Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirthschaft.
Der Prinz⸗Gemahl von England und seine Ver—⸗ r en J atausran führen konnten. Der Smith'sche
— — Dampfgruber mit achtpferdiger Dampfmaschine bearbeitete 115 Acres
dienste auf dem Vebiete der Landwirthschaft. 7 bis 9 Zoll tief in 23 Tagen, mit einem Kostenaufwande von 30
(dortsehung statt Schluß.) Sgr. den preuß. Morgen. Ein Fowler'scher dreifurchiger Dampfpflug
Der Prinz Gemahl war, wie oben bemerkt, nur Pächter der Wirth- nit 12pferdiger Maschine pflügte im Herbst 1861 in der Flemischfarm
schaften in der Umgebung von Windsor, für welche er einen regelmäßi- 158 Acres in 391/2 Tagen, 8 bis 10 Zoll tief zu 10 Sgr. den Mor—
gen Pachtzins zahlte, und zu den angelegten Drainirvorrichtungen lie- sen; rechnet man noch die Abnutzung des Drahtseils der Maschine
ferten die Grundherren, d. h. die Krone, das Material, während der und die Zinsen des Kapitals, so stellen sich die Kosten uugefähr auf
Prinz als Pächter die Arbeitslöhne zahlte. Die Wirthschaftsgebäude 35 bis 72 Sgr. für den Morgen. „Dies aber“, sagt Herr Morton
indessen wurden errichtet und ausgebessert auf Kosten des Pächters ist viel weniger als der Preis derselben Arbeit, wenn sie durch Pferde
Große Aufmerksamkeit wurde der Erichtung von Meierhöfen nach eige. raft verrichtet wird, und der Werth der Arbeit ist bei weitem größer.“
nen Angaben in den verschiedenen Gegenden gezollt. In manchen Fällen Seit die Fowler'sche zwölfpferdige Maschine gebraucht wird, ist die An—
wurden die Wirhschaftsinspectoren und Architecten von dem Prinzen ahl der auf der Farm gebrauchten Pferde von 12 oder 13 auf 8 her—
beauftragt, Inspectionsreisen nach den besten Meierhöfen Englands zu bgesetzt wordeu.
unternehmen, bevor er die Pläne für die Anlage seiner eigenen Wirth— Ebenso vollständig, als die Sammlung von Geräthen, ist die von
schaften entwarf. Die bequemste, bestarrangirte und auch den Bedürf Viehracen auf der Farm; die Liste von Thieren, die vom Prinzen
nissen der modernen Landwirthschaft am meisten entsprechende Einrich- uusgestellt worden, und von den Preismedaillen, die er erhielt, beweist
lung ist die der Flemisch-Farm (Windsor), welche ebenso, wie die übri- vie wohl ex die Zucht und Fütterung verstand und durchführte. Die
gen von Hrn. Morton speciell beschrieben sind. Jedem Landwirthe, der Preise bestanden in beinahe 1000 Pfd Sterl. in Geld, 5 goldener
rinen Meierhof einzurichten beabsichtigt, kan das Studium der Flemisch. Medaillen, 6 filbernen Pokalen, 21 silbernen Medaillen, 2 Bronce-Me
Farm bestens empfohlen werden. Dieselbe wurde nach den speciellsten daillen nebst einer großen Anzahl ehrenvoller Erwähnungen. Der Vieh
eigenen Angaben und Anordnungen des Prinzen errichtet und keine bestand dieser Farm ist eine gute Sammlung unserer besten Zuchten
Aenderung auf dem Meierhofe vorgenommen, bis er sie gründlich ge- von Rindvieh, Schweinen, Schafen und Pferden. In der Shawfarm
prüft und gutgeheißen hatte. Eine Sache, auf die er besonderen Werth und in den Milchwirthschaften ist eine berühmte Heerde edler Shor⸗
legte, war, für so viel Bedachung als möglich für's Vieh und für Dün, horns; in der Flemischfarm eine der besten Herefordheerden im ganzen
ger zu sorgen. Lande, in der Norfolkfarm eine ausgezeichnete Heerde von Devonshire.
Bei der großen Verschiedenheit des Bodens auf den verschiedenen Rindvieh und in der Bagshot- und Rapleifarm wurden jährlich eine
Farms waren die Rotationen mannigfaltig; aber keine wurde vorgenom- Anzahl Galloways und Kyloes gemästet; in der Shawfarm ist eint
men, welche nicht vorher nach praktischer und theoretischer Prüfung als Deerde von sehr gut gezüchteten Birkshire-Schweinen und in der
die beste anerkannt war. Windsorfarm eine aus gezeichnete Zucht von den bekannten weißen
Die Musterwirthschaft wurde bis in ihre äußersten Consequenzen Prinz-Alberts-Schweinen. Unter den Pferden dieser Farms finde
durchgeführt. Trotz der großen Menge Düngers von dem bedeutenden man die beiden besten britischen Racen von Arbeitspferden ver
Viehstande wurde dennoch Superphosphat und Guano für 2 Pfd. Seter! treten, die Clydendales und Suffolks; von den ersten besonders ist ein
(a 62/3 Thlr) pr. Acre gekauft und außerdem Oelkuchen für das Vieh vorzligliche Zucht vorhanden und auch eine Menge guter Arbeitsgespanne.
