Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Auswahl bei der Zucht getroffen; ihre Lebensart sei zu rauh, jeder
Witterung ausgesetzt ec. In Rußland leben die Merinoschafe den größ⸗
len Theil des Jahres der Kälte wegen in Ställen; sie verlieren dadurch
die natuͤrliche Kraft des Schafes der gemäßigten Zone, auch hat die
Wärme keinen Einfluß mehr auf ihre Wolle, weil die Schur vor der
eigentlichen warmen Jahreszeit stattfindet. Die Folge sei eine zwar
veiche Wolle, aber von grobem Korne. In der Krim, wo das Klima
ein anderes, sei die Wolle mager, hart und trocken. Die deutsche
Wolle, und besonders die sächsische, heut zu Tage die erste in der Welt
in Bezug auf ihre Schönheit, Feinheit und Seidenhaftigkeit verdanke
ihre Eigenschaften der sehr strengen Auswahl bei der Zucht, einer
weckmäßigen Behandlung, einer weichen Weide und einem gemäßigten,
zher kalten als warmen Klima. Die australische Wolle sei zart und
iemlich weich, sie häbe einen guten Griff und sehe sich schön an, habe
ber weder Kraft noch Ausdauer. Theyssier findet die Ursache da—
bon darin, daß die Schafe auf den australischen Steppen zwar zu Zei⸗
jen Ueberfluß haben, zu anderen Zeiten aber der Trockenheit wegen
Mangel leiden und dann nicht gehörig in den Ställen gefüttert werden.
Ein großes Gewicht legt Theyssier auf die offenbar mit dem
Klima zusammenhängende Nahrung. Zu wässeriges Futter verändert
Janz besonders die Natur der Wolle, macht sie schlaff, mager und halt—
—DDD
stost im Allgemeinen räche fich bitter an der Wolle. Läßt man die
Schafe im Frühjahr (wie dies leider auch so häufig in Deutschland
geschieht) hungern, so wird die Untersuchung der Wolle zeigen, wie der
in der mageren Zeit gewachsene Theil der Wollfaser bläulichweiß und
zrüchig, der von der guten Zeit aber gelblich, milchweiß und kräftig ist.
Auf reichem Boden wachsen die schwersten Vließe, die gleichartigste, die
ängste, die kräftigste Wolle, aber, setzt Theyssier hinzu, nicht die
einste; dazu sei die Nahrung zu kräftig. Nichtsdestoweniger sei die
Production einer weniger feinen, aber reicheren Wolle vortheilhafter,
veil man da, wo die Bodencultur sehr vorgeschritten sei, auf diese Art
mehr erzeuge; auch in Deutschland komme man davon zurück, nur auf
Feinheit zu züchten. Die englische Merinowolle sei deßhalb wenig ent
prechend, weil dieses Land so feucht und gerade die Merinowolle die
Feuchtigkeit zurückhalte, so daß das Thier darunter leide.
Dr. C. Calvert bemerkt in seinen Vorlesungen über denselben
Gegenstand: Eine auffallende Thatsache ist die Leichtigkeit, mit welcher
sich der Typus einer Schafrace je nach Klima und Nahrung verändert.
So sind viele Versuche gemacht worden, das englische Schaf, dessen
Wolle sich durch seine Länge und Feinheit so sehr auszeichnet, in Frank
reich einzuführen. Nach vier oder fünf Jahren verliert aber die Wolle
ihre werthvollen Eigenschaften; die schlechtere Wolle, wie die des De—
ponshire Schafes, scheint dagegen durch Veränderung des Klima nicht
so sehr beeinflußt zu werden.

Ueber Fütterung der Bienen.
Vom Pfarrer J. H. Burr in Schlier.
Wir betrachten die Fütterung der Bienen immer als ein nothwen—⸗
diges Uebel, aus welchem indessen viel Ersprießliches hervorgehen kann
und muß, wenn es zur rechten Zeit und auf geeignete Art und Weise
rfolgt, auch bei Stöcken, die des Futters nicht nur benöthigt, sondern
desselben auch werth sind. Der echte Bienenwirth wird daher die Füt⸗
erung so viel als möglich vermeiden, überflüssig oder unschädlich machen
and dies geschieht am besten, wie schon der erste Apist, Freiherr von
Ehrenfels, lehrte, durch rechtzeitige Reduction oder Vereinigung zu
schwachtr, d. i. volk- und honigarmer Stöcke im Herbste, oder nöthigen—
ialls zu Frühlings-Anfang, sodann durch hinreichende Beigabe oder
Einsatz mit Honig gedeckelier Tafeln, sei es bei oben offenen Stülpen
im Haupte oder in Kappen, oder sonst auf der Seite bei Bauten und
Lagerstöcken. Der Beisatz muß aber nur auf eine Weise geschehen, daß
die etwa oben beigesetzten Honigwaben in unmittelbarer Verbindung mit
den unteren stehen, und nicht durch leere Waben von solcher Verbin—
dung getrennt find, wodurch die Bienen, weil bei Kälte verhindert, vor—
zurücken, oft bei vollen Honigwaben durch leere von diesen abgeschnit
en und dem Hungeriode preisgegeben sind. Aber auch bei Lagerstöcken

