Bahnhof ist geändert; während er früher um 6 Uhr Nachm. statt—
fand, erfolgt er vom 1 November c. schon um 4 Uhr Nachmittags.
Bekanntmachung.
Am 5. d. Mis. wurden zu St. Johann von eiuem auf der
Straße stehenden Wagen acht Viertel-⸗Dutzend Schnupftabaksdosen aus
der Fabrik von Adt zu Ensbheim gestohlen.
Die neuen Futterpflanzen für den Sandboden.
(Schluß aus Nr. 117.)
Die Serradella wächst gedüngt und ungedüngt, auf gutem und
schlechtem, auf sandigem und lehmigem Boden, und auf dem ordinär—
sten Acker wunderbarer Weise noch immer üppig. Zweierlei kann sit
nicht vertragen, Nässe und Säure im Boden, und einen nahen, undurch
dringlichen Untergrund. Daraus ergibt sich die Vorbereitung des Bo
dens. Es ist nicht nothwendig, daß der Boden, wie bei anderen Früch
ten, sorgfältig von Unkräutern gereinigt werde; im Gegentheil, gerad
die Serradella ist das erste und beste Mittel, einen verunkrauteten
Acker wieder rein zu machen. Selbstverständlich ist jedoch reines Land
auch der Serradella das willkommenste. Dagegen ist nothwendig ein
gutes tiefes Pflügen im Herbst und Frühjahr. Sobald die Serradello
nur Licht und Luft für ihre Blätter und Raum genug für ihre Wur
zeln hat, bedarf sie keiner menschlichen Hülfe mehr, weder durch Düngung
von unten, noch durch Pflege von oben.
Aengstige sich nur Niemand wegen des mageren Untergrundes
der noch nie das Licht gesehen, und fürchte Keiner, damit sein Land
zu vergiften; im Gegentheil, Serradella und Lupinen sind gerade die
jenigen Pflanzen, wodurch jeder Landwirth die so sehr nothwendige
Vertiefung der Bauerde bis zu 12 Zoll auf das Einfachste und Un⸗
schädlichste in's Werk setzen kann. Ferner fürchte Niemand, wenn er
Serradella säet, ohne zu düngen, daß er später dann so viel stärker
düngen müsse. Nach gut bestandener Serradella wird man stets we—
niger Dünger nöthig haben als sonst. Diese Pflanze gehört (wie die
Lupinen) zu denjenigen Gewächsen, welche nicht den Boden erschöpfen
wie die Halm- und Hackfrüchte es thun, sondern denselben sogar noch
bereichern. Dies geschieht dadurch, daß die Serradella mit ihrem groß
artig entwickelten Blätter⸗ und Wurzelwerk ihre Nahrung vorzüglich aus
der Luft und dem Untergrunde holt, wo mit jedem Regen allerhand
Dungstoffe eindringen, welche die Pflanzen mit kleinen schwachen Wur—
zeln nicht wieder aufsaugen können, ferner dadurch, daß sie bei ihren
lippigen Wuchse den Boden vollständig bedeckt und denselben vor allen
Ausdünstung schützt, weiter dadurch, daß sie dem Boden nur solcht
Stoffe entzieht, welche die Halmfrüchte nur in geringer Menge, vielleich
gar nicht nöthig haben, und endlich dadurch, daß sie in dem Boden
eine Unmasse von großen und kleinen Wuzeln zurückläßt. — Alleir
dieses Wurzelgeflecht soll so wirksam duͤngen, daß man auf kräftigen
Boden ohne weitere Duͤngung Roggen nachsäen und sich bei magerem
Boden die halbe Düngung ersparen kann. Auf jeden Fall ist die
Serradella als ein Glied in dem Fruchtwechsel von höchster Bedeutung
weil iede Halmfrucht nach ihr vortrefflich gedeiht.
Als Futterkraut hat die Serradella dte größte Wichtigkeit; als
solches hat sie sogar große Vorzüge vor dem hochberühmten Klee. Der
letztere gedeiht nicht ohne kräftigen Dünger, und bei der besten Düngung
auch dann noch nicht, wenn sich nicht Thon und Kalk im Boden vor—
findet. Die größten Flächen der dortigen Geest sind, weil Sandboden
zum Kleebau nicht geeignet. Ein anderes Futterkraut, außer der Serra
della, das den Klee ersetzen könnte, gibt es bis jetzt nicht (der Acker
spergel ist nichts weiter als ein nothwendiges Uebel, bis die Serradella
ihn abgesetzt hat). Die Klagen über Mangel an Futter — Düngel
— Vieh — Brod — Geld — würden einstweilen nicht verstummt sein
Es ist geradezu ein Glück zu nennen, daß solchen futterarmen Gegen—
den jetzt die Serradella zu Hülfe kommt. Einige Pfund Samen davon
genügen, um da Ueberfluß zu schaffen, wo man bislang nur den Man
gel kannte. Der Klee hat zwar den Vorzug, daß er frühzeitiger is
und einen höheren Ertrag liefern kann, dagegen ist die Serradella im
Spätsommer und im Herbst, wenn es mit dem Klee vorbei ist, gerad
in ihrer Glaͤnzperiode und bleibt grün und saftig bis zu einem ernst
Heyn Trosf NMlä Krfineabe iuterscheide sich die Ser“gaselsa dodur'
Ich ersuche Jedermann, welcher über den Verbleib der gestohlen
Dosen oder den Dieb Auskunft geben kann, dies mir oder der nächste
Polizeibehörde anzuzeigen.
