Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

aus verschiedenem Material vorgenommen werden könnte, ohne daß es
einer Correction auf die Normaltemperatur bedürfte.
Eine solche Temperatur, welche in der Mitte zwischen denen liegt,
bei welchen die Vergleichungen der Normalmaaße ausgeführt zu werden
pflegen, als Normaltemperatur zu wählen, hat schon die Commission
des poids et mesures, welche das metrische System zu enwerfen be—
rufen war, als zweckmäßig anerkannt. In dem Bericht, welchen diese
Commission dem Institut national des sciences et arts am 20. Prairial
an 7. abstattete, findet sich nämlich folgende Stelle Gase möétrique III
643): „Mais puisqu'aucun métal ne conserve constamment la même
longueur, et que difféêrens métaux éprouvent des changemens différens
 par les mêmes variations de température, il conviendrait de
faire ces étalonages au dixième ou au quinziè me degrèé du thermomètre
 centigrade, puis qu'alors une variation de dix degrés dans la
température, variation qui produit ou le froid à peu près glacial, ou
un assez grand degrèé de chaleur, ne ferait différer entre eux des
mètres, faits de difserents métaux, que de 3/,00 de millimètre, s'ils
sont F'un de fer et Pautre de platine, et de 6/500 de millimètre, s'ils
sont de laiton et de fer.“
3. Neben der strengen Durchführung der decimalen Theilung in⸗
nerhalb des metrischen Systems ist der in demselben vorhandene einfache
Zusammenhang zwischen den Längen-, den Hohl- und Gewichtsmaaßen
als ein besonderer Vorzug desselben vor allen andern Maaßsystemen
hervorgehoben worden. Es bildet nämlich der Würfel, dessen Seite
rein Decimeter ist, der folglich 1,000 Cubik-Centimeter enthält, und als
Lditer bezeichnet wird, die Einheit für alle cubischen oder Hohlmaaße
und das Gewicht des destillirten Wassers, welches diesen Würfel be
der Temperatur der großten Dichtigkeit des Wassers, d. i. bei 400.
füllt, bildet die Einheit des Gewichts, das Kilogramm.
Da das Meter für Od bestimmt ist, die Seite des Würfels folg
lich bei derselben Temperatur gemessen werden muß, so ist hier die selt—
same Aufgabe zu lösen, daß der Inhalt eine höhere Temperatur haben
soll, als die Wände des Gefäßes. Es braucht wohl kaum erwähn
zu werden, daß das Gewicht des Kilogramms auf die Weise bestimmt
worden ist, daß man das Gewicht irgend eines genau ermittelten Vo—
lumens destillirten Wassers bei irgend einer Temperatur bestimmt und
daraus, nachdem die erforderliche Correction für die Temperatur ange—
bracht worden, das Gewicht des Cubik-Decimeters berechnet hat. Aber
verwundert fragt man sich, weßhalb die Commission des poids et mesures,
 welche aus den bedeutendsten Physikern und Mathematikern der
damaligen Zeit bestand, verschiedene Temperaturen für die beiden
Maaßeneinheiten zu Grunde gelegt und das einfache Verhältniß zwischen
vängenmaaß und Gewicht in ein höchst complicirtes verwandelt hat
Es scheint nur die Neuheit der Thatsache, daß das Wasser seine größte
Dichtigkeit bei einer höheren Temperatur als 00 hat, gewesen zu sein,
welche diese auffallende Bestimmung veranlaßt hat. In dem oben be
reits erwähnten Berichte, welcher dem Institut national erstattet worden,
wird nämlich die Wähl der Temperatur der größten Dichtigkeit des
Wassers, als Normaltemperatur für das Gewicht mit folgenden Worten
motivirt: Le ciloyen Lefévre-Gineau a encore fait sur ce sujet (d. i.
über die Dichtigkeit des Wassers bei verschiedenen Temperaturen) des
expériences qui seront publiées en détail. Elles sont infiniment
prècieuses pour notre objet puisqu'elles nous prouvent que la nature
nous présento un état de l'eau non seulement constant, mais mème
unique, celui ou elle a un maximum de densité, d'où il suit que
cet èétat unique seul doit servir de mesure aux autres qui sont va-—
riables.
Man begreift jetzt schwer, wie man damals solchen Gründen Raum
geben konnte. Bei der in Aussicht stehenden Einführung des metrischen
Systems wird man sie gewiß nicht können gelten lassen. Aber auch
der Umstand, daß in Frankreich die beiden abweichenden Temperaturen
seit Einführung des metrischen Maaßes gesetzlich bestehen, kann keinen
Grund abgeben, sie beizubehalten und als gesetzliche Bestimmungen zu
wiederholen. Man wird vielmehr gut thun, diese Inconsequenz zu be—
seitigen, und man wird dies unbedenllich thun können, indem man eine
und dieselbe Normaltemperatur für das Maaß sowohl wie für das
Gewicht zu Grunde legt. Würde man z. B. die Temperatur von 0
wählen, und es würden auf Grund dieser Bestimmung mehrere Kilo—
grammgewichte hergestellt, so würden diese ohne Zweifel größer

