y Die Schlußzeit tritt ein:
a) für gewödnliche Briefe, über welche dem Absender ein Einliefe⸗
rungsschein nicht zu ertheilen ist:
jo Minuten vor dem planmäßigen Abgange des Fourgon
zum Bahnhofe;
b) für recommandirte Briefe, über welche ein Einlieferungsschein zu
ertheilen ist:
15 Min. vor der planmäßigen Retourfahrt des Fourgon
zum Post⸗Amte, außerdem
zur Mittagsstunde und 8 Uhr Abends, wo eine besondert
Jeberbringung zur Expedition in Saarbrücken stattfindet;
Candwirthschastlichez Casino im Köllerthale.
Abgehalten zu Kölln am 14. August 1864.
Nach dem am 31. Juli d. J. im landwirthschaftlichen Casino zu
heusweiler gefaßten Beschlusse fand die heutige Sitzung in Kölln
datt, und kamen vaselbst die in der vorigen Sitzung gestellten Fragen
1) Welchen Vortheil bringt der Saatfruchtwwechsel? und
2) Wie soll die Winterfrucht bestellt werden?
zur Erörterung.
Bevor zur Beanwortung der gestellten Fragen üͤbergegangen wurde,
zeleuchtete der Vorsitzende nochmals den Zweck des landwirthschaftlichen
Tasinos und den Vortheil, der durch dasselbe hervorgehe.
Er hob namentlich hervor, daß es wohl kein Gewerbe gebe, wel—
hes mehr auf der Praxis beruhe, als gerade die Landwirthschaft; daß
nan wohl mit Recht bei der Lehre von derselben sagen könne: „die
Theorie ist grau, die Praxis hell, aber Beides verbunden, macht die—⸗
elbe sonnenklar!
Aber nicht jeder Landwirth sei befähigt, seine Erfahrungen schrift
ich mitzutheilen, oder das Geschriebene zu verstehen, und nicht jedern
dandwirth habe Zeit und Gelegenheit, das Geschriebene zu lesen, oder
elbst zu schreiben.
Dagegen sei es einem Jeden leicht, seine Erfahrungen und Ideen
mündlich auszutauschen, und sich dann belehren zu lassen, oder Andere
zu belehren.
Daß das Casino Anklang fände, bewiese der zahlreiche Besuch
zinreichend, und wäre es besonders erfreulich zu sehen, wie die Herren
Pfarrer und Lehrer sich so rege an demselben betheiligten.
Hierauf wurde zur Tagesordnung übergegangen und die erste Frage
gestellt: „Welchen Vortheil bringt der Saatfrucht-Wechsel?“ Da au
krsuchen des Vorsitzenden, es möge Einer oder der Andere der Ge—
ellschaft seine Ansichten über diesen Gegenstand aussprechen, sich Nie—
nand zum Wort meldete, übernahm er es selbst, seine Ansicht über diest
Frage und deren Beantwortung vorzutragen; erklärte aber gleichzeitig
»aß man seine Aufstellungen nicht als die unumstoößlich richtigen be—
rachten moge, sondern er bitte, es wolle ein Jeder nach dem Vortrage
eine entgegengesetzte Meinung, oder Zweifel offen erklären.
Der Samen-Wechsel, begann der Vorsitzende, ist von besonderen
Wichtigkeit. Die Pflanzen, die der Landwirth baut, baut er um ge⸗
visser, ganz bestimmter Zwicke willen, welche ihm klar vorschweben müssen.
Es muß also jedem Landwirthe klar sein, was er von den Pflan⸗
en und Früchten, welche er erzielen will, verlangt. Erzielt er nun durch
elbstgezogenen Samen dasjenige, was er erzielen will, dann braucht
r mit der Samfrucht nicht zu wechseln. Erlangt er aber durch den
elbstgezogenen Samen seinen Zwed nicht, dann muß er auf andere
Samen bevacht sein, auf solchen Samen, der ihm zu seinem Zwecke
ꝛerhilft. Es ist dies in der Pflanzenwelt gerade wie bei der Thierzucht.
Dat man z. B. eine Stute und einen Hengst, die uns schon 1,2,3
»der 4 schöne, dem Zwecke entsprechende Fohlen gebracht haben, warum
ollte man sich da veranlaßt finden, eine andere Stute oder einen an—
dern Hengst zu nehmen? Wollte man nun aber die jungen Pferde
mmer wicder unter sich verpaaren, so würden sich bei deren Nachkom—
nen üͤber kurz oder lang Fehler zeigen, welche die erste Siute uns der
erste Hengst gar nicht gehabt haben. Um nun solche Fehler, wenn auch
e) für Geldbriefe ꝛc., sowie für Pakete mit oder ohne Werthdecla—
ration:
./ Stunde vor diesen sub No. 2 bezeichneten Zeitpunkten
und 8 Uhr Abends.
3) Der vor'm Posthause aushängende Briefkasten wird regelmäßig be—
Gelegenheit der Fourgon-Fahrten zum Bahnhofe geleert.
Saarbrücken, den 1. August 1864.
Königliches Post-Amt.
Munds.
noch so kleine, nicht vererben zu lassen, paart man, sobald sich eine Zucht
nicht mehr ganz constant zeigt, mit einem Thiere derselben Race von
anderm Blute. Man nennt dies Blutauffrischung. Ebenso ist es bei
den Pflanzen, namentlich bei den Körner⸗ und Hülsenfrüchten. Nimmt
man Samen von schlechter Saatfrucht und fährt damit einige Jahre
fort, so steht es fest, daß man in ganz kurzer Zeit nur schlechte, taube
Früchte ernten wird.
Sicht man daher, daß die erzeugten Früchte von Jahr zu Jahr
geringer werden, oder den erwarteten Zweck nicht mehr erreichen, dann
ist eine Blutauffrischung, dann ist Samenwechsel nöthig.
Es entsteht nun aber die Frage: „Woher nehmen wir neuen Sa⸗
men?“ Diese Frage läßt sich dahin beantworten: „Wir müssen unsere
Saatfrucht aus derjenigen Gegend nehmen, in welcher anerkannt die
schönsten Körner, oder Pflanzen, die wir erzielen wollen, erzeugt werden;
vorausgesetzt, daß die klimatischen Verhältnisse dieser Gegend der uns—
rigen gleich, oder gar rauher sind.“ In welcher Gegend nun die Saat⸗
frucht zu suchen sei, darüber kann nur die Erfahrung entscheiden. Manche
Dertlichkeiten erzeugen gewisse Früchte von einer solchen Güte, wie sir
anderwärts nicht erzielt werden kann, so Polen und England seinen
Weizen, die Preetzer Probstei ihren Roggen, die russischen Ost see⸗Pro⸗
vinzen ihren Lein; in nächster Nähe der Gau den Weizen, die Mosel
den Roggen ꝛc. Die Lebens-Entwickelