Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

die feinsten Fasern liefert, hat sich der Rechtsanwalt Graichen in seinen
Berichten über Anbauversuche mit neuen und wenig bekannten Nutzgewächsen,
 nebst Andeutungen zur Begründung neuer Industriezweige“
parm ausgesprochen.
Vom Rechtsanwalt Graichen ist frischer, keimfähiger Same zu
eziehen: von dem weißen Bokharaschen Riesenhonigklee 1 Pfd für1
rhltr, von dem gelben aber, da zur Zeit nur wenig Samen vorräthig
st, 3 Loth für 1 Thlr. Dieser Klee kann bis Mitte August gesäet
verden.
Proben der Gespinnstfasern liegen in der Redaction der „Bienen⸗
eitung“ zur Einsicht vr.
Einsender für die „Bienenzeitung“ bemerkt noch, daß er bereits
Bersuche auf gutem Gartenland gemacht habe und die Stauden eine
he von 10 Fuß erreicht hätten. Auch auf dem allerschlechtesten Sand—
»den komme er fort und entfalte auch dort eine wunderbare Ueppig—
eit. Millionen von Blüthen bedeckten die Stauden und erst die ein—
rechende Nacht hätte der Arbeit der Bienen an dieser Pflanze ein Ende
emacht.
Sollte dieser Klee als Gespinnstpflanze im großen angebaut werden
»as für Gegenden, die keinen Flachsbau zulässig machen, äußerst vor⸗
heilhaft sein müßte, so würde unsern Bienen eine nimmer versiegende
reichlich fließende Honigquelle entspringen und die kleinen Kelche bis
pät im Herbst mit dem süßen Nektar gefüllt finden.
Es würde gewiß mit Dänk anerkannt werden, wenn die Resultate
es Anbaues dieses Klees in diesen Blättern späterhin veröffentlich:
oürden. Zielitz.

F. Bahrs, Lehrer.
(Bl. für Handel, Gewerbe u. social. Leben.)

öò„ÊÇX-Ueber

 die Düngung des Rapses bei Gips.
Ein hannoverscher Landwirth theilt darüber Folgendes mit:
Der Raps, welcher seit den hohen Kauf- und Pachtpreisen der
Hüter eine so bedeutende Rolle spielt und von dessen Gedeihen und
zutem Ausfall so sehr viel, ja selbst die Existenz manches Landwirths
abhängt, ist bekanntlich den schädlichen Einwirkungen vieler Insekten
ð ausgesetzt. Aus diesem Grunde nun wollte ich mir erlauben, auf eine
Procedur aufmerksam zu machen, welche vielleicht als Präservativmittel
Igegen den Insektenfraß wirksam sein dürfte.
Zur Zeit meines Eintritts in die Landwirthschaft vor etwa 25
rJahren, war es ziemlich allgemein Gebrauch, die mit Raps bestellte
Fläche im Anfang des Frühlings mir 1 bis 2 Pfd. Gips auf die
Ouadratruthe zu übersäen und es war nicht allein augenscheinlich, daß
rdies das Wachsthum und die raschere Entwicklung des Rapses sehr
Abeforderte, sondern ich habe zu jeder Zeit auch die Bemerkung gemacht
daß sich nicht so viele schadenbringende Insekten auf demselben zeigten
enrwie dies in jetziger Zeit der Fall ist.
i Dieses ist auch leicht erklärlich, da der Gips, wie allgemein bekannt
»lcsehr günstig auf das Wachsihum wirkt, namentlich, wenn die zu feiner
—XX Auflosung nöthige Witterung (reichlicher Regen) eintkritt.
Daduch kommt der Raps in seiner Entwicklung der schädlichen Ein—
ettvirkung der Insekten zuvor. So z. B. werden die Pflanzen zu der
tZeit, wo der Erdfloh in so unzähliger Menge auftrit, in Folge jener
ascheren Entwicklung für jenes Infekt schon zu weit vorgerückt und
n hart sein. Ebenso kommen dieselben mit ihren Blüthen und Scho—
mansätzen auch dem Glanz- und Rüsselkäfer zuvor.
In neuerer Zeit habe ich nie gesehen oder erfahren, daß der Raps
Kzegipst worden ist und demnach wäre es sehr anzurathen, daß dieses
einfache nund wenig kostspielige Mittel wieder einmal zur Anwendung
ebracht würde.

