Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

fahrens sehen gut aus, sind compact und lassen sich gut bearbeiten und
boliren. Sie haben das geringe specisische Gewicht 1, bis 2, werden
erst bei 160 Kilogramm (320 Zollpfd.) Druck pro Quadratcentimeter
erdrückt, ziehen sich beim Festwerden nicht merklich zusammen, formen
ch also gut ab, stehen an der Luft weit besser als Gyps- und Stuc⸗
raturarbeiten, kommen nur halb so theuer als Marmor zu stehen und
dürften sich namentlich auch zu beweglichen Constructionen eignen. Die
in letzter Beziehung gemachten Erfahrungen mit transportablen Häusern
für Colonien ꝛc. sind allerdings noch zu jung, um entscheidend zu sein
Bei diesen Baulichkeiten sind die dünnen Tafeln der Wände auf höl—
—D——
gerichtet, daß sie von unerfahrenen Arbeitern zusammengestellt werden
fönnen. Derartige Gebäude sind feuerfest und sichern gegen die Zer—
störung von Insekten, schützen auch besser gegen Kälte und Wärme als
hölzerne Häuser.

Verwendung von Birkenschwämmen zum Ersatze
der Streichriemen.

Commerzienrath Fink in Darmstadt macht im Gewerbeblatt für
»as Großh. Hessen darauf aufmerksam, daß die an Birkenbäumen vor—
sommenden Schwämme ein vorzügliches Material zum Ersatze der
Streichriemen beim Abziehen von Rasirmessern ꝛc. bieten. Die Birken
schwämme haben oft bis zu 12“ im Durchmesser und sind an den stärk—
ten Stellen 354“ dick. Die Masse ist vollkommen weiß, dicht, sehr
eicht, auch in getrocknetem Zustande noch elastisch und läßt sich sowohl
mit der Säge als mit scharfem Messer zerschneiden; kurze Zeit in Was
ser gelegt, wird sie so weich, daß sie bleibende Eindrücke annimmt. Um
ie Birkenschwämme als Abziehmaterial, anstatt der Streichriemen, gegen
velche sie entschiedene Vorzüge haben, zu verwenden, trocknet man sie
und schneidet sie dann mittelst einer feinen scharfen Säge in etwa 1
dicke Fourniere, welche auf eine Holzunterlage geleimt werden. Sodann
zeibt man auf die geebnete Fläche der Birkenschwammfourniere feines
Tisenoxyd, das mit einem Zinnstücke so lange geglättet wird, bis eine
»läuliche Farbe sich zeigt. Die so erhaltene Fläche ist zum Abziehen
»er Rasirmesser ꝛc. fertig und vorzüglich geeignet.
Die geglättete Fläche des Birkenschwammes bildet auch schon für
ich, ohne Cinreibung mit Eisenoxyd, oder wenn man sie nur mit einem
Zinnstücke reibt, eine gute Abziehfläche.
Von dem Cylographen Pfnorr werden die Birkenschwämme auch
als das beste Material fuͤr Wischer zum Zeichnen empfohlen, das dem
deder weit vorzuziehen sei. Kleine Stückchen des Schwammes in einen
Stiel gefaßt und mit einem scharfen Messer zugeschnitten, geben sehr
zlastische und weiche Wischflächen.

Vermischtes.

Glasdächer wasserdicht zu machen. — Wenn Glasdächer
mit eisernem Rahmenwerke versehen sind, wie dies neuerdings vielfach
heliebt wird, so ist es sehr schwierig oder wohl gar unmöglich, dieselben
auf gewöhnlichem Wege wasserdicht herzustellen, weil beide Materialien
sich beim Temperaturwechsel sehr verschieden ausdehnen. Folgendes
Berfahren hat sich in allen Fällen seiner Anwendung als zuverlässig
erwiesen und kann daher empfohlen werden. Man schmelze 1 Theil
Talg und 2 Theile Harz und tauche schmale Streifen von Leinwand
oder Katlun in die Masse. Hierauf bedecke man die mit Glaserkitt be—
ceits ausgestrichenen Fugen der Rahmen mit diesen Streifen, so daß
2 oder !/. Zoll der Breite derselben unter die Ränder der Glastafeln
zu liegen kommt, und drücke die Tafeln ein, so lange die Fettmasse der
Ztreifen noch flüssig ist. Dieselbe Mischung erweist fich, in ähnlicher
Weise angewendet, sehr zweckmäßig zum Abdichten gesprungener Was
erleitungsröhren.

