wohl im Stamme wie in den Wurzeln gesund sei, was nach dem Wuchse
desselben sehr leicht zu beurtheilen ist; das Alter wäre wenig zu scheuen,
die Operation zu unternehmen, denn selbst bei 25 bis 30 Jahre alten
Bäumen gelingt dieselbe noch sehr gut, obgleich der Erfolg bei mäßig
alten oder wohl noch jungen Bäumen jedenfalls ein sichererer und er—
sprießlicherer sein wird. Bei Bäumen, deren Stämme einen Durch—
messer von 6, 8, auch wohl 10 Zoll haben, ist mit dem Umpfropfen
gar keine Gefahr für das Leben derselben verbunden, wenn sie gesund
sind; der Trieb, und damit auch die Lebensthätigkeit, wird durch dae
Umpfropfen nicht selten von Neuem angeregt und lebhafter als zuvor.
Ein Jahr vor dem Umpfropfen sorge man dafür, daß die Haupt
äste gehörig ausgedünnt werden, um dem Baume später eine angemes
sene Form geben zu können, wobei jedoch die sich zwischen diesen be—⸗
findenden schwächeren Zweige nicht fortgeschnitten werden dürfen. Sollte
die Rinde sehr rissig und mit einem dicken Schorfe bedeckt sein, so ent
ferne man diesen durch Abkratzen bis auf die jüngere Rinde, ohne je—
doch den Stamm zu verletzen. Die Rinde wird dadurch elastischer,
gestattet mehr Zufluß von Saft und die Bildung stärkerer und kräfti—
gerer Jahresringe des Holzes.
Ist der Baum auf diese Weise gesäubert und hat er sich gekräf
cigt, so kann im nächstfolgenden Frühlinge das Umpfropfen vorgenom—
men werden. Die geeignetste Zeit dazu ist, wenn sich bereits kleine
erkennbare Blätter oder auch Blüthen gebildet haben, weil in diesem
Stadium der Entwickelung der Saft am thätigsten ist und sich die Rinde
»om Holze leicht ablösen läßt. Bevor man an das Veredeln geht, schnei—
det man die Aeste, wie es die spätere Form des Baumes erheischt, rech
gerade mit einer Säge ab und glätte die Schnittfläche möglichst mit
einem recht scharfen Messer oder Meißel (Stichbeutel). Am besten wähl
man zum Veredeln solche Aeste, die entweder senkrecht stehen oder in
einem Winkel von 45 Grad aufsteigen; mehr wagerecht abstehende sind
zu vermeiden. Damit der der Aeste beraubte Baum aber nicht an Saft—
überfluß leide, sondern im Stande bleibe, den größten Theil des Saf
jes zu consumiren, lasse man möglichst viel dünne Zweige, die schon
im ersten Jahre der Behandlung der Schonung empfohlen waren, un
ser den Verediungsstellen stehen. Gebraucht man diese Vorsicht nicht,
so sterben die Bäume häufig an Saftüberfluß, da die soeben erst auf—
gesetzten Pfropfreiser anfänglich sehr wenig Saft consumiren.
In Folge des Abstutzens der dicken Aeste, die bisweilen eine Stärke
von 3, 4, auch 6 Zoll haben, bilden sich immer eine Menge von so⸗
genannten Wasserreisern oder Lohden; auch von diesen lasse man einen
Theil ruhig fortwachsen, um den Saftverbrauch zu befördern.
Sind die Reiser ange wachsen, so vermindere man mit der Zu,
nahme des Wachsthums ihrer Triebe allmälig die wilden oder unächten
Zweige und Lohden, womit man in der Regel Mitte Juni beginnen
sann, so daß bis Mitte August der umgepfropfte Baum von allen un—
ichten Zweigen und Trieben befreit sei; entwickeln die Pfropfreiser nur
ümmerliche Triebe, so kann auch ein Theil des unächten Holzes bis
zum nächsten Jahre und zwar bis Juli stehen bleiben.
Das Veredeln alter Bäume geschieht entweder durch Pfropfen im
Spalt oder in der Rinde (Pelzen); sollen sehr starke, also 5 bis 6 Zoll
im Durchmesser haltende Aeste im Spalt gepfropft werden, so ist zum
Spalten derselben oft ein Beil oder ein Stemmeisen, welche mittelst
rines Hammers von oben her senkrecht nach der Richtung der Holzfaser
in den Ast eingetrieben werden müssen, erforderlich. Soll nur ein
Reis eingesetzt werden, so spaltet man zweckmäßig den Ast nur an
einer Seite, damit die Rinde auf der entgegengesetzten Seite unver—
etzt bleibe, was allerdings nicht möglich ist, wenn zwei Reiser einge—
etzt werden sollen, was man des sichern Gelingens halber bisweilen
hut. Am besten ist es immer, wenn der Spalt entweder von der Pe—
ripherie des Astes nach dem Mittelpunkte desselben gerichtet ist oder
dei einer Doppelpfropfung durch letzteren hindurch geht. Um das Reis
n den Spalt eines dicken Astes einfügen zu können, muß man diesen
durch einen Keil von hartem Holze öffnen und einen schwächeren auch
vohl nach dem Einsetzen des Reises darin lassen, weil sonst dasselbe
oft durch die Spannkraft des Astes gedrückt wird. Bei schwächeren
Aesten von 1 bis 3 Zoll Stärke wird das Einsetzen eines Keiles sel
ener nöthig sein.
