Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Jahr auch das Gewicht des Getreides, und zwar von jedem Feld
notiren, was ihm manche Fingerzeige geben dürfte. Die Zeit der Aus
saat und Ernte, so wie der jedesmalige Stand der Früchte wird im
Buche nicht fehlen dürfen. Jeder Einfluß der Veränderung der Feld
bestellung und die Wahl des Samens darf nicht unbemerkt bleiben
sogar auf die Witterung wird das Auge des Landwirths aufmerksan
sein und für diese und ihren Einfluß eine eigene Rubrik führen müs
sen; den Gang der Gemeidepreise wird er fleißig bemerken; nicht unter
lassen wird er, alle seine Versuche mit ihren Folgen einzutragen, wobe
auch alle Umstände zu bemerken sind, unter denen sie angestellt wurden
Eine solche Buchführung wird nicht nur für ihn, sondern auch
für seine Nachfolger interessant und lehrreich sein.
Alle Bildung des Landwirths in seinem Fache hat keinen Werth
und Nutzen, wenn damit nicht ein gewisser Lebensernst, ein solider
Charakter verbunden ist. Sein gutes Beispiel muß im eignen Haust
und in der Gemeinde leuchten. Seinen Stand muß er lieben und die
ländliche Sitte in Ehren halten. In der Arbeit muß er überall voran—
gehen und ein humanes Betragen gegen alle seine Hausgenossen an
den Tag legen. Ueberschreitung seines Standes durch übertriebener
Lurus und das Zurschautragen einer gewissen eingebildeten Selbstherr
lichkeit geziemt ihm nicht. Dieses gilt vorzugsweise für den Klein
zrundbesitzer.
Zur Arbeitsamkeit ist jeder Mensch geboren, um so mehr der Land
wirth, von dem es vorzugsweise heißt, daß er im Schweiße seines An
gesichtes sein Brod erwerben soll. Wer sollte sich auch der Arbeitsam
keit schämen, da sie das Grundkapital des Nationalwohlstandes unt
die Ehre eines jeden Standes ist, während den Müßiggänger und Ver
schwender gerechte Verachtung trisst?
Das waren die schönsten Zeiten im Römischen Staate, wo der
höchste Beamte und größte Feldherr nach Niederlegung ihrer Aemtern
und Würden die eigene Hand an den Pflug legten und sich dadurch
sicher noch mehr ehrten. Der Römische Staat ging aber seinem Un—
dergange entgegen, als man die landw. Arbeiten den Sklaven überlief
und die Herren glaubten, sie seien nur zum Genuß geboren.
Horaz, der größte Dichter Roms, preist in einem seiner Gesänge
denjenigen glücklich, der die vom Vater ererbte Flur mit eignen Thieren
pflügt. Kein anderes Gewerbe hat so viel Lobreden in Versen und
in Prosa aufzuweisen als die Landwirthschaft.
Bildung des Verstandes und des Herzens ist neben der Arbeit
samkeit Ehre und Zierde des Landwirthes. Die Dorfschule soll zwa
den Grund dazu legen, aber darauf soll fortgebaut werden. Das folltt
freilich in landw. Lehranstalten geschehen, aber die wenigsten Jüngling
können solche besuchen. Landw. Versammlungen aber werden dazr
wenig beirragen nach der Art und Weise, wie sie abgehalten werden
Auch sind sie viel zu selten. Landw. Zeitschriften und Bücher können
hier am meisten wirken, wenn sie danach eingerichtet sind. Wohl dem
dandwirth, welcher für sich und seine Söhne einen kleinen Vorrath von
Buüchern und Zeiischriften im Hause besitzt und sie benutzt!
Soll das Landleben wirklich seine von den Dichtern gerühmte
Annehmlichkeit haben und das Gemüth heben und erheitern, dann muß
der Landwirth auch danach trachten, alles um sich, im Haus und Hof

