Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

durch Geräthe und naturhistorische Sammlungen der Betrieb beider
Zweige der Landwirthschaft und der innere Organismus der beiden fuͤn
uns so wichtigen Thierchen, Seidenraupe und Biene, anschaulich gemach
wurde. Seitens der Lokal-Abtheilung, Jülich war eine Ausstellung und
Prämiirung von Pferden angeordnet; der Herr Bürgermeister Jung—
bluth hatte den Rathhaussaal mit einer Auswahl herrlicher Topfpflanzen
und Blumen, die der kurz vorher so plötzlich eingetretene Frost noch
übrig gelassen hatte, und den Casinosaal mit einer Sammlung der
schönsten und prächtigsten selbstgezogenen Früchte ausgeschmückt, unt
zuͤrch letzteres den Beweis geliefert, daß das Jülicher Land auch ir
der Obstkultur Ausgezeichnetes liefern kann. Gegen 10 Uhr beganner
die Verhandlungen beider Vereine, denen der Herr Reg.Präsiden
Kühlwetter von Aachen in Begleitung des Dezernenten für Landes
kultursachen der Königl. Regierung zu Aachen, Herrn Reg. Assessore
Brauweiler beiwohnte. Nachdem der Direktor der Lokal⸗Abtheilung
Juͤlich, Hirr Pfarrer Licentiat Blum die Verhandlungen der Lokal
Abtheilung eröffnet und über den Stand der Vereins-Angelegenheiter
herichtet hatte, wurden die wenigen geschäftlichen Gegenstände der Ta
zesordnung Seitens der Lokal-Abtheilung rasch erledigt, um dem
Schwesterverein die für seine Verhandlungen bemessene Zeit möglichst
wenig zu kürzen. Herr Inspector Sternberg aus Aachen eröffnete
demnächst die General-Versammlung des Vereins für Seidenbau unt
Bienenzucht mit einigen Worten des Dankes gegen die Stadt Jülich
welche dem Vereine so freundlich entgegengekommen, indem er an die
zeutigen Verhandlungen die Hoffnung knüpfte, daß die Zeit nicht mehr
ferne sein möge, wo man in der Kornkammer der Provinz auch Seide
siehe, wozu sich die Gegend und ihr Boden so besonders eignen. —
Demnach wurden an Stelle der ausscheidenden Vorstandsmitglieder
Herren Landrath Dauzier und Reg.-Rath Illing die Herren Dr. Poll
mann in Bonn und Hauptmann a. D. Hübener in Honnef gewählt.
die Rechnung pro 1863 abgenommen und dem Rendanten Decharge
ertheilt, der Etat pro 1865 festgestellt und als Ort der rheinischen
General-Versammlung pro 1865 die Stadt Aachen einstimmig gewählt
Die Debatten über die nun folgenden, den Seidenbau und die Bienenzuch
speziell betreffenden Gegenstände der Tagesordnung boten des Interes
santen Vieles, worüber die Zeitschrift des Vereins ausführliche Mit
theilungen bringen wird, weshalb wir uns darauf beschränken, hervor
suheben, daß bei der Frage: „Ist die Seidenzucht geeignet, auch von
den größern Grundbesitzern mit Nutzen betrieben zu werden?“ sich auch
der Herr Reg.-Präsident Kühlwetter eingehend für deren Bejahung aus
sprach und sich dahin äußerte, daß seiner Ueberzeugung gemäß die
Seidenzucht im ganzen Regierungsbezirke Aachen, vielleicht mit Aus
nahme der höher gelegenen Gemeinden der Eifel, möglich sei; die
Königl. Regierung in Aachen werde daher alle auf deren Einführung
in der Provinz gerichtete Bestrebungen entschieden unterstützen und habt
noch kürzlich an die Bau⸗Inspektoren und Gemeinden dahin gehende
Anweisungen erlassen. — Nachdem die Verhandlungen mit lebendigern
Theilnahme der Anwesenden bis nach 1 Uhr gedauert hatten und nur
noch die Ausstellungen besucht worden waren, begann das Festdiner
dei dem F herrschende fröhliche Stimmung durch mehrfache Trink
sprüche erhöht wurde. Den ersten Toast brachte der Herr Regierungs
Präsident Kühlwetter auf Se. Maj. unsern geliebten König, der
Proteltor des landw. Vereins und aller gemeinnützigen Bestrebungen
Der zweite Toast, von Herrn Inspektor Sternberg ausgebracht, gal—
Ihrer Maj. der verwittweten Königin Elisabeth, der langjährigen Pro—
sektorin des Vereins für Bienenzucht und Seidenbau— Demnächs
brachte Herr Bürgermeister Jungbluth dem hohen Gaste, der das Fes
mit seiner Gegenwart beehrte, der überall, wo es gilt, darauf bedach
ist, in seinem Regierungsbezirke das Gute zu fördern und gemeinnützig
Bestrebungen zu unterstützen, dem Herrn Reg.-Präsidenten Kühlwette
ein Lebeboch, in das alle Anwesende freudig mit einstimmten. Der
derr Präsident dankte sofort, ging im Laufe seiner Rede auf die Land
wirthschaft und besonders auf jene Zweige über, welche heute hier be
sonders vertreten waren und ersuchte die Versammlung mit ihm in dae
doch einzustimmen, das er den Vorstehern der beiden Vereine, dem
Direltor der Lokalabtheilung Jülich, Herrn Licentiat Pfarrer Blum und
dem Vorsteher des rheinischen Vereins für Bienenzucht und Seidenbar
Herrn Bürgermeister a. D. Sternberq aushringe. Herr Licentiat Blun—

