Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

lungsbeträgen unter und bis zu einem Thaler der einfache Satz des
dandbriefbestellgeldes, und erst darüber hinaus der zweifache Satz in
Anwendung kam.
Berlin, den 7. Dezember 1864.
Der Minister für Handel, Gewerbe u. öffentliche Arbeilen,
Graf von Itzenplitz.

Bekanntmachung.
Evangelische Hauscollecte.
Der Königl. Oberpräsident der Rheinprovinz hat mittelst Rescripts
oom 28. v. Mis. Nr. 9444 gestattet, daß zur Abbürdung der Kauf—
gelderschuld für das evangelische Bethaus in Berncastel eine evangelische
Haus⸗Collecte in der Rheinprovinz durch Deputirte innerhalb der Frist
bis zum 1. Augustek. J. abgehalten werde. Indem wir dies zur
Kenntniß bringen, veranlassen wir die Königlichen Landrathsämter, die
Ertrags⸗Nachweise bis zum 1. Sepiember k. J. an uns einzureichen.
Trier, den 7. Dezember 1864.
Königl. Regierung.

I. 5696. 8. 5.)

Bekanntmachung.
Dem katholischen Schulverwalter Jakob Herrmann ist die erste
dehrerstelle in Kleinblittersdorf commissarisch überragen worden.
Trier, den 9. Dezember 1864.

I. 5757 8. 5.)

Königl. Regierung.

Steckbrief.

Die nachstehend bezeichneten, wegen Raubmord verhafteten Fe—
sungs⸗Reservisten Otten, Dalms und Just sind in der Nacht vom
11. zum 12. d. Mts. aus dem hiesigen Militär-Arresthause entwichen

Die moderne Landwirthschaft.
Von R. Pohlenz.
Der alte Gerike erzählte im Anfange dieses Jahrhunders in sei⸗
nen dickbändigen landwirthschaftlichen Erfahrungen, wie er seine land⸗
wirthschaftliche Praxis damit begonnen habe, daß er bei so und so viel
alten Weibern zwei Jahre hindurch im Sommer die Aufsicht zu führen
hatte, und im Winter ihm über drei Tennen nebst darin beschäftigten
Dreschern die Inspection oblag. Gerike berichtet ferner, daß so be—
schäftigt mit der Langeweile allmälig das Gefühl des Verdummens
über ihn gekommen sei; — bis endlich ein alter Viehwärter sich seiner
annahm und ihn privatim in die Geheimnisse der praktischen Land⸗
wirthschaft einführte. — Gerike wurde bekanntlich später ein sehr tüch—
iger und wohlhabender Landwirth, bei dem also der Unterricht des
alten Viehwärters ganz gut angeschlagen hatte.
Gerike war ein Zeitgenosse A. Thaer's! — In diesen weni—
gen Worten liegt ein Geheimniß und zwar ein bis jetzt noch nicht auf
geklärtes. Beherrscht die Praxis die Wissenschaft, oder ist es umgekehrt,
wird die Praxis von der Wissenschaft beherrscht?
A. Thaer trug englische Erfahrungen nach Deutschland, und be—
gründete hier darauf fußend die Lehre von der Wechselwirthschaft; —
er selbst war in seiner eigenen Wirthschaft in Möglin bekanntlich durch
aus nicht strenger Wechselwirth. Wer von uns, die wir jetzt wirth⸗
schaften, hörte nicht eine oder die andere Feldpredigt, wer von uns
nahm nicht Antheil an irgend einer der vielen Versammlungen, welche
bisher berufen waren, schätzbares Material zusammenzubringen und zu
registriren? Wer von uns.las nicht seiner Zeit das Guanobüchlein oder
beschäftigte sein Denken nicht mit Stickstoff und Phosphorsäure, Kali,
Natron ꝛc.? Wer von uns kennt nicht die Vertreter der neuen Rich—
jungen in der modernen Landwirthschaft mindestens aus ihren Schrif
zen, und beschäftigte nicht sein Denken mit den da aufgestellten Forde—
rungen und Hypothesen? Ist es aber bis jetzt gelungen, bei den Tau
senden von Versuchen, welche zur Begründung der neuen Lehren in
allen Culturländern Europas angestellt wurden, nur hundert davon zu⸗
sammenzustellen, welche übereinstimmend das Eine oder das Andere als

und bis jetzt nicht wieder zurückgekehrt, resp. wieder eingebracht worde
Sämmtliche Civil- und Militärbehörden werden daher dienstergeber
ersucht, auf dieselben vigiliren, sie im Betretungsfalle verhaften un
hierher abliefern zu lassen.
Coblenz, den 15. Dezember 1864.
Königl. Commandantur-Gericht

