Compost⸗ oder Menge⸗-Dünger für Feld und Garten.
Vortrag, gehalten im landw. Casino in Unterbarmen.
Mit dem Gedenkspruche:
„Wollt ihr Bauern sein geehrt,
Haltet fein den Dünger werth;
Alle Kunst die wird zu Schanden,
Kommt der Dünger euch abhanden,“
erlaube ich mir für Feld und Garten auf die große Wichtigkeit der An⸗
sammlung aller Düngstoffe wiederholt und. dringend aufmerksam zi
machen. Diese Ansammlung geschieht am zweckmäßigsten durch Anlag
von Komposthaufen. Durch Anlegung eines solchen kann der Dung
werth einer Wirthschaft bedeutend vermehrt werden. Zu diesen Kom
posthaufen werden alle nährende und düngende Stoffe dngewendet
welche weniger tauglich für die Dungstätte sind, z. B. die Abfälle von
Dreschen und aus den Kellern, Malzkeime, das Kehricht, die Rasen
die auf Anwänden und Ruͤcken, auf Aeckern und Wiesen zu hoch auf
gehäufte Erde, Unkraut, Gemüse, Wurzeln und Stengel, Moos, Ge
flügel, Mist und Abfälle, Seifenwasser, Holzerde, Ruß, Asche, Kalk
Abfälle aus Schlächtereien, Haarc, Hornspähne, Blut, Knochen, Leder
schnitzel, Teichschlamm, Bauschutt, Kalkabfälle aus Gasfabriken, aus
Seifensiedereien, ausgenutzte Lohe ꝛc.
Von diesen Stoffen werden viereckige, Z bis 4 Fuß hohe Haufer
angelegt, mit Abtritts- und Stallmist durchschichtet und mit Jaucht
oder Urin beschüttet. Damit letzteres bequem geschehen kann, ist es
zweckmäßig, dem Komposthaufen auf der Oberfläche eine muldenartige
Vertiefung zu geben. Wenn dieser öfters mit Jauche und Urin be—
feuchtete Komposthaufen mehre Wochen gelegen hat, wird er tüchtis
durchgearbeitet, wieder zusammengesetzt und wieder begossen, und diet
so lange fortgesetzt, bis man einen klaren und brocklichen Dünger er
hält, der sich leicht ausstreuen läßt. Da die Komposthaufen aus se
verschiedenen Abfällen bereitet werden, so läßt sich auch leicht begreifen,
daß dieselben vorzüglich wirksom sind und kann mit Recht der Kom
postdünger als ein bodenverbesserndes Mittel betrachtet werden, das
unter den verschiedenen Dünger-Ersatzmitteln gewiß die höchste Beach
tung verdient. In den Landwirthschaften Belgiens kann man die voll
ständigste Ueberzeugung gewinnen, wie sehr man den Werth der ver
schiedenen Abfälle zur Kompostbereitung schätzt, durch welche man nich
nur mehr, sondern auch füͤr leichteren Boden angemessenen, wenige
hitzigen, gleichmäßigen und kräftig wirkenden Dünger erhält. In Bel
gien beschäftigt sich Alt und Jung mit der Ansammlung und Zube
reitung der verschiedenartigsten Düngmittel, sowohl zum eigenen Ge
brauche, als zum Verkauf. In ver Stadt Brügge namentlich ernähren
sich durch das Sammeln des Straßenkehrichts und andere Abfälle übe⸗
600 arme Leute und bringt ihnen dies Geschäft gegen 60,000 Thlr
ein; es kommt daher denn aber auch, daß in diesem Orte, wo ein
solche nützliche Betriebsamkeit herrscht, Beitler nicht vorhanden sind, unt
daß die städtische Verwaltung dort davon baare Einnahmen bezieht
wofür anderoris oft vieles Geld ausgegeben wird.
Die Komposthaufen müssen für den Landwirth und Gartenbesitzen
gleichsam eine Düngersparkasse sein, worin er alle einzelnen, auch
noch so unbedeutenden Abfälle, die außerdem leicht verloren gehen kön
nen, einlegt und sammelt. Je sorgfältiger ein Landwirth alles, was
Abfall heißt, sammelt, um desto ordentlicher, reinlicher und gesunder
wird es zugleich in Feld, Hof und Garten aussehen.
