Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

haupterreger des lebenswichtigen Stoffwechsels“ — und „die Athem—
üge stehen immer in dem natürlichen Verhältnisse zum Pulsschlage,“
ur Circulation des Blutes also, dieser gemeinsamen Bildungsquelle
iller Körpertheile. Gesundes Blut hinwiederum entsteht durch richtigt
Verdauung. Reine Luft und richtige Wahl der Nahrungsmittel, das
ind die beiden Hauptfactoren eines gesunden Körpers; daher empfiehl
zer Herr Verf. die Luftbäder, Morgenpromenaden ꝛc. Außer den Luft
zädern empfiehlt er ferner Licht⸗ und Sonnenbäder. Denn der Mensch
st nicht blos wie die Pflanze ein athmendes, auch nicht wie das Thier ein
zorzugsweise verdauendes Geschöpf, sondern auch ein geistiges. Sein
Behirn⸗ und Nervenleben verlangt solche Lichtbärer. „Das Gehirn ist
ichthungrig.“ Das Auge erkrankt, wo man ihm diese Nahrung ent—
sieht. Mit dem nicht mehr oder nicht hinlänglich gereizten Auge aber.
zessen Nerv mitten in das Gehirn eintritt, hört auch die richtige Thä—
igkeit des Nervenlebens im Gehirn zunächst auf und „es erkranken
deib und Seele.“
Von den nicht minder wichtigen Wasserbädern ist zu reden nicht
erst nöthig, ebenso wenig vom Baden der inneren Organe durch den
egelmäßigen Genuß reinen, frischen Brunnenwassers. „Das Schicksal
des Menschen liegt tief verborgen in einem Geheimniß des Naturche—
nismus und der Lebenskraft,“ sagt der Verf. Ein Jeder schöpft im
Schoß der Mutter die Elemente für sein ganzes Leben, für Zukunft
und Dauer, für Fähigkeiten und Triebe, Glück und Unglück.“ „Nach
dem Einttitt in das Licht der Welt thun dann die äußeren Einflüsse
aund Verhältnisse das Ihrige, um auf das Fundament des Lebens
und dessen Entfaltung modificirend einzuwirken.“ Und hier eben ist das
Feld der „physischen Lebenskunst“ — hier ist das Feld der lohnendsten
Arbeit, wirklich eine Buße für ererbte oder erworbene Uebel — aber
zuch nur in diesem Sinne eine Buße — keine Strafe ewa, sondern
eine Naturnothwendigkeit, eine natürliche Reaction gegen ein der Natu
»es Menschen nicht entsprechendes Aufgenommene — nichts weiter!
„Arbeit und Beruf sind Lebensfunctionen für den Menschen“ wie
Athmen und Verdauen, und dienen gleich diesen zu seiner Gesundheit.

Statistik der Unfälle auf Eisenbahnen.
Die vielen Vorsichtsmaßregeln, welche Seitens der deutschen Ei⸗—
enbahnverwaltungen beim Eisenbahnbetriebe angeordnet worden sind,
ragen gewiß nicht wenig zu dem glänzenden statistischen Resultate, be—
reffend Unfälle auf Eisenbahnen, bei, welche Freiherr v. Weber in
seiner Schule des Eisenbahnwesens darlegt. Danach wurden in Deutsch—
iand seit 1840, dem Beginne des Eisenbahnbetriebes überhaupt (laut
den Zahlen der deutischen Eisenbahnstatistik), bis 1859 ohne Schuld
der Reisenden, also durch das Verkehrsmittel selbst von nahezu 423
Mill. Reisenden, welche in diesem Zeitraume befordert wurden, nur 21
Reisende getödtet und 176 verletzt. Durch eigene Schuld, d. h. durch
Unvorsichtigkeit, wurden in diesem Zeitraum 29 Reisende getödtet und
und 85 verletzt. Es wurden daher von circa 81/, Mill. Reisenden
nur einer getödtet und von 1,32 Mill. einer verwundet, überhaupt zu
Schaden kam aber nur ein Reisender von circa 1,66 Millionen. —
Es ist daher in Deutschland die Möglichkeit, beim Zufußgehen (durch
Ausgleiten, Fallen, Ueberfahren) verletzt oder getödtet zu werden, größer,
als auf der Eisenbahn zu verunglücken. — Der Blitzschlag tödiet durch—
chnittlich in Sachsen mehr Menschen, als in 15 Jahren in ganz
Deutschland Reisende ohne ihre Schuld auf Eisenbahnen umkamen.

