zuf Erkennen fußende und nach logischen Gesetzen geregelte Wissen,
nicht die Grundlage der Praxis des Gewerbes ist, sondern daß die
praxis vielmehr auf der ortlichen Erfahrung fußt, und von da aus
hre Hülfsmittel des Bewriebes erkennt, und nur gelegentlich und nach
weiflicher Ueberlegung ein oder das andere Experiment macht, welches
aielleicht anderwärts glückte, und daher von den Lehrern des Gewerbes
uur Anempfehlung kam, welches aber nur dann wieder glücken wird,
venn die Verhältnisse gleich sind.
Wir wissen, daß alle Stoffe mit ihren Kräften in meßbaren Zeit⸗
aäumen unerschöpflich sind. — Licht, Luft, Wasser! welche menschliche
Zraft, kann diese Stoffe erschöpfen, oder das Aufhören der an sie ge⸗
undenen Naturkräfte denken, ohne gleicher Zeit an das Ende aller
rdischen Dinge zu gelangen! Weßhalb soll es mit dem Erdboden und
den daran haftenden Kräften anders sein? Die Ackererde ist der zer—
rümmerte und verwitterte Fels, wird der Fels und die Erde in meß—
jarer Zeit fehlen? oder ist es denkbar, daß die Naturkräfte, welche an
ie Bestandtheile des Erdbodens gebunden find, je erschbpft werden
önnen!
(Schluß folgt.)
Ueber Weinbau.
In der am 2., 3. und 4. Juni v. J. zu Neustadt a. d. Haardi
tattgefundenen Wandersammlung der bayerischen Landwirthe kam un⸗
er den zur allgemeinen Discussion gestellten Fragen auch folgende vor:
„‚Welchen Einfluß hat der Bau der Weinberge, die Anwendung des
Düngers, die Zeit der Lese und die Behandlung der Weine im Keller
auf die Qualität? Und welche Erfahrungen haben sich bewährt, dem
Weine seine Jugend zu erhalten?“
Herr Anwalt Golsen aus Zweibrücken erbffnete die Berathung
mit einem höchst interessanten Vortrage über die einzelnen Theile dee
Frage. Derselbe bemerkte, daß diese den ganzen Weinbau umfasse.
Die Pfalz stehe im Weinbaue erhaben da! Wo Weine 1000 Liter
à 7/8 preuß. Quart) zu 5000 fl. und der Morgen (11/3 preuß. Mor⸗
gen) Weinberg um 10,000 fl. verkauft werden, müsse der Betrieb ein
bollkommener, alle Verhältnisse dem edleren Weinbau günstig sein.
Nachdem der Redner den Weinbau der Pfälzer speciell dargelegt, reih—
en sich die Vorträge der Herren Buhl von Deidesheim, Schatten
mann von Landau und Dr. Herth von Heidelberg an. Alles Ge—
agte zusammengefaßt, gibt nach der „Pomona“ kurz Folgendes:
Die Erfahrung hat es vielfach bestätigt, daß Weinberge, deren
Bearbeitung des Bodens vernachlässigt wurde, sich nicht nur in der
Qualität, sondern auch in der Quantität des Ertrags verminderten
deberall da, wo der Boden nicht hinlänglich gelockert wird, wo alse
zer Dünger nur schwer sich zersetzen kann, wo die Saugwurzeln nich
zehörig zu arbeiten vermögen, wo die Absorption von Feuchtigkeit
duft und Wärme vermindert ist, und in Folge dessen eine starke Ver—
unkrautung im Weinberge vorherrschend ist, da können die Trauben die
erforderliche Güte nicht erreichen und der aus ihnen gekelterte Wein
nicht gehaltreich werden. Es ist deßwegen der Bau der Weinbergt
als das hauptsächlichste Mittel zur Erhöhung der Qualität der Weinc
u betrachten.
An allgemeinen Regeln sind in dieser Hinsicht zu beachten, daß man
»esonders im Frühjahre, wenn in der Rebe neues Leben erwacht, mi
aller Sorgfalt den Boden und zwar tief baut. Das dabei einzuhal
eende Verfahren hat sich übrigens nach Lage, Klima, Boden und Wit
erung zu richten, und ist demgemäß oft in einer und derselben Ge—
narkung abweichend zu behandeln; jedenfalls ist aber die Lockerung des
Bodens während der besseren Jahreszeit wenigstens dreim al vorzu—
iehmen.
Auch der Dünger ist nicht ohne mächtigen Einfluß auf die Qua—
ität. Wie eine jede Pflanze, so entzieht auch der Weinstock dem Bo—
den gar mancherlei Bestandtheile, die man ihm wiedergeben muß, wenn
er nicht ertragsunfähig werden soll, und um den Ertrag der Weinberge
zur höchsten Möglichkeit zu steigern, muß man den Boden an jenen
Bestandtheilen entsprechend bereichern. Fest ausgesprochen hat sich in—
dessen der Satz: daß man den Weinberg nicht nur zu düngen habe,
am den Boden für die ihm entzogenen Weine, Reben, Blätter Ersatz
u bieten, sondern auch, um ihn geschickt zu machen, Feuchtigkeit auf—
sunehmen und Wärme durch die Zersetzung des Düngers in sich zu
ntwickeln.
