schöpft werden kann ẽ und liefert nicht der verwitternde Fels, g
Grundschutt und Geröllschutt, in feinen Minexaltheilen stetigen Er—
31 — Worin besteht denn die so sehr gefürchtete nachtheilige Wir⸗
ing des sogenannten Untergrundes? Werft ihn am's Licht, setzt ihn
a Einwirkungen der Luft, des Regens, des Frostes aus, behandeli
en mit Kalk und Stallmist, drainirt den Boden, wo er naß ist, und
er gefürchtete Untergrund wird sich in wenigen Jahren in eine recht
uchtbare Ackerkrume verwandelt haben. Ist dies nicht eine Methode,
„elche wir Landwirthe vielfach und namentlich in Oberschlesten mit
berall ganz gleichem Erfolge anwandten? Ist es nicht überhaupt die
indheit, in der sich unsere Methode der Bodenbearbeitung noch be⸗
indet, ist es nicht der Mangel im Erkennen der wirthschaftlichen Ge⸗
etze, welche die Anwendung von genügendem Kapital hierbei behindert,
enen wir die Fesseln, in denen sich unsere Production noch bewegt,
uzuschreiben haben? Brechen wir also diese Fesseln!
Dazu gehört vor Allem, daß wir die Phrase hinter uns lassen
ind uns an die Thatsache halten, daß wir die Gesetze, auf denen die
khatsachen beruhen, erkennen lernen und die wirthschaftlichen Folge⸗
ungen daraus zu ziehen wissen. Brechen wir also zunächst mit der
zohlen Phrase des Raubbaues, der Möglichkeit der Erschöpfung an
Nintralbestandtheilen in unserem Boden, die Folgen werden wichtig ge⸗
iug sein.
Nehmen wir als Grundprinzip bei unserer Bodenbearbeitung an,
naß in erster Linie die Verwitterung der Mineralstoffe durch die Be
rdeitung geleitet wird, ferner, daß durch die Verwesung der dem Bo—
)en zugeführten, oder in demselben bereits vorhandenen organischen
Zestandtheile die Verwitterungsproducte noch weiter aufgelöst, vollstän⸗
»ig gahr und für die Pflanze faßbar gemacht werden, resp. in leicht⸗
osliche Salze übergehen, so finden wir bei einigem Nachdenken unter
terücssichtigung der physikalischen und klimatischen Verhältnisfe für einen
eden dem Bexiebe vorliegendem Boden die geeignete Methode der
Bearbeitung sehr leicht auf.
Geben wir sodann erst in zweiter Linie zu, daß stellenweise eine
eitweilige Erschöpfung der bisherigen Ackerkrume, nicht aber des ge⸗
ammten Bodens, an manchen Mineralstoffen wirklich stattfinden kann,
o finden wir die Lösung der wirthschaftlichen Frage: „ob die directe
Zufuhr von fehlenden Mineralstoffen rechnerisch räthlich erscheint“, ersi
zann auf der Hand liegend, wenn der Bedarf nachgewiesen wurde, so—
vie nachdem festgesetzt wurde, daß die Kosten des directen Ersatzes mit
dem Werth des dadurch erzielten Erzeugnisses in einem solchen Ver—
zältniß stehen, daß bei einem derartigen wirthschaftlichen Gebahren sich
in nachgewiesener Nutzen herausstellt.
Immer aber handelt es sich bei uns Landwirthen zunächst um die
tösung der im Boden vorhandenen Pflanzenernährungsmittel, denn die
Ertragsfähigkeit unserer Felder hängt davon ab, daß wir für jeden
Wirkungsmoment von Aufnahme der Saat ab die Wachsthums⸗ und
Reifeperiode hindurch einen genügenden Vorrath davon beschafft haben.
Je reicher der Vorrath, desto größer die Fruchtbarkeit und resp. der
Ertrag. Die Lösung der im Boden vorhandenen Pflanzenernährungs—
nittel setzt aber voraus, daß alle dem entgegenstehenden Hindernisse be—
joben sind. Mit Entfernung der Nässe, der Säure, der Steine, einer
zu großen Losigkeit des Bodens ꝛc., muß also jede Cultur da, wo es
aothwendig ist, beginnen.
Jede Bodengattung verlangt demnach eine nach ihrer Zusammen—
setzung und den daraus hervorgehenden Eigenschaften, sowie nach dem
yerrschenden Klima fich richtende eigenthümliche Behandlungsweise, resp.
Bearbeitung, deren Zweck es ist, so viel Pflanzenernährungsmittel, als
in einem gegebenen Raummaß Zeit für den Anbau einer gegebenen
Tulturpflanze und deren vollständige üppige Entwickelung nöthig sind,
aufzulösen und vollkommen gahr und faßbar für die Pflanzen zuzu—
bereiten.
Selbstverständlich und aus allen Folgerungen unserer vorliegenden
Abhandlung hervorgehend ist es, daß die Bearbeitung und diejenigen
Arbeiten und Zufuhren, welche wir mit dem Wort Düngung bezeichnen,
gleicherzeit und gemeinsam zunächst den Zweck haben, die Lösung und
Zubereitung der Pflanzenernährungsmittel zu fördern — einfach bezeich—
net, eine derartige Beschaffenheit in der Ackerkrume herbeizuführen, wit
'olche sich der Gärtner im Composthaufen schafft.