Signalement des Wilhelm Otten.
Geboren am 20. April 1836 zu Glenel, im Regierungsbezt
Töln, Haare schwarz, Stirn frei, Augenbrauen schwarz, Augen schwa
Nase gewöhnlich, Mund gewöhnlich, Bart fehlt, Kinn und Gesich
hildung rund, Gesichtsfarbe blaß, Zähne vollständig, Gestalt gep
Sprache deutsch, besondere Kennzeichen keine, Größe 5 Fuß 7 Zol—
Signalement des Theodor Just.
Geboren am 31. Mai 1839 zu Wesel, Kreis Rees, Regierun
bezirk Düsseldorf, Haare blond, Stirn frei, Augenbrauen blond, Aug
grau, Nase proportionirt, Bart (Schnauzbart) roth, Kinn spitz, G
sichtsbildung länglich, Gesichtsfarbe roth und gesund, Zähne vollständ
Gestalt schlank, Sprache deutsch, besondere Kennzeichen keine, Größe
Fuß 5 Zoll 2 Strich.

Indem ich vorstehenden Steckbrief wider die Festungs-Reservin
Wilhelm Otten und Theodor Just (da Dahms inzwischen ergrihf
worden ist) zur Kenntniß der Polizeibehörden des Kreises bringe,
suche ich, den ꝛc. Otten und ꝛc. Just im Betretungsfalle zu verhe
len und mir vorführen zu lassen,
Ich bemerke hierbei, daß der ꝛc. Otten, neueren Mittheilun
zufolge, einen Bart tragen, jedoch das Kinn glatt rasirt haben soll.
Saarbruͤcken, den 17. Dezember 1864.
Der Königliche Landrath,
v. Gärtuer.

apodictisch gewiß bestätigen? Deutschland wurde mit landwirthschaft
lichen Akademien und Lehranstalten übersäet. Gelang es bisher Einer
der vielen Lehrer, Einem der Tausende von Zöglingen einen neuen fü
die Praxis des Gewerbes verwendbaren Gedanken, ein neues Hülft
nittel für dasselbe aufzufinden? Gelang es überhaupt allen diesen, st
einem halben Jahrhundert fortgesetzten unerhörten Anstrengungen d
Wissenschaft mit der Praxis zu versöhnen und in Einklang zu bringer
Belang es ferner, das Gesetz aufzufinden, auf welchem die Bearbeitun
des Bodens fußen kann? Welches überall und unter allen Verhä
nissen den Schlüssel bieten könnte, um diese einfache praktische Fra
e nach der Oertlichkeit zu lösen und alles Experimentiren überflüs'
zu machen, sowie das Gefühl der Unsicherheit zu beheben, welches au
den erfahrensten Landwirth ergreift, wenn er unter neuen Verhältniss
zu wirthschaften beginnt? — Nein und abermals nein. —
Der Gelehrte, wenn er als Landwirth zu wirthschaften begar
nachte bisher überall und allerwegen nur sehr unglückliche und verlu
hringende Experimente, bis er endlich praktisch wurde, d. h. von allt
Erperimentiren abließ oder solches doch auf ein Minimum von Vi
uuchsfeld beschränkte und in Gerike's Manier seine Studien
nachen begann.
Der Akademiker, wenn er die Akademie verlassen, hat in den m
den Fällen das Unglück, daß alle seine Pläne bei der Ausführung
—VD
Lage, sein eigenes Capital im Betriebe verwenden zu können, so sit
er dasselbe sich schnell vermindern, ungeachtet sein Betrieb schulgerec
zgeleitet wird. Ist dies nicht der Fall, und war irgend ein Capitalb
aitzer so unvorsichtig, sein Capital dem im correcten Schulbegriff b
findlichen Verwalter anzuvertrauen, so sind in der Regel für die nät
sten Jahre des Betriebes die Renten von sehr zweifelhafter Natur, br
endlich das auf der Schule geweckte Denken hier auch die rechten We—
nur in der Erfahrung findet.
Es ist gewiß, daß heute noch trotz der 50jährigen Anstrengun⸗
ee Wissenschaft und die Praxis des landwirthschaftlichen Gewerb
nur nebeneinander fortbestehen, daß daher die Wissenschaft, resp. d
            
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