3) Die Tränke wirkt hauptsächlich auf reichliche Milchabsonderung
daher sowohl dem Milchvieh, als überhaupt allen trächtigen und
solchen Mutterthieren, an welchen die Jungen noch saugen, mög
ichst viel Tränke gereicht werden soll.
Es liegt nun aber klar am Tage, daß bei jeder Art von Nutzvieh—
zalten, außer dem Erhaltungsfutter auch noch Productionsfutter gege.
ʒen werden muß, wenn dieselbe mit Vortheil betrieben werden soll. Nur
usnahmsweise, wie etwa in diesem Jahre, bei allgemeinem Futter
nangel, oder bei Arbeitsvieh, welches während einiger Wintermonate
inthaͤtig steht, darf man sich auf das Erhaltungsfutter beschränken.
Bei einer guten Aufzucht von jungem Vieh muß die Consumtion
hon Productionsfutter im ersten Jahre am größten sein, weil auch in
ziesen an Knochen und Muskeln, im Verhälmiß zu allen andern Jah⸗
ren, am meisten producirt werden muß. Bei erwachsenen Thieren kommt
)er stärkste Aufwand an Productionsfutter bei der Mastung vor. Bei
Thieren aber, weche durch Milchabsonderung, Arbeit, Wollwuchs ꝛc. das
janze Jahr hindurch einen möglichst gleichmäßigen Nutzen abwerfen
sollen, da kann die möglichste Einhaltung eines gleichmäßigen, dem
Zwecke entsprechenden Nährquantums nicht genug empfohlen werden
Jeder Viehbesitzer mag aber die Regel zu Herzen nehmen:
„Knapp ernährtes Vieh gibt weniger und schlechteren Düngen
‚und ist mehr Unfällen unterworfen, als reichlich genährtes, kraft—
„volles Vieh.“
Aus dem Köllerihaler landwirthschaftl. Casino.
Die Belebung kranker Pfirsichbäume.
Als Kunst und Handelsgärtner in einer lebhaften Stadt, welche das
Obst durch seinen hohen Ertrag sehr schätzen gelernt, wird der Verf
yft in Gärten gerufen, um als Arzt bei kranken Bäumen seinen Rath
uu ertheilen, und wurde derselbe im laufenden Jahre besonders häufig
n Anspruch genommen. Der kalte schneelose Winter hat überall gro—
zen Schaden angerichtet, entweder den Tod ganzer Bäume oder doch
venigstens viele dürre Aeste herbeigeführt. Nach den Beobachtungen
— ganz,
andere nur halb getödtet, viele trieben aus, bekamen aber bald krause
Blätter, die Glocke oder Kräuselkrankheit, einzelne dürre Ruthen und
ein krankhaftes Aussehen.
Der Verf. räth immer, vor Johanni an solchen Bäumen durchaus
nichts zu beschneiden; sollte das dürre Holz wegen des Anscehens ent
sernt werden müssen, so ist die Wunde sofort mit Baumwachs zu ver—
leben. Die Wurzeln sind nämlich noch kräftig, was oben erfroren, er—
zeugt durch jene eine Ueppigkeit, einen Saflüberfluß, der sehr leicht in
den Harzfluß übergeht und das Ersticken verursacht. Man muß sogleich
erkennen, wie viel Holz der Baum verloren hat nnd in diesem Verhäli—
aiß seine Mittel zur Rettung anwenden. Das Aufgraben des Bodens
und Abschneiden einer Wurzel eines Baumes wird den Saftandrang,
das Ausschießen der Wasserschosse verhindern. Eine Düngung be—
wirkt gerade das Gegentheil. Ein kurz zurückgeschnittener Pfirsichbaum
vird entweder außerordentlich kräftig austreiben, den Harzfluß bekom—
nen, oder im Safte ersticken. Die erfrorenen Aeste repräsentiren der
Schnitt, nur mit noch mehr Schaden, weil das dürre Holz noch weiter
oerabgeht, die Säfte verdirbt. Um Johanni bis auf das gesunde Holz
zuruͤckgeschnitten, ist die Heilung sicher, vor Johanni aber ist dieses
Verfahren schädlich.
Pfirsichbäume, welche einzelne dürre Aeste zeigen, aber doch viel
Früchte angesetzt haben, kann man außerordentlich kräftigen, wenn man
) den Stamm durch vorgestellte Ziegel oder Bretter vor der Sonne
schützt, 2) um den Baum Ofenruß ausbreitet, der auch das Ungeziefer
abhält, und 3) irdene Topfe in die Nähe dem Boden gleich eingräbt,
an jeden Baum z. B. zwei, rechts und links, und dieselben stets mi
Wasser voll erhält. Die Pfirsichbäume, welche an der Morgenseite ste—
hen und daher selten Wasser durch Regen von Westen erhalten, aehen
sicher zu Grunde, wenn ihnen nicht auf die angegebene Weise geholfen
wird oder wenn sie nicht von Zeit zu Zeit begossen werden. Ueber—
haupt wird das Begießen der Bäume sehr vernachlässigt, und gerade
bei den Pfirsichbäumen ist es von dem größten Vortheil bogleitet.