Dies ist der Kern der Frage von der landwirthschaftlichen Boden⸗
ultur, deßhalb bearbeiten und dlingen wir den Acker. Die Ermittelung
ZHes Ersatzes kommt erst in zweiter Linie in Betracht, wie solcher noth⸗
vendig erfolgen kann, haben wir den Forschungen der Chemiker zu
überlassen.
A. Stockhardt liefert im „chemischen Ackersmann“, Jahrgang
1857, Nr. 1 folgend Uebersicht:
— Phosphorsäure —8 Kali Kieselerde
Pfd. pid. Pfd. Pfd. Pid.
4800 4100 30,000 83800 2400
Kerstenbruch 30 Jahr stark gedüngt
derstenbruch 30 Jahr ohne Dung in
Culturꝛ.... 43300 — 25,000 1900 4800
Mecklenburger Lehmboden.28600 2000 29,000 2600 3400
Mecklenburger Sandboden.900 1529 23,000 2100 2100
Limburger Heideboden, uncultivirt 2800 550 34,400 1100 2700
Belgische Cambine 10 Jahr Cultur 1870 550 11,300 — 28900
Desgleichen, uncultivirt... 700 500 900
Der Jahresbedarf beträgt nach neueren Forschungen bei der Drei—
felderwirthschaft: pr. Morgen ca. 7,3 Pfd. an Phosphorsäure, 10 Pfd.
in Kali und Natron, 15 Pfd. an Stidstofs. — Bei der Vierfelder⸗
virthschaft: pr. Morgen ca. 10,1 Pfd. an Phosphorsäure, 37,5 Pfd.
in Kali und Natron und 32 Pfd. an Stichkstoff.
Bei einem Fuß Tiefe ist also der Vorrath in den besseren Boöden
zuf Jahrhunderte hinreichend, nehmen wir den Untergrund hinzu, so
angt derselbe auf Jahrtausende — abgesehen von aller directen Zu⸗
uhr, und hinzugerechnet den Ersatz des Stickstosses aus der Atmosphäre.
Je mehr die an unserem Boden anhaftenden Naturkräfte bei diesem
Beschäft zur Ausnutzung kommen, desto niedriger sind die Herstellungs⸗
osten der landwirthschaftlichen Producte. Dieser wissenschaftlich fest⸗
tehende und überhaupt in seiner Einfachheit unleugbare Satz bietet sv
vichtige praktische Folgerungen, daß es wahrlich als unbegreiflich er—
cheint, wie die moderne Landwirthschaft in ihrer Lehre vom Ersatz das
Begentheil davon behaupten konnte. Können wir der Quelle das Trink⸗
vasser ersetzen, welches wir ihr entnehmen? Wohl Niemand wird dies zu
»ehaupten unternehmen. Wohl aber kann es unsere Sorge sein, die Hin⸗
dernisse zu entfernen, welche das Strömen der Quelle beengen, die Be⸗
dingnisse zu erhalten, von denen aus die Quelle ihre Existenz hat.
Ebenso ist es mit dem Boden und seinen Kräften.
Die Praxis aller der Männer des landwirthschaftlichen Grwerbes,
velche in den letzten Jahrzehnten durch ihr Gewerbe reich wurden,
war daher eine vernüpftige, wenn solche durch eine energische Cultur
die an ihren Grundstücken anhaftenden Naturkräste fessellos machten.
Die Praxis der Zukunft wird immer mehr unentgeltliche Natur⸗
kräfte zur Durchführung einer möglichst energischen Cultur herbeiziehen
und wird zur Entfesselung, resp. der Kräfte unseres Bodens keinerlei
Kosten scheuen. Es wird an Zersetzungs⸗ und Losungsmitteln nicht
fehlen, und dürfte sich hierbei herausstellen, daß viele unserer sogenann⸗
en Hülfsdüngemittel, deren Zufuhr wir jetzt mit großen Kosten bewerk⸗
delligen, einfache Lösungsmittel waren, welche auf billigerem Wege zu
ersetzen sind. Der Dampfgrubber zur Tiefcultur wird schon in naͤchster
Zeit mit der Spatenarbeit erfolgreich concurriren.
Das Erkennen der wirthschaftlichen Gesetze, von denen der land⸗
wirthschaftliche Betrieb ebenso genau, wie ein jeder andere Betrieb über—
haupt abhängt, bedarf zunächst eine Vereinfachung der Ideen unserer
heutigen modernen Landwirthe.
Der Wegfall der Phrase, die Anerkenunng der nackten Thatsache
und in ihr der mathematischen Wahrheit, das Aufhören des Rechnens
mit größtentheils nur halbverstandenen oder überhaupt nur halberwiese—
nen chemischen Floskeln, gegenüber der Beweis führung aus der Summa
der bekannten Wirkungen erines Falles, einer Thatsache, muß nothwen⸗
digerweise vorhergehen, bevor die Gesetze der Natur in ihrer Einfach—
zeit verstanden und angewendet werden können. Der Mensch in seinem
Betriebe mit der Ausnutzung seiner körperlichen, geistigen und sittlichen
dräfte unterliegt aber als Naturproduct ebenfalls unabänderlich den
infachen Gesetzen der Natur. Nichts fördert die Erkenntniß der einem
jeden Betrieb zu Grunde liegenden wirthschaftlichen Gesctze mehr, als
venn die Organisation und die Controle correct, d. h. auf factischen
Verhältnissen fußend, geleitet werden.—
(Zeitschr. f. veutsche Landwirthe.)