Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Desgleichen ist zu wünschen, daß jede Regierung, welche das neue
System annimmt, eine Behörde für Maaß und Gewicht einsetze
oder eine schon bestehende Behörde beauftrage, die Einführung
des Systems zu besorgen und die Ausflihrungsmaaßregeln zu
übernehmen.
Es ist zu wünschen, daß, wo eine Regierung sich für die faculta—
tive Einführung des metrischen Systems der Maaße und Ge—
wichte entscheidet, das System in der Zollverwaltung angewendet
und in den Unterrichtskreis der Schulen aufgenommen werde.
Diesen Resolutionen liegen die Betrachtungen zu Grunde, welche
die Vorbereitungs-Commission durch ihren Berichterstatter Dr. Mag nus
ausgesprochen hat. Wir theilen den Bericht als werthvollen Beitrag
zu dem bereits sehr umfänglichen Material über die Meterfrage hier mit:
Es ist bereits zu wiederholten Malen von dem internationalen
statistischen Congresse auf die Nothwendigkeit eines für alle Länder und
Völker gemeinsamen Maaßes und Gewichtes hingewiesen und die all⸗
gemeine Annahme des metrischen Maaßsystemes zur Erreichung dieses
Zieles von demselben empfohlen worden. Die Vorzüge dieses Systems
sind dabei so eingehend beleuchtet und auch von verschiedenen anderen
Seiten, namentlich von der begutachtenden Bun descommission in ihrem
am 30. April 1861 erstatteten Berichte so ausführlich erörtert worden,
daß in Bezug auf die Vorzüge dieses Systems kaum etwas hinzuzu⸗
fügen sein möchte. Dagegen scheint, je näher der Zeitpunkt heranrück
in welchem eine allgemeine Einführung dieses Systems zu hoffen ist,
es um so wünschenswerther, auch die Mängel desselben in Betracht
zu ziehen. Nicht um die Schwierigkeiten zu häufen, welche der Ein⸗
führung entgegenstehen, sondern um wo möglich einzelne dieser Mäng e
sogleich bei der Einführung des Systems zu beseitigen und, wo dies
unausführbar sein möchte, zu erwägen, inwieweit die verbleibenden
Mängel durch die Vorzüge, welche das System gewährt, aufgewogeen
werden.
Die Einwände, welche gewöhnlich gegen das metrische System
vorgebracht werden, beziehen fich fast ausschließlich auf die Schwie
rigkeiten des Ueberganges von den üblichen zu den neuen Maaß en
Schwierigkeiten, die von Einigen für so bedeutend erachtet werden
daß sie vorziehen, statt des metrischen ein anderes Maaß eingeführt
zu sehen, ein solches, das gleichsam eine Brücke bildet, indem es sich
in Bezug auf die einzelnen Größen und ihre Bezeichnungen den in
dem betreffenden Lande vorhandenen Maaßen anschließt, dabei aber
doch in einem einfachen Verhältnisse zum Meter steht. Hierbei wirt
indeß außer Acht gelassen, daß die Umwälzungen, welche jede Verän—
derung der üblichen Maaße und Gewichte zur Folge hat, so weitgrei
fend find, daß das Mehr oder Weniger, welches durch die Einführung
des metrischen Systems oder jenes Uebergangsmaaßes entsteht, ver—
schwindet im Vergleich zu den Umgestaltungen, welche alle Verhältnisse
durch die neue Einführung erfahren. Außerdem kann die Wahl eines
solchen vermittelnden Maaßes niemals eine allgemeine werden; vielme hr
wird dasselbe den Wunsch nach einem einheitlichen Maaße rege erhal⸗
ten, bis es zur Einführung eines solchen, also zu einer zweiten Um—
wälzung, gekommen ist. Die Mängel von denen hier die Rede sein
soll, berühren die während der Einführung entstebenden Schwierigkeiten
nicht, sondern beziehen sich auf das System selbst.
1. Als das metrische Maaßsystem in Frankreich entstand, war
durch die Revolution die decimale Theilung überall und auch für die
Eintheilung des Kreises vorgeschrieben. Es sollte der Quadrant in
100 Grade, der Grad in 100 Minuten u. s. f. getheilt werden. Des⸗
halb wählte man den 10,000,000sten Theil des Erdquadranten als
Einheit für das Längenmaaß, weil dadurch der Grad des Meridians
gleich 100,000 Meters oder 100 Kilometers und die Bogenminute gleich
1,o00 Meters oder ein Kilometer wurde. Bekanntlich ist jedoch die
decimale Theilung des Kreises nicht durchgeführt worden, und damit
ist der einfache Zusammenhang zwischen der Bogenminute und dem
Meter gefallen. Nach der jetzigen Eintheilung des Kreises ist die
Bogenminute der 5,100ste Theil des Quadranten, sie ist daher gleich
aooodo/Meter oder 100/ Kilometer gleich 185 123/23 Meter. Dieses
wenig einfache Verhältniß zwischen der Längeneinheit und dem Grad⸗
bogen bildet einen Uebelstand, der bei geodetischen Messungen und
besonders bei der Schiffahrt sehr fühlbar ist. Wollte man ihn besei—
ligen, so müßte entweder die jetzige Theilung des Kreises in die deci

