Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Die Traubenkrankheit.
Von Dr. Mohr in Coblenz.

Im Jahre 1862 war die Traudenkrankheit sehr allgemein und
berheerend aufgetreten, und an Orten erschienen, wo sie fruͤher niemals
beobachtet wurde. Zu letzteren gehört auch das Landgut, welches der
Herr Verf. seit fünf Jahren bewohnt; er glaubte sicher zu sein und
bemerkte die Krankheit erst, als sie schon einen ziemlichen Umfang an—
genommen hatte. Bei Mangel eigener Erfahrung, glaubte er erst die
Natur der Krankheit studiren zu müssen, bevor er sich nach Mitteln zu
Bekämpfung derselben umsah.
Tupft man mit einer angesteckten Beere auf ein Glasstreifchen und
bringt dies unter das Mikroskop, so bemerkt man unzählige eiförmige,
wasserklare Bläschen und sonst gar keine anderen Theile. Daher ha
denn auch dieser Pilz den Namen Tooker's Eichen, Oidium Tookori,
erhalten. Bedeckt man das Glasstreifchen mit einem Deckgläschen, um
das Austrocknen zu verhindern, so sproßt der Pilz zwischen den beiden
BGlasglöckchen. An der einen Spitze des Eichens tritt ein dünner
Schlauch aus, der sich nach beiden Seiten theilt und an seiner Spitze
neue Eichen erzeugt. Gefchieht dies auf der Beere, so haften sie fest
darauf und nähren sich aus der Beere, indem sie sehr bald wieder
sprossen und sich so in's Unendliche vermehren. Der Pilz ist von un—
gemeiner Zartheit; jede noch so sanfte Bewegung zerdruͤckt die Eichen
und die Stelle erscheint dann naß. — Wie der Pilz überwintert, so
daß er im künftigen Jahre wieder erscheinen kann, ist unbekannt; aber
die Erfahrung steht fest, daß er zu einer gewissen Zeit, etwa im Anfang
Juli, wieder auftritt und sich dann in der Ruhe ausbreitet. Die Fort⸗
pflanzung kann nur durch Uebertragen geschehen; von selbst kann er
ch nicht bilden. Das sporadische Auftreten des Pilzes zeigt, daß seine
Keime fortgeführt werden. Ist er einmal in einer Gegend erschienen,
so kann die Verbreitung durch Insekten, Spinnen, Vögel und wohl
auch durch Menschen geschehen.
Bekanntlich hat man Schwefelblumen als Specificum dagegen
empfohlen, von deren Wirksamkeit sich der Herr Verf. aber nicht ha
aͤberzeugen können. Mit Schwefes bistreute angesteckte Trauben fuhrer
fort zu Grunde zu gehen. Daß sich das Eichen auf einer mit Schwe—
felblumen bedeckten Stelle nicht festsetzen könne, ist ein geringer Trost,
da es unmöglich ist, alle Stellen gesunder Trauben mit Schwefel zu
bedecken. Dagegen hat der Verf. bemerkt, daß das Eichen einen ganz
anderen, weit wirksameren Feind hat, und der ist Bewegung. Ein so
zartes, leicht zerstörbares Gebilde wie das Oidium, kann nur in abso
uter Ruhe wachsen, und diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß die
Traubenkrankheit viel häufiger an geschützten Spalieren, als an dem
freistehenden Stock des Berges auftritt. Am Spalier werden die schat
igen, feuchten, von reichlichem Blattwuchs bedeckten Stellen zuerst er—
griffen. Von diesen schreitet die Krankheit nach allen Seiten sprossend
fort. Einzelne durch Wind und Insekten fortgeführte Sporen erzeugen
neue Mittelpunkte, von denen die Krankheit wieder nach allen Seuten
ich ausbreitet.
An der Traube erscheint sie so: Zuerst werden die kleinen zurück
gebliebenen Beeren, die in der Blühte nicht befruchtet werden, ergriffen
Wo eine Beecre zurückbleibt, entsteht in der Regel eine Lücke in dern
Traube. In dieser Lücke sitzt wie ein weißes bepudertes Sternchen
die kleine kranke Beere. Von dieser steigt der Pilz über den Stiel auf
die Gruppe zu anderen Beeren, überspinnt die ganze Traube, steigt
oon dieser über die Rebe auf die Blätter und überzieht die obere Seile
der Blätter mit einem weißen Gespinnst. Streicht man über ein sol
ches Blatt, so erscheint die Stelle feucht und verbreitet einen widerlichen
sauren Geruch, gerade wie die abgeriebene kranke Beere. An den
Blättern wurden dieselben eiförmigen Bläschen beobachtet, wie an den
Beeren.

