des Hanfbaues bedeutend vermehri werden. Hier läßt sich aber nach
dem Rathe eines berühmten landwirthschaftlichen Schriftstellers durch
in sehr gutes Auskunftsmittel ein doppelter Vortheil erzielen. Man
ungibt nämlich nicht allein die Kohl- und Gemüsepflanzungen, sondern
Werhaupt auch die Ränder der Hackfruchtfelder, so viel möglich ist, mit
einzelnen Reihen von Hanfpflanzen, die man am besten mit einer Hand⸗
säemaschine säet und mit der Hacke auf die gewöhnlichen Abstände lich⸗
et. Die solchergestalt einzeln emporgewachsenen Hanfpflanzen entwickeln
ich außerordentlich üppig und schützen nicht allein die Felder gegen
Raupenfraß, sondern bringen auch noch sehr vollkommen ausgebildete
Samen in großer Menge hervor, aus welchen sämmtlich wieder Pflan⸗
en entstehen, welche den Charakter ihrer Art treulich behalten.
Guter Hanfsamen hat eine bräunliche Farbe, ist glänzend, schwer,
„oll und greift sich nicht leicht. Seine Keimkraft behält er nicht länger
Als ein Jahr, weßhalb der Ankauf des Hanfsamens stets eine mißliche
Sache bleibt.
Saatzeit und Menge der Aussaat.
Der Hanf wird im Mai gesäet, wenn keine Frühlingsfröste mehr
u befürchten sind. Will man feines Gespinnst erzielen, so säet man
zicht; legt man es aber darauf an, viel Hanfsamen zu bekommen, so
nuß man dünn säen. Der Spinnhaf wird gewöhnlich breitwürfig ge—
iet; man legt, wo das Femeln üblich ist, die Ackerbeete nicht zu breit
in, damit jenes Geschäft leicht und ohne Nachtheil für die übrigen
pflanzen ausgeführt werden kann. Das Hanffeld wird vor dem Säen
bgeeggt, dann wird gesäet und der Same flach untergeeggt.
Je nachdem man es mehr auf den Bast oder auf Samengewin—
nung absieht, säet man in
Württemberg auf einen Morgen 3!2—8 Simri,
Baden n 7212 Sester,
Hessen F 2—31/, Simmer,
Bayern auf ein Tagwerk 3—4 Metzen.
Pflege der Saat.
In den eigentlichen Hanfländern wird der Hanf in seiner frühesten
Jugend behackt, auch entfernt man durch vorsichtiges Jäten das Un—
raut. Bei uns bleibt er vom Zeitpunkte seines Aufgehens an sich
elbst überlassen, Dem Hanf schaden starke Winde, und noch mehr der
dagel. Mit einem vom Hagel betroffenen Felde kann man, wenn der
danf zur Zeit des Hagels noch nicht höher als 14 Zoll gewachsen ist
den Versuch machen, den Hanf 4 Zoll hoch über dem Boden vollstän—
zig abzuschneiden; es ist alsdann Hoffnung vorhanden, daß sich aus
dem Wurzelstock neue Stengel entwickeln, welche möglicherweise noch
zinen reichen Ertrag der verhagelten Felder liefern. Unter den Unkräu
sern schaden dem Hanfe am meisten die Flachsseide und der sogenannt—
danfwürger, auch astige Sommerwurz und Erdenwuͤrger genannt.
Ernte.
Wenn man recht feinen Hanf bekommen will, so rauft man ihn
sehr frühe aus, sobald der Femelhanf abgeblüht hat und gelb zu wer—
den beginnt. Bei diesem Verfahren bekommt man freilich wenig oder
gar keinen tauglichen Samen. Man zieht daher in der Regel zuers
den Femelhanf aus, und die Samenträger erst dann, wenn der Same
zeif is. Die Stengel werden auf dem Felde in Hütten oder Haufen
handvollweise aufgestellt und getrocknet. Nach etlichen Tagen wird der
Same zu Hause ausgellopft. Das Rosten und die übrigen Verrich
ungen sind dieselben, wie beim Flachs.
—ADD —
Bast von den Stengeln ab und nennt ihn Schleißhanf.
Mittel gegen die Klauenseuche der Schafe.
Nachstehendes Mittel gegen die Klauenseuche der Schafe ist be
einer großen Einfachheit und Billigkeit von der größten und heilsam—
ten Wirkung. Referent hat damit seine an Klauenseuche leidende
Heerde in ganz kurzer Zeit gänzlich geheilt.