dankte demnächst der Stadt Jülich und dem Festcomite für die den
beiden Vereinen gewährte freundliche Aufnahme und so folgte Rede
auf Rede, bis es Zeit wurde, sich zu dem von der Stadt veranstalteten
Balle zu begeben. Inzwischen waren auch die Ausstellungen zahlreich
besucht und die erkannten Preise proklamirt worden. Die Ausstellung
der verhältnißmäßig schon bedeutenden Menge Seide, etwa 60 Pfund
und verschiedener aus rheinisch-westphälischer Seide gefertigter Stoffe
übte besonders auf die Damen große Anziehungskraft und gab Gele—
genheit sich zu überzeugen, daß die Bestrebungen des Vereins nicht
ohne Erfolg bleiben. Erst spät in der Nacht trennten sich die Mitglie—
der in der Hoffnung, sich im künftigen Jahre in Aachen wieder zu fin⸗
den und alsdann manchen Jülicher zu den ihrigen zählen zu können,
welche Hoffnung nach dem Eindruck, den die General-Versammlung hier
zurückgelassen hat, wohl nicht vergeblich sein wird.

Frankfurter Schmalz. Ein neues, künstliches Schmalz,
welches alle nur möglichen Vorzüge besitzt, nämlich billig, wohlschmeckend
haltbar und so fett sein soll, daß ein Pfund desselben zwei Pfund But—
ter ersetzen soll, ist von dem Magistrat in Frankfurt an d. O. probal
gefunden und deßhalb die Vorschrift dazu von demselben angekauft wor—
den. Um dieses Schmalz darzustellen, soll man etn Pfund frischen
Hammeltalg mit /. Quart guter Milch schmelzen und dann, so lange
es noch warm ist, mittelst eines feinen Siebes abgießen; hierauf untern
beständigem Rühren 5, Pfund gutes Mohnöl zumischen und dieses
Gemenge mit 4 Loth Brodrinde, 1Loth Beifußkraut und 2 zerschnitte—
nen Zwiebeln in der Pfanne erhitzen und durchseihen.
Milchgefäße. Es muß als ein Uebelstand betrachtet werden,
daß man sich zur Rahmbildung der Milch noch allgemein der hohen
Milchgefäße bedient. In den mehr breiten als hohen Gefäßen scheidet
sich der Rahm nicht nur schneller, sondern auch vollkommener ab. Wir
haben wiederholt durch sorgfältig angestellte Versuche ermittelt, daß der
Fettgehalt der abgerahmten Milch noch 54 pCt. betrug, wenn wir dit
Rahmbildung in den hohen, bauchigen Gefäßen vor sich gehen ließen,
während der Fettgehalt der abgerahmten Milch aus 2/, Zoll hohen
Gefäßen nur noch 17 pCt. betrug.

Die Strohfütterung. Seit mehreren Jahren hat man in
Schottland die Erfahrung gemacht, daß Stroh in Verbindung mit stickstoff—
haltigen Substanzen, also mit Rüben, Schrot, Oelkuchen ꝛc., denselben
Futterwerth besitze, wie Klee. Dieselbe Erfahrung ist auch in Deutsch—
land an viclen Orten gemacht worden. Derartige Versuche dürften
jedoch nur dann ein richtiges Resultat geben, wenn man dem Vieh
satt zu fressen gibt, weil sonst die Verdauung nicht in normaler Weise
vor sich geht. In Verbindung damit wird auch vor der Ansicht ge—
warnt, daß man bei Schafen durch Mastfutter einen verhältnißmäßig
höheren Wollertrag erziele; das sei entschieden falsch; gutes Erhaltungs
futter gebe die beste, billiaste Wolle.

Boonekampof Maagbitter, der berühmte Schnaps, wirt
nach den „Ind. Bltt.“ folgendermaßen bereitet: 6 Loth getrocknete un—
reife Pomeranzen, 2 Loth Pomeranzenschalen, 4 Loth Enzianwurzel, ?
Loth Cascarillarinde, 1 Loth Curcumäwurzel, 12/2 Loth Zimmt, 1 Loth
Gewürznelken, */2 Loth Rhabarber werden zerstoßen, zerschnitten, in
einer weithalsigen Flasche mit 19/2 Pfd. starkem reinen Spiritus, 3
Pfd. Wasser, 40 Tropfen Sternanisol übergossen und 2 Pfd. Farin—
zucker hinzugefügt. Man lasse das Gemisch nach öfterem Umschütteln
acht Tage stehen, presse dann aus und filtrire durch Fließpapiere. So
erhält man 150 Loth eines bittern Schnapses vom Geschmack und Ge—
halt des Boonekamps, welcher im Selbstkostenpreise 222/, Sgr. koster
und für welche Portion sich der Fabrikant 5 Thlr. bezahlen läñt

Aufbewahrung des Hopfens. Das neueste, auch einfachstt
und probateste Mittel, Hopfen Jahre lang gut zu erhalten, ist, daß man
ihn, statt wie gewöhnlich gleich in Säcke zu packen, an Ort und Stelle
wo er wächst, nachdem er getrocknet ist, in hölzerne Kisten eindrückt und
diese luftdicht verschließt. Die Kisten werden nicht eher gebffnet, als
bis der Hopfen in der Brauerei verbre ucht wird
            
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