Nach der so erlangten Kenntniß von der Natur des Pilzes, faßte
der Verf. den Entschluß, den Pilz mechanisch zu zerstören und ebenste
eine Verbreitung zu verhindern. Die Langsamkeit, womit die Fort
oflanzung in der Ruhe vor sich geht, gab ihm Hoffnung, dies mit Er
folg fertig zu bringen, und veranlaßte ihn die Wichtigkeit des Gegen
tandes, alle Operationen selbst —— und zu beobachten. Als
zie erste Verbreitung der Traubenkrankheit an den Svalieren wahbr

nommen wurde, und zwar an einer etwas schattigen Stelle in eint
mit einer Mauer umgebenen Baumstück, wurde sogleich der übrigeg
rennt davon liegende Theil des Gartens von ungefähr zwei Morg
Flächeninhalt durchsucht. Es fand sich aber keine Spur davon ve
Einige Tage nachher war in demselben Garten die Traubenkrankhe
an vielen Stellen ausgebrochen, und die kleinen verkümmerten Becck
waren überall der Anfang der Verbreitung. Da es dem Verf. wichtig
war, die Verbreitung zu verhindern, als die bereits ergriffen
Trauben zu retten, so durchsuchte er sämmtliche Spaliere genau, ur
zerdrückte die weißbestäubten Beerchen mit den Fingern. Die angested
Traube bezeichnete er mit einem Bändchen, um sie wieder beobacht
zu können. An den folgenden Tagen fand sich, daß keine fernere Ve
breitung an diesen Trauben stattfand, und daß ebenso viele Ansteckung
heerde zerstört worden waren. Ein Früühburgunderstock, an dem d
angesteckte Beerchen gefunden worden waren, war bei täglicher Durchsit
nach acht Tagen vollständig gesund, und ist nicht wieder ergriffen wi
den. Nach viesem Erfolge steigerte der Verfasser seine Sorgfalt be
Durchsuchen und hat so über mehrere Hundert kranker Stellen gefundi
die sämmtlich durch Zerquetschen der kranken Beeren geheilt wurde
Waren schon mehrere Beeren angesteckt, so reinigte er diese Stelle m
rinem in Schwefelpulver getauchten umd unsanft auf die kranke Stel
aufgetupften Pinsel. Auch solche Trauben wurden gerettet. Die kran'
Beere wurde beim Betupfen feucht und hielt den Schwefel fein ve
theilt fest. Obgleich der Verf. die specifische Wirkung des Schwefel
bezweifelte, so nahm er doch diesen so oft empfohlenen Stoff mit;
Huͤlfe, um des etwa darin liegenden Vortheils nicht verlustig zu geher
Andere bloß mit dem Pinsel abgetupfte Trauben blicben auch gut. Wa
eine ganze schon ziemlich ausgewachsene Traube mit dem Pilze über
zogen, dagegen die Stiele noch grün, so wurde die Traube in die lind
Hand genommen, etwas Schwefel darüber gestreut, und die Traube m
der rechten Hand gerollt, indem diese quer über die linke bewegt wurde
Dabei entwickelte sich der unangenehme Geruch sehr stark und die Traub
blieb mit Schwefel beschmiert hängen. Sie war vollkommen geheill
War der Stiel schon angegriffen, so blieb die Traube zwar mit glän
jenden Beeren hängen, allein sie wuchs nicht mehr, wie die anderen.
Der Verf. constatirt hiermit auf das Bestimmteste, daß es ihm si
gelungen, in einem Garten mit über 1000 Fuß laufenden Spalieren
die in jenem Jahre reichlich mit Trauben bedeckt waren, den Ausbrud
der Traubenkrankheit, die sich an mehreren hundert Stellen gezeig
hatte, vollständig zu hemmen. Seine Erfahrungen umfassen den ganzu
Monat Juli. Er wäre nicht im Stande, in diesem Garten jetzt Ste
zu einer einzigen mikroskopischen Beobachtung zu finden. Andererseil
würden, wenn er nicht der Krankheit mit ofsener Gewalt entgegengt
treten wäre, diese mehrere hundert Ansteckungsmittelpunkte die gan—
Ernte zerstört haben. Ein Umgang im Gaͤrten nahm dann ur
zäglich eine Stunde in Anspruch und gab die Gewißheit, daß binnt
24 Stunden kein Nachtheil eintreten kann.
Schluß folgt.)

Künstlicher Stein und Marmor

Von diesen künstlichen Steinen zeichnen sich namentlich die
859 in den Handel gekommenen künstlichen Stein- und Marmorarte
von Lippmann & Schneckenburger in Paris aus. Sie sind gefertigt au
Cement, gehacktem Werg, Leinbl und verschiedenen erdigen Substanzer
velches Gemenge mit einer Auflösung von schwefelsaurem Kali uͤber
Jossen wird. Der zu beweglichen Constructionen verwendete künstlich
Stein besteht z. B. aus 1 Theil Cement, 1 Theil gehacktem Hanf,
Theil mit Leinöl getränktem Thon, 1 Theil Marmorpulver. Das Ga
wird geschlagen und gestampft, bis es teigartig wird; je stärker die ke
sung von schwefelsaurem Kali ist (gewöhnlich hält sie 20 Proc.), ur
so rascher wird der Stein fest. Statt des Cements kann man natün
lich auch Kalk, statt des gepochten Marmors Quarzsand, Kies ꝛc., sta
des Hanfwergs andere verspinnbare Fasern nehmen. Ein Englände
Iles, hatte bereits auf der Ausstellung vom Jahre 1851 künstliche
Marmor ausgestellt, worin Seidenabfälle eine Rolle spielten. Zur Für
hung bedient man sich der Mineralfarben. Die Producte viesesg Net

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