Saarbrücken, den 9. November 1864.
v. Ammon.
von ihrer Collegin, der bitteren Lupine, daß sie von allem Vieh soglen
und auf die Dauer sehr gern gefressen wird. Die Schweine z. B
ziehen die Serradella sogar dem Kohl vor, und fressen davon nog
gern, wenn sie schon halbfett sind und alles Andere verschmähen, wa
ihnen roh gegeben wird. Kühe bedürfen, wenn sie sich satt fressen kön
nen, nicht nur keiner weiteren Zuthat, sondern nehmen an Milch wa
an Fleisch noch zu, ja man hat Beispiele, daß Kühe und Ochsen allen
mit Serradella ganz erwünscht fettgemästet worden sind. An Mild
ergiebigkeit steht die Serradella dem Ackerspergel zurück, übertrifft abt
darin den Klee.
Aber auch zu Heugewinnung eignet sich die neue Pflanze vollkon
men; doch erfordert sie weit mehr Sorgfalt, als das gewöhnliche Her
lohnt diese Mühe aber auch reichlich durch vorzügliche Güte. Ma
verfährt ähnlich wie bei Klee: so wenig als möglich bewegen, dam
die kleinen Blättchen nicht verloren gehen, und ja nicht zu früh, nid
anders als völlig trocken einfahren.
Zur Gründüngung kann Herr Theilen sie nicht empfehlen, nich
deßhalb, weil sie vielleicht nicht stark genug düngt (was nicht zu be
zweifeln), sondern darum, weil es die größten Schwierigkeiten habe'
würde, einen reellen Serradellabestand unter die Erde zu bringen. De
erreicht man denselben Zweck mit Lupinen weit leichter und einfacher.
Als Handelspflanze ist die Serradella ebenfalls von Wichtigkei'
Wenn, wie oben mitgetheilt, 920 Quadratfuß 3 Scheffel Samer
— 20 Thaler brachten, so könnte 1 Schefselsaat (9720 Quadratfuß
über 200 Thlr. aufbringen! Man erwäge nur, wie viel gutes un
—0—
da eine Heerde hungriger Haidschnucken kümmerlich nährt, und danebe
bedenke man, was dasselbe Land allein an diesem kostharen Handels
artikel aufzubringen vermöchte!
Einen weiteren Nutzen hat die Serradella als erste Cultivirunge
pflanze der Haidestrecken, und stimmt hierin wieder mit der Lupine übe
ein. Es soll nichts weiter erforderlich sein, als gutes tiefes Pflüge
in größeren Zwischenzeiten, um die unfruchtbarste Haide zur schönste
Serradellaernte geschickt zu machen; und ist dieses Experiment einig
mal wiederholt, so soll der Boden geschickt sein, nach geringer Düngun
auch die höher stehenden Culturpflanzen zu nähren.
Endlich macht Herr Theilen noch auf einen Vortheil aufmerksan
nämlich die Serradella als Honig- oder Bienenpflanze. Ein mit die
ser Pflanze bestellter hat bei gutem Wetter seine ununterbrochene Musil
Tausende von Bienen kommen leer und gehen beladen. Daß d
Blüthen Honig enthalten müssen, könnte man allein aus dem süßt
Geruch derselben schließen. Nun wird Niemand leugnen, daß die Bie
nenzucht ein wichtiger Zweig der Landwirthschaft sei. Es giebt Gegen
den, wo man in der Nähe der Bienen besondere sehr honigreiche Pflan
zen anbaut, z. B. die Asclepias. Sollte es für unsere Bienenzüchtt
nicht der Mühe werth sein, eigens für ihre Stöcke ein Serradellafel'
anzulegen? Gewiß ist, daß diese Blüthe die letzte ist, aus welcher di
Bienen im Herbste ihre Nahrung ziehen.
„Der mit der Serradella Unbekannte,“ bemerkt Herr Theilen
„könnte glauben, ich hätte mein Thema mit Vorliebe behandelt, und i
gestehe, da hätte man den Nagel auf den Kopf getroffen; ja, mit Ver
liebe, aber nichts desto weniger mit Wahrheit. Einen menschliche
Irrthum ausgenommen, ist Alles wirklich so, wie ich es dargestellt.“
Die große Wichtigkeit der Serradella wird sicher eher zu niedri
als zu hoch angeschlagen; die Folgezeit wird es beweisen. Aber wi
kann es nun möglich sein, daß eine Reihe von Jahren verstreichen
mußte, ehe die Serradella ihren Weg bis zu uns fand? Wie geht e
zu, daß von betreffender Stelle aus nicht eber Kenntniß von dieser
raut genommen und Nichts gethan ist, dasselbe zu verbreiten? D
Aen iß es eine Freuße »u sehen. mit welscher Schnesse ⸗»g ient ve