Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

fich das Interesse des Prinzen für die Wohlfahrt derselben kund, son⸗
zein auch in der Hebung und Vermehrung ihrer geistigen Kräfte; so
wurden Tagschulen für die Kinder, Abendschulen für die Erwachsenen,
die bei Tage die Feldarbeit besorgten, errichtet, Preise für die fleißigsten
und geschicktesten Zöglinge ausgesetzt, Bibliotheken zur Belehrung und
Unterhaltnng eingerichtet.
Die vorsteheuden Bemerkungen enthalten die Hauptzüge aus der
Andwirthschaftlichen Thätigkeit des Prinzen; seine geistige Regsamkeit,
sein Ernst und seine Energie in der Durchführung seiner Pläne, seine
Beharrlichkeit bei angefangenen Unternehmungen, seine liebevolle Hingabe
an die Details, seine Herzensgüte, seine Pflichtireue und sein durchaus
wraktischer Sinn können nicht genug gewürdigt werden. Seine ange—
jorne Neigung zur Landwirthschaft, der Umstand des von ihm bewirthschaf—
eten Landgebiets, die Aufnahme und fortgesetzte Weiterförderung aller wich—
igen Verbesserungen auf diesem Gebiete, seine Musterwirthschaft und
vor allen Dingen sein Verdienst als Züchter haben ihn in die erste
mie der Landwirthe Englands gestellt und ihn der hohen Ehre würdig
emacht, welche ihm durch die Ernennung zum Präsidenten der „kRoysd
gricultural Society of England“ für das Jahr 1862 zu Theil wurde.
Ueber Wiesengräser.
Wenn man gegenwärtig über eine gutgelegene und gehörig gepflegte
viesenfläche hinschaut, glaubt man eine größere Mannigfaltigkeit von
zräsern und Kräutern auf ihr zu finden, als es in Wirklichkeit ist.
e Familie der Gräser ist unter allen Gewächsen die verbreitetste und
unseren natürlichen und künstlichen Wiesen vorherrschend. Aber auch
Pflanzen, von welchen wir den größten Theil unserer Nahrung er—
alten, die verschiedenen Getreidearten in unserer Gegend gehören zu
jeser Familie der Gräser (Gramineae).
Die Kennzeichen dieser Gräser sind: ein rauher Halm, der durch
lehrere Knoten abgetheilt ist, lange schmale Blätter, die am Halm her—
aterlaufen und um ihn eine Scheide bilden. Die Blüthe, welche ganz
ein und unscheinbar ist, und die Fruchtkörner befinden sich in einer
ispe oder Aehre. An diesen Merkmalen kann man die Gewächse der
amilie der Gräser von allen andern Pflanzen leicht unterscheiden.
wberdies haben die Gräser im grünen Zustande, vor der Reife, in
rem Stengel oder Halm einen süßen Stoff (Bucker) und reifen mit
ner Mehl enthaltenden Frucht (Körnerfrucht). — Auf der ganzen
irde zählt man ungefähr 2000 Arten, die in die Familie der Gräser
hören. In unserer Gegend gehbren zu dieser Familie nicht nur die
stwachsenden Wiesengräser und alle unsere Getreidearten, Dinkel,
jeizen, Roggen, Gerste, Hafer, sondern auch die Hirse, der Mais und
s Welschkorn, und in wärmeren Gegenden, z. B. in Italien, der
z, und in heißen Läudern, in Asien und Amerika das Zuckerrohr,
in seinem 2 Zoll dicken Stengel den Zuckersaft enthält.
Zur Ernährung der Menschen und der Hausthiere wird demnach
meiste Nahrungsstoff aus dieser Familie genommen; auf diesen so
chtigen Pflanzen beruht gleichsam die menschliche Gesellschaft, die Ge—
ung und Civilisation. Das Futter für die nützlichen Hausthiere,
ierde, Rinder, Schafe, das Brod, Mehl, der Zucker, das Bier, der
anntwein, Arak und noch viele Gegenstände werden aus dieser Fa—
lie genommen. Durch das schöne Grum ihrer Blätten, die sich bei
en Arten gleichen, ergötzen sie das Auge mit dem Beginn des Früh—
is und durch ihre schnell aufschießenden, aufrechten Halme erfrruen
dei ihrem üppigen Wachsen Jedermann, indem das Wohl oder
he des Jahrgangs von ihrem Gedeihen abhängt. Während unsere
resengräser, die Schmeele, das Rispengras, der Schwingel, das Ray⸗
w, Wiesenfuchsschwanz und Lieschgras 2 bis 3 Fuß hoch werden,
vßen in unsern Wäldern einige Arten von Schmeclen un Trespen
Ais 6 Fuß auf, und einige unserer Getreidearten, der Roggen 6 bis
Fuß. In warmen Gegenden wird der Reis 4 bis 5 Fuß, der Mais
»is 10 Fuß, und die Moorhirse 10 bis 15 Fuß hoch. In heißen
dern treibt das Zuckerrohr 15 bis 20 Fuß hohe, 2 Zoll dick
e bonr eine andere, ebenfalls wichtige Grasart das Bambus
im Ofindien, erreicht in wenigen Monaten eine Höhe von 40
500 Fuß und eine Dicke von 1bis2 Fuß.
sehen demnach in großer Abstufung die Gräser vom 2 Zoll
chafschwingel auf trockenen felsigen Bergen in unserer Gegend
um baumhohen Rohr an den Flusfen Oftadiens. Hier

