Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Erscheint Dinstag, Donnerstag und
Sonnabend. Bestellungen sind bei der
nächsten Post-Anstalt oder in der Ex⸗
pedition des Blattes zu machen.
Anzeigen portofrei einzureichen.
Insertions-Gebühren fuͤr die Garmond—
zeile oder deren Raum 9 Pf.

9— „ 9— —5 4 Der Abonnements-Preis
— „J 1VI 5 a 9 —X 7 betraͤgt pro Quartal inel. Stempelstene!
23 X — * * J4 * * und Trägerlohn für Saarbrücken und
—An — * V7 — 755 St. Johann 12 Silbergroschen.
— 58 A —— — Für die durch die Post bezogenen Exeu
⸗ plare 15 Silbergroschen.

ür

den Kreis Saarbrücken.

FA

Donnerstag den 17. November

1864.

— ME—XXEXäüEXRß

Amtliches.

Personenposten.
Abgang von Ankunft zu
Saarbrücken-Bahnhof:
nach Hanweiler (Saargemünd) von Hanweiler
8 Uhr 20 Min. Vorm. 9 Uhr 5 Min. Vorm
5 25, Nachm. 4,, 20 , Nachm
nach St. Ingbert von St. Ingbert
8 Uhr 30 Min. Vorm. 7 Uhr 30 Min. Vorm
5 30, Nachm 3, 30 „ Nachn
nach Lebach per Heusweiler von Lebach
5 Uhr 25 Min. Nachm 7 Uhr 39 Min. Vorm
und außerdem
nach Heusweiler
7 Uhr 10 Min. Vorm.
von St. Johann
7 Uhr — Min. Vorm.
Der Abgang der Post von Heusweiler nach Saarbrücken—
Bahnhof ist geändert; während er früher um 6 Uhr Nachm. statt—
fand, erfolgt er vom 1. Nov. c. schon um 4 Uhr Nachmittaas.

Bekanutmachung.
Am 30. October d. J. wurden aus einem bewohnten Hause zu
Friedrichsthal mittelst Einbruchs nachverzeichnete Gegenstände gestohlen
1) fünf leinene Betttücher, gez. B. N.;
2) achtzehn Mannshemden, theilweise gez. J. B. 10.;
3) zwei schwarze Hosen;
4) eine Burkinweste mit kleinem braunem Muster;
5) eine Weste von Seidensammet, schwarz mit weißen Sternchen;
6) ein blau und roth carrirter Bettüberzug;
7) zwei Kopfkissen-Ueberzüge vom selben Stoffe.
Ich ersuche Jedermann, welcher über den Verbleib der gestohlenen
Gegenstände oder den Dieb Auskunft geben kann, dies mir oder der
nächsten Polizeibehörde anzuzeigen.
Saarbrücken, den 11. November 1864.
Der Ober-Procurator,
v. Ammon.

Ueber Hühnerzucht in Deutschland.
Von Rob. Oettel.
Wenn die Ansichten des Berichterstatters über die Hamburger
Ausstellung im Sept. Heft der Preuß. Jahrbücher, soweit sich dieselben
auf Geflügelzucht beziehen, „ein Ei ist ein Ei“; „diejenigen Hühner
welche gar nicht gefüttert zu werden brauchen, sind die wohlfeilsten“
oder „die verschiedenen Hühnerarten sind nur ein Spielwerk der Mode“ ꝛc
richtig wären, so würde es auch heute noch traurig genug um die Hüh—
nerzucht in Deutschland aussehen. Denn man kann unmöglich glau
ben, daß gerade die Hühner keine Veredelung oder Auffrischung de
ursprünglichen Art bedürfen sollten, wenn man überhaupt die Erfolg
in Betracht zieht, welche man bei anderen Hausthieren auf diese Weist
erzielt hat. Der Einführung ausländischen Geflügels mag zuvörders
wohl Liebhaberei zu Grunde gelegen haben; sie führte jedoch unwill
kührlich zur Verbesserung der Landhühner; denn während man frühen
auf den Märkten fast ausschließlich diese vorfand, findet man jetzt durch
Kreuzungen mit edleren Racen hervorragende Exemplare, die sich durch
Größe und Gewicht vortheilhaft auszeichnen. Natuͤrlich gab hierzu di⸗
Wirlsamkeit der sich mit Geflügelzucht ausschließlich beschäftigenden Ver
eine die nächste und hauptsächlichste Veranlassung. Ihre Thätigkeit ha
jedoch noch mit der Intoleranz der kleineren Landwirthe, ja selbst man
cher größeren Gutsbesitzer zu kämpfen, welche es überhaupt verschmä
hen, für gute Hühner einen höheren Preis, wie für Landhühner zu
zahlen. Allein es beginnt auch hier die Aufklärung und die Erfahruns
sich Bahn zu brechen, daß gewisse ausländische Hühnerarten sich durch
reichlichere Eier-Produktion vor unseren einheimischen wesentlich aus
zeichnen, wie solches z. B. bei den spanischen Huͤhnern erwiesen ist.
Frankreich ist uns auch hierin mit gutem Beispiel vorangegangen
denn die schönen Crèxe-Coeur- und Houdan- sowie die Hühner vor
La Fléche waren bereits im nördlichen Frankreich schon lange vor der
Einführung der Cochinchina-Hühner bekaunt und sind noch heute ge—
schätzt, während erst durch die letzteren unsere einheimische Zucht einen
bedeutenden und nachhaltigen Aufschwung erhielt. In Deuischland sim
die Crèvo-Coonr- und Hondan-Hühner uoch lanae nicht so verhrete