und Bauten ist diese Communication im Auge zu behalten, oder bei
intretender Kälte und Erfund von leeren und ausgesogenen Rahmen
nn der Mitte wieder durch Vor- und Nachrücken von ihnen unbesetzter
donigrahmen, besonders im Brutnest und bei nicht volkreichen Stöcken
verzustellen.
Das beste und gesundeste Futter ist daher jederzeit nicht der flüssige,
venn auch reine Honig, sondern der in den Zellen zugespundete mit
einem, wohlconservirtem Bienenbrod. Flüssiger Honig und die bekann⸗
en Surrogate sind nur zur Flugzeit anwendbar, zu welchem sie alsbald
durch den Genuß derselben gedrungen werden. Ist es aber außer der⸗
selben nicht anders möglich, so sollten solche Stöcke zur Aufnahme des
Honigs, der nicht zu spärlich gereicht werden darf, bis sie anfangen,
zu brausen, in eine wärmere, d. h. Zimmertemperatur gebracht werden
ind nachher zur Beruhigung wieder in Oehren oder kältere Temperatur
urückversetzt werden. Gar leichte Stöcke, die oft nicht einmal 12-518
pfund inneres Gut haben und überdies volksarm sind und nicht größ—
enthtils den ihnen zugemessenen Raum ausfüllen, zu füttern, ist Thor⸗
deit und Nachtheil erster Größe und zwecklose Honigverschwendung.
Vollends ruhrkranke Stöcke, die durch Kälte oder unzweckmäßige Füt⸗
serung schon leiden, weiter mit Futter zu pflegen, heißt sie zum als bal⸗
digen Verlassen ihres Stockes bei den ersten Sonnenstrahlen zwingen
uind die Räuber nöthigen, diesen Zwang ihrerseits zu vollbringen, um
etie Weide zu gewinnen. Bei Tage zu fuüttern, ist daher die allergün⸗
tigste Zeit für sie, bei so beschaffenen Stöcken. Die Nacht, sonst Nie⸗
nands Freund, ist den Bienen die liebste und beste Zeit zu dieser süßen
Arbeit der Honigaufnahme. Man spricht von speculativer Fütterung
m Frühlinge, um sichere Schwärme zu erhalten; aber die einzig spe—
zulative Fütterung ist im August oft bis October anwendbar, mit un⸗
interbrochener Fütterung bis zur Zellendeckelung; denn Stöcke, die solche
entbehren und nicht rasch an Gewicht zunehmen, schwärmen auch nicht.
Ztülpe sind leicht zu füttern, indem man sie umkehrt (wir setzen den
durch's Flugloch gegebenen Rauch voraus), schief hinhält oder stellt,
o daß alle Waben in wagerechter Richtung von dem Futterreicher ab⸗
tehen, und etwa 1 Schoppen Honig auf einmal zwischen die Waben⸗
zänge auf die ihm zugekehrten Zellen gießt, welche, da sie aufwärts
tehen, den Honig leicht aufnehmen, ohne daß beim Umkehren, um diese
Manipulation auch auf der andern Seite der Waben vorzunehmen,
elbst nicht einmal beim Hinstellen auf das Flugbrett, auch nur einige
Tropfen abfließen; und wenn auch, so sind die Bienen bald damit fer⸗
ig und für die Darreichung dankbar, indem sie sich um so schneller be⸗
ruhigen, je reicher solcher Segen ihnen zufließt. Solchen, welche sich
ürchten, volkreiche Stöcke zu allen Zeiten umzukehren, steht noch ein
inderer Rath zu Diensten, indem sie die 1“ dicken Flugbretter mit vier⸗
eckigem Ausschnitte der Mitte 1 Fuß tief ausschneiden lassen, so daß
der einmündende concave Eingang, welcher außerhalb in einer Hohl⸗
tehle schließt, ohne den Korb zu öffnen, zum äußerlichen Einguß des
Honigs dient, worauf vorne etwas untergelegt wird, bis der Honig
⸗on den Bienen aufgenommen ist.
Da rein ausgelassener Honig am Ende selbst bis zum Candiren
auch in den Geschirren sich verdickt, so ist solcher bei nöthiger Fütterung,
ohne mögliche oder zuträgliche Fluggestaltung, nach dem in Waben ver⸗
ichlossenen Honig das zweckmäßigste Fütterungsmittel, indem man ihn
in beliebigen Stücken aussticht und den Bienen, wo möglich, oben bei—
gzibt, sei es, daß man ihn unmittelbar auf die Waben oder auf die
inbedeckten Rahmen auf- oder in die Wabengänge einlegt. Manche
zlauben, der Honig müßte als Futter in allen Fällen erwärmt und mil
Wasser verdünnt werden, ja sogar lehren sie, alle Stöcke mit Mahl—
zeichen auf dem Boden (welche von den geöffneten Deckeln der Honig⸗
jellen, zum Theil von abgefallenen candirten Honigtheilchen und ande—
en Zellenverkürzungen herrühren) müßten und zwar mit flüssigem Ho—
nig gefüttert werden, was meistens weder nothwendig noch zuträglich
ist;, da solche Stöcke oft noch mit überflüssigem Honig versehen sind, oft
aur nicht in gehöriger Volkszahl, um den krystallisirten Honig zu er—
veichen, durch die Fuͤtterung aber in warmflüssiger Form sogleich zum
Flug und zur Reinigung gereizt werden, bei deren Verhinderung solche
Stöcke in eine schädliche Hitze versetzt werden und in dem unnatürlichen,
edem lebenden Thiere widrigen Zustand, in seinem rigenen Kothe zu
eben.

(Schluß folgt.)
            
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