Die Zubereitung und Anwendung dieses Mittels ist folgende:
a) Zubereitung.
In einem eisernen Topfe werden ein Weinglas voll heißen Was⸗
ers mit 31/, Loth concentrirter Schwefelsäure vorsichtig, um zu starkes
Aufbrausen zu vermeiden, vermischt, hierauf in diese Mischung 3 Ein⸗
ofennigstücke und dasselbe Gewicht Zinkspäne hinzugethan.
Nachdem sich der Zink aufgelöst hat, entfernt man die in dieser
Mischung nicht ganz auflöslichen Pfennigstücke und ist damit die Her—
tellung des genannten Mittels vollendet.
b) Anwendung.
Nachdem die scharfen Spitzen und Kanten, die eiterigen und losen
Theile der Klauen des Thieres sehr behutsam und ohne jede Blutung
durch ein Messer entfernt worden sind, werden die so gereinigten und
heschnittenen Klauen ein⸗, oder am folgenden Tage zum zweitenmal be⸗
trichen.
Eine nochmalige Wiederholung wird selten nöthig werden. Ein
cecht tr ockener Stand der Thiere darf aber auch bei Anwendung die—
ses Mittels wie bei ähnlichen nicht versäumt werden.
Dr. Mz3. B.
Vermischtes.
Baumwolle. Der Pariser „Const.“ weist darauf hin, wie
egypten in den ersten 8 Monaten d. J. nach England 43 Millionen
Filogr., nach Frankreich 19 Mill. Kilogr. Baumwolle, zusammen 302
Mill. Fres. an Werth eingeführt habe, während noch vor einigen Jah—
ren die Quantität, welche Aegypten nach Europa lieferte, kaum in Be⸗
tracht gekommen sei, und behauptet, daß man die Ernte in Aegypten
füt's Jahr 1864 ohne Uebertreibung auf 500 Mill. Fres. veranschla⸗
gen könne. — In mehreren türkischen Provinzen ist die Baumwollen⸗
ernte durch Regenwetter so gut wie vernichtet worden. — Aus Texas
meldet man neuerdings, daß die Baumwollenernte außerordentlich gut
ausgefallen sei und etwae! /« Mill. Ballen betragen möge.
Herstellung eines Signals, durch welches sich Eisenbahn—
Passagiere im Nothfall von ihrem Coupè aus mit dem Schaffner oder
Bremser in Verbindung setzen können. Ein für diesen Zweck von
zinem Engländer, E. Tattersall, erfundener Mechanismus besteht
aus einer Drahtkette, welche über die Passagiere im Innern des Wa⸗
gens hinläuft und beiderseits an einer Hemmfeder befestigt ist, die,
durch einen starken Ruck an dem Drahte aus ihrer Stellung gezogen,
außen am Wagen jederseits einen weißen Stab, der an der Spitze
nit einem in die Augen fallenden Knopfe versehen, hervorspringen und
außerdem auf eine kupferne Glocke einen Hammer aufschlagen läßt;
der solchermaßen hervorgebrachte laute Klang kann durch wiederholten
Ruck an dem Drahie beliebig oft erzeugt werden, bis des Schaffners
Aufmerksamkeit erregt und durch die hervorragenden weißen Stäbe auf
das bestimmte Coupè gelenkt worden ist.
Helles und weiches Oberleder zu erzielen. Gerber ha—
hen schon öfters die Frage aufgeworfen, wie der Kalk vollkommen rein
nach dem Streichen des Oberleders und vor dem Einbringen desselben
in das Loh entfernt werden könne. Ein alter erfahrener Gerber er⸗
theilt folgenden sehr guten Rath. In eine graße mit 15 bis 20 Ei⸗
mern Flußwasser gefüllte Kufe bringe man einen Schoppen Salzsäure
und etwa 10 Maß schlechte Sauerbrühe aus einem Ziehfasse oder einer
Treibfarbe; nachdem das Wasser gut umgerührt ist, bringe man die
jut bestrichenen Häute oder Felle hinein und stoße sie darin etwa eine
Viertelstunde. Nach Verfluß einer ganzen Stunde herausgenommen,
ist die Waare sehr glatt und weich, weil die letzten Kalkreste daraus
entfernt sind. Das erstt Loh im Ziehfasse soll ebenfalls kein frisches
sein, dech kann es nach dieser Procedur auch angewendet werden, ohne
daß es nachtheilige Folgen fur die Milde und helle Farbe des Leders
oerursacht. (Reuchling's Lederhandlung.)