hurmähnliches Ansehen. Wenn die alten Dichter von weithin schim—
mernden Dächern sprechen, so sind hierunter buntverglaste Ziegelsteine
hellfarbige Schindeln oder gar Erzplatten zu verstehen. Die Erker mi
ihren schönen Aussichten waren die Ehrenplätze der Frauen, wurden abe'
auch in Kriegszeiten zur Bekämpfung des schon nahen Feindes gebraucht
Zu den Hauptbestandtheilen eines jeden königlichen oder größeren Pa—
latiums gehörte die Hofcapelle, so zu Aachen, Frankfurt und Ingelheim
Die Burgeapellen wurden auch von den kleineren Reichsfürsten und
anderen Dynasten nicht vernachlässigt; die Domhöfe und reichen Ab—
teien bauten schon in sehr frühen Zeiten prachtvolle Kirchen, und se
entstanden oft bereits im zwölften Jahrhundert aus jenen Anfängen die
prächtigen Domkirchen und Münster, indem die Abteien nicht selten der
Mittelpunkt einer sich darum ansiedelnden Stadt wurden.
Indessen nicht blos die äußere, auch die innere Einrichtung des
Palas oder der Pfalz reicht ihrer Grundlage nach bis in die karolin—
gischen Zeiten hinauf. Die Diele, in welcher in vielen alterthümlichen
Bauernhäusern heute noch gekocht, gegessen und geschlafen wird, wurde
nach und nach zu einem Ritter⸗ und Kaisersaal erweitert. Diente er
auch nicht mehr als Küche, so doch als Speise-, Versammlungs- und
Audienzraum. Auch dieser Ritter⸗ und Fürstensaal bildete ursprünglich,
so lange noch jedes Gebäude aus einem einzigen Gemach zu bestehen
oflegte, ein abgesondertes Haus; daher nannte man auch diesen Saa
an und füͤr sich ebenso, wie das ganze Gebäude, Palatium oder Pfalz.
Es lag in der Regel nahe beim Burgthor, und an diesen Hauptbau
reihten sich nun die verschiedenen Kemnaten, Zimmer, Stuben und Ga—
den in größerer oder geringerer Anzahl an. Ganz frühe war jedes nur
ein einzelnes, einstöckiges Haus, und man muß sich daher die ältesten
Frohnhöfe oder Burgen als eine Verbindung vieler solcher einzelner
Gebäude nebst dem darüber hinausragenden Palas denken. Ganz große
Burgen bestanden aus mehreren Palas, wie z. B. die der Burnhilde
mit dreien nebst 86 Thürmen geschildert wird.
Erst im Laufe der Zeit fing man an, einzelne Kemnaten, Zimmer
oder Gaden als eigentliche Gemächer und Kammern mit dem Palatium
oder mit den Thürmen zu verbinden, bis denn zuletzt alle jene Räume
mit dem Rittersaal oder Palas als Unterabtheilungen desselben Gebäu
des unter einem einzigen Dache vereinigt wurden und nun das Ganze
den Namen Palast oder Schloß erhielt. Allein auch dann pflegte der
Rittersaal noch lange Zeit hindurch, wie man's noch im alten Rathhausc
zu Aachen und bei vielen Burgen in Schwaben, am Rhein, in Nord
deutschland und Tyrol sieht, fast das ganze Hauptgebäude einzunehmen.
Der Saal im Palaste Karl's des Großen zu Ingelheim war mit Mar—
morsäulen geziert. Sonst bestand dieser Schmuck gewöhnlich aus Holz
und bei feierlichen Gelegenheiten wurde der Estrich mit Teppichen be—
legt, ja mit Rosen und anderen Blumen bestreut. Oft bildete ein künst
liches Tafelwerk die Decke, und ein Schmuck von Ahnenbildern, Rü—
stungen, Hirschgeweihen und anderen Gegenständen verzierte die Wände,
an denen ringsum Ruhebetten angebracht waren. Ein mit Sitzbetten
belegter, erhöhter Raum an der einen Seite hieß die Brücke und wan
bei Tänzen und Schmausereien den Frauen, Fürsten und anderen hohen
Herrschaften als Ehreuplatz bestimmt. Der Saal wurde durch Kamint
erwärmt, und auch diese waren wieder von einer Art Kanapee's für die
etwa frierenden Gäste umgeben. Kron-, Wand⸗ und Tischleuchter mit
Kerzen kannte man schon sehr frühe.
Die an den Palas oder Saal anstoßenden Kemnaten, Stuben und
Zimmer dienten den in der Burg anwesenden Männern als Wohnung
als Speise-⸗ und Schlafgemächer. Auch diese wurden bei gastlichen Ge—
legenheiten mit Blumen und Binsen bestreut und waren für solche Ver—
anlassungen mit vielen Bettbreten versehen. („Sie sanken beim vielen
Trinken auf Schilf und Binsen unter den Tisch.“)
Die Gaden dienten als Vorrathshäuser für alle möglichen Bedürf
nisse, und hat sich dieses Wort in Süddeutschland noch bis heute er
halten, indem der Landmann in vielen Gegenden seine Speisekammen
Gaden nennt.
