Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

von Verbrüderung. Ihre festen Bestallungen, ihr Kriegsdienst bei der
in hohen Ehren stehenden Reiterei und ihr Amt bei den landesherr
lichen Höfen oder bei den Magistraten der Reichsstädte gaben ihnen
ein hervorragendes Ansehen. Sie blickten auf die Pfeifer und Spiel
leute des Fußvolks mit Stolz herab. Allerdings waren sie bei der
damaligen Kriegsführung von Wichtigkeit. Zu ihrem Dienst gehörte
abgesehen von fester Kenntniß und genauer Ausführung der Signale
ein unerschrockener Sinn und tapferer Muth, da sie die Angriffe der
Reitergeschwader im Vordertreffen begleiteten und im blutigsten Schlacht
getümmel durch frische, herzerhebende Klänge die Kampfesfreudigkei
der Streiter erhielten, die Flüchtigen zur Standarte zuxück und vor
neuem auf die Wahlstatt führten und ausharrten bis sie Victora bla
sen konnten. In der Hitze des Gefechts ließen sie des Rosses Züge
fahren und sprengten, in der linken Hand die Trompete, in der rech
ten das Reiterschwert, bald blasend, bald dreinschlagend, in die dichtesten
Reihen der Feinde. Da nun bereits im ersten Drittel des dreißigjäh
rigen Krieges ihrer so viele auf den Schlachtfeldern geblieben waren
daß Mangel an ordnungsmäßig gelernten Leuten eintrat, so hatten die
Regimenter wohl oder übel allerlei fahrende Spielleute statt ihrer an
nehmen müssen. Um diesem Nothstande und seinen Folgen vorzubeugen
erwirkte eine Anzahl kurfürstlicher und kaiserlicher Hof- und Feldtrom
peter und Heerpauker von Kaiser Ferdinand II. 1630 ein Privelegium
welches ihnen eine freie ritterliche Kunst zusprach. Nur makellose Lehr—
buben wurden in ihre Zunft aufgenommen, und den Comödianten wa
von nun an nur noch bei ihren Gaukelspielen das edle kriegerisch;
Trompetenblasen erlaubt. Eine kursächsische Verordnung von 1550 eifer
gegen die Frechheit, daß Unberechtigte die Posaune bliesen, als ob es
eine Trompete wäre, „wodurch der ehrliche Trompetenschall auf's höchste
gemißbraucht sei.“
Die andere sehr umfangreiche Zunft war die der Klopffechter des
17. und 18. Jahrhunderts. Sie gehörten durchaus zu den unehrlicher
Leuten, die unter einem bedeutenden Ehren⸗ und Rechtsmangel zu leider
hatten. Der Klopffechter verhielt sich zum Kämpen, wie dieser zun
Turnierhelden, ähnlich wie Bänke sänger und Meistersänger sich zuein
ander verhalten. Bei dem kriegerischen Geist der Deutschen, ja man
kann sagen, bei der überwiegenden Rauflust, die im Vergleich mit an
deren Völkern alles germanische Blut bewegt und von Urzeiten bi
heute noch schaarenweis außer Landes treibt, blos um sich für nod
werthlosere Dinge als des Kaisers Bart schlagen zu können — be
diesem kampfbereiten Sinn der Deutschen erhielt sich die Fechtkuns
lange in großem Ansehen, und die in den Städten seßzhaften Fechtmeiste
behandelte man meistentheils mit Achtung. Verschiedene von ihnen
waren die Darsteller ziemlich ungefährlicher Zweikämpfe und andere
Kampfspielereien. Unter sich zu einer mystischen Genossenschaft ver
bunden, nannten sie sich etwas räthselhaft „St. Markus- und Lukas
brüder, Freifechter von der Feder, Fechtmeister von St. Marko unt
Löwenberg und angelobte Meister des langen Schwertes von Greifen
fells.“ Sie stritten oft mit allen Gewehren, vom kürzesten bis zun
längsten und umgekehrt, mit Dilettanten für Geld, mit ihren Waffen
brüdern bis auf's Blut. In den Pausen ergötzte sich das Publikun
am Pistolenschießen nach Türkenköpfen, am Pikenwerfen und besondere
am Fahnenschwingen, ein Kunststück, das auch bei Handwerksgesellen jener
Zeit sehr beliebt war, und welches noch jetzt in einigen Alpenthälerr
von den in ihrer Nationaltracht schmuck herausgeputzten Burschen ar
Kirchweihfesten mit großer Meisterschaft kraftvoll ausgeübt wird.
Aber mit der ausgedehnteren Aufnahme der Schießübungen, mi
dem Erstehen der immer zahlreicher werdenden Schützengilden erlahmt:
allmälig die Lust am Fechten. Je voller die Schießgräben, je leerer
ind immer die Fechtböoden geworden. Nur noch der deutschen Stu
dentenschaft ist es sowohl im späteren Mittelalter als in der neuester
Zeit zu danken, daß die Kunstfertigkeit in Hieb und Stich nicht ganz
in den Hintergrund gedrängt wurde, denn was die Offiziercorps und
militärischen Institute in dieser Beziehung gethan haben, hat immer ein
wenig nach Ordre und Zwang geschmeckt und nie eine so freie, em
sig gepflegte Neigung wie das schlagfertige Treiben an den deutschen
Nniverfitälen bekundet. In der That waren die Deutschen, nachden
sie in den ersten Ritterzeiten von den Franken, Franzosen und Wälscher
—Ar rasck ein?22 Noriseile im Turnien und KOamuf arrenommen **

