Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Die bedeutendsten Leistungen hat die Krupp'sche Stahlfabrikation ir
ẽssen erreicht. Sie siellte bekanntlich einen Stahlblock von 10.000 Pfd
qus, den größten der Ausstellung, ausgezeichnet durch Gleichmäßigkei
des Matedials, frei von allen Gußblasen und an Zähigkeit und Fein⸗
heit des Rohgusses alle ähnlichen Fabrikate hinter sich lassend. Se
haben die wichtigsten Produkte dieses Hüttenwerkes, wie Eisenbahnrei
An, in allen Ländern Eingang gefunden. Oer Bochumer Verein für
Bußstahlfabrikation liefert ebenfalls Vorzügliches in Gußstahl.
Auͤch die übrigen Staaten des Zollvereins haben nicht unbedeu⸗
ende Hüttenwerke. So werden in Baden jährlich 6250 Tonnen er—
zeugt, in Würtemberg 6000 Tonnen, in Sachsen 5500 Tonnen, in
Hannover 5250 Tonnen. Die Production in Nassau betrug 1860
13,250 Tonnen, in Hessen 7250 Tonnen, während Preußen in diesen
Jahre 379,963 Tonnen Gußeisen, 338,100 Tonnen Stabeisen unt
12,446 Tonnen Stahl erzeugte.
Auch in Oesterreich hat der Schutzzoll bedeutenden Antheil an
dortigen Aufschwunge der Eisenindustrie. Sodann waren es die durch
die politischen Verhältnisse hervorgerufenen Valutaverhältnifsfe, welcht
für die Gesammtindustrie des Landes wirkten. Durch dieselben erhiel
sen die ausländischen Fabrikate einen mittelbaren, nicht unbedeutenden
Aufschlag, bedeutender als der Schutzzoll derselben, und so deckte sich
der ganze inländische Bedarf von inländischen Produkten.
Vorzügliches Roheisen liefern die steyerschen Hüttenwerke zu Krems,
zur Stahlfabrikation besonders geeignet, Niederösterreich und Ungarr
in gleicher Weise, gutes Schmiedeeisen besonders die mährischen und
oberschlesischen Werke. In Stahl sind die Hütten von Steyermark und
Tyrol seit alter Zeit berühmt, worunter die vereinigten Werke der Leob
ner Gewerkschaft eine namhafte Rangstufe einnehmen. Oesterreich pro
ducirte im Jahre 1860: 310,000 Tonnen Roheisen, überdies führte
es 9110 Tonnen vom Auslande ein. Es erzeugte zum Theil aus dem
Roheisen 100,000 Tonnen Stabeisen und 12,500 Tonnen Stahl.
Die englische Eisenindustrie hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre
zu einer unglaublichen Höhe entwickelt, namentlich seitdem der Stein
kohlenbetrieb die Herstellungskosten außerordentlich verringerte, das Re—
sultat aber erhöhte. Der durchschnittliche Ertrag eines englischen Hoh
ofens beläuft sich gegenwärtig auf ungefähr 100,000 Ctr. jährlich
Schottland und der Westdistrict von Yorkshire liefern vortreffliches
Gußeisen. Das englische Eisen zeichnet sich durch große Elasticität und
Zähigkeit aus. In der Stahlfabrikation steht England ebenfalls sehr
hoch da, namentlich seitdem das Bessemer'sche Verfahren, welches die
unmittelbare Herstellung von Gußstahl aus dem Roheisen ermöglicht
einen so wesentlichen Einflaß auf die ganze Eisenindustrie gewonner
hat und somit von volkswirthschaftlicher Bedeutung geworden ist. Wi⸗
an OQualität das englische Eisen das vorzüglichste geworden ist, so über
trifft England auch in der Masse der Production alle anderen Länder
Trotz der ungünstigen Verhältnisse der letzten Jahre hat sich die För
derung beständig vermehrt. Im Jahre 1860 wurden 3,826,752 Ton
nen Gußeisen producirt, während an Stabeisen 904. 000, an Stah
16,640 Tonnen hergestellt wurden.
Zu den berühmten Damascener Klingen und überhauͤpt orienta
lischen Waffen liefert Indien das Material. Der Betrieb geschieh
aber noch nicht mit Hohöfen, sondern in kleinen Tiegelöfen. Erst wenr
durch Ausbau des indischen Eisenbahnnetzes und durch größere Aus
beute der Kohlenbergwerke für die Entwickelung der Industrie meh—
geschehen sein wird, darf man einen entschiedenen Einfluß der indischen
Eisenfabrikation auf Europa erwarten.
Frankreich leistet ebenfalls Bedeutendes in der Eisenindustrie, na—
menilich in den berühmten catalonischen Hüttenwerken. Sonst sind für
Schmiedeeisen die Werke von Perignaux, Euxville, von Niederbrane
und St.Saurin⸗gur⸗l Isle für Stahl zu nennen. Die Gesammipro
duction betrug 1850: 220,053 Tonnen Gußeisen, 520,099 Tonnei
Stabeisen und 22,969 Tonnen Stahl.
Belgien hat nahezu 1200 Eisenhütten, deren Producte die hohe
Eniwickelung der Fabrikation wie der Vortrefflichkeit des Materials
zeigen. Bei der großartigen Concurrenz sind ziemlich alle Arten deir
Jabritation im Lande eingeführt und durch die gesunde volkswirthschaft—
riche Politik des Landes, die alle Betriebszweige, welche auf Landes—
droducten beruhen, yom Princive des Freihandels aus durch Prämien