Vermischtes.
Tabaksproduction. — Einer angestellten Berechnung zufolge
verden gegenwärtig jährlich nicht weniger als 500 Mill. Pfd. Tabak
verbraucht. 231,200,000 Pfd. erzeugt Europa selbst, die übrige Quan—
tität wird größtentheils aus Amerika eingeführt.

Um schwarzlackirtes Leder glänzend zu machen, wird
in Bottger's „Notizblatt“ empfohlen, 5 Theile Stearinsäure in 7 Thei—
len warmen Terpentinol zu lösen und unter allmäligem Zusatz von 3
Theilen Kienruß bis zum völligen Erkalten umzurühren. Man nimmt
ein wenig von dieser Salbe auf ein dünnes Läppchen, reibt das lackirte
Leder damit ein und polirt mit einem weißen reinen Läppchen nach.

Die Darstellung eines ausgezeichnet dauerhaften
Muͤrtels.

Hierüber bringt die „Vierteljahrschrift für technische Chemie von
—O Festigkeit
»er Mörtelverbindung an alten Bauwerken führte Prof. Artus eine
Nenge Versuche sowohl im Kleinen wie im Großen in dieser Richtung
nus, er untersuchte vielfach Bruchstücke von alten Bauten, die ein kla—
tes Bild desjenigen Mörtels gewährten, dessen sich unsere Vorfahren
»edient haben müssen. Untersucht man diesen alten Mörtel, so finde
nan bei dem demselben beigemischten Sande, daß derselbe wirklich mit dem
stalke eine chemische Verbindung eingegangen hat, indem wenigstens
zrößtentheils der Kalk sich in Silicate (kieselsaure —A
hat. Die genannten Versuche zum Zwecke der Herstellung dieses Mör—
els haben nun folgendes Resultat geliefert:
Das Verhältniß von Kalk und Sand bleibt dasselbe wie bisher
ẽs wird aber ein Theil des Kalkes, und zwar der Menge nach, /
»es verwendeten Sandes, erst unmittelbar vor der Benutzung des Mör—
els, in ungelbschtem Zustande fein zertheilt zugesetzt. Während des
Erhitzens der Masse bilden sich dann sofort schon Silicate, wodurch
die Masse schnell erstarrt, binnen kurzem sehr hart wird und keine Risse
zrhäit. Solcher Mortel widersteht dem Wasser und kann somit zu
illen Zwecken benutzt werden, wo Dauerhaftigkeit erzielt werden soll
Er haftet so fest, daß schon nach kurzer Zeit ziemliche Gewalt an—
zewendet werden muß, um das Gestein und überhaupt das Mauca
naterial von dem Mortel zu trennen. Mit diesem Mörtel im größeren
Maßstabe bis jetzt unternommene Versuche haben zu glänzenden Resul—
aten geführt, so daß man annehmen darf, das frühere Mörtelgeheim—
aiß enträthselt zu haben.

Meubelwichse. — Stearinsäure mit der gleichen Menge
Terpentinol gemischt, ist als Meubelwichse oder Bohnenwachs nach
Bottger's „Notizblatt“ mehr zu empfehlen als eine Losung von Wachs
in Terpentinöl und Alkohol, welche früher allgemein zu diesem Zwecke
angewendet wurde. Für Mahagonimeubel kann man etwas Carmin
zusetzen.

Ein großer feuerfester und diebesicherer Geldschrank
ist von der bekannten Firma Chubbb & Sohn in London für eine
indische Bank angefertigt worden. Derselbe ist 14 Fuß lang, 10 Fuß
breit und 8 Fuß hoch und wiegt 340 CEtr. Darin sind kleinere Geld⸗
schränke für baares Geld eingelassen, die mit Detectorschlössern versehen
sind. Die äußeren Thüren sind mit vier Schlössern versehen, die aus
einmal 27 Riegel vorschieben.

Gallisirten Wein von reinem Wein zu unterscheiden,
Man nimmt ein Probefläschchen von der Größe eines Viertel-Liters
und füllt es voll mit dem gallisirten Weine. Dann flillt man ein ge—
vöhnliches Schoppenglas (1/, Liter) mit frischem Wasser. An jenem
hält man die Oeffnung mit dem Daumen zu, stürzt es um, hebt es
einige Zoll in das Wasser und nimmt den Daumen weg, wodurch der
Wein bekanntlich nicht in das Wasser fließt. Dagegen soll innerhalb
10 Minuten aller Zucker, der durch die Gährung nicht in Glycerin
berwandelt wurde, aus dem Weine in das Wasser ziehen. Ist der
Wein gallisirt, so schmeckt das Wasser süß, ist zu einem Zuckerwasser
zeworden; ist er rein, so ist das Wasser rein und nur etwas säuerlich.
(Pomona.)
            
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