Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Frau formt täglich ungefähr 1500 Stück Ziegel. Der Model flir Zie⸗
gel von 11 Zoll Länge, 52/. Zoll Breite und 2/, Zoll Dicke hat mir
Rücksicht auf das Schwinden im Lichten folgende Dimensionen: 1213oll
dänge, 6 Zoll Breite und 3 Zoll Dicke.
c) Das Einschieben und Einsetzen in den Ofen. Nachdem durch 8
vis 14 Tage die Ziegel dem Austrocknen in freier Luft unter dem Schop⸗
oen ausgesetzt waren, werden dieselben mittelst Karren in die Oefen ge—
hyracht. Ein Ofen faßt circa 10,000 Ziegel und wird, bei ungefähr
40 Klafter Distanz, in etwa 214, Tagen beschickt. Im Innern ist jeder
Ofen 4Klafter lang, 45/ Klafter breit und 3 Klafter hoch. Das Dach⸗
werk liegt 10 Fuß hoch über der obersten Ziegellage. Jeder Ofen ist
mit sieben Rosten versehen und beim Einsetzen werden Feuergassen ge⸗
bildet, welche 2 Fuß breit und 7 Ziegelbreiten hoch sind. Von der 20.
Ziegellage angefangen wird Braunkohlenklein zwischen jede Ziegellage
gestreut und zwar auf je 1000 Ziegel circa 2 CEtr. Die Ecke des Ein
satzes bildet eine fest aneinanderliegende Ziegelschicht und schließlich eine
dreizöllige Lage von Ziegeltrümmern.
d) Das Brennen. Die einzelnen Brennperioden sind folgende: 16
Stunden Abdämpfen oder schwaches Feuer, 56 Stunden eigentliches
Feuern und 36 Stunden Abkühlen, also zusammen 108 Stunden. Nach
den ersten 48 Stunden wird über die oberste Ziegeldecke eine 3 bis 5
Zoll dicke Lage von trockener Erde gestürzt und das Feuer durch das
Vermindern oder Vermehren dieser Eidschichte regulirt. Das Brennen
besorgen zwei Arbeiter. Der Brennmaterialverbrauch beträgt mit Ein—
chluß des eingestreuten Kohlenkleins 16 bis 18 Ctr. Braunkohlen.
e) Das Ausschieben. Nach erfolgter Abkühlung wird die Decke ab
getragen und auf die Parapetmauer im Innern des Ofens abgelagert
Nach ungefähr 30 Stunden wird zum Ausschieben der Ziegel geschrit
en, nachdem man die Blindmauern der oberen Eintragthüren (Stohr
löcher) beseitigt hat. Später werden auch die Heizthüren geöffnet, wel
che bisher mit Letten sorgfältig verschmiert waren. Das Ausschieben
der Ziegel besorgen 6 Mann in 192 Tagen.
f) Die Dachziegelfabrikation. Zu den Dachziegeln wird fetter Thon
genommen; denselben läßt man zuvor an der Luft durchtrocknen, worauf
er 24 Stunden eingesumpft und sodann sörgfältig mit der Haue durch—
gearbeitet wird. — Eine Frau streicht täglich bis 800 Dachziegel von
18 Zoll Länge und 9 Zoll Breite. Nachdem man sie 14 Tage an
der Luft getrocknet, werden sie mit den Mauerziegeln gemeinschaftlich in
den Ofen eingetragen und gebrannt.
8) Die oben erwähnte Fabrik von Thonwaaren und Bauornamen—
en befindet sich in unmittelbarer Nähe der vorbeschriebenen Anlage und
st in neuerer Zeit bedeutend vergrößert worden.

Futterwerth und Futternoth.

Bei der diesjährigen Futternoth, unter der wohl jeder Landwirt
nehr oder weniger leidet, ist es fuͤr denselben gewiß-von großem Vor—
Heil, wenn er den Nahrungswerth der gebräuchlichsten Futtergattungen
kennt und die Fütterung darnach einrichtet. Nach den meisten Schrift⸗
stellern, als: Thaer, Schmalz, Meier, v. Pabst, Flotow,
Mackensen, Schweitzer, Kreißig, Haumann, Block, Kop.
be, Boussingault zc. ꝛc., ist gutes Wiesenheu oder Roggen ale
Maßstab angenommen worden und bilden nach ihnen für 100 Pfunl
utes Wiesenheu im Durchschnitt als Aequivalent:
.00 Pfund Heu von roth. deutischen Klee,
350 , „ Luzerner Klee,
200 „ Weizenstroh,
200, Roggenstroh,
200 „ Gerstenstroh,
170 ,„ Erbsen⸗ und Wickenstroh,
200 ,„ Kartoffeln,
300 „Runkelrüben,
350 „ Kohlrüben (Erdkohlrabi).
1250 Möhren