Die Kemnate der Herrin des Hauses und ihrer nächsten weiblichen
Angehörigen pflegte von den dor Dienerinnen getrennt zu sein; sie war
je nach der verschiedenen Zeit und dem Culturbedürfniß reich geschmückt
sogar mit Nachtigallen und anderen Singvoögeln versehen. Manche vor
vesne Herrin hafte mehrere Hemnaten ein Speisenemach und Schlaf
cabinet, und dieses wurde zugleich als Empfangzimmer gebraucht. Ul
rich von Lichtenstein beschreibt, wie die Frau in einem solchen Gemach
hren Gemahl empfing: „Die Reine“, sagt er, „saß auf einem Bette
und empfing mich züchtiglich, sie sagte mir Willkommen. Die Gute
hatte ein kleines Hemd an; eine Suckenie (Ueberkleid) von Scharlach
darüber, die war mit Hermelin gefüttert, ihr Mantel war grün, darunter wan
eine schöne Chirsen, dieselbe hatte einen mäßig breiten Ueberfall. Ach
Frauen stunden bei ihr, die auch gut gekleidet waren; auf dem Betm
lag von Sammt eine Matraz, darüber zwei seiden Veilachen, darau
lag ein herrlich Decklachen und zwei köstliche Polster, auch ein wunnig
lich Kissen. Das Bettgerüst sah man nirgend hervorscheinen, und ein
guter Teppich war sein Dach; zu den Füßen am Bett brannten zwe
große Lichter, und an den Wänden hingen wohl hundert Lichte.“
Oft ist die Kemnate der Dienerinnen so groß gewesen, daß 30 Ber
ten darin stehen und 60 Jungfrauen darin wohnen und schlafen konnten
Eine eigene Unterabtheilung des Frauenhauses bildete das Arbeits
haus der Frauen, in welchem häufig 800 und mehr Frauen Flacht
hechelten, spannen, wirkten, nähten und stickten, oder sich mit anderer
nicht schimpflichen Arbeiten beschäftigten. Man machte im Mittelalter
auf den Burgen die prachtvollsten Kleider und andere zur Drapirung
nothwendige Gegenstände selbst, eine Sitte, die man, wenn auch in
etwas anderer Organisation, noch gegenwärtig im Harem der muhame.
danischen Völkerschaften antrifft. Unsere abendländische Industrie ha
dem Privathause diese Arbeiten durch ihre überflügelnde Concurren,
aus der Hand genommen; im Orient, wo der Umfang dieser Industrit
noch fehlt, ist die Werkthätigkeit in den Privatkreisen verblieben, zum
Theil auch, um die müßigen weiblichen Hände bei der Polygamie der
vornehmen Osmanen einigermaßen nützlich zu beschäftigen.
Ein anderer wichtiger Bestandtheil der mittelalterlichen Burgen
Frohnhöfe und Pfalzen war der Burgfried, ein hoher, mit keinem Ge
bäude zusammenhängender, freistehender Wachtthurm, der gegen Ueber
fall schützte und sich zugleich als stärkster Punkt der Veste bewährte
Oben unter dem Dache wohnte der Thurmwart, dem die altdeuischt
Poesie so herrliche Wächterlieder in den Mund legt, womit er die hei—
misch Liebenden gegen Ueberfall oder Verspätung beim Stelldichein zu
warnen suchte. Dieser Wächter pflegte ein treuer, unermüdlicher Mann
zu sein, eingeweiht in alle Verhältnisse des Hauses und seine Bezie
hyungen zur Nachbarschaft und zugleich Vertrauensperson für mancht
Mitglieder der Familie. Er hatte einen schwierigen, oft undankbaren
Posten und mußte nicht selten, wie alte Sagen und Lieder berichten
sein nachsichtiges Herz mit dem Tode eines Kupplers büßen, und et
heißt daher oft von seinem kläglichen Ende: „Sie legten den Wächte—
auf den Tisch und kerbten ihn gleich einem Beassenfisch.“ Unter den
Wächter befanden sich Kemnaten und Gaden zu Wohnungen und Vo—
räthen und unter diesen endlich die Keller des Burgverließes.
(Fortsetzung folgt.)
Die Lupinengründüngung gegenüber der Düngun—
durch Stallmist
Vom Amtmann Niendorf auf Raßdorf.
Der Viehdünger ist der in der Verwesung begriffene Rest der vor
jährigen Ernte, nachdem einige Theile davon ausgeführt, oder in Fleisch
Milch ꝛc. verwandelt worden sind. Dasjenige Heu und Stroh, das
durch den Magen der Thiere wanderte, ist an Dungkraft ärmer gewor—
den, es hat nur eine Form erhalten, in der es leichter, augenfälliger
wirkt. Es ist nun noch in vielen Wirthschaften der Fall, daß mit dem
Dünger hinsichtlich seiner Vertheilung eine ungenaue Rechnung statt—
findet. Diejenigen Wirthschaften, die nahe und entfernte Aecker gleich
mäßig düngen, sind selten. Die nahe am Haus liegen, erhalten härfi⸗
ger dicjenige Düngung, die alle dem Boden genommenen Bestandtheile
wiedergibt, während entferntere Aecker desto kürzer wegkommen. Wollt
man daher gerecht in der Vertheilung des Düngers sein, so muͤßte man
z. B. die Ernte von jedem einzelnen Morgen (oder auch von je 10 bie
20 Morgen zusammen) besonders einfahren, besonders verfüttern unt
die Reste demselben Morgen wieder einverleiben.
Abgesehen von der Vertheilung, wird der Dünger einer Wirthschaf
m an SGroft und sicher nicht zureichend sein, wenn die Wirthschaft nu'