Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

2,189,675 Centner (34,54 Procent mehr), auf die hannoverschen Bah
sen 3,6645,942 Centner (60,11 Procent mehr), auf die Braunschweigi⸗
he Bahn 1,433,708 Centner (35,06 Procent mehr), auf die Magde⸗
urg⸗Halberstädter Bahn 1,637,700 Centner (61,16 Procent mehr) und
uuf die Berlin⸗-Potsdam⸗Magdeburger Bahn 393,100 Centner (27,68
procent mehr). Diese Angaben bekunden nicht allein eine große und
Hynelle Ausdehnung der Absatzgebiete für die westphälischen Steinkoh—
en, sondern auch eine erfreuliche Steigerung des Absatzes auf diesem
Hebiete seit der Einführung des Pfennigtarifs.

Ein billiges und äusterst wirksames Düngepulver.
Der Abtrin⸗ oder Kloakendünger enthält bekanntlich die werthvoll⸗
jen und wichtigsten Bestandtheile des Düngers, als: Stickstoff, Phos
ohorsäure, Kali ꝛc. in großer Menge, so daß bei sorgfältiger Zusam—
nenhaltung und richtiger Behandlung ein überaus schätzbares Dung—
naterial in Güte und Menge dadurch gewonnen werden kann. Allein
zurch Verschleppung und Vernachlässigung bei der Gährung, bei welch
etzterer der Stickstoss in Verbindung mit Wasserstoff als Ammonial
entweicht, verliert diese Dungart viel an ihrem Werthe. Um daher dem
Abtrittdünger diese werthvollen Theile im ursprünglichen Verhälmisst
zu erhalten, müssen Mittel angewendet werden, welche das flüchtige Am
moniak binden und zurückhalten. Dies geschieht nach C. Lucas auf
folgende, zugleich ein ausgezeichnetes Düngpulver liefernde,
»öchst zweckmäßige und praktische Weise: In der Nähe der Abtritis⸗
grube befindet sich ein Haufen Kohlenstaub, ebenso ein solcher von Säge—
mehl, Holzerde Gom Holzstalle) und Torfstaub. Bei warmem Wetten
u werden täglich, bei kaltem Weiter alle zwei bis drei Tage einige Schau—
»Feln dieser beiden Materialien in die Grube geworfen. Da die Kohle
das 75fache ihres Volumens Ammoniak in sich verdichtet und der Holz—
staub als humöser Körper ebenfalls die Gase anzieht, so wird dadurch
nicht nur der üble Geruch entfernt, sondern auch die Flüssigkeiten auf
zesogen, weshalb die Grube ohne Belästigung geleert werden kann.
Die düngenden Stoffe durchdringen die beigemengten Mineralien
o, daß sie mit diesen eine schwarzbraune Masse bilden. Diese
tommt in einen Kasten, der bei Regen zu decken ist und mit Holzkohlen
überstreut wird. Ist dieser Kasten — im Garten etwa — mit dem zwei—
bis dreimaligen Inhalt der Grube gefüllt und die wässerigen Bestand—
heile in der Masse ziemlich entführt, — nur diese eniweichen, da in der
Nähe nicht der geringste sonstige Geruch verspurt wird — so wird die
Masse durchgestochen, getrocknet und gesiebt. Um den Gehalt an Kali
u vermehren, wird etwas Holzasche (2 bis 3 Procent) hinzugefügt und
as Düngepulver ist fertig. Dasselbe dient sowohl für Zierpflanzen in
Töpfen als für alle Gemüsepflanzen im Lande.

id

— — —— — —

Kaltbleichmethode.
Genaue Darstellung, wie auf sehr einfache Weise Baumwollgarne
one Abkochung gut gebleicht und gefärbt werden können, nebst Be⸗
hreibung des kürzesten Schnellbleichverfahrens, wobei die Garne ab—
zJekocht werden. Von J. G. Grob in Kappel, Kanton St.Gallen.
Zürich, in Commission bei Ir. Hanke, 1863.
Dem Verf, einem vieljährigen Bleicher, ist es gelungen, nach und
nach eine ebenso einfache als vortheilhafte und zwedmäßige Bleschme—
hode auszubilden, nach welcher nun alle Baumwollgarne ohne Abko—
hung, d. h. ohne den mindesten Verbrauch von Brennmaterial, sehr
hön weiß gebleicht oder gut und egal gefärbt werden können. Die
Anwendung dieser Kalibleichmethode, welche überall und von gewöhn
hen Arbeitern mit Leichtigkeit ausgeführt werden kann, erfordert keint
außerordentlichen Einrichtungen: nuͤr eine einfache gewöhnliche Kufe
Nach diesem Verfahren kann ein Nheiter sbi 366

I.