Generalbericht über die Bewegung im Acderbau, im
dandel und in der Industrie Frankreichs für das Jahr
1863. — Während des Jahres 1863 war der Durchschnittspreis für
den Centner Weizen 25 Frs. (gegen 308/, Frs. in 1862). 1863 war
eine Million Hektaren mehr als 1847 mit Weizen bebaut. Von 1858
bis 1862 wurden durchschnittlich 5,720,000 Hektoliter Getreide ein- und
5,027,000 Hektol. ausgeführt, während von 1837 bis 1846 die Aus⸗
führ durchschnittlich nur die Hälfte der Einfuhr betrug. 1847 fährte
Frankreich für 3:/3 Mill. Frs, 1863 für 301/, Mill. Frs. Butter aus,
Ebenso ist der Werth der Eierausfuhr während derselben Zeit von 4/,
Mill. 23 Mill. Frs. gestiegen. Dagegen verbraucht aber auch Frank—⸗
reich heute 28 Mill. Kilogr. Guano gegen 1,400,000 im Jahee 1847

Als sicheres Präservativ gegen die den Pferden so
rästigen Bremsen wird der Absud von Nußbaumblättern empfohlen.
Zur Abhaltung dieser Insekten reicht hin, daß die Pferde öfter mit
Wasser gewaschen werden, das mit dem Safte von Nußbaumblättern
gesättigt ist. Das Mittel wird seit längerer Zeit in den Marställen von
England mit Erfolg angewandt.

Palmkuchen als Viehfutter. — Seit einiger Zeit kommen
uinter dem Namen „Palmkuchen“ die bei der Fabrikation von Palmöl
nus den Palmnüssen abfallenden Preßrückstände als Viehfutter in den
dandel, welche für Deutschland C. Güsselfeld in Hamburg zu 25
Sgr. pro Ctr. ab Hamburg debitirt. Diese Kuchen enthalten im Durch⸗
chnitt neben 10 Proc. Feuchtigkeit 15, Proc. Proteinstoffe, 15,0 Proc.
Fett, 41 Proc. Kohlenhydrate und 18 Prok. Pflanzenfaser und Salze.
Es dürfte im Interesse der Landwirthschaft liegen, bezügliche Fütterungs—
versuche anzustellen, wobei jedoch wegen der beigemischten Schalenreste
Vorsicht anzurathen ist.

Anstrich als Ersatz des Oelanstriches für Häuserfa—
»aden, Treppen sꝛc. ꝛc. — Hierzu hat Vernimel in Paris seit
Jahren mit dem besten Erfolge folgenden Anstrich angewendet:
Zuerst gibt man auf die Wand oder das Holz einen Anstrich aus
nit Leimwasser verdünntem Zinkoxyd; ist dieser nach 2 Stunden ge⸗
rocknet, so läßt man einen Anstrich aus mit Leimwasser verdünntem
Chlorzink folgen. Das Zinkoxy bildet nun mit dem Chlorzink eine
hemische Verbindung von der Härte des Glases und von spiegelglatter
zlänzender Oberfläche. Man kann dadurch, daß man die Farben mir
dem Leimwasser anreibt, jede beliebige Nuance erzeugen. Vor dem
Delanstrich bietet dieser Zinkanstrich die Vortheile fast unverwüstlicher
Dauer, eines sehr schnellen Trocknens und eines um mehr als 500
billigeren Herstellungspreises. Von dem unangenehmen Geruch frischer
Delanstriche, sowie vom Verstäuben derselben während des Trocknens
st bei diesen Zinkanstrichen keine Rede.
Vernimel erhielt für seine Erfindung außer den Preismedaillen
der Weltausstellung zu Paris und London auch eine Staatsbelohnung
von 20,000 Frs, sowie er zum Mitglied der Société d'Encouragemeni
pour l'industrie nationale zu Paris ernannt wurde.
(Breslauer Gewerbeblatt 1864. 14.5

Eine neue Erfindung in der Eisenindustrie dürfte von
zroßer industrieller und nationalbkonomischer Tragweite werden. Es
»andelt sich dabei um nichts Geringeres, als aus den Schlacken welche
hisher als unbrauchbar weggeworfen wurden, gutes Schmiedeeisen und
Stahl zu gewinnen. Diese aus Kieselerde, Schwefel, Phosphor und
Alaun bestehenden, eine brüchige Masse bildenden Schlacken werden
zerstoßen, mit gebranntem ungelöschtem Kalk vermischt und mit Wasser
hefeuchtet. Dann wird das Ganze der Luft ausgesetzt und in einem
Schmelzofen wie gewöhnliches Eisenerz behandelt. Auf diesem Wege
sollen die Schlacken, welche bisher nur noch eine Last waren — noch
50 Proc. Eisen liefern.
            
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