nale umgewandelt werden, was ganz unausführbar zu sein scheint,
»der es müßte die Länge des Meters geändert werden, was eben so
chwer durchzuführen sein möchte. Gerade der Vorzug, den man dem,
netrischen System zu verschaffen beabsichtigte, indem man den 10,000, 000 sten
Theil des Erdquadranten als Einheit für dasselbe wählte, nämlich ein
einfaches Verhältniß zwischen dem Wegmaaße und dem Gradbogen
herbeizuführen, gerade dieser Vortheil ist demselben entgegen. Er könnte
vieder erlangt werden, wenn man sich entschlösse, das Meter im Ver—
hältnisse von 54: 50 zu verkürzen. In diesem Falle würde nämlich
die jetzige Bogenminute 2 Kilometer enthalten. Man wird dies indeß
chwerlich hhun. Auch ist zweifelhaft, ob man dazu rathen sollte, da
so unwahrscheinlich es auch ist, daß die decimale Theilung für den
Duadranten dereinst einmal Eingang findet, dies doch nicht außer den
Grenzen der Möglichkeit liegt und in diesem Falle die jetzige Läenge
des Meters der auf 60/, verkürzten vorzuziehen sein würde. Außerdem
st die Länge des Erdquadranten gar nicht mit solcher Sicherheit zu
ermitteln möglich, daß nicht eine erneute Messung einen etwas verän⸗
derten Werth liefern sollte. Es ist deshalb die einmal angenommene
Einheit niemals genau der beabsichtigte Theil des Erdumfangs, und
es läßt fich daher ein einfaches Verhältniß zwischen dem Wegmaaß
und dem Gradbogen in voller Strenge nie erreichen. Aber auch an—
aähernd ist ein solches einfaches Verhältniß nur in sehr wenigen Län⸗
dern vorhanden. In England ist die Seemeile zwar! / zq eines Grades,
also gleich der Bogenminute, aber von den Landmeilen gehen 69,1
auf einen Grad; von preußischen Meilen sind 14,6 gleich einem Grade
des Aequators, und eben so wenig stehen die Meilen der übrigen Län—
der in einem einfachen Verhältniß zum Gradbogen. Man wird sich
deshalb auch eine metrische Meile gefallen lassen können, die nicht in
einem einfachen Verhältniß zum Grade steht, obgleich nicht in Abrede
zu stellen ist, daß es besser wäre, wenn ein solches vorhanden wäre.
(Schluß folgt.)

Frohe Aussicht für die Bienen.
.Eine neue Honig-, Gespinnst- und Futterpflanze (Melülotus alba —E
Aus der „Schlesischen Provinzialzeitung“ ist ein Inserat in die,
„Eichstedter Bienenzeitung“ übergegangen. Dasselbe verdient dem lande
virthschaftlichen Publicum bekannt zu werden. Da durch die „Bieneng
zeitung dies nur in beschränkter Weise erreicht wird, so mag der Inhau
nn diesen Blättern einen Platz finden. — Möchten recht viele Land
virthe und Bienenzüchter sich bewogen finden, Versuche mit dem Ap—
hau dieser Pflanze anzustellen.
„Am 135. Mai legte der Rechtsanwalt Heinrich Graichen zu Leipe
ig dem dortigen Gartenbauvereine Stengel in grünem und getrockneten
Zustande, auch Wurzeln von dem Bokharaschen gelb und weiß blühend
den Riesenhonigklee vor, eben so feinen verspinnbaren Faserstoff, did,
zus den geöffneten Stengeln des gelben Riesenhonigklees gewonneng.
ind hielt einen sehr interessanten Vortrag über die Bearbeitung und
hzielfache Verwerthung dieses für Deutschland neuen Klees. Wird diese
er neue Klee, der auf allem und jedem Boden vortrefflich gehe
deiht, im zeitigen Frühjahr gesäet, so wächst er im ersten Jahre nod
z bis 4 Fuß hoch und kann zu Futter benutzt oder zur Spinnfaser very
vendet werden. Im zweiten Jahre gibt er das erste Futter für's Vielo
m Monat April, dann kann und muß er jeden Monat, wenn er
dis 83/. Elle hoch gewachsen ist, abgemähet werden, weil er in diesem Zu—
tande zart und dem Vieh sehr zusagend ist.
Wird er nicht abgemäht, so wächst er 7 bis 8 Fuß hoch. Endi
Mai fängt er an zu blühen bis Ende September; es zeigt ein einzigt
Stengel Millionen Blüthen, die von den Bienen von früh bis in debij
päten Abend emsig umschwärmt werden. — Die Blüthen und Bläti.
„jaben den feinsten Waldmeistergeruch, sie werden darum auch zu The
ind Maitrank verwendet; die Wurzem dieses Klees können im Früh
jahr gegessen und zu Honigsyrup verwendet werden. Die Stengel hin
—0 — wie der Flachs behandelt un
‚araus, wie erwähnt, der feinste verspinnbare Faserstoff gewonnen. Vor
Zächsifchen Acker gewinnt man 10 bis 15 Cir. verspinnbare Flacht
aser.“
Ueber die Cultur dieses Bokharaschen Riesenhonigklees, auch d
gelb blühenden, welcher zarter, schneller und höher wächst und dan

— — —
            
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