Ueber das Abfallen der Obstfrüchte.
Noch in keinem Jahre haben sich die Obstbäume so sehr geschüttelt
—D—— Aprikosen-⸗, Zwetschen-, Mirabellen- und Reine—
laudenbäume ließen den größten Theil ihren Früchte fallen, ja selbst
Aepfel- und Birnbäume haben viel von ihrem Ertrage verloren. Er—
anert man sich der prachtvollen und zahlreichen Blüthen und vergleich

h.

damit den spätern geringen Fruchtansatz, so wird man kaum den zehn
ten Theil der Früchte geerntet haben. Abgesehen von kränklichen Bäumen,
velche durch Ungeziefer zu leiden hatten, sind selbst kerngesunde Bäume
von diesem Uebel nicht verschont geblieben.
Man schrieb das Abfallen der wrockenen Witterung im Fühjahr zu.
Viele Obstzüchter haben ihre Bäume deshalb begofsen, aber es half
nichts. Die Frucht war nicht ausgebildet; entweder in der Blüthe
aicht gehörig befruchtet, oder durch Insekten verdorben worden. So
sagte man!
Unsrer Ansicht nach hat das Abfallen der Früchte in dem gelinden
Winter seinen Grund, der ja so gelinde war, daß im Boden liegen
gebliebene Georginen, Kartoffeln ꝛc. nicht erfroren sind, ein Fall, der
ins lange nicht vorgekommen ist.
Wie aber kann ein gelinder Winter, welcher doch allen Gewächsen—
aur förderlich sein kann, die Bäume dahin gebracht haben, daß sie zahle
reich angesetzte Früchte fallen ließen? Im Gegentheil, es hätte eine
Masse Obst geben sollen! So wird man fragen und sagen.
Die Ursache ist zu finden und möge hier dargelegt werden.
So wenig der Gärtner eine Pflanze treiben kann, wenn sie nicht
die ihr von der Natur angewiesene Ruhe genossen hat, so wenig kann der
Obstbaum seine Früchte behalten, welcher durch den Winter dazu nicht
gekräftigt worden ist. Man sagt gewöhnlich: Nach einem guten Wein—
jahr folgt ein gutes Obstjahr, was sehr natürlich ist, weil ein heißer
Sommer, welcher die Güte und Menge des Weines bedingt, das Holz,
die Augen und alle Theile der Bäume besser auszeitigt, verhärtet, holzig
macht und daher diese geschickt werden, gut durch den Winter zu kom⸗
nen, nicht zu erfrieren, kräftiger zu tragen und zu blühen. Der vor—
letzte Winter hatte das Holz nicht zur Reife, den Saft im Baume
nicht zur Erstarrung gebracht, sie trieben aus, ohne geruht zu haben,
der Saft war vom vorher gegangenen Jahre fast noch flüssig, zu leicht,
es fehlte die Kraft, nachdem die Blüthe vorbei, die Frucht vollkommen
zuszubilden. Die Bäume waren müde, weil sie nicht geruht hatten,
ind müde Bäume können so wenig leisten als müde Menschen.
Das ist unsere Ansicht, warum so viel Obst abgefallen ist. Ob
e richtig, mögen noch folgende Fälle beweisen.
Die beschnittenen Bäume haben weniger Früchte verloren als die
unbeschnittenen, und zwar deshalb, weil jeder Schnitt eine Kräftigung
des Baumes ist.
Auf hohen kalten Lagen hangen die Bäume noch voller, als in
wärmeren, selbst die Kirschbäume in Bergen haben mehr getragen als
in geschützten Gärten.
Das Steinobst ist mehr gefallen als das Kernobst, weil es we—
niger dauerhaft, mehr empfindlich ist.
Die Aepfelbäume dagegen hingen noch ziemlich voll, fie haben
iber auch nicht den fließenden Saft, so wie die Birnen, welche schneller
vachsen, eher austreiben und daher auch schneller verblühen. Die Aepfel
zatten längere Zeit durch den ungewöhnlichen Winter im Frühjahre
zurecht zu kommen, ihre Kraft kam langsam, aber anhaltend, während
die Birnen lustig getrieben, aber keine Kraft mehr hatten, ihre Früchte
zu behalten.
Man fleht um einen gelinden Winter, aber ein solcher hat neben
einen Wohlthaten auch viel Schlimmes im Gefolge. Alles Ungeziefer
sJat sich bedeutender vermehrt, weil der Winter 1862 —1863 keine Kälte
zrachte, die solchen Thieren nachtheilig ist. Viele Bäume hatten von
Insekten zu leiden, die noch in keinem Jahre so vorhanden und so zahl⸗
reich waren. Der vorletzte Winter hat weder diese Thiere noch die
Bäume zur Erstarrung gebracht, er hat uns viel erspart, aber auch
diel genommen. Die goldene Mittelstraße scheint anch hier zu unserm
Heile zu gereichen. Möge sie im Leben, wie in der ganzen Natur
walten — zu unserm Besten!

Die Seidenraupen- und Traubenkrankheit rührt nach
diebig nur von der Erschöpfung des Bodens her, dem gewisse flir
die Trauben und Maulbeerblätter nöthige mineralische Stoffe im Laufe
der Zeit vollständig entzogen seien; die Krankheit sei nichts weiter, als
ein Verhungern.

—
            
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