Diesen Bäumen ist ferner sehr schädlich, wenn einzelne Triebe sich
wie Wasserschossen entwickeln und nicht bei Zeiten in ihrer Spitze ein⸗
zekneipt werden. Kommt der Gärmer im August, um die Bäume zu
huschiren, so ist er in großer Verlegenheit, weil solche Saftansauger
alles weggenommen haben und nicht plötzlich entfernt werden dürfen.
Daher jeder Gartenbesitzer seinen Bäumen öflters dadurch nachhelfen
sollte, daß die üppig vorwachsenden Sommertriebe eingekneipt werden;
nur dann ist der Gärtner im Stande, das Gleichgewicht am Baume
zu erhalten. Bei vorhandenen vielen todten Aesten erstreckt sich die Uep—
pigkeit auf einzelne gesunde Theile, welche den Baum unförmlich ma—
hen und Krankheiten verursachen. Die Garienbesitzer können daher
eher die Bäume gesund erhalten, als der Gärtner kranke heilen kann.
Ist der Betrieb einer Ziegelei von schädlichem Ein—
Alusse auf die umgebende Vegetation und auf Thiere
und Menscheu?
(Als Fragebeantwortung.)
Es kommt hier nur zunächst auf das Brennmaterial an. Um mit
dolzfeuerung betriebene Ziegeleien hat man keinen schädlichen Einfluß
auf die Vegetation bemerkt, dagegen wirkt der Rauch aus Steinkohlen,
Braunkohlen und Torf auf die Vegetation nicht nur schädlich, sogar
zerstörend. Letztere Brennmaterialien enthalten mehr oder weniger Schwe—
kel, welcher beim Verbrennungsakte in einen gasförmigen Körper, die
chweflige Säure, verwandelt wird und mit dem Rauche vermischt die
Vegetation da untergräbt, wo der Rauch die Gewächse berührt. Bei
Ziegeleien mit offenen Bränden und mit einer Feuerung mit Torf,
Stein- und Braunkohlen ist die umgebende Vegetation immer gefährdet
uind besonders nach den Richtungen hin, welche die meisten Winde ha⸗
ben. Die Spitzen des jungen Getreides und der Gräser werden roth,
dann gelb und sterben ab, gleichsam wie bei übergroßer Dürre. Die
Achren des in der Blüthe befindlichen Getreides werden taub. Die
Blätter der Laub- und Nadelhölzer werden gelb, dann braun, endlich
schwarz und fallen ab. Wiederholt sich dies einige Jahre, so stirbt der
Baum. An den Obstbäumen fallen die Früchte verwelkt vor der Reife
ab. Gemüse mit sehr saftigen Blättern scheint weniger zu leiden. Wie
bemerkt, ist die hauptsächliche Ursache dieser Erscheinungen das schweflig—
saure Gas in dem Raäuche, und wie aus Versuchen von Tur ner und
Thristison hervorgeht, reichen sehr geringe Mengen dieses Gases in
der Luft hin, diese fur die Vegetation schädlich zu machen. Sie ver—
nischten die atmosphärische Luft mit nur 10000 schwefliger Säure und
brachten damit innerhalb zweier Tage die Blätter von Pflanzen zum
Absterben. Auch die anderen in dem Rauche vorhandenen Theer- und
Rußtheile mögen nicht ohne Einfluß sein, jedoch ist ihre zerstörende Wir—
kung auf die Vegetation nicht hinreichend konstatirt. Daß nun der Rauch
der schwefelhaltigen Brennmaterialien von schädlichem Einflusse auf Thiere
und Menschen ist, kann man vermuthen, wenn sich die Frage auch nicht
uinbedingt mit ja beantworten läßt. Es soll die schweflige Säure auch
nit Luft verdünnt eine besondere Reizung auf die Athmungswerkzeuge
usüben und ein kachektisches, selbst schwindsüchtiges Aussehen veran—
sassen. Um hierüber Sicherheit zu gewinnen, müßten die Kranken- und
Sterberegister der Stadt Manchester in England geprüft werden, denn
zaselbst ist der Gehalt der Luft an schwefliger Säure so bedeutend, daß
ohne vorherige Abstumpfung nicht einmal das Regenwasser in der Küche
vrauchbar ist. (Ind.Bl.)