Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

und Rechten der Versicherlen großer Eintrag geschieht und die Existenz
ver Anstalt aufs Spiel gesetzt wird. Der Versicherte leistet schon in
ver ersten Durschnittsprämie, die er entrichtet, eine Vorauszahlung für
Nie Zukunft, die durch die Sterblichkeitsliste den Zinsfuß und die Mo—
zalität der Prämienzahlung genau bestimmt ist und mit dem dadurch
estimmten Betrag auch reservirt werden muß. Darauf hat der Ver—
icherte ein natürliches Recht, welches ihm durch eine Rechnungsmani—
zulation wie die obige nicht verkümmert werden darf.
Wenn die Gründungsperiode, wo allerdings andere Rüchksichten
platz greifen, voruͤber ist, so darf man von jeder Verficherungsanstalt
ordern, daß sie ihre Einrichtungen so trefse, um jedes Jahr die ge—
ammten in dieser Periode erwachsenen Verwaltungskosten bestreiten zu
önnen. In keinem Fall darf zur Deckung solcher Verwaltungskosten
die Prämienreserve gemindert werden. Leider sind in dieser Hinsich!
die Interessen der Versicherten noch ganz schutzlos und wenn sich eine
debens⸗ oder Rentenanstalt beigehen lassen sollte, ihre gesammte Prämien—
ceserve — die bei alten Actienanstalten leicht viel mehr als das Actien—
rapital betragen kann — als Gewinn zu vertheilen, so hat nach der
jetzigen Gesetzgebung der Versicherte kein Recht, dies zu hindern, und
doch wird dadurch die Basis seiner Versicherung völlig vernichtet. Wie
vir schon früher bemerkten, ist dazu ein Gesetz zu seinem Schutze un—
erläßlich und wir werden demnächst versuchen, einige Grundzüge für ein
olches Gesetz aufzustellen.
Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über die auf dem Gebiete
der Lebensversicherung neuerdings viel schärfer als früher hervortreten⸗
»en industriellen Richtung und über die gefährlichen Mittel, deren mar
ich zur Förderung derselben bedient, gehen wir dazu über, die Fort
chritte näher zu betrachten, welche die deutschen Lebensversicherungs
instalten im Jahre 1863 gemacht haben.
Es bestehen jetzt in Deutschland 29 Lebensversicherungsanstalten,
vovon 27 für 1863 öffentlichen Bericht erstattet haben, deren Resultate
n die nachstehende Tafel aufgenommen sind. Die beiden mit Berich!
rückständigen Anstalten sind die „Azienda“ und „Nuoya Societa“ in
Triest, — Anstalten, die vorzugsweise Feuer⸗ und Transportversicherung
hetreiben und nur ein geringes Lebensversicherungsgeschäft haben. Bet
senen 27 Anstalten haben sich im Jahre 1863 42668 Personen mi
Lebensversicherungen neu betheiligt und einschließlich der Nachversiche—
ungen im Ganzen eine Summe von 43,563,903 Thlr. auf den Fall
hres Todes versichert. Im Jahre 1862 betrug der neue Zugang
12209 Personen mit 35,691,323 Thlr. Versicherungssumme, es hat
ich daher im Jahre 1863 gegen das Vorjahr der neue Zugang um
los PCt. in den Personen und 22,30 pCi. in den Versicherungssum
nen vermehrt. Der viel stärkere Zuwachs in den Summen zeigt, daß
vährend des vorigen Jahres verhältnißmäßig höhere Beträge als frü—⸗
zer auf ein Leben zur Versicherung resp. zur Nachversicherung kamen.
Im Allgemeinen gestaltete sich der Stand des Lebensversicherungs—
Geschäfts in Deutschland während des vorigen Jahres wie folgt:
Bestand am Aunf. des Jahres 1608191 Pers.m. 177,013520 Thlr. Vers.“S
Zugang im Laufe des Jahres 42668,, 43,563901
Summe 210889 Perse m 220377432 Thir. Beif⸗
Hiervon schieden aus:
d. Tod 3408 P.m. 3,423078 Thlr.
d. Abgang
b. Lebens⸗
geiten 12033, 13,8417593, 16041,, 17,2700011,
Bestand am Jahresschluß 194818 Pers. m. 203 306761 Thir. Bets⸗ẽ
nithin Zuw. im Laufe v. 1863 26627 Persem. 26293232 Thlr. Vers.S
Vergleicht man den eben bemerkten Zuwachs mit dem Versiche—
rungsbestande am Anfange des Jahres, so ergibt sich, daß im Lauft
eon 1863 die Zahl der Versicherten um 15,8 pCt. und dic Versichi—
rungssumme um 1465 PCti. gestiegen ist.
Der Durchschnitt der auf einen Kopf versichereen Summe war
Ende 1863 1044 Thlr. Dieser Durchschnitt, welcher seit längerer Zeit
m Rückgehen begriffen war, hat sich im vorigen Jahre, wo verhältniß
mäßig höhere Beträge auf ein Leben zur Versicheeung kamen und wo
zugleich für unsere Uebersicht eine strengere Scheidung der Begräbniß
zeldversicherungen von den Lebensversicherungen vorgenommen wurde,