Abweichungen unter einander darbieten, als durch die Verschiedenhe
der Normaltemperaturen um 40 wären herbeigeführt worden. Es han
delt sich daher hier nur um eine Declaration, welche auf die in da
Verkehr kommenden Maaße und Gewichte gar keinen Einfluß üle
würde, bei wissenschaftlichen Vergleichungen aber, bei denen es ohneh
schon immer verschiedener Correctionen bedarf, leicht berücksichtigt wu
den könnte.
Es wäre sogar möglich, daß selbst die franzbsische Regierung ein
olchen Declaration beiträte, um die Inconsequenz in dem sonst so co
equent durchgeführten metrischen Systeme zu beseitigen und eine vollstä
dige Uebereinstimmung mit den Staaten herbeizuführen, welche d
ranzösische System anzunehmen bereit sind.
Blickt man auf die erwähnten Mängel zurück, so bleibt, wennd
uletzt erwvähnte durch Annahme einer einzigen Temperatur für di
Bewicht, wie für das Maaßspystem beseitigt ist, nur das fehlende einfac
Verhältniß zwischen dem Wegmaaße und dem Gradbogen als ein nmi⸗
zu beseitigender Mangel übrig. Allein dieser ist nicht bedeutend gem.
am ein Motiv gegen die allgemeine Einführung dieses Systems abs
geben, dessen Vorzüge allseitige Anerkennung gefunden haben, und de
owohl von der berathenden Bundescommission, als von dem intern
ionalen statistischen Congreß als besonders geeignet für ein allgeme
einzuführendes Maaß- und Gewichtssystem bereits empfohlen worde
(Zeitsch. d. statist. Büreaus.)

Das Flechtstroh.
Von Prof. Langenthal in Jena.
Die feine Strohflechterei ist ebenso einträglich, als sie einen sichen
ind nachhaltigen Gelderwerb bietet; denn so lange noch unsere Dam
Strohhüte tragen, bleibt die Consumtion höchst bedeutend. Was f
zroßartige Geschäfte in Strohflechterei gemacht werden, dafür bie
Wien ein sprechendes Beispiel, das jährlich alle Damen des Kaisr
reichs mit neuen Hüten versieht. Gar nicht unbedeutend ist jetzter
Fabrikation auf dem Schwarzwalde. Anfangs verarbeitete man d
französisches Stroh, aber schon vor zwei Jahren hat man die Prod
cion desselben selbst versucht und sind die Resultate höchst günstig ar
gefallen. Das badische Stroh ist ebenso fein als das franzöfische,
den gleichen Atlasglanz, übertrifft aber das französische durch das b.
dende Weiß seiner Farbe.
Die Production des Flechtstrohes ist eine Art von Weizenba
indessen von unserm gewöhnlichen Weizenbau total abweichend, w
hier nicht Körner, sondern nur zarte Halme erzielt werden sollen.“
der Tultur überhaupt kommt es nicht sowohl darauf an, welche Pfla
en man cultivirt, als vielmehr, was man an der Pflanze erzielt, u
iernach richten sich zumeist die Regeln des Anbaues. Bei dem Flech
troh sind die Aehren ganz verkümmert, es gehört ein scharfer Kem
dazu, um in dem Flechtstroh unsern gemeinen Sommerweizen wied
zu erkennen, weil man keine Körner, sondern nur einen feinen egal
Halm gewinnen will.
Wir haben zwei Arten von Sommerweizen, beide sind weiß v.
h»egrannt; der eine hat behaarte Spelzen, der andere unbehaarte, gla
und glänzende. Dieser letztere ist der gemeine, den man überall anba
vo der Winterweizen nicht mehr mit Sicherheit geräth, und er ist
gerade, den man nur allein zum Flechtstroh benutzen kann.
Der Anbau ist im Ganzen einfach genug. Man wählt einen m
Jeren, warmen und leichten Boden, am besten ein Sandland, welch
nur so viel Kraft hat, um die Halme in's Schossen zu bringen. D
sen bearbeitet man, wie für den Sommerweizen zu geschehen pflegt, si
auch zu der Zeit, wenn man denselben bestellt, aber sechsmal dicht
als wenn man gewöhnlich säet, und bringt dann die Saat durch Rech
»der durch Eggen ebenso wie anderes Getreide ein. Eine dichter
Saat als eben angegeben, schadet nichts, wohl aber eine schwächet.
Auch muß das Land so beschaffen sein, daß es ohne gedüngt zu wi
den, Halme hervorbringen kann; eine frische Düngung darf nicht sta
inden. Ist nun die Saat so weit gekommen, daß die spärlichen Ke
ner der Aehren in der Milchreife stehen und die Halme zu bleick
anfangen, so schneidet man die letzteren ab, trocknet sie, flach auseine
gelegt an der Sonne und bringt sie dann bündelweise unter Ob
            
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