Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

ediehen ist. Dabei ist es nothwendig, daß man überaus grüundlich
ind praktisch verfährt, die ortsuͤblichen Bedürfnisse vorweg berücksich⸗
igt, ganz Fuß beim Mahle hält. Und damit dieses Alles sich besser
rfüllen könne, sind die Casinos nicht zu großartig anzulegen, müssen sie
nicht zu verschiedene Elemente in sich aufnehmen; die kleineren Casinos
»on 15 bis 20 Mitglieder sind ersprießlicher, als größere von 80 bis
30 Genossen.
4. Wie bei allem Lernen, so ist es auch beim Lernen in den Casi—
os von Wichtigkeit, Dinge, über die man spricht, auch zur unmittel
»aren, mindestens mittelbaren Anschauung zu biingen. Wer demnach
ie „Haarsiebe“ beim Buttermachen empfehlen will, präsentire ein sol⸗
hes und zeige praktisch die praktische Handhabung eines solchen. Wer
zurch sein Wort eine neue Art „Raufe“ in allgemeinen Gebrauch zu
etzen wünscht, zeige eine solche vor, mindestens das Modell oder die
Zeichnung, und gebe zu seinem Worte das Beispiel in ihrem Gebrau—
he. Wer über „Gyps“ und dessen Nutzen etwas sagen möchte, mache
zus Kalkerde und Schwefelsäure Gyps in Gegknwart der Versamm—
ung. Durchaus muß man in solchen Versammlungen Experimente
instellen und chemische Verbindungen zu bewerkstelligen wissen und
önnen.

Schluß folgt.)

Die Benutzung des in Wollfabriken verbrauchten
Seifenwassers auf Leuchtgas.

In Muhlhausen und in Augsburg (auch in Nürnberg) wird das
n Wollfabriken und zum Entschälen der Seide veibrauchte Seifenwasser
aus den Waschbottichen in große Behälter geleitet und darin mit Kalk—
nilch (gelöschter Kalk mit Wasser zum dünnen Brei angerührt) gemischt,
vodurch sich unlösliche Kalkseife abscheidet, die in etwa 12 Stunden
ich zu Boden setzt. Man läßt die überstehende klare Flüssigkeit ab und
zringt den Bodensatz auf Seihetücher von sehr grober Leinwand, wo—
zurch grobe Unreinigkeiten zurückgehalten werden. Die durchgelaufene
Masse gelangt in Kellerräume und nach einigen Tagen hat sich eine
eigartige Masse gebildet, die mit dem Spaten in viereckige Stücke von
er Größe halber Backsteine ausgestochen und duf Horden getrocknet
pird, wozu jedoch mehrere Wochen, selbst oft Monate erforderlich sind.
Diese trockenen Stücke werden ganz wie bei der gewöhnlichen Gasbe—
eitung behandelt und liefern ein schönes Gas. — Wie lukrativ ein
zerartige Nebennutzung sein kann, möge folgendes Beispiel lehren:
Das Waschwasser einer Kammgarnspinnerei von 200,000 Spin—
zeln liefert, auf vorerwähnte Weise verarbeitet, täglich etwa 10 Ctr.
rockene Masse, Suinter genannt, und ein Pfund derselben gibt 3/,
Lubikfuß Leuchtgas. Jährlich werden also im Durchschnitt 3000 Etr
Suinter gewonnen, welche über eine Million Cubikfuß Gas liefern.
kine Gasflamme verbraucht iu der Stunde 183,100 Cubikfuß Gas und
m Jahre 1200 Brennstunden gerechnet 1356 Cubikfuß, so daß also
nit der gegebenen Gasmenge 750 Flammen gespeist werden können.
Fine Fabrik von 200,000 Spindeln bedarf aber zu ihrer Erleuchtung
uur 500 Flammen; es bleibt demnach 15, des Suinters, also 1000
Etr., zu anderweitiger Verfügung, etwa zur Kerzen⸗ oder Seifenbexei—
ung, wenn man die Kalkseife mittelst Schwefel- oder Salzsäure zer—
egt, übrig. In Augsburg wird der Ctr. trockener Masse mit 2,2 bis
3 Gulden, in Mühlhausen mit 9 bis 10 Fres. (4 fl. L2 fr. bis 4 fl.
10 kr) bezahlt; das gibt also eine Einnahme von resp. 2747 Thlr
der 4427 fl. In den Seidenspinnereien erhält man aus etwa 107
Maß Entschälungsflüssigkeit 442, bis 5301,, Cubikfuß Leuchtgas.