vesentlich gehoben. Derselbe 1858: 1117 Thlr., 1889: 1086 Thlr.,
860: 1061 Thlr., 1861: 1017 Thlr., 1862: 961 Thlr. und 1863:
1044 Thlr.
Die obigen Versicherungen vertheilen sich auf die verschiedenen
Anstalten, welche mindestens 2 Millionen Thaler versichert haben,
wie folgt:
Gotha 401, Millionen, Riunione 6! / Millionen
Triest (Generali) Thuringia 5/ *
Germania Magdeburg —V n
Toncordia Zürich 4.3
Lübeck Wien (gegens.)
Berlin Frankfurt a. M. d
Anker Wien (erste) 38/0
Janus Iduna —W—
deipzig München 2/, *
Stuttgart w Providentia 21/
Fassen wir die Fortschritte des deutschen Lebensversicherungsgeschäfte
während des vorigen Jahres in wenige Zahlen zusammen, so ist
die Zahl der Versicherten um 15,3 pCt.,
die Versicherungssumme um 14,865 4
die Jahreseinnahme an Prä⸗
mien und Zinsen um 15,29
die Sterbefallzahlung um 24,84
die Geschäftsfonds um 12210

gewachsen.

Mittel gegen Trommelsucht.
Die Zeitschrift für deutsche Landwirthe empfiehlt gegen die Trom—
melsucht oder das Aufblähen des Viehes, wenn es jungen Klee gefres—
sen hat, folgendes Verfahren: Man stece eine große Klystirspritze leer
und mit geschlossenem Stöpsel in den Mastdarm des aufgelaufenen
Thieres und ziehe dann den Stöpsel heraus. Schon nach dem ersten
Herauszichen der Spritze, die bereits einen Theil des in den Einge—
weiden und dem Mastdarm befindlichen Gases enthält, fühlt das Thier
eine Linderung; nach dem drittenmale athmet es freier auf und nach
dem sechstenmale gehen die noch restirenden schädlichen Blähungen ganz
oon selbst durch den After ab. Die ganze Operation dauert eine
Viertelstunde.

Vermischtes.
Aprikosenblüthen gegen Frost zu sichern. Dies soll ein
Obstzüchter am Rhein dadurch bewirkt haben, daß er jeden Abend, wo
Frost zu befuüͤrchten stand, die Bäume mit trockenem Sande bewarf.
Wirklich fand man die mit Sand gefüllten Blüthen gesund, die leeren,
unter sich stehenden erfroren.

Monats-Kalender
für Bienenstände und Fischteiche.
Dezember.
Bienenstand. Man muß die Bienen gegen Diebe schützen und
alle Störungen von ihnen abhalten. Ferner muß man die Bienen⸗
töcke gegen Kälte schützen. Klotzbauten und ähnliche Stöcke werden
an der Wetterseite mit Stroh umwunden. Hölzerne Magazinstöcke kann
nan an einander rücken und mit Stroh bedecken. Körbe muß man
mit den Fluglöchern herumdrehen un ihnen ebenfalls eine warme
Decke geben.
Fischteiche. Das so vielfach empfohlene Aufeisen der Teiche
bringt mehr Schaden als Nutzen.
            
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