Man soll die Mittelstraße halten, indem man von einem Bache oder
Flüßchen einen Graben abzweigt und in eine Grube oder Weiher führt,
die freilich am besten ausgemauert wären, in welche dann der Flachs
eingelegt wird, der so in stehendem Wasser liegt, über welchen aber
durch einen Abzugsgraben doch wieder einiges Wasser langsam abfließt
und so die Schichten gewechselt werden. Der Flachs darf nicht mil
der Grabenwand in Berührung kommen und deßhalb werden die nur
ein Fuß dick mit Stroh gebundenen Büschel senkrecht und dicht neben
einander in einen oder mehrere Lattenkästen eingestellt, ins Wasser ge⸗
senkt und oben mit Steinen beschwert, damit sie niemals trocken liegen
Die Zeit der Röste ist je nach der Wärme des Wassers und der
Luft sehr verschieden. Sie kann bei sehr warmer Witterung in vier
bis fünf Tagen schon, bei kalter oft erst in zwei bis drei Wochen vol—
sendet sein. Deßhalb ist der Flachs von Zeit zu Zeit wohl zu prüfen
und zu sehen, ob er gar geröstet ist, d. h. ob der Bast sich ganz ab—
schält und der innere Holzkörper beim Biegen des Stengels knackend
zerbricht. Ist dies der Fall, so wird der Flachs aus der Grube gezo—
gen, in reinem Wasser abgespült und auf Wiesen oder Weiden in Boo—
sen aufgestellt und getrocknet; ist er erst halb geröstet, so wird er noch
zwei bis drei Wochen lang ausgebreitet gelegt, worauf er dann aufge—
hoben, getrocknet und zu Hause weiter verarbeitet wird. In Amerika
vendet man heiße Wasserdämpfe an, um in Zeit von 42 Stunden den
Flachs vollig zu rösten. Auch in England ist dies eingeführt.
Nach der Röste wird der Flachs bekanntlich noch an der Sonne
oder auch mit Hilfe des Feuers gedörrt und auf der Breche bearbeitet.
Dem Brechen folgt das Schwingen und Hecheln und erst jetzt kann er
zesponnen werden.
Die feinsten Garne sollen namentlich im Ravenburgischen gespon—
nen und von da nach Barmen, Elberfeld ꝛc. versendet werden, wo sie
zebleicht und zubereitet und dann zu Leinwand verwebt werden oder
aks Zwirn in den Handel kommen. Auch die feinsten Brabanter
Spitzen werden aus Leinengarn geklöppelt, und es ist erwiesen, daß
nan aus einem einzigen Pfunde Flachs auf diese Weise an 7000 fl,
erlosen kann.
2) Der Hanf.
Der Hanf wird vorzugsweise wegen des Bastes seiner Stengel
der zu mannigfachen Zwecken verwendet wird, angebaut. Das aus
dem Hanf gesponnene Garn ist zwar etwas grob, hat aber eine großt
Festigkeit, so * fich kaum ein anderes Material zu Tauwerk und Se
geltuch mit Aussicht auf gleiche Dauerhaftigkeit verwenden läßt. Allein
das Gespinnst aus Hanf wird vielfach auch zu häuslichem Gebrauche
oerwendet, in manchen Ländern sogar mehr als das Gespinnst aus
Flachs; endlich bedürfen des Hanfes viele Gewerbe. Ein alter Spruch
sagt: Mit dem Hanf werden
Schiffe gelenkt,
Glocken geschwenkt,
Betistellen verschränkt,
Diebe gehenkt.
Der Hanfsamen gibt Oel, das als Speisebl, zur Malerei, als
Brennöl, zur Seifenfabrikation und auf vielfach andere Weise benützt
werden kann. Als Vogelfutter ist der Hanfsamen ein nicht unbedeu⸗
ender Handelsartikel, und zwar wird er nicht allein den Stubenvögeln
gefüttert, sondern nicht selten auch dem Hofgeflügel, wenn man dasselbe
zu frühzeitigem und reichlichem Eierlegen bringen will. Gemüse und
Kohlgewächse können durch einige Hanfstengel vor Raupenfraß gesichert
werden. Dice Raupen sowohl, als auch die Schmetterlinge scheuen
nämlich den Geruch der Hanfpflanze dermaßen, daß einige um die
Beete gesteckten Pflanzen genüügen, die ganze Pflanzung vor den Ver—
heerungen der Raupen zu schützen.
Der Hanf erreicht eine verschiedene Höhe: auf einem kraftlosen,
schlechten Boden und bei ungünstiger Witterung kann er bloß 12
Fuß hoch werden; auf gutem Boden und bei günstiger Witterung aber
erreicht er eine außerordentliche Höhe und Dicke. Je höher und dicker
brigens der Hanf wird, desto rauher ist gewöhnlich auch sein Bast.
Prachtvoller Hanf wird gebaut im Rheinthal, auch in Bayern und an
einigen Orten des Innthales, auch in Schwaben und Franken, und
in einigen Ländern an der Ostsee und Weser wird schöner Hanf ge
vonnen.
