Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

och für Manchen interessant sein, über die Gründung der Anstalt etwas
Näheres zu erfahren.
Bei den etwas hohen Preisen der Lebensmittel in den Anfange
850er Jahren, besprachen die Zeitungen ꝛc. stets die Mittel zur Ab⸗
zülfe des Uebelstandes, wobei denn die Errichtung von Speiseanstalten
eine Hauptrolle spielte, und wurde besonders eine Einrichtung derselben
zuf einer großen Fabrik in Sachsen rühmend erwähnt.
In dieser theuern Zeit kam nun einer unserer achtbaren Mitbür⸗
zer auf die Idee, auch hier, zur Abhülfe des Uebelstandes, eine solche
Anstalt in's Leben zu rufen.
Die allgemein bekannte Thätigkeit dieses Mannes ließ erwarten,
—
sernahm eine Reise nach Sachsen, besichtigte außer der obenerwähnten
Anstalt noch mehrere derartige Einrichtungen, und kam mit dem nöthi⸗
zen Material hierher zurück, um sich rüstig an's Werk zur Ausfluͤhrung
der Unternehmung zu begeben.
Die Sache wurde von den Einwohnern von Saarbräck und St.
Johann mit Freude begrüßt und in kürzester Zeit waren die nöthigen
Fonds durch 1000 Actien à Thlr. 2 gezeichnet,
Zur Einrichtung der Anstalt wurde ein Nebengebäude des Café
Boucher auf 10 Jahre gemiethet, und obgleich dasselbe nur ein leerer
Raum war, so konnte doch die zweckmäßige Einrichtnng, wie sich solche
heute noch in dem genannten Lokale, jetzt Herrn Saug gehörig, befin⸗
det, zu dem sehr mäßigen Preise von Thlr. 638 hergestellt werden, und
war so schuell, daß die Anstalt am 1. October 1855 schon eröffnet
verden konnte.
Die Räume bestehen aus einer großen hellen Küͤche, zwei großen
Zpeisezimmern, und den nöthigen Speichern und Kellern zur Aufbe⸗
vahrung der Vorräthe.
Die Anstalt hat sich durch ihre praktische Einrichtung und gute
Führung bis heute bewährt, und wenn sie auch keine Wohlthaten spen⸗
det, da sie sich bezahlen läßt, so hat sie dennoch einen moralischen und phy—
ischen Einfluß auf die Lebensweise der Arbeiter ausgeübt, indem sie zu
inem mäßigen Preise ein warmes gesundes Mittagsessen und in der
schlechten Jahreszeit ein warmes Zimmer gibt.
Nach dem Tode des Gründers der Anstalt, der sich bis zu seinem
Tode mit Liebe und Aufopferung dem Gedeihen derselben widmete,
varen zwei Männer an dessen Stelle getreten, die nicht minder die In—
eressen der Anstalt wahrten, die ihm aber auch bereits nachgefolgt sind.
Jetzt wird die Anstalt auf dem alten Fuße durch einen Verwaltungs—
rath und die Hülfe eines Vorstehers fortgeführt.
Bei dem schr mäßigen Preise von 8 Pfennigen für Suppe, Ge—
müse oder Fleisch, und 5 Pfennigen für Brod war es nur durch die
eingeführte Sparsamkeit und richtige Leitung möglich, nicht allein die
Anstalt ohne Verlust zu führen, sondern auch noch einen nicht unbedeu—
enden Reserve-Fonds zu bilden, der in ungünstigen Zeiten sich als sehr
weckdienlich erweisen wird.

(Schluß folgt.)

Der Sperling.
„Sperling ist Sperling“ hört man oft von Unkundigen ausrufen
Dem ist nicht so. Von dem eigentlichen Sperling gibt es 2 Arien,
zie man wohl von einander unterscheiden muß, wenn man den Nutzen
rinerseits und den Schaden andersecits, welche sie dem Landwirth und
Bärtner bringen, abwägen will. Diese Sperlingsarten sind der Feld⸗
oder Baumsperling und der Haussperling.
Der Feld- oder Baumsperling (Pringilla montana), auch Holz
nischel genannt, hält sich in Feldern und Gärten auf, kommt aber bei
veitem nicht in so großer Anzahl vor als der Haussperling. Jener unter⸗
cheidet sich von diesem dadurch, daß er in alien hohlen Obst⸗ und
Waldbäumen und Weiden nistet, den ganzen Sommer über seine Nah—
ung im Freien sucht und nur im Spätherbst und Winter sich in den
Döorfern und Höfen einfindet, wo er sich dann zu dem Haussperling
zesellt. Scine Nahrung besteht nebst allerhand Insekten in Feld- unt
Bartenfrüchten.
Diesem Halbbruder des Haussperlings ist ein sehr vortheilhaftes
Zeugniß auszustellen. Er ist ein stiller, friedlicher, genügsamer Vogel
und wird nur zur Saat und Erntezeit etwas schädlich. Sonst such
und vertilgt er nur Insecten, Würmer und Unkrauigesäme, wodurch