Spreu,
Biertreber (feucht),
Kartoffeln der Branntweinspülicht,
Rapsölkuchen,
Leinölkuchen,
Weizen,
Weizenkleie,
Roggen,
Gerste,
Hafer,
Grummet,
Runkelrübenblätter,
Wasserrüben,
Kohlschoten.
Es ist hierbei immer vorausgesetzt, daß Alles gut geerntet
aufbewahrt wird. — Wenn man nun annimmt, daß *) beim Rindy
100 Pfund lebendes Gewicht **) zur Erhaltung täglich 12/3 Pfu
Heuwerth verlangt werden, so kann ein Jeder seinem Vieh den gan
Winter über ein gleichmäßiges Futter zusammensetzen, und das V
vird bei sorgsamer Pflege und Reinlichkeit im Frühjahr eben so
m Stande sein, wie im Herbste.***x) Vielen Landwirthen ist es ab
eider unmöglich, ihr Futter gleichmäßig zu vertheilen, da sie ihre Vr
äthe nicht genau kennen, nur nach Gutdünken abschätzen, dieselb
aicht unter Verschluß halten und nicht genau kontroliren. Die Fol
hiervon ist gewöhnlich, daß im Anfange mit dem Futter geschwelgt wü
zu Ende des Winters aber, und besonders dann, wenn das Frühic
spät eintritt, damit so gegeizt werden muß, daß den Thieren selbst
nothwendigste Erhaltungsfutter nicht mehr gegeben werden kann.
Was nun die Mischung der verschiedenen Futterstoffe anbelan
so ist vor allen Dingen auf deren Volumen Rücksicht zu nehmen un
dann auf den speziellen Zweck, den man durch das Futter selbst erret
chen will. Ein einfaches Beispiel mag die volle Wahrheit des Ge
sagten bestätigen. Hätte man ein Stück Vieh von 800 Pfd. lebendun
Hewichte und wollte demselben das Erhaltungsfutter nur in Weize
geben, so wären 8 212/3 — 13/3 Pfd. Heuwerth erforderlich, ur
diese werden durch 4 Pfd. Weizen repräsentirt. Wollte man aber na—
vorstehender Tabelle diesem Thier das Erhaltungsfutte blos in Stro
verabreichen, so müßte man ihm 262/3 Pfd. geben. Welch ein großt
Unterschied im Volumen! Um aber das richtige Verhältniß der Futte
mischung bestimmen zu können, muß man das größte Volumen kennen
welches das Thier in sich aufnehmen und vrrarbeiten kann, und ebem
das kleinste Volumen, welches zur genügenden Ausfüllung des Verda
ungsschlauches und zur Aufrechthaltung der normalen Verdauungsfähiz
keit mindestens erforderlich ist. Nur Versuche und Erfahrungen könne
üäber das größte und kleinste Quantum an voluminbsen Nahrungsm'
teln, welche ein Thier innerhalb 24 Stunden in gedeihlicher Weise
sich aufnehmen kann, entscheiden, da schon nach der verschiedenen Fi
terart, welches ein Thier gegen das andere von Jugend an erhält, au
die Verdauungsorgane mehr oder weniger ausgedehnt sind und doch
beiden Fällen gefüllt sein wollen. Was der spezielle Zweck, denen
durch das Futter selbst erreichen will, anbelanat, so sind darüber“
zende Regeln zu beobachten:
1) Alles junge Vieh, welches ein kräftiges Wachsshum haben
muß hinlänglich und gut gefüttert werden; es muß vorzugswe
solche Futterstofse erhalten, aus welchen sich Fleisch und Knoch
bilden, also stickstofffaltige Bestandtheile der Pflanzen.
2) Thiere, die zum Zuge bestimmt sind, dürfen nicht viel öliges Fi
ter erhalten, denn sie werden sonß zu fett und ihre Nerven
schwach.

*) Nach v. Riedesel und v. Wechkherlin.
**x) Schweitzer II. nimmt an, daß beim Rindvieh sich das lebende Gewicht
Schlächtergewicht verhält wie
1) bei mageren Thieren 100 Pfund zu 50—-54 Pfund (Mittel 52):
2) bei halbfetten Thieren 100: 534- 64 (Wittel 859);
3) bei ganz fetten Thieren 100: 65— 70 (Mittel 67).
123) Was über dieses Quantum Futter hinausgeht, das eist ist das Productionsfuttẽ—
Ih. dasienige Futter, aus dem Milch, Wolle, Fleisch oder Fett gebildet werden
            
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