Arten des Hanfes.
Man baut bei uns nur eine einzige Hanfart. Beim Hanf s
vbekanntlich die Befruchtungswerkzeuge auf verschiedenen Pflanzen; ti
Art Stengel trägt den Samenstaub und an einer andern Art bildet
der Samen aus. Diejenigen Stengel, welche den Samenstaub trag
heißen Femel, Femelhanf.
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Klima und Boden.
Weil der Hanf ein sehr rasches Wachsthum hat, so ist er bezu
iich des Klima's nicht sonderlich schwierig;, doch begünstigt eine mi—
uind feuchte Temperatur seine Vegetation, treibt seine Stengel in d
Höhe und läßt einen guten Ertrag erwarten. Deßhalb gedeiht er aud
vie bereits gesagt, so gut in den Flußthälern, während sein Anbau
Bebirge, oder in hohen, kühlen und nördlichen Lagen mißlich ist. Eu
st es auch, wenn der Hanfacker vor starken Winden geschützt ist, wn
hei starkem Winde die Hanfstengel sich aneinander reiben, dadurt
Wundstellen erhalten und in Beulen auswachsen, wodurch der Be
pröde und brüchig wird und einen großen Theil von seinem Wertn
verliert.
Der Hanf verlangt einen tiefen, humusreichen, mäßig gebundent
Boden; zähen Thon- und dürren Sandboden verschmäht er so gut w
der Flachs. Insbesondere ist nöthig, daß sich der Boden durch Pfli
gen und Eggen hinreichend lockern lasse. Aecker, auf deren Oberfläd
bei anhaltendem Regen das Wasser stehen bleibt, taugen nicht zur
Hanfbau.
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Fruchtfolge.
Der Hanf gedeiht fast nach allen Vorfrüchten, wie auch nach ihr
zine beliebige Fruchtgattung gebaut werden kann; denn er hinterläß
den Acker frei von Unkraut, das unter ihm nicht aufkommen kann. J
der Regel folgt er nach Kartoffeln, Kohl, Tabak und andern Brach
früchten. Es gibt Gegenden, wo dice Leute eigene Hanfgärten haben
in denen seit Menschengedenken nichts anderes gebaut wird als alliähr
ich Hanf und unmittelbar darauf Stoppelrtiben.
Düngung.
Wenn auch der Hanf nur auf einen ohnehin schon dungkräftigen
Acker gesäet werden kann, so verlangt er doch noch reichliche Düngung
ind zwar muß der Dünger in einem Zustande fein, daß er der Hanf
oflanze, die sich sehr rasch entwickelt, unmittelbar aufnehmbare Nähr—
toffe zuführen kann. Je aufgelöster also der Dünger ist, desto —R
yafter ist er für das Wachsthum des Hanfes. Man wählt also ver⸗
rotteten Mist. Außer Stallmist wirkt auf den Hanf vorzüglich aud
Buano, Abirittdünger, Taubenmist, Schafmist, Pferch, Gülle, Knochen
nehl, Aescherich ꝛec. Sollte es dem Boden an dem nöthigen Kalkgehalt
sehlen, so wird Kalk oder Mergel aufgeführt. Vortheilhaft ist es, dem
Acker noch vor Winter die eine Hälfte der sehr starken Düngung, die
indere Hälfte im Frühjahr, nachdem schon 12mal gepflügt worden
st, zu geben und stets dafür zu sorgen, daß der Dünger recht gleich
näßig über den Acker verbreitet wird, damit die Hanfpflanzen einen
zgleichen Stand erhalten.
Bodenbearbeitung.
Nach dem Sprichworte: „Spare beim Hanf das Pflügen und
»eim Lein das Eggen nicht“ — muß zum Hanf theils im Herbst
heils im Frühjahre mehrmals gepflügt werden, je nachdem der sonstigt
Bau des Hanflandes es verlangt; denn der Hanf verlangt eine voll—
ommene und tiefe Lockerung des Bodens. Ist der Boden sehr schollig
ind verunkrautet, so verlangt er im Frühjahr 3—4 Pflugfurchen und
ein tüchtiges Durcheggen. Man thut gut, die Saatfurche zu möglich—
tter Tiefe zu geben, und die beiden letzten Pflugfurchen schnell aufein
ander folgen zu lassen, damit der Acker sehr mürbe liegt, und nicht Zeit
—000
dem Hanfacker auch die Walze nie anwenden. Die Bearbeitung deẽ
Hanfackers nimmt man gerne bei trockener Witterung vor.
Der Samen.
Da man den Hanf, um feinen Bast zu bekommen, dicht säen muß
ein dichter Stand der Hanfpflanzen aber der Ausbildung der Körnei
aachtheilig ist, so artet der selbsterzogene Hanfsamen bald wieder aus
und man ist genöthigt, frischen Samen zu kaufen, wodurch die Kosten