Man muß dabei Sorge tragen, daß man gute Witterung für die Ernte
wählt, und sollte es regnen, während die Halme ausgebreitet sind, so
nuß man sie einbringen und das Trocknen bei wieder eingetretenen
Sonnenscheine in der Nähe des Hauses vollenden, weil das Regen—
wasser die Farbe der Halme verdirbt.
Nach dem Trocknen bricht man nun dem Halme das oberste Glied
ib, nämlich den Halmtheil vom obersten Knoten bis zur Aehre, denn
aur dieser allein ist zum Flechten brauchbar. Darauf werden die Halm—
tücke nach ihrer Stärke genau sortirt und je nach dem Ausfall der
Ernte werden dadurch 5 bis 10 Sorten verschiedener Feinheit gewon—
nen. Dann kommen die verschiedenen Sorten, von einander gesondert
und auf Tücher ausgebreitet, an die Sonne, werden durch Gießen
mit reinem Wasser — gleich der Leinwand — so lange gebleicht, bis
iich das Gelbe fast in Weiß verwandelt hat. Man muß aber die Bleiche
zor Regen und Thau in Acht nehmen, also nur bei Tage und an
onnigen, warmen Tagen das Bleichen vornehmen, sonst erhält man
tatt des zarten Weißes ein Grau und das Snnoh wird fleckig. Sollte
hei der Vegetation des Weizens der Blattwuchs zu mastig erscheinen,
o bediene man sich des Schröpfens, welches hier so geschehen muß, daß
nan die Saat förmlich mit der Sichel abmäht.
Das Stroh wird gut bezahlt und da diese Cultur gerade armes
nand voraussetzt, so ist sie auch besonders für arme Gebirgsgegenden
oassend, wo der ärmere Mann, der die Ernte eines kleinen Ackerstückes
zut überwachen kann, entweder sein eigenes Land oder gepachtetes da⸗
zu verwerthen kann und natürlich den höchsten Gewinn davon zieht,
venn er im Stande ist, das Rohproduct selbst zu vexarbeiten.
—Z————————————PAUS2S8 uS
Eine neue Veredelungsmethode.
Das „Journal du Loiret“ enthält eine Nachricht über eine neue
und vortheilhafte Veredelungsmethode, die eine sehr wesentliche Modifi—
ation des Pfropfens in die Rinde ist, bei welchem die Krone
ibgeworfen und das Edelreis zwischen Holz und Rinde eingeschoben
vird. Die Verbesserung besteht darin, daß nicht, wie bei dem älteren
Verfahren beide Schnittränder, sondern nur der eine gelüftet wird,
um das Edelreis aufzunehmen. Das letztere kann 2 bis 6 Augen be⸗
halten, wird unten rehfußartig geschnitten und unter die gehobene Rinde
»er einen Seite geschoben, wobei man darauf sieht (und das ist sehr
wesentlich), daß der Schnittrand des Edelreises dicht an den Rand
des nicht gehobenen Rindentheils der Unterlage zu stehen komme. Wird
»iese Vorschrift recht exact ausgeführt, so vermischt sich das Cambium
er Unterlage mit dem des Edelreises ohne die geringste Unterbrechung
des Saftstromes und es kommt sehr oft vor, daß die in solcher Weise
ingesetzten Rosenreiser schon nach 2 bis3 Wochen mit Blumen geschmückt
und.
Bei diesem Verfahren kann man auch, wenn man sonst will, das
Abwerfen der Krone unterlassen. Dann macht man den Einschnitt in
»en Stamm in der Form eines Winkelhakens und verfährt im Uebrigen,
vie oben angezeigt. Ist die Krone weggeschnitten, so bedient man sich
ur Bedeckung der Wundflächen eines Pfropfwachses, welches aus
tindstalg und Schöpstalg zu gleichen Theilen zusammengesetzt ist. Man
ymilzt die beiden Ingredienzien über einem gelinden Feuer und rührt
um, bis sie sich beide mit einander vermischt haben. Für die Mo—
zate Juli und August wendet man ein härteres Pfropfwachs an, wel⸗
ocs aus Schöpstalg, gelbem Bienenwachs und rothem Bouteillenlack zu
ichen Theilen zusammengesetzt ist. Dieses Wachs läßt sich leicht zwi⸗
hen den angefeuchteten Fingern erweichen.
xy e
Die Zubereitung des kaltslüssigen Baumwachses
Kaltflüsfiges Baumwachs hat in der Anwendung bekanntlich außer—
adentliche Vortheile vor dem warmflüssigen, vorausgesetzt, daß es bald
chärtet, die Luft ganz abschließt und in der Sonnenhitze nicht wieder
assig wird. Nachstehend folgen einige Arten der Zubereitung,
) Man nehme 2 Loth gesiebte Holzasche, 6 Loth gelben Ocker,
Pfd. Bleiweiß und 6 Loth am Feuer zerlassenen Terpentin, reibe
s fein durcheinander und bewahre die dickflüssige Masse fest zuge—
aden in einem Topfe auf. Diese Salbe läßt sich mit einem Pinsel
iberall auftragen, verhärtet rasch und widersteht jeder Nässe und Son—
jenhitze. Bei Baumwunden wird das brandige Holz rein ausgeschnit—
en und die Salbe erst dünn, dann nach der Verhärtung nochmals
dicker aufgetragen, worauf rasche Heilung, resp. Verwachsung erfolgt.