als sie es verdienen; doch steht zu erwarten, daß auch ihnen bald eine
größere Aufmerksamkeit zugewendet werden wird; denn sie legen fleißig
und auch große Eier, die Jungen ziehen sich leicht und rasch auf, be⸗
fiedern sich schnell, haben nur schwache Knochen und Anlage zu reich—
lichem Fleischansatz. Sie brüten jedoch selten oder gar nicht, weßhalb
man ihre Eier durch Cochinchina-, Dorking- oder Truthühner ausbrüten
zu lassen genöthigt ist.
Der Umfang der französischen Hühnerzucht läßt sich leicht nach
der enormen Consumtion im Lande selbst und nach dem bedeutenden
Export von Eiern und Geflügel nach dem Auslande ermessen. Wirft
man nur einen Blick auf die in Deutschland jetzt heimischen ausländi⸗
schen Hühnersorten, so waren die Cochinchina oder Schanghai-Hühner
die ersten, welche eingeführt wurden. Ihnen folgten die ihnen ver—⸗
wandten, eigentlich wohl nur eine Varietät bildenden Brahma Putra—
Hühner. Die Vorzüge der letzteren wurden anfänglich überschätzt und
die ihnen nachgerühmte ungewöhnliche Fruchtbarkeit soll sich in der
Folge verringert haben; kurz, gegenwärtig ist die allgemeine Klage die,
daß sie zumal vom 3. Lebensjahre an fast beständige Neigung zum
Brüten zeigen, wozu sie überhaupt ihr starker Knochenbau und ihr
ohlegmatisches Temperament vorzugsweise befähigt. Den Schanghai-⸗
Hühnern entgegengesetzt sind die Spanier, die sich weder zur Mast noch
um Brüͤten eignen, dagegen außerordentlich fleißig und auch große
Lier legen, was hauptsächlich zu ihrer sehr starken Verbreitung beige—
tragen hat. Nach diesen erwähnen wir die Dorking, die aus England
bei uns zuerst eingeführt und dort durch rationelle Kreuzungen nach
und nach vergrößert wurden, ohne daß hierdurch ihre guten Eigenschaf—
ten, bestehend in reichlichem Legen, zuverlässigem Brüten und Mast—
fähigkeit irgendwie beeinträchtigt worden sind. Indem die Dorking
diese drei zuletzt genannten Eigenschaften in sich vereinigen, ist es er—
tlärlich, daß sie in keiner sich besonders hervorihun und eigenthümlich
ist es, daß die in Deutschland von echten Stämmen gezogenen Nach—
kommen niemals die kolossale Größe der Eltern erreichen. Jedenfalls
bleibt es eine berücksichtigungswerthe und zu empfehlende Race. Na—
türlich hat die Zucht und Kreuzung der Hühner eine Menge Varietäten
geschaffen, welche, da sie für den Beũtzer keinen Gewinn abwerfen, nu⸗
            
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