In Betrefs der Anlage eines Komposth aufens wird Jedermann in
seinem praktischen Gefühle, so wie in seinen praktischen Erfahrungen
einen guten Führer haben und will ich nur noch auf einige specielle
Regeln hinweisen:
Ich erinnere daran, daß die Anforderungen, welche man an eine
gute Düngstätte stellt, auch für Komposthaufen geltend sind, daß man
bei Anlage derselben dafür zu sorgen hat, daß aus den Flüssigkeiten
des Komposthaufens nichts in die Erde, welche gleichsam die Sohle
bildet, einsinken, eben so wenig Wasser von Außen, außer dem Regen—
wasser dazu gelangen kann. Das Feuchthalten der Komposthaufen ist
nothwendig, indem sonst die Pflanzen und Thierstoffe nicht faulen und
5 rsetzen Bei einer mittleren Feuchtigkeit geht diese Zersetzung om
bnien von Statten, man muß deßhalb ein Uebermaß sowohl, als
zu geringes Maß von Anfeuchtungsflüssigkeit zu vermeiden suchen, n
de bei der Behandlung des Düngers auf der Düngstätte erford!
lich ist.
Findet sich im Innern des Komposthaufens Moder oder Schu
mel, so ist dies ein sicheres Zeichen, daß nicht genug Feuchtigkeit vr
handen ist.
Der Kompostdünger eignet sich besonders auf Wiesen⸗, Klee— u
Luzernefelder, sowie zur Düngung der Obstbäume, auch auf Ackerla
bei schwächlichen Samen ist derselbe vortheilhaft, dann auch bei Ge
tenbau, beim Gemüsebau aber nothwendig zu verwenden.
Viele Wiesenplätze können damit gedüngt und so der Stalldün—
zu den Aeckern verwendet werden. Die Wirkung dieses Düngers a
Wiesen dauert oft 2 bis 3 Jahre und zeigt sich dadurch besonders
daß das Moos vertilgt wird, gute Wiesenpflanzen erzeugt werden,
besonders das Boden⸗ oder Grundgras kräftig hervortritt.
Die Kompostbereitung verdient also weit mehr Aufmerksamkt
als ihr bisher leider nur geschenkt wurde. Ortsvorständen, denen
Reinlichkeit ihrer Dörfer am Herzen liegt und sich für den Wohlsta
der Angehörigen ihrer Gemeinden interessiren, werden hierdurch get
ten, dieser Angelegenheit ihre Beachtung nachdrücklich zuwenden r
so das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden zu wollen.
Feld⸗ und Gartenbesitzer aber beherziget den Gedenkspruch der Ein—
tung und legt jeder wenigstens einen Komposthaufen an.
Vermischtes.
Künstliche Fischzucht. — Nach einer Mittheilung des He
Wallon in Montauban erhielt man daselbst
im Jahre 1839—60 von 8,000 übersendeten Eiern 5,100 Fisch—
1860 61 , 45,000 42,200
1861 -62 , 52,00 47,000
18682 263 757 36,000
1363 61 5 BS50000
205,500 180,600
Drei Viertheile dieser künstlich befruchteten Eier gehörten
Lachse an und wurden in die großen Flüsse des Landes ausgesetzt;
übrigen waren Forellen und Lachsforellen und kamen in die Gebir—
wässer. Nimmt man die obigen Zahlen als abgerundet an, so erg
sich ein Durchschnittsverlust von /6, worunter sowohl die während
Transports, als während der Brutzeit verdorbenen Eier und die
gestorbenen jungen Fischchen mitgerechnet sind. Ein sehr günstiges
fultat, da man bisher mindestens */, Verlust zu rechnen pflegte.
(Bull. d'acclimot
— —— —
Giftige Schwämme. — Mit Recht ist kürzlich die N
widerrufen worden, daß man giftige Pilze daran erkenne, daß ein sil
ner Löffel oder eine Zwiebel schwarz oder bläulich anlaufe, wenn fie
Kochen darinstecken. Es gibt giftige, bei denen das nicht der Fall
und gute, bei denen es eintritt. Giftige Schwämme werden auch m
durch Abkochen eßbar. Wohl aber gibt es mehrere, die, wie
Hirschgeweih-Blumenkohl oder Hahnenkamm-Schwamm und der Don
schwamm oder Pfifferling, eine Leibweh machende Schärfe haben,
beim Abkochen vergeht. Am besten setzt man diese trocken mit ẽ
auf's Feuer, wo sie dann bald in ihrem Safte schwimmen, der se
abgegossen wird, da er sonst bald einzieht und verfliegt. Mit ihm
das Schädliche beseitigt. Bei dem Champignon dagegen läßt man
Brühe wieder völlig einziehen, da sie das feinste Gewürz ist und J
Unverdauliches enthält. So auch beim Kaiserling und allen che
Schwämmen. Der gelbe oder hochrothe Bradeschwamm und der Lau⸗
schwamm haben ein so flüchtiges Gewürz, daß sie nur fünf Minu
kochen dürfen und in fertige Brühe zu thun sind. Zu empfehlen
„Die nützlichen und schädlichen Schwämme“, von Dr. Lenz.)