J

er jenen Schaden reichlich vergütet. Das Lob, welches dem Sperling
in Betreff des Nutzens gespendet wird, bezieht sich hauptsächlich auf
den Feldsperling. Allerdings kann derselbe, wenn er in übergroßen
Massen vorkommt, den Feldern zur Saat- und Erniezeit sehr schädlich
verden, aber Raubthiere mancher Art verhindern seine zu große Ver⸗
mehrung.
Dem Haussperling (Pringilla domestica) kann dagegen ein min—⸗
der günstiges Zeugniß ausgestellt werden. Derselbe wohnt nur in den
Orischaften und Gärten. Bei der großen Vermehrungskraft, welcht
in der Natur dieses Vogels liegt, indem er im Frühjahr und Sommer
223 Mal brutet und jedesmal 5—57 Junge aufzieht, welche zu un⸗
geheuern Schwärmen heranwachsen, wird der Schaden, welchen dieser
Sperling im Frühjahr, Sommer und Herbst in Feldern und Gärten,
and im Winter an den eingescheuerten Vorräthen anrichtet, sehr be—
trächtlich. Seine Einfälle in Felder und Gärten sind neben großer
Dreistigkeit überaus listig; dabei greift er immer nach dem Besten und
ist stets auf seiner Hut. Den Strichen, welche er einmal angenommen
hat und wo sich die ganzen in einem Orte befindlichen Sperlingsfa⸗
nilien in einem großen Schwarm vereinigen, schadet er besonders sehr,
namentlich zur Zeit der Getretideernte.
Diefes ungünstige Zeugniß wird dem Haussperling auch von allen
randwirthen und Gärtnern ausgestellt. Von den vielen kursirenden
Lharakteristiken dieses schlauen Spitzbuben soll im Nachstehenden nur
ine angeführt werden, welche sich in Nr. 16, Jahrg. 1858 des „Praki.
Wochenblattes“ befindet. Es heißt daselbst:
„Die Naturforscher erwähnen nur beilaufig den Schaden, welchen
der Haussperling den Getraidefeldern und Gärten zufügt, und zwar in
er Art, daß jener Schaden den Nutzen übersteige, welchen dieser Sper⸗
ing dem Landwirth und Gärtner durch Vertilgung schädlicher Insecten
ind deren Larven bringe und damit ist ihm denn ein ziemlicher Freipah
uusgestellt, sein Unwesen überall und offen zu treiben. Bei nur geringer
Nachstellung und Verfolgung ist der nichtsnutzige Vogel der Proleta⸗
ier unter den Vögeln, überall so ziemlich freigekommen; man setzt seiner
ibergroßen Vermehrung deshalb kein Ziel, weil ihn die Naturforscher
ür mehr nützlich als schädlich erachten. Man sagt zwar, die Natur
)abe dem Sperling viele Feinde gestellt, welche dessen übergroße Ver⸗
nehrung beschränkten, hat aber nicht bedacht, wit selten diese Thiert
auf ihren Streich⸗ und Schleichzügen einen Sperling berühren, da die⸗
ser seine Verstecke stets so zu wählen pflegt, daß dieser seinen natür—
ichen Verfolgern kaum zugänglich sind. Vertilgten Raubvögel, Iltis,
Wiesel, Marder u. s. w. wirklich viele Sperlinge, so würde deren Ver—
nehrung nicht in dem Grade zunehmen, daß sie zur Saat⸗ und Erntr⸗
eit in großen Schaaren vorhanden wären und so bedtutenden Schaden
mnrichteten. Raupen zu suchen ist zu muͤhsam für den faulen Schwätzer,
der vom frühen Morgen an lieber sich mit seines Gleichen herumzankt.
Die Singpvögel, die eigentlichen Insectenvertilger, verziehen sich, wo der
reche Sperling sein Wesen treibt. Er neckt diese Vögel, wenn er sie
zur erspähen kann, auf höhnische Weise und treibt seinen Muthwillen
nit ihnen; er wagt fich felbst mit liederlichen Gelüsten in das ftille,
äusliche Leben der kleinen Sänger und vertreibt nicht selten auch die
nütziiche Schwalbe aus ihrem Neste. Im Winter freilich, namentlich
vei Schneefall, ist er demüthig und heuchlerisch, um das Mitleid des
randmanns zu erregen; er spielt dann den Beitler. Ist aber der
Winter vorbei und Aussicht zum Stehlen vorhanden, so wird er wieder
zer prahlerische, neckische hinterlistige Vogel.“
Daß der Sperling ein Erzspitzbube ist, wird Niemand läugnen
ünnen, ebenso, daß er nur dann auf den Fang schädlicher Inseeten
zusgeht, wenn ihn die Noth dazu treibt, wenn sich ihm keine Feld—
ind Gartenfrüchte darbieten. Fehlen ihm diese zu seiner Nahrung,
dann wird er unbestritten dem Landwirih und Gürtner durch Ver—
ilgung zahlreichen Ungeziefers und Unkrautsamens nützlich und aus
iesem Grunde kann man den Haussperling nicht zu den absolut
chädlichen Vögeln zählen. Aus diesem Grunde darf man aber auch
teinen Vernichtungskrieg gegen ihn anstellen, sondern man muß sich da—
cauf beschränken, ihn, wenn er sich zu sehr vermehrt hat, einigermaßen
zu vermindern, übrigens aber von denjenigen Gegenständen, welchen
er Schaden bringt, abzuhalten. Der Abwehrungsmittel gegen ihn hat
nan viele, woren ausgestepfte Raubrögel und Katzen, Schenchen,
Blasscherben ꝛec. die besten sind.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.