ten, stets die ersten Meister in der Fuhrung des Schwertes, und v
den berühmten naturalistischen Schwabenstreichen bis zu dem feinst.
Schulhieb hinauf oder hinab hat es ihnen noch leine Nation an Kra
und Geschicklichkeit zuvorgethan, welcherlei französische und italienisd
Fechterfinten sich ihnen auch immer gegenüberstellen mochten. Ma
sollte von Oben herab nicht zu besorglich gegen die Pflege dieser Wa
fenübungen einschreiten, denn das Unglück, welches dadurch in vertn
zelten Fällen herbeigeführt wird, steht wohl im Großen betrachtet
zar keinem Verhältniß zu dem moralischen Gewinn, der durch
Stählung des mannhaften Sinnes bei der Jugend in's Leben
Er bietet der Zahmheit unserer Zeit ein wohlthätiges Gegengewicht de
und was sich endlich der Zahl nach jene immerhin sehr beklagenswerth
Verluste an Menschenleben gegen jene Hunderttausende von Hinopft
ungen, welche die modernsten Kriege gekostet haben, und denen m
oft gewiß nur sehr bedingungsweise eine sittliche und national ehre
hafte Nothwendigkeit zusprechen kann.
Dem einsichtsvolleren Gemeingefühl und Nationalbewußtsein
neuesten Zeit scheint es vorbehalten, durch eine ausgedehnte Wiederau
nahme und Fortentwickelung der mittelalterlichen Schützencorps un
durch eine geregelte Verallgemeinerung der Turnerei ebenso für das leib
liche als geistliche Wohl der Generation zu sorgen und damit der
Enkeln nicht blos eine gesunde physische Erbschaft, sondern auch ein
zuverlässige Schutzwehr gegen fremde Gewalt zu überliefern. Wenn
man in ganz Europa denselben Weg einschlüge, so würde dies, wie
alle gemeinsame harmonische Fortbildung zwischen Geist und Körper
mehr dazu geeignet sein, ein friedliches Gleichgewicht als eine gegen
seitige Rivalisation zu erwecken. Die alten Griechen bezeichneten das
höchste Resultat ihrer gymnastisch-akademischen Bildung mit dem Wort
Musik. Wohlan denn! dies ist die einzige wahre Zukunftsmusik, di
unsere neue Zeit zu erringen hat.
Mach d. wissenschaftl. Beilage d. Leipz. 3ta.'

—I1

Was thut der Landwirthschaft Noth?
(Aus der „Illustr. landw. Zeitung.“)
III.
(Schluß aus Nr. 108.)

Also auch in den drei letzten eben genannten Zweigen, in de
Kultur der Wiesen, des Obstes und in der Viehzucht, haben die No
lurwissenschaften sehr viel erforscht, was aber bei dem Landwirth, be
—D V
daher auch noch keine Anwendung gefunden hat, worüber aber d
Zeitschriften noch sehr lange zu sprechen haben werden.
Ich eile, um zum Schlusse noch über drei sehr wichtige Gegen
Zände zu sprechen, welche dem Landwirth und der Landwirthschaft seb
noth thun. Der erste Gegenstand betrifft die landw. Buchhaltun⸗
Diese kann keinem Landwirth warm genug an's Herz gelegt werden
immer wieder wird darin Unterricht gegeben werden müssen.
Nur aus einer richtigen und strengen Buchführung kann de
Landwirth ersehen, ob es mit ihm vorwärts oder rückwärts geht; au—
ihr allein kann er so manchen Fehler entdecken, den er bisher beganger
aber auch die Wege auffinden, die er einschlagen muß, um vorwär
zu kommen.
Weil viele Landwirthe kein Buch, keine Rechnung führten, darur
sind sie zu Grunde gegangen. Es fehlte ihnen das Licht über ihn
Einnahmen und Ausgaben.
Eine richtige, strenge Buchführung kann manchem Landwirth d
Blick für die Zukunft schärfen, kann ihn zur Sparsamkeit, zum Fleit
und zur Ordnung führen.
Nebst dem Buche, in welchem die Einnahmen und Ausgaben ver
zeichnet sind, wird aber der strebsame und verständige Landwirth no—s
andere Bücher mit verschiedenen Rubriken bei und unter der Hand boe
hen. Es versteht sich von selbst, daß Aussaat-, Ernte⸗, Ausdrusch⸗ un
— eene Astar nidee caleser uungn Doer 95dmierteka wird iet
            
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