im Garten, Feld und auf der Wiese zu verschönern. Schon die Alten
sagten: „Der ist alles Lobes werth, der das Nützliche mit dem Schö—
nen zu vereinen versteht.“
Dazu gehören keine kostspieligen Prachtbauten und Wohnungen
mit luxuriösen Möbeln. Solche werden den Landwirth wenig empfehlen.
Aus Uebermuth und Stolz gehen solche Ausschreitungen hervor und
nähren wieder Stolz und Uebermuth.
Es wäre Thorheit, ein altes Gebäude wegzureißen oder sich dessen
zu schämen, wenn es für die Wirthschaft bequem und noch lange Zeit
tauglich ist. Nicht das Gebäude und dessen Einrichtung ehrt den Mann,
der drinnen wohnt, sondern der Mann ehrt das Gebäude; und jeder,
der vor dem alten Gebäude vorüber geht, fühlt Achtung im Herzen,
wenn der Bewohner sich derselben verdient gemacht hat.
Auf meiner Reise sah ich in einem Dorfe ein palastartiges Ge—
bäude, das über seinem untern Stockwerke noch zwei andere trug. Ich
fragte einen Landwirth des Dorfes, welche Herrschaft im Hause wohne?
Er lachte und sprach: „Das untere Stockwerk ist für die Kühe und
Ppferde, das Obere für die Ochsen.“ Ich verstand ihn.
Einfachheit, Ordnung und Reinlichkeit sind die ersten Grundlagen
zur Verschönerung; dazu gehören gute Wege neben Haus und Feld,
ein schönes Gärtchen neben dem Hause, wenn Raum dazu vorhanden;
Besetzung der Raine, Abhänge, Racheln und Wege mit Obstbäumen
und Gehoölz; die Aecker sollen eine gartenmäßige Kultur erhalten; überall
oll sich der Fleiß des Landwirths zeigen. Was seine eigene Person
anlangt, so wird er seine Kleidung wohl nicht aus der Rüstkammer
der vorigen Jahrhunderte herbeischaffen, aber er soll auch nicht in der
Kleidung eines modesüchtigen Stutzers einher stolziren. Man wird an
ihm ein reinliches Werkeltag-⸗ und ein besseres Sonn- und Feiertagskleid
wahrnehmen; jenes wird sich für jede landw. Arbeit schicken, diefes zur
Ehre des Herren getragen werden. Sein Tisch wird siets so beschaffen
sein, daß seine Mitarbeiter mit sichtlichem Behagen das Mahl verzeh⸗
ren, mit dem zugleich auch der Hausherr zufrieden, weil die Arbeit seine
Würze ist.
Verbesserte Milchgefäße und Vorrichtung zum
Abrahmen der Milch.
Von Girard in Paris.
Auf einer hohen Bank sind sehr breite, aber nur eine Hand hohe
Gefäße zur Aufnahme der frischgemolkenen Milch aufgestellt. Sie ha—
ben knapp über dem Boden ein Abflußröhrchen, das von außen durch
einen Stöpsel geschlossen werden kann. Vor diesen Röhrchen ist eine
etwas gegen das Ende der Bank geneigte Rinne angebracht und an
deren Ende ein Milchgefäß aufgestellt. In die flachen Gefäße wird
nun die frischgemolkene Milch gegossen und ruhig bei mäßiger Tempe⸗
ratur, am besten 12 Grad Réaumur, stehen gelassen, damit sie „auf⸗
werfe“, d. h. die Butterkügelchen in der Milch emporsteigen und sich
als Rahm über den anderen Theil der Milch lagern. Anstatt nun,
wenn die Milch aufgeworfen hat, den Rahm abzuschöpfen, öffnet die
Arbeiterin das Ausflußröhrchen, durch welches die unter dem Rahm
stehende Milch abfließt und durch die Rinne in dem Milchgefäß auf—
gefangen wird. Das Abrahmen geschieht auf diese Weise bequemer
und vollständiger.

sSubmission
auf Tieferung von Tederanzügen.
Für die Gruben der 5. Berginspection soller
auf dem Wege öffentlicher Submission
7 Stück wasserdichte Lederanzüge
beschafft werden, wozu Termin auf Freitat
den 28. d. M. Vormittags 10 Uhr, in de
Amtsstube des Unterzeichneten anberaumt ist
Daselbß liegen die Bedingungen zur Einsich
offen, und werden Unternehmungsluftige hiermi
eingeladen, ihre Offerten gehörig geschlosser
und äußerlich bezeichnet, bis zu dem angegebenen
Zeitpunkie hierher einzusenden, auch im Termin
versönlich erscheinen zu wollen.
Sulzbach, den 18. October 1864.
Der Schichtmeiste⸗
Na

Verdingung
von Gruhenbetriebs-Bedürfnissen pro 1865.
Am künftigen Mittwoch den 2. No⸗
vemberc. Nachmittags 2 Uhr, sollen zu Sulz
bach im Hause des Herrn Gastwirthes ð. Mar
tin für Rechnung der Grube „Sulzbach⸗Alten
wald“ die nachstchend verzeichneten Lieferungen
und Arbeitsleistungen einer öffentlichen Verdin
zung ausgesetzt werden.
A. Materiab-Cieferungen.
1) 5900 Schachten Bruchsteine,
2) 800 Tonnen Kalk,
3) 500 Kummen Sand,
23 tausend Bachstrine,
15 tausend Pid. Beitstroh und
60 Kummen Streusand zur Schlafhaus
3 *10

7) 10 tausend Dachziegel,
8) 500 Centner feuerfeste Thonsteine,
9) 250 Cenmer desgl. Thonerde.
B. Arbeits-Ceistungen.
1) Ab⸗ und Anfuhr der Betriebsmaterialien
ꝛ2c. nach und von der Bergfaltorei,
2) desgl. nach und von der Eisenbahnstation
Friedrichsthal,
3) Fuhrwerk im Bereiche des Grubenfeldes
4) Beifuhr des Pulvers von Grube „Fried—
richsthal-Quierscheid“,
5) desgl. der Kohlen zur Schlafhaus⸗Oeco—⸗
nomie, und
6) Ausweißen der innern Räume der Schlaf—
häuser.
Sulzbach, 17. October 1864.
Der Schichtmeiste
            
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