Ueber das Staßfurter Steinsalzlager
zielt der Medicinalraih Dr. Mohr in Bonn am 4. Augusi in der
ohysikalischen Section der Niederrheinischen Gesellschaft füe Natur- und
Heilkunde einen Vortrag, dem wir Folgendes entnehmen;
Das Staßfurter Steinsalzlager ist dadurch merkwürdig, daß es das
einzige ist, welches beinahe sämmtliche Bestandtheile des Meerwassers
noch enthält. Nach der jetzt unbestrittenen Ansicht, daß alle Steinsalz⸗
lager durch Austrocknung abgefangenen Meeresbecken entstanden siud,
vuͤrden diese sämmtlich den ganzen Reichthum des Meeres aufzuweisen
zaben, wenn nicht bei der Eintrocknung die letzten Mutterlaugen wieder
n's Meer zurückgespült, aber nachher durch eingedrungenes Wasser fort
Jefüͤhrt worden wären. Das ist in der That in den meisten Fällen
Jeschehen, und Staßfurt ist dadurch ausgezeichnet, daß es bei ihm nich!
zgeschehen ist; bei'm Vertrocknen des Meerwassers scheidet sich zuerst der
anlöslichste Bestandtheil, der Gyps, aus, dann derjenige, welcher in der
— diejenigen Stoffe,
velche am leichtesten löslich sind und in der kleinsten Menge vorhanden
varen. Die Mutterlauge des Meeres besteht größtenthells aus Chlor—
nagnium und Chlorkalium, und bei einem großen Ueberschusse von
Thlormagnium krystallisirt eine Doppelverbindung beider Salze, welche
den Namen Carnallit erhalten hat, heraus. Wird dieses Salz noch
einmal geschmolzen oder gelöst, so krystallisirt reines Chlorkalium heraus,
welches ebenfalls als Silvin in Staßfurt vorkommt. Es geht daraus
hervor, daß die letzte Mutterlauge von Chlormagnium auch bei Staßfurt
verloren gegangen ist, und wahrscheinlich sind mit ihr auch die
Brom⸗ und Jodverbindungen abhanden gekommen, welche ebenfalls in
Staßfurt fehlen. Diese letzte Löͤsung von Chlormagnium mit sehr we
nig Chlorkalium und den Jodverbindungen trocknet unter keinen Um
danden ein und gelangt durch meteorische Wasser zurück in's Meer
Der Salzstock von Staßfurt ist bis auf 1053 Fuß Tiefe durchbohri
und noch hat man das Liegende nicht erreicht. Die zerfließlichen sog
Abraumsalze machen die oberste Schicht von etwa 100 Fuß Dicke aus
Diese Salze, welche früher als eine Belästigung angesehen wurden
bilden jetzt den größten Reichthum des Lagers, indem sie zum Preist
oon 9 Sgr. pr. 100 pfd. verkauft werden, während das Kochsalz zum
Preise von 1 Sgr. (in's Ausland) verkauft wird. Die Abraumsalze
hilden fast parallele, mannigfach gefärbte Schichten, deren Anblick wun—
dervoll ist. Der Carnallit ist in der Regel lebhaft roth gefärbt, da—
wischen laufen weiße Schnüre von Kieserit, nämlich schwefelsaure Bit
ererde mit 1 Atom Wasser, Polyhalit, ein Tripelsalz aus Glaubersalz
Bittersalz und schwefelsaurem Kali, Tachhydrit, ein Doppelsalz aus
Chlorcalcium und Chlorkalium, Anhydrit oder wasserleerer schwefelsaurer
stalk und endlich stellenweise Boracitknollen und Schnüre, welche aus
borsaurer Bittererde bestehen. Die Borsäure ist in kleiner Menge im
Meerwasser enthalten und wurde sich eben so wenig wie die Jodverbin—
dungen vorfinden, wenn sie nicht eine ziemlich schwer lösliche Verbin—
dung mit der Bittererde bildete. Sobald sich ein Kern von borsaurer
Bittererde gebildet hat, so ist er der Anziehungs⸗ und Niederschlagungs
ounkt für den gleichartigen gelösten Stoff. Die Boracitknollen haben
ĩch unstreitig lange nach der Ausscheidung der Kalisalze gebildet und
ind deshalb so mit ihnen verwachsen, daß man sie mechanisch kaum
scheiden kann. Auch haben noch andere Form- und Aggregat-Verände—
ungen in der bereits festen, aber noch mit Flüssigkeit durchzogenen
Masse stattgefunden, wie das Vorkommen von reinem Chlorkalium be—
veist, was sich aus der Mutterlauge niemals als solches absetzen kann
Bon den Meeresbestandtheilen fehlt ferner noch diejenige Menge Gyps,
welche dem Steinsalz entspräche. Sehr wahrscheinlich liegt ein bedeu—
endes Lager Anhydrit unter dem Steinsalz, so wie er auch in dünnern
dagen in den obern Schichten vorkommt. Alles Kochsalz des Lagers
reagirt stark auf Schwefelsäure. Der Gypsgehalt des Meerwassers
ist der Urstoff aller Schwefelverbindungen und alles Kalkes auf der
Erde. Er scheidet sich als wasserleerer Gyps oder Anhydrit aus, eben
o wie das Bittersalz fich nur mit 1 Atom Wasser und nicht mit 7
Atomen, die es im krystallinischen Zustande enthält, ausscheidet. Diese
Wasserentziehungen können nur in sehr langen Zeiträumen vollendet