iber nur besonders die Wiesengräser in Betracht, die man auf allen
Wiesen, auf allen Rainen und auf allen Weiden findet, aber von einer
ähnlichen Pflanzenfamilie, den Riedgräsern, Seggen, Binsen, oft auch
Schnittgras genannt, wohl unterscheiden muß.
Diese Riedgräser haben häufig einen dreieckigen, dreikantigen Halm,
der ganz knotenlos ist, die Blätter sind entweder pfriemenartig, oder,
wenn sie breiter sind, scharf, rauh und schneidend. Sie enthalten keinen
üßen Saft, keinen Zucker, und werden deshalb zum Unterschied von
»bigen, die man süße Gräser nennt, saure, auch unächte Gräser genannt.
Diese sauren Gräser kommen nur auf nassen, sumpfigen Weiden, oder
reuchten Waldplätzen vor. Die ächten oder süßen Gräser kommen mehr
auf trockenen oder feuchten und bewässerten Wiesen vor, in sumpfigen
Wiesen weniger. Während die süßen Gräser ein sehr nahrhaftes Fut⸗
ter geben, haben die sauren Gräser, die Riedgräser, wenig nährende
Bestandtheile, was jeder denkende Landwirth schon längst weiß und den
Werth einer Wiese und den Preis des Heues darnach berechnet. Auch
geht das Streben des tüchtigen Landwirths stets dahin, auf seinen Wie—
sen die guten Gräser zu vermehren und die schlechten zu vertilgen. Alle
Wiesenverbesserungen, durch Entwässerungen und Bewässerungen, haben
diesen Zweck, und der Landwirth fucht die verschiedenen guten Gräser,
das Raygras, das Lieschgras, die Wiesenschmeele, den Wiesenfuchs⸗
schwanz, Wiesenschwingel, das Wiesenrispengras, das Knaulgras und
Honiggras auf seinen Wiesen zu pflegen und zu den vorherrschenden
Bräsern zu machen. Alle diese Gräser, gewöhnlich mit dem Namen
Schmeelengras bezeichnet, finden sich auf allen besseren Wiesen, und
se nachdem sie mehr oder weniger naß oder bewässert find, ist diese oder
jene Art vorherrschend.

Technische Notizen.
Dort's Apfelschälmaschine. Vor ehnigen Jahren erfand
der Mechaniker Dort in Dresden eine Apfelschälmaschine, die alles
eistet, was man von einer solchen verlangen kann. Der Apfel wird
beim Schälen an eine Spindel mit 3 Eisenspitzen fest gesteckt und durch
wei in einander greifende Räder äußerst schnell gedreht, während das
zrößere der Räder zugleich das an einer Feder befindliche Messer in
her Weise bewegt, daß der Apfel in wenig Secunden geschält ist. Das
Messer springt dann vermittelst einer Springfeder mit Geräusch von
elbst zurück und man hat weiter nichts zu thun, als das Rad immer
zach einer Seite (nie rückwärts) zu drehen, neue Aepfel anzustecken und
die geschälten abzunehmen.
Für den großen praktischen Werth und Nutzen der Maschine spricht
am deutlichsten die starke Verbreitung unter den Obstbauenden und
Obstpächtern hiesiger Gegend. Nach dem Urtheil derselben bringt diese
Maschine einen ungemein großen Nutzen, und wenn ich meine eigenen
Versuche nach den Angaben dieser Leute zusammen stelle, so kann bei
der Leichtigkeit der Bewegung schon ein Kind von 12 bis 14 Jahren
äglich 3 bis 4 Dresdner Scheffel (anf einen Scheffel gehen etwa 800
Stück mittelgroßer Aepfel) schälen. Die Maschine schält am besten die
auch zum Dörren am geeigneisten rundlichen Aepfel und Birnen von
bt/2 bis 3 Zoll Durchmesser; die länglichen Obstsorten eignen sich
veniger dazu.
Die Maschine ist von Gußeisen sehr solid und dauerhaft gearbei—
et, wiegt nicht ganz 2 Pfund und kann von mir gegen Baareinsendung
»der Nachnahme von 1 Thl. 25 Sgr. incl. Verpackung bezogen werden
Bei der durch diese Maschine erzielten schnellern und weit billigeren
Aufbewahrung des Obstes dürfte sie ein wesentliches Beförderungs⸗
nittel des Obstbaues sein.
Hermann Goeihe,
Besitzer der Gorbitzer Obstbaumschule bei Dresden.
Der Unterzeichnete, welcher sich von der ganz vorzüglichen Brauch—
»arkeit der vorstehend erwähnten Apfelschälmaschine vollkommen über—
seugt hat, nimmt daher keinen Anstand, dieselbe hiermit allen Obstbauen⸗
den bestens zu empfehlen. Dresden, den 6. November 1863.
Geheimraih v. Floto w.
Vorstehende Zeugnisse für die Brauchbarkeit der genannten Ma—
chine in der angegebenen Art kann ich nach den mit derselben vorge—
commenen Versuchen für hiesige Kreise der Wahrheit gemäß bestätigen.
Immisch.
            
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