2)1pfd. ordinäres gelbes Faßpech oder Fichtenharz wird zerlassen
und mit 6 Loth Weingeist, so lange es noch flüssig ist, gut vermischt
ind vor Zutritt der Luft in Flaschen oder Krügen aufbewahrt.
3) Der in Frankreich vielberühmte Leforrsche Mastix besteht
aus einem Theil flüssig gemachten Wachs, dem ebensoviel Fischthran
beigemengt ist.
4) 1 Pfd. Colophonium, auf dem Feuer zerlassen, wird mit 19/3
doth Rindstalg und einem Eßlofsel voll Terpentinöl vermischt; dann gibt
nan 6 Loth Spiritus (Weingeist) zu und bewahrt die Salbe vor dem
Zutritt der Luft.
Diese trefflichen Arten eignen sich ebenso gut zur Anwendung bei
Veredelung, als bei Wunden der Bäume, und ist dem warmflüfsigen,
das die betreffenden Holztheile austrocknet, weit vorzuziehen.
Technische Briefe.
Dresden, 4. Jan. Gautron's Centrifugalmaschine.)
Bei den Centrifugalmaschinen, die in der Minute 1500 — 2000 Um—
drehungen machen, verursacht bekanntlich die hohe U modrehungsgeschwin⸗
digkeit nicht selten Schwierigkeiten in der Anordnung der Fußlager,
Schwierigkeiten, die sich noch steigern, wenn des leichtern Füllens und
Leerens wegen die Welle keine Halslager erhalten darf. Es wird dann
die Welle nur durch die Platte in der Pfanne und durch deren Seiten—
wände gehalten, der Kessel schwankt um seinen Zapfen, bis er seine
Normalgeschwindigkeit erreicht hat und beim Ausrücken der Maschine
viederholen sich diese Schwankungen. Die seitlichen Pressungen, welche
auf die Pfannen in verschiedenen Richtungen und mit verschiedener
Stärke wirken, verursachen eine rasche und ungleichmäßige Abnutzung;
die Schmierung, die sehr reichlich sein muß, kann nur schwierig unter⸗
halten werden. Zur Abhilfe hat man mit mehr oder weniger Erfolg
die Metallpfannen durch solche aus hartem Holze, Horn ꝛc. zu ersetzen
gesucht; neuerdings aber wendet Gautron in Paris dazu den Ochsen⸗
ziemer (das männliche Glied des Rindes) an, eine Anwendung, die
sich schon bei 80 Maschinen, welche mit solchen von ihm geliefert wur—
den, wie Franzos. Quellen angeben, gut bewährt haben soll. Der
Ochsenziemer zeigt, wenn er getrocknet und quer durchgeschnitten wird,
in seinem Durchschnitte eine große Härte und besitzt die Eigenthümlich—
keit, daß er, in eine ölige Substanz getaucht, diese aufsaugt und mit
zroßer Beharrlichkeit zurückhält, so daß er nur unter sehr starkem Drucke
einen Theil davon wieder abgiebt. Die Construction, welche Gautron
eimem Schmierlager giebt, besteht darin, daß eine gußeiserne, außen
und innen unbearbeitete Schale die Lagerfutter und das Oelgefäß
aufnimmt. In dieser Schale, die am Boden des Mantels befestigt,
die stählerne, verticale Beiriebswelle concentrisch umgiebt, und an ihrem
Boden durch eine linsenförmige Platte von gehärtetem Stahle geschlos⸗
sen ist, ist durch radiale Arme ein cylindrischer Raum abgegrenzt, in
velchem eine Schicht Ochsenziemer durch Preßschrauben mittelst einer
dautschuckplatte und einer über letzterer liegenden Blechscheibe an die
tehende Welle angedrückt wird. Beim Gebrauche wird das ganze Lager—
utter durch die Preßschrauben angeuessen eingestellt, die Schale wird
nit Oel geflillt und dann die Maschine in Gang gesetzt. Wenn der
Kessel bis zur Erreichung seiner Normalgeschwindigkeit schwankt, so
ucht die Ochsenziemerplatte den Seitendruck, den sie von der stehenden
Welle erleidet, auf die hinter ihr liegende Kauischuckplatte fortzupflan—
zen; letztere gibt ihn durch ihre Elasticität wieder nach Innen zurück,
so daß alle Innenflächen der Ochsenziemerplatte unter gleichem Drucke
die Welle umfassen und das Oel, mit dem sie imprägnirt sind, gleich
mäßig abgeben.
F. (D. Ind.Ztg.)