Wer Kühe anspannut, fährt anm billigsten.
Nach dem „Ellw. landw. Bl.“ wollte sich ein belgischer Gutsbe
itzer davon überzeugen, ob und in wieweit die Behauptung, daß Milch
ibe in der Landwirthschaft als Zuadieb ortheilbaft n vwerwoöorß

wseien, begründet wäre. Er wählte acht Milchkühe gleichen Alters aus,
ütterte sie gleichmäßig und ließ vier derselben täglich während eines
halben Tages arbeiten, während die anderen vier ruhig im Stalle blie—
blieben. Diese letzteren lieferten während eines Monats 329 Maß
Milch, die Arbeitskühe dagegen 308 Maß, also 21 Maß weniger. Das
Gewicht der unbeschäftigten Kühe hatte während dieser Zeit um 36
Pfund zugenommen, während das der Arbeitskühe sich um 9 Pfund
vermindert hatte. Der Unterschied der Fleischproduction beträgt sonach
48 Pfund. — Wird nun das Maß Milch zu 6 kr. berechnet, so
macht der Miuderertrag von 21 Maß 2fl. 6 kr., der Abgang an
Fleisch von 48 Pfd. à 12 kr., beträgt 9 fl. 36 kr., mithin ist der ganze
Verlust 11 fl. 42 kr.
Nimmt man nun 20 Arbeitstage pro Monat an, so fallen auf
jeden Arbeitstag für jede einzelne Arbeitskuh 9ekr., was also die Arbeit
der Kuh dem Besitzer kosten würde. Dieser an sich schon geringe Be—
trag vermindert sich aber noch, da sich nach den angestellten Versuchen
ergeben hat, daß die Arbeitskühe eine viel fettere Milch lieferten als
die unbeschäftigten, woraus folgt, daß mäßige Arbeit auf die Vermin—
derung der wässerigen Theile der Milch mehr einwirkt, als auf die fet—
ten Bestandttheile derselben. Es kann indessen nicht in Abrede geßellit
werden, daß anhaltende und schwere Arbeit ohne Zweifel die Milcher—
giebigkeit und das Fleischgewicht in höherem Maße vermindern würde.
Jedenfalls erhellt aus den angestellten Versuchen, daß es für klei⸗
nere Güter sehr vortheilhaft ist, die Milchkühe mäßig arbeiten zu lassen,
da die Arbeit der Kühe, die bei weitem billigste ist.

Literatur.
Anleitung zur gewerblichen Buchhaltung, zur Anfertigung von
Herstellungs⸗Calculationen, Kostenanschlägen und Rechnungsauszügen,
sowie Uebungsaufgaben hierzu und praktische Durchführung
derselben. — Für den Unterricht an Gewerb-⸗, Real⸗ und Sonntags⸗
schulen u. für Gewerbtreibende, bearbeitet von G. F. Heinisch ꝛc
2te verbesserte und durch neue Aufgaben vermehrte Auflage. Bam—
berg, Buchner'sche Buchhandlung. 1864.
Für den Werth des uns vorliegenden Werkes spricht nicht alle in
das rasche Vergreifen der ersten Auflage, sondern es ist auch die, von
dem Königlich Bayerischen Staatsministerium des Handels und der
öffentlichen Arbeiten anempfohlene Einführung desselben zum Gebrauche
in die Gewerbeschulen und die Genehmigung desselben als Lehrmittel
in die Oberklasse der Werktagsschulen und in die Sonn- und Feier—
agsschulen von Seiten des Staatsministeriums des Innern, ein siche⸗
rer Beweis dafür, daß das Werk als vollkommen gut und den Be—
dürfnissen wie Anforderungen der Jetztzeit entsprechend bezeichnet wer—
den muß. Dasselbe enthält in vier Abtheilungen:
. Die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer zweckmäßigen Buch
führung und überhaupt eines geordneten Rechnungswesens.
B. Anleitung zur gewerblichen Buchhaliung.
D. Aufgaben theils dazu, theils zu Herstellungs-Calculationen unt
Anfertigung von Kostenanschlägen, Rechnungsauszügen ꝛc.
D. Praktische Durchführung aller obigen Aufgaben.
Zur Erleichterung wird jedem für die Schüler bestimmten Exem—
plar auch das zu einer Buchhaltung nöthige, nach dem Formular liniirte
Papier von der Verlagshandlung zum billigsten Preis verabreicht

Leichtes Verfahren zum Copiren gedruckter oder litho
graphirter Zeichnungen. — Nach Herrn Schrader tränkt man
Copirpapier mit einem flüchtigen, nicht harzenden Oele, und zwar am
besten mit Benzin, legt dasselbe über die Zeichnung und fährt hier—
nach mit einer Spitze über die zu erzeugenden Ltnien hin. Hierbei
drückt sich ein Theil der Druckerschwärze an das Pauspapier ab, es
verbleibt eine Zeichnung und das Benzin verdunstet.
            
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