Für schweren, kalten, wenig thätigen Boden eignet sich am besten
zuter Stallmist, der gleich im Herbste beigebracht werden muß; für
eichten Boden sind pulverige Dünger vorzuziehen. Letzteren bringt man
im besten in möglichst aufgelöstem Zustande an die Stöcke. Flüssige
Dünger, namentlich Jauche, haben sich überall besonders wirksam er—
viesen. Die Jauche muß indessen vor ihrer Anwendung mittelst eines
zeeigneten Stoffes neutralisirt werden. Am besten eignet sich dazu auf⸗
gelöster Eisenvirriol. Man löst denselben in einem Kübel oder Zuber in
Wasser auf und setzt die Auflösung der zu verwendenden Jauche zu.
Man muß aber jedesmal, auch wenn man mit Jauche düngt, die Feuch⸗
igkeit mit Erde überscharren, damit nichts verdunsten kann. — Die
lüssigen und gelösten Dünger bringt man dem Weinstocke am besten
m Monat März bei; aber es hat sich durch viele Erfahrungen als
vöchst erfolgreich erwiesen, wenn man nicht auf einmal, sondern mit
der Hälfte oder einem Drittel im Monat März, mit der anderen Hälfte
oder dem Drittel gleich nach dem ersten Hacken und mit dem letzten
Drittel düngt, nachdem die Trauben verblüht haben.
Sehr interessirte die Berührung folgenden Punktes. Durch den
Dung, namentlich frischen, wird in vielen Böden dem Weine der so⸗
genannte Böcksergeschmack, der manchen Personen widerlich ist,
veigebracht. Ja es gibt Lagen, wo der Wein durch den Einfluß des
Bodens, besonders in Kies, einen eigenthümlichen Geschmack, Blume,
erhält. Durch diese Thatsachen kam man auf den Gedanken, ob es
uicht möglich sei, durch mineralische Beisätze den Boden in der Art
zerzustellen, daß auch ein anderes, vielleicht beliebiges Bouquet in dem
zaselbst zu erzeugenden Weine hergestellt werden kann? Wird es durch
zewisse Düngerarten erlangt, wie die Erfahrung lehrt, könnte Aehn⸗
iches auch durch gewisse Grundsätze und betreffende Anwendungen ge⸗
chehen. Daß in Deidesheim eine blaue Basalterde mit erheblichen
Kosten von Zeit zu Zeit in die Weinberge gebracht wird, ist bekanm
oder wenigstens sichtbar. Welchen Einfluß hat diese? Es scheint, daß
oiele der Anwesenden ihre Geheimnisse im Weinbaue der Versammlung
nicht darlegten, ob mit Recht — steht dahin. Man wehrte sich gegen
eden Zusatz, der dem Weine zur Verbesserung der Qualität ertheilt
verden könnte, und dennoch herrschen allgemein große Zweifel, ob die
hbesten Weine der Pfalz ohne Zusatz geblieben sind. Diese Sache ist
zu delikater Natur, als daß sie in solcher Versammlung berührt werden
könnte. Vom Gallisiren fiel auch kein Wort, wahrscheinlich, um den
ürchterlichen Sturm abzuhalten. Ob aber doch nicht manche Wein⸗
zutsbesitzer sich im Geheimen die Hände reiben!
Ein trefflicher Antrag fand Beifall, daß nämlich tüchtige Chemiker
nit Männern der Praxis sich vereinigen sollen, um den Erfolg der
Bährung des Weins von verschiedenen Lagen mehrerer Jahre und in
der Temperaiur verschiedener Keller genau zu constatiren, damit endlich
gewisse Sätze festgestellt werden können, welche die vortheilhafteste Be—
»andlung des Weines im Keller an die Hand geben. — Allgemein ist
nan der Ansicht, daß ein Uebereilen der Behandlung im Keller ebenso
als eine zu frühzeitige Lese der Qualität der Weine Abtrag thut. Nur
eine sachgemäße gute Behandlung, namentlich in kühlem Keller, ist ge⸗
ignet, dem Weine seine Jugend zu erhalten.
Vermischtes.
Laubstreu und Erdstreu. Im Herbste 1862 ließen wir einen
Morgen mittleren Lehmbodens zur Hälfte mit Mist, gewonnen durch
raubstreu, und zur Hälfte mit einer gleich großen Menge von Mist,
zewonnen von Erdeinstreu, düngen und das Feld über Winter iu rau—
her Furche liegen. Im Frühjahr 1863 pflanzten wir beide Stücke mit
Kartoffeln ein und ließen darauf Weizen folgen. Da derselbe kürzlich
zedroschen wurde, so sind wir nun in der Lage, die Mittheilung zu
nachen, daß wir von dem mit Erdstreumist gedüngten halben Morgen
863 nicht nur 111,2 Ctr. Kartoffeln mehr erhalten hatten, sondern
864 auch 28/. Ctr. Weizen mehr ernteten, als von demselben Mar—
jen, dem wir Laubstreumist gegeben hatten.