im Betrage von ewwa 3 Pfd. Sterl. pr. Acre. Auch die Wiesen wur, Das Princip der Schaffütterung in Ställen wird auf diesen Farms
den nicht vernachlässigt, das Vieh wurde auf ihnen gepfercht und dort mit großem Erfolge durchgeführt; bemerkenswerth ist es, daß die Che—
mit Oelkuchen gefüttert; Dünger wurde in großen Mengen darauf ge— viot⸗Mutterschafe, die, im Norden angekauft und zur Mästung auf di
bracht, ebenso auch Knochenmehl vis zu 15 Ctr. pr. Acre. Als Resulnat Shaw- und Windsor-Farm gebracht worden, nicht von der Klauenseuch
dieser Behandlung stellte sich heraus, daß die groben Gräser nach und ergriffen worden, welche, so lange man Southdowns hielt, viel Ver
nach verschwanden und durch feinere ersetzt wurden, welche das Vieh heerung anzurichten pflegte.
kahler abfrißt und wodurch die Wiesen ein grüneres und gleichmäßigeres (Schluß folgt)
Aussehen erhalten. Durch die Mustercultur wurden staunenswerthe Resul
tate erzielt und zwar vom preuß. Morgen: Weizen 23/3 Scheffel, Bo hnen
2912/, Scheffel, Hafer 48 Scheffel, Mangold 421,, Tonnen (800 Citr.),
aber Kohlrüben im Jahre 1857 nur 280 Ctr. wegen der außeror dent
lichen Dürre dieses Jahres. Vergleicht man diese Erträge mit den
Erträgen gut bewirthschafteten Landes im übrigen Schottland und in
England, so wurden dieselben noch um mehr als die Hälfte übertroffen.
Wie es immer bei den Musterwirthschaften der Fall ist, die von
englischen Geundbefitzern zum Besten ihrer Pächter betrieben werden,
so wurden auch vom Prinzen Albert bebeutende Summen für Hand—
arbeit verausgabt, obgleich ein sehr großer Theil dieser Arbeit nicht im
Tagelohn, sondern auf Stück verrichtet wurde. Sehr genaue Rech
nungen über Alles, was auf der Farm geschah, wurde geführt und
von Zeit zu Zeit dem Prinzen Albert vorgelegt. Er prüfte sie auf's
Gründlichste mit der Pflichttreue und dem Sinne für das Einzelne,
wie dies einen Charakterzug des Prinzen ausmachte. Die Maschinen
und Geräthe auf den Farms sowohl in Osborne als in Windsor wa—
ren die besten, die man kannte und von denen die meisten noch heute
ihren Rang behaupten. Er war einer der ersten, der einen Dampf
culturapparat anschaffte; er hatte den Shmith'schen Cultivator und den
Fowler'schen Dampfpflug; ferner an andern Geräthschaften Howvrd'sche
u. Hornsby⸗Pflüge, den Chooscil'schen Schollenbrecher, Garrelsche Pferde
— — die Chamber'sche Dungstreumaschine,
bann Heuwendmaschinen u. Heurechen, Gras- u. Kornschneidemaschinen,
Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Rübenschneide- und Mußmaschinen,
Oelkuchenbrecher ꝛc., kurpalle gulen Instrumente, die zur Verbess.rung der

Darstellung blauer Anilinfarben.
Die rothen Anilinfarben haben bekanntlich das Eigenthümlicht
daß sie unter dem Einflusse gewisser Reagentien, deren Wirkungsweis
noch immer nicht ganz erklärt ist, in blaue oder violette Körper über
zehen. Zu diesen Agentien gehdren gewisse Alkohole, Holzgeist, Aldehyt
Anilin selbst, Gummilack (zu Bleu de Mulhouse) ⁊c. Wir stellen in
Folgenden einige der neuesten Methoden zur Darstellung solcher blaus.
Farben zusammen, welche in England aufgetaucht sind.
Passavant in Bradford stellt eine blaue Farbe, die er Bleu de
wit nennt, auf folgende Weise dar: Eine Mischung von 4 Th. Fuchst
3 Th. Anilinol und 2 Th. essigsaures Natron wird langsam auf 20
d. erhitzt, diese Temperatur 2 Stunden lang unterhalten, dann ar
2500 6. gesteigert und in dieser Höhe wieder 2 Stunden unterhalte
Sobald der gewünschte Farbenton erhalten ist, wird die Mischung vor
Feuer genommen und in 4 Th. Alkohol gegossen, dem 12 Th. Sal⸗
ãure zugesetzt werden. Die nach dem Erkalten erhaltene harte brau
chwarze Masse wird gemahlen und 1 Viertelstunde in Wasser gekoch
das mit 8 Th. Schwefelsäure versetzt ist; dann wird filtrirt, die erha
sene blaue Masse zweimal in 8 Th. Salzsäure gekocht, um den roth
ichen Ton, den sie noch mehr oder weniger besitzt, zu zerstören un
nehreremal mit warmem Wasser ausgekocht, bis alle Spuren vr
Säure entfernt sind. Nach dem Trocknen wird der blaue Stofs gepr
oert mit 10 Th. Alkohol versetzt und einige Stunden stehen gelass
zis alle Spuren von rother Farbe verschwunden sind, filtrirt, getrod
und gepulvert. Das Pulver ist dann zur Verwendung fertig.
            
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