vorden sein, da sich unter gewöhnlichen Umständen selbst bei Gegen
vart von Kochsalz wasserhaltiges Gyps bildet. Aus Anhydrit entstehn
urch Wasserentziehung Gyps und aller Gyps ist einmal Anhpdrit ge—
wesen. Dit Abraumsalze, mit allen dazwischen liegenden nicht trenn⸗
zaren fremden Salzen auf großartigen Kaffeemühlen grob vermahlen,
haben einen mittleren Gehalt von 16 bis 20 pCt. Chlorkalium, welches
hren Handelswerth macht. Bereits sind 13 große Fabriken mit der
Ausbeutung der Kalisalze befaßt und noch neue im Bau. Die bei
Staßfurt bis jetzt noch endende Eisenbahn macht ziemlich die Grenze
wischen Preußen und Anhalt; auf Preußischer Seite liegt die Stadt
Staßfurt und auf Anhaltischer Seite eine Anzahl dieser Fabriken, welche
usammen den Namen Leopoldshall führen. Die Zukunft der Kalisalze
—I—
Frankreich aus der Mutterlauge der Salzgärten wegen Staßfurt einge⸗
dellt werden müssen. Die nächste Arbeit für die technische Chemie ist,
aus Chlorkalium schwefelsaures und kohlensaures Kali zu gewinnen, so
»aß nicht nur das Bedürfniß der Industrie, sondern auch das des
Ackerbaues aus dieser vorläufig noch unerschöpflichen Quelle gedeckt
verden kann. Die Fabrikation ist sehr einfach. Das Abraumsalz wird
in großen eisernen Gefäßen mit Dampfzuströmung und Rührvorrichtung
zu einer gesättigten Losung verarbeitet, welche heiß abgeklärt in die
erystallisirbottiche abfließt, in welchen Chlorkalium anschießt. Es wird
ringestampft, wo nochmals Chlorkalium gewonnen wird. Zuletzt aber
entsteht von neuem künstlicher Carnallit. Wird dieser allein wieder
heiß gelöst, so scheidet sich wieder Chlorkalium aus. Offenbar haben
ähnliche Operationen in dem Salzstock schon früher stattgefunden, wo—
durch das reine Chlorkalium (Silvin) entstanden ist.
Ueber Fütterung der Bienen.
Vom Pfarrer J. H. Burr in Schlier.
Schluß.)
Nächst dem Honig bildet das Bienenbrod einen wesentlichen Be⸗
tandtheil der Bienennahrung, neben dem Nectar gleichsam das Am—
zrosia, um sich sowohl selbst zu stärken und vor dem Durchfall zu sichern,
als auch die Brut damit zu kräftigen. Sind nun die Honigzellen ge—
eert und die Bienen verlassen die oft mit häufigen Blumenstaubzellen
angefüllten Waben, ohne daß man solche in unmittelbare Verbindung,
d. i. zwischen volle Honigwaben bringen kann, so vertrocknen sie, wer⸗
den hart, kaunig und ungenießbar. Es ist also vortheilhaft, will man
sein Volk gesund erhalten, Honig in nicht gerade flüssiger oder brei—
veicher Form in und um solche Zellen einzugießen oder besser einzu⸗
)rücken, wodurch der Blumenstaub genießbar erhalten wird. Werden
iber solche Bienenbrodwaben, selbst honigleer, zwischen noch gedeckelte
Zonigwaben gesetzt, so wird solches Geschäft von den Bienen selbst in
lüssiger Form besorgt, wie man bald sehen kann.
Bei möglichem Flug der Bienen ist manch' andere Fütterungsart
gestattet, die sonst nicht rathsam wäre. Andere, wie Berlepsch, füt⸗
ern selbst bei Tag bei allgemeinem Flug, nicht bloß in den Morgen⸗
tunden, sondern auch zur Mittagszeit und Nachmittags, weil die Bie⸗
nien da ohnehin am lustigsten zehren, sodann auch um Drohnen und
unge Koniginnen zu einer bestimmten Zeit zum Ausflug zu nöthigen.
Wir tadeln dies um so weniger, als wir oft selbst solches zu thun ver⸗
inlaßt sind; aber wir können solches nur Jenen rathen, die 1) lauter
veiselrichtige und volkreiche Stöcke haben, 2) den Weiselabgang und
alle Unregelmäßigkeiten sogleich erkennen und Abhülfe leisten können,
zuch 3) die Geduld fleißiger Beobachtung haben und bei allen mög⸗
ichen Fällen sich zu helfen wissen. Daß durch unzeitige und besonders
»ffene Fütterung Räubereien und Metzeleien veranlaßt werden, ist nur
zu bekannt; aber man unterscheide zwischen Räuberei und Räuber—
abweisung, zwischen Metzelei und Metzelsuppe!
Was die Surrogaffütterungen betrifst, so steht der Candis zucker
oben an, der sowohl in trockener, als flüssiger Form jederzeit selbst zur
Deckelung im Herbste verwendet werden kann, obwohl es weit vortheil—
vafter ist, den braunen (sonst schlechteren) dem gelben (sonst besseren
ber starren) bei nöthiger Winter- oder Frühlingsfütterung vorzuziehen.
Von der Art der Beisetzung aber, wie von dem Volksreichthum hängt
aber meistens der rechte Genuß und Gewinn ab. Manche legen ihn
uur unten hin, hinten oder vorne, während das Volk bei kalten Tagen
ider Nächten sich zurückzieht. Manche legen ihn in Kappen oben auf