uind Verkehrserleichterungen unterstützt, heben sich die Fabriken zusehends.
Die hauptsächlichsten Hüttenwerke liegen in Flandern und der Umgebung
von Tournai. Die Gesammtproduction belief sich 1859 auf 294,270
Tonnen Gußeisen und 141,651 Tonnen Stabeisen.
Schweden ist seit alter Zeit beruhmt in der Eisen- und Stahl—⸗
fabrikation und hat, da es meist auf den Absatz nach Außen angewie⸗
sen ist, alle Verbesserungen in der Fabrikation rasch sich angeeignet.
Der Reichthum an manganreichen und phosphorfreien Eisenstein führte
zu einer vorzüglichen Stahlfabrikation, die seit den letzten Jahren durch
Einführung und Verbesserung des Bessemer'schen Verfahrens sich zu
einer unglaublichen Höhe erhoben hat. Schweden führt seinen Stahl
fast nach allen europäischen Ländern aus und selbst in Deutschland ist
er trotz des hohen Schutzzolles und der vorzüglichen Ergebnisse der
westphälischen Hütten weit verbreitet.
Der Zustand der Eisenindustrie in den übrigen Staaten, wie Ruß—
sand, Italien und Spanien, ist noch nicht von großer Bedeutung;
Spanien sieht den beiden anderen Länder jedoch noch voran.
Die vorstehend der Reihe nach besprochenen Staaten sind es, de—
ren Eisenindustrie einen wirklichen Einfluß auf die Culturentwickclung
des Jahrhunderts, ja des gegenwärtigen Menschengeschlechts gehab—
hat. (Nach d. deutsch. illustr. Gew.⸗Ztg.)

Vermischtes.
Zur Dichtung des Baugrundes, um dessen Tragfähigkeit
zu steigern, hat Baurath Kraft in Ravensburg bei einem Straßen⸗
baue in der Nähe des Bodensees, wo eine Riedfläche zu überschreiten
war, ein Verfahren angewendet, das er im Würtemb. Gwoblt. beschreibt.
Er wurde darauf geführt durch die Beobachtung, daß die Oberfläche
des Moorgrundes da, wo die Fußstapfen der Zugthiere, die früher bis
zu 1* Tiefe eingesunken waren, sich mit dem feinen in der Seegegend
vorkommenden Sande gefüllt hatten, eine beträchtlich größere Trag—
fähigkeit erhalten hatten. Die Zugthiere traten an solchen Stellen
faum merklich in den Moorgrund ein. Kraft ließ daher einen 8* lan⸗
gen, 5—56“ dicken, runden Pfahl eintreiben, sofort wieder ausziehen
und das entstandene Loch mit dem vorhandenen feinen Sand ausfül—
sen, in einer Entfernung von 15“ ein zweites Loch machen und mit
Sand ausfüllen und sofort, bis die ganze Moorfläche, welche den
Straßendamm zu tragen bestimmt war, mit solchen Sandeinfüllungen
versehen war. Die Folge dieser Maßregel war, daß die 1 hohe Auf—⸗—
dämmung ohne alle Schwierigkeit aufgebracht werden konnte und seither
so Stand hielt, als wäre der Untergrund ein durchaus tragfähiger
Boden. Kraft ist der Ansicht, daß überall, wo man zu den theueren
Rost- und Pfahlrostfundationen greift, der Zweck weit sicherer und billi—
ger durch die beschriebene Dichtung mit Sand oder jedem anderen lo—
sen Material, das beim Einfüllen keine hohlen Räume läßt, erreicht
werden kann. Uebrigens wenden, wie die Red. des Würtemb. Gewbblt.
bemerkt, die Engländer in den Niederungsgegenden Ostindiens dieses
Verfahren schon seit längerer Zeit an.

Jodeigarren. Nachdem der Schwindel der „nicotinfreien Ci⸗—
garren“ ein rasches Ende genommen hat, taucht jetzt ein noch größerer
auf, der der Jodcigarren. „Man fußte,“ sagt das betreffende Inserai
in den verschiedenen Zeitungen, „auf das bekannte Gutachten der franz.
Akademie, wonach Jod das alleinige wirksame Mittel gegen beginnende
Schwindsucht ist und wonach dieses Jod der Brust des Menschen am
zweckmäßigsten und sichersten durch Rauchen zuzuführen sei und fabri—
cirte zuerst in Amerika jodhaltige Cigarren, mit denen der bekannte
Arzt Gibson die Aufsehen erregendsten Curen an Brustkranken erzielt“ zc.
Die Industr. Bltitr, welche diesen Schwindel beleuchten, machen darauf
aufmerksam, daß beim Benetzen der Cigarre mit verdünnter Jodtinctur
— ganz abgesehen von dem Werthe des Jod als Lungenheilmittel —
das Jod in kurzer Zeit sich innig mit den pflanzlichen Theilen verbin—
det und beim Verbrennen des Tabaks das nicht flüchtige Jodkalium
entsteht, welches in der Asche zurückbleibt, so daß keine Spur Jod in
den Rauch übergeht. Das Beste ist aber, daß diese Cigarren von 20
Thlr. Werth, die zu 40 Thlr. pro Mille verkauft werden — kein Jod
enthalten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.