollars für
Gold und 47,650,000 für Silber, zusammen 144 Mill. Dollars. Die
iährliche Goldernte von Californien nimmt man zu 60 Mill Dollars au

Werth des Ochsen⸗- und Kuhfleisches. Nach dem von
der franzosischen Central⸗Ackerbaugesellschaft über den Werth des Ochsen⸗
und Kuhfleisches erstatteien Gutachten soll ein innerer Unterschied zwi—
schen beiden nicht vorhanden sein. Die Fleischfasern der Kuh seien eben
so zart, ja noch feiner, als die des Ochsen. Jene erhielten noch mehr
Fleisch erster Güte als das letztere, und überall, wo die Kühe den
Ochsen gleichgehalten (verschnitten) und gemästet würden, seien die Preise
gleich. Der Grund, waͤrum Kuhfleisch in so geringem Ansehen siehe
und gewöhnlich auch schlechter als das Ochsenfleisch sei, liege darin,
daß die Kühe im höheren Alter geschlachtet, nicht gemästet und durch
Kalben und Milcherzeugung sehr angestrengt würden.
Literatur.
Die im Verlage von Carl B. Lorck in Leipzig erscheinende Illu
strirte landw. Zeitung hat sich die Aufgabe gestellt, ein Organ für
Ackerbau, Viehzucht, Gartenbau, Haus- und Forstwirthschaft, technische
Gewerbe ꝛc. zu sein, in! welchem der größere, wie der kleinere Grund⸗
besitzer, in praktischer wie in wissenschaftlicher Beziehung Alles finden
wird, dessen er bedarf, um sich in seinem Berufe auf der Höhe der
Zeit zu halten. Sie lirfert u. A. Abhandlungen über Land⸗, Haus⸗
Forst- und Volkswirthschaft, Garten⸗ und Weinbau, landw.technische
Bewerbe ꝛc. zu deren besserer Veranschaulichung dem Texte correkte
Abbisdungen beigefügt sind. Die für das Jahr 1864 bisher heraus⸗
gekommene Rummern der Zeitschrift entsprechen jenen Aufgaben voll—⸗
ommen; sie enthalten des Guten und Nützlichen viel, und bringen u.
A. Abhandlungen und Abbildungen über verschiedene ausgezeichnete
Viehracen, über Garent's Dampfdreschmaschine, Zug's verbesserte Mäh⸗
maschine, Wolf's Düngexstätte, Fischer's Hand-Rasenmähmaschine, Rohr
becks neue Häckselmaschine. Belgische Jätegeräthe und manches An—
dere, welches dem Landmann zur Belehrung und eigener Anwendung
dienen kann. V
Die Illustrirte landw. Zeitung, wovon wöchentlich eine Nummer
von mindestens 8 Seiten in gr. 4. zu dem Pränumerationspreise vor
vierteljährlich 20 Sgr. erscheint, verdient daher die beste Empfehlung
Bestellimqen darcuf nehmen oase Buscbhanbdsunge en

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