binnen 11 oder höchstens 12 Arbeitsstunden fertig bleichen, jedoch ohne
das Ausringen, Trocknen und Zusammenlegen. Das zum Bleichen
eines Centners Garn nöthige Bleichmaterial kostet höchstens 19/, Fres.
oder 42 kr. rheinisch.
Einen ebenso bedeutenden Nutzen gewährt das Verfahren in der
Barnfärberei. Garne, nach dieser Methode präparirt, färben sich in
allen Farben ganz egal: und im Vergleiche zu den ausgekochten etwas
zunkler und lebhafter als diese. Neue Einrichtung erfordert die Me—
hode auch in der Garnfärberei keineswegs, indem der nöthige Appa—
rat nur in einer gewöhnlichen Stande besteht. In /, Stunde kann
ein Arbeiter 1 Ctr. Garn gehörig präpariren, d. h. ohne Abkochung
zum Färben vorbereiten, was an Arbeit und Material zusammen bloß
17 bis 18 Cents oder 5 kr. rhein kostet.
Der Verf. selbst hat seit mehreren Jahren, sowie auch andere
Bleicher und Färber, denen er das Verfahren mitgetheilt, die neue Me—
thode fortwährend und mit bestem- Erfolge angewendet. Die oben ge—
nannte Broschüre enthält mehrere wahrheitgemäße Atteste von namhaft
aufgeführten Firmen, welche das Verfahren anwenden, sowie auch an—
derweitige Gutachten und amtliche Bescheinigungen darin niedergelegt
iind. Das Reeept zur Bleichmethode selbst gibt der Verfasser um den
billigen Preis von 40 Fres. oder 102/, Thlr. Preuß. Cour. ab.

Vermischtes.

Die commercielle Wichtigkeit der Anilinfarben. Prof.
dofmann in London, der Altmeister der Anilinindustrie, erwartet zu⸗
versichtlich, daß in nicht zu langer Zeit durch Kohlentheerfarben sämmt⸗
iche Farben vollständig werden ersetzt werden können, welche jetzt aus
heueren animalischen und vegetabilischen Quellen dargestellt werden.
Anstatt wie jetzt jährlich Millionen für Farbehölzer ꝛc. auszugeben, wird
England das hauptsächlichste farbenproducirende Land sein Kohlen—
heerblau nach dem Indigolande Indien, Theerfarben nach dem Coche⸗
nillelande Mexico, nach der Heimath des Safflor und Quercitron, China
und Japan schicken ꝛc. Jetzt schon werden nach China z. B. große
Mengen Anilinroth exportirt, und wie sehr der Cochenillehandel gelitten,
ergibt sich aus dem englischen Zollausweise. Im Jahre 1862 sind in
England 22,760 Ctr. Cochenille importirt worden; gegen 1861 weni⸗
ger 7255 Citr., und dennoch sind die Preise gefallen. Im Jahre 1858,
wo zuerst Anilinroth producirt wurde, betrug der Preis der Cochenille
21 pfd. Sterl. 7 Schill. bis 21 Pfd. Sterl. 10 Schill., 1862 dage⸗
gegen bloß 13 Pfd. Sterl. 8 Schill. bis 14 Pfd. Sterl. 18 Schill
Aehnlich verhält es sich bei anderen Farbestoffen.

Coconsmärkte in Prenßen. — Beim letzten Coconsmarkte
in Berlin rührte der v/0 Theil von Schullehrern her, die den Sei—
denbau als Nebengeschäft betreiben. Ein einziger Lehrer erhielt für
142 Metzen, a 21/2 Thlr., 303 Thlr. — An den Coconsmarkt zu Stet⸗
tin, der am 27. Juli im Park des berühmten Seidenzüchters Töpfer
abgehalten wurde, waren nur 720 Metzen gebracht, da Grainszüchter
aus Italien und Frankreich Vorkäufe gemacht hatten. Gelbe Cocons
hester Race wurden mit 80 Sgr. bezahlt. — Vom Rittergutsbesitzer
Demisch auf Leschwitz bei Görlitz, der seit Jahren große Maulbeer⸗
haumpflanzungen unterhält, ist eine Seidenhaspel- und Mouliniranstali
errichtet worden.

Das Dawslais' Eisenwerk bei Merthyr-Tydwil in Süd—
vales, das größte Eisenwerk der Welt, besitzt: 18 Hochöfen, jeder mit
100 bis 500 Tons Wochenproduction, 151 Puddeldbfen nebst einer an—
zemessenen Zahl Schweißöfen für 11 Walzenlinien; Jahresproduction
30,000 Tons Roheisen, 90,000 Tons fertiges Stabeisen, 480,000
Tons Steinkohlen; 8000 Arbeiter, 300,000 Pf. Sterl. Jahreslöhnung
Vöchentliche Production an Stabeisen über 2000 Tons.
            
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