Weniger Schwierigkeiten verursacht das Pfropfen in der Rind
das Pelzen), indem es bei dieser Operation nur nöthig ist, von d
Schnittfläche des abgestutzten Astes einen senkrechten Schnitt in de—
Rinde bis auf den Holzkörper zu machen, um alsdann eine Seite de
Rinde (gewöhnlich die rechte) ablösen zu können, um das gehörig z
geschnittene Reis dahinter zu schieben. Manche Obstzüchter stellen di—
Operation der ersteren nach, weil sie der Meinung sind, das Reis hah
zwischen der Rinde weniger Halt, als wenn es auch in den Holzkörp
hineinreicht und daher leichter vom Winde abgebrochen werden koöm
Da aber auch bei dem Pfropfen in den Spalt nur die Rinde mit ti
ander verwächst, so dürften in dieser Hinsicht beide Operationen glei
zu stellen und das Pfropfen in der Rinde der leichten Ausfuhrbarh
halber vorzuziehen sein.
Man kann die Bäume auch durch Oculation veredeln, was zu
recht gut ausführbar ist, wenn man dieselben im Frühlinge stutzt w
kräftige Wasserreiser zu erzielen sucht und diese Anfangs August
edelt; es sind aber alsdann die Stümpfe der abgestutzten Aeste
nach einigen Jahren zu beseitigen und die Ernte wird fast um ein Ja
länger hinausgeschoben.
Das Umpfropfen wird nicht nur angewendet, um eine bessere Soꝛ
von Früchten zu ernten, sondern es bringt auch eine Verjüngung a
ßerer Fruchtbaikeit der Bäume hervor, weshalb man es auch, wenn
einem Stamme eine anerkannt gute, aber spät tragende Sorte sich b
findet, anwendet, indem man den Baum noch einmal mit von ihm a
nommenen Reisern pfropft.
Damit die eingesetzten Reiser nicht durch das Aufsitzen und D
zegenfliegen von Vögeln abgebrochen oder aus ihrer Lage gebracht wer
den, binde man gleich nach Vollendung der Operation an jeden ver
edelien Ast, und zwar dem Reise so nahe als möglich, einen dasselht
um 2 bis 22/, Fuß überragenden ziemlich starken Stab, an welchen
später auch die juugen Triebe des Edelreises angeheftet werde können
um sich gegen Windbruch zu sichern.
Da man der Sicherheit halber gern mehr Reiser, als eigentli—
zur Bildung der neuen Krone nöthig sind, aufsetzt, so muß in der
aächstfolgenden Jahren darauf geachtet werden, daß alles überflüssig
Holz entfernt, der Baum durch angemessenen Schnitt in kräftigem Wuch—
erhalten und ihm eine regelmäßige Form gegeben werde.
Läßt man den umgepfropften Bäumen die nöthige Pflege und Au
merksamkeit zu Theil werden, so wird man die Freude haben, im:
oder 6. Jahre wiedernm Früchte, und zwar viel bessere als früher em
ten zu können. Treten nicht ungünstige Witterungsverhältnisse ein,“
den Blüthen Schaden zufügen, so werden von da ab die Ernten w
jedem Jahre reichlicher werden.
Durch Anwendung des Sommerschnittes lassen sich noch frübt
Früchte erzielen; indessen ist dieser bei großen Kronenbäumen nicht
empfehlen, indem durch das Hinwirken auf Fruchtholz der Wuchs de
Bäume beeinträchtigt und die Lebensdauer derselben keinesweas ve'
längert wird.
Will man den umgepfropften Bäumen zu Hülfe kommen, so laß
man sie im Herbst, nachdem die Reiser kräftig gewachsen sind, düngen
jedoch muß das Düngen mit Vorsicht geschehen. Am besten ist, 3 bit
4 Fuß vom Stamme ab, wo schon jüngere Wurzeln zu vermuthen sind.
die Erde bis auf diese in einem Kreise von 10 bis 12 Fuß Durch
messer vom Stamme entfernt abzugraben, die Wurzeln 2 bis 3 Zol
mit frischer Gartenerde oder in Ermangelung dieser mit guter Ackererd!
zu bedecken, darüber eine 4 bis 5 Zoll hohe Schicht alten Kuh- oder
Pferdedung auszubreiten und so viel wie nöthig von der abgegrabener
Erde wieder darüber zu bringen. Dung unmittelbar mit den Wurze
in Berührung zu bringen, ist sehr nachtheilig, weil letztere dadurch vh
brandig werden. Von der etwa übrigbleibenden Erde lasse man in der
Peripherie der gedüngten Stelle einen Wall machen, um die Bäum
begießen zu können oder um die Ansammlung von Regenwasser zu er
moͤglichen, wodurch die Düngung wirksamer wird; nach 2 Jahren lass
man die Erde des Walles über die gedüngte Stelle ausbreiten. (Der
oorstehenden Ansicht des Hrn. Verf. rücksichtlich der Düngung gegen
über, wird anderweitig gerathen, nicht in demselben Jahre, in dem da
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