Was thut der Landwirthschaft Noth?
(Aus der „Illustr. landw. Zeitung.“)
III.
Kein in den Naturwissenschaften unterrichteter Landwirth wird
mehr glauben, daß das Feld während der Brachezeit ausruhe oder daf
es eine Bereicherung an unverbrennlichen Nahrungsstofsen durch der
Pflug erhalte; was es enthält, ist blos eine Losung der vorhandener
chemisch gebundenen Nahrungsstoffe. Wohin endlich die bloße Brach
ohne Düngung führen muß, dazu braucht es keinen großen Scharfsinn
Das Ausruhen fällt von selbst durch Benutzung der Brache zu Hack
früchten, Klee ꝛc.
Man wird nun auch im Stande sein, ein Urtheil über die Grün
düngung zu fällen. Was gibt sie dem Boden? Gewöhnlich das nicht
was ihm fehlt. Was die Gründüngung dem Boden genommen, das
gibt sie ihm zurück, nebst einigen aus der Atmosphäre durch die Blät
ter bezogenen Stoffen. Wie denn, wenn dem Boden einer der unver—
brennlichen Nahrungsstofse fehlt, hat die Gründüngung diesen um ein
halbes Quentchen vermehrt? Mit nichten! Aus der Atmosphäre konnte
die Gründüngung ihn nicht herbeischaffen, da er hier nicht zu finder
ist. Durch die Gründüngung verschwendet man nur Zeit; wäre e⸗
nicht besser, man sammelte und bereitete mehr Dünger, um die Grün
düngung nicht anwenden zu dürfen 7? Aber, — wird man sagen — di
Gründüngung bringt Nahrungsstoffe aus dem Untergrund in die Acker
krume! Wir können hierauf mit einem andern Aber antworten; wir
sagen: Der Untergrund hat eine sehr arme Kasse, wie jedermann weiß
sie nimmt äußerst wenig ein. Nehmen wir öfter heraus, so wird die
Kasse bald leer sein; das Feld wird bald gründüngungsmüde werden
Man baue also auf die Gründüngung nicht auf eine weite Zeil
hinaus.
Was sollen wir von jenen zum Theil gelehrten Landwirthen denken.
welche nicht müde werden zu predigen: „Lasset uns nur Futter bauen,
und zwar auf der Hälfte unserer Felder; die andere Hälfte wird uns
dann eben so viel, wenn nicht noch mehr Körner geben als zwei Drit
tel bei der Dreifelderwirthschaft; dann haben wir Mist genug von
Futter und Geld genug vom Körner-, vielleicht auch noch dazu von
Strohverkauf.“ O die armen Unwissenden! Sie glauben, ihre Feldern
geben ihnen das Futter ganz umsonst und sie hätten nichts zu ersetzen
es könne dann alles ersetzt werden, und zwar überreich, was an der
verkauften Körnern von und aus dem Boden mit verkauft wurde. Di—
Zeit wird kommen, wo sie enttäuscht werden; wir rathen ihnen aber
bei Zeiten in einem guten Lehrbuche der Landwirthschaft nachzusehen
ob sie sich nicht im Irrthum befinden und dem Felde mit ihrem Fut
terbau nicht zu viel vertrauen. Es gibt auch in der Landwirthschaf
ein vermessentliches Vertrauen. Die Futterpflanzen greifen den Boder
nicht weniger an als der Weizen.
Mancher läßt sich blenden durch seine steigenden Ernten, ohne daf
er seinen Feldern mehr Ersatz geleistet hat für das ihnen durch die
Ernten Entzogene. Er glaubt nun, die Erträge werden für immer
andauern oder wohl gar nicht mehr steigen; es ist dieses der zeitwtilige
Lohn für das, was er an seinen Feldern verbessert hat. Er pflügte
sie vielleicht sorgfältiger, er drainirte sie, reinigte sie vom Unkraut, von
Steinen ꝛc. Vielleicht hat er sogar die Peitsche, z. B. eine Kalkdüng
ung, angewendet. Ohne vollkommnen Ersatz werden die reichen Ernter
bald nachlassen. Je reicher sie sind, desto mehr erschöpfen sie den Bo—
den. Es ist wohl zu beachten, ob wir die höhern Ernten einer Be
teicherung oder nur einer physikalischen Verbesserung des Bodent
zuzuschreiben haben. Im ersten Falle werden bei entsprechendem Ersatz
die Aecker fruchtbar bleiben, im zweiten Falle aber bald geringere Ernten
geben, wenn auch zugegeben werden muß, daß der Dünger bei physi
kalischer Verbesserung des Bobens besser ausgenutzt werden kann.
— der —— der dem Boden durch die Ernten entzogenen
* — urch Dünger vollkommen geschehen muß, soll die
* ten — en werden; wenn dieses als ein Gesetz
e v er ahrheit dasteht und die Uebertretung desselben
n e päter sich rächt, so ist es zu verwundern, daß von diesen
gesetz fast gar keiner der kleinen Landwirthe einige Kenniniß
en scheint · wäre dieses dee Ta c ree4—
war alles, was nach der Naturwissenschaft Dünger sein kann, fleißiger
sammlen, sorgfältiger pflegen und rationeller verwenden. Und doch ist
das obige Gesetz das erste und Fundamentalgesetz der gesammten Land—
wirthschaft, das sogar bis in die Vichzucht hinauf seine Geltung hat,
dessen strenge Befolgung allein vor Verarmung des Bodens, vor Nach—
laß der Ernten, vor Brod- und Geldnoth schützen, den Vorwurf des
Raubbaues abwenden kann, dessen sträfliche Folgen oft erst die spätesten
Enkel zu tragen haben. Es wird noch lange dauern, ehe dieses Ge—
setz volle Anerkennung, es wird noch längere Zeit verlaufen, ehe es
seine Anwendung nach allen Richtungen hin findet. Wahrhaft noch
eine große Arbeit für alle Zeitschriften in eine lange Zukunft hinein.
Doch ich wollte nur einige Beispiele anführen, wo es bei den
Landwirthen noch fehlt. Diese wenigen mögen genügen; sie betreffen
nur den Ackerbau. Ich könnte aber beweisen, daß die Wiesen⸗ und
Obstkultur noch die allerschwächsten Seiten der Landwirthe sind, obwohl
auch in diesen Zweigen die Wissenschaft sehr viel Nützliches zu Tage
gefördert hat, das noch auf seine Bekanntmachung und Anwendung
harrt.
Gleichviel und vielleicht mehr noch hat die Naturwissenschaft für
den andern Theil der Landwirthschaft gethan, nämlich für die Viehzucht.
Sie hat mit ziemlicher Genauigkeit die Gesetze der Ernährung und
Züchtigung aufgestellt, und ihr Streben war, die Viehzucht über den
niedrigen und erniedrigenden Stand einer Düngerfabrik empor zu heben.
Wo man die Gesetze der Wissenschaft befolgte, haben diese die rühm—
lichste Zeugenschaft für sich gefunden. Diese Gesetze sind ebenfalls
Naturgesetze, deren strenge Befolgung zum gewünschten Ziele führt,
sowie die Natur immer die weiseste Führerin bleibt.
Wenn ich sagte, daß die Wiesen⸗- und Obstkultur die schwächste
Seite des Landwirthes sei, so konnte ich dieses mit gleichem Rechte
von der Viehzucht sagen. Das Gesetz der Ernährung nach seinen zwei
Seiten hin, nämlich in Bezug auf Erhaltungs- und Produktionsfutter,
kennt man eben so wenig, als die Nahrhaftigkeit der verschiedenen
Futterstoffe; man straft sich selbst durch die verderbliche Ansicht, daß
die Menge des Viehes der Stolz des Landwirthes sei, wodurch man
sich in aller Produktion, selbst in jener des Düngers verkürzt und die
Viehzucht zu einem lästigen, nothwendigen Uebel durch eigne Schuld
macht. Noch größer wird dieses Uebel und in seiner Größe sehr fühl—
bar, wenn man, ohne vorher für mehr und besseres Futter Sorge zu
tragen, ausländische Viehstämme einführt, welche in einer für sie ünge—
wohnten Gegend mehr und besseres Futter verlangen, wenn sie gedeihen
sollen, bei Futtermangel aber in der Rentabilität unter unser Landvich
schnell herabsinken. Um die Engländer mit Glück nachahmen zu können,
wird es noch lange dauern; wir müssen ihr Futter erzeugen können
und ihre Fleischspeisen haben, dann aber auch die Thiere entweder gar
nicht oder nicht lange bei der Wirthschaft brauchen.
(Schluß folgt.)
Fruchtbarmachung einer Baumschule mit Mist—
dünger.
Betreffend die Fruchtbarmachung einer Baumschule mit Mistdünger,
finden wir in den „Frauend. Bl.“ folgende Bemerkung: Er schwellt
zwar die Bäume auf und läßt sie schnell und ansehnlich erwachsen;
aber was nützt hier eine blühende Jugend, die nicht zum männlichen
Alter reift und bald zur Erde hinwelkt? — Bäume, die auf einem vom
Dunge fetten Boden erzogen worden sind, werden nicht fruchtbar, be—
ommen ein schwammiges, zum Brand geneigtes Holz, dauern nicht
ange und nach Beschaffenheit des Grundes und Bodens, worauf sie
oersetzt werden, sterben sie schon ab, wenn sie eben aufangen sollen, die
von sich gegebene Hoffnung zu erfüllen. Durch die unzeitig überhäuf—
ten Nahrungssäfte werden die Saftgefäße zu weit ausgedehnt, die
Dauerhaftigkeit der Bäume gegen Frost wird äußerst vermindert, da⸗
gegen ihre Hartheit und Schwäche geradezu befordert, so daß fie, wenn
sie in ein Sandland oder sonst in einen geringen Boden kommen, zu⸗
rückgehen und absterben. Ist es nicht besser, mit der Natur auf ihrem
langsameren, aber fichern Wege fortzuschreiten, als ihren Gang überei—
len und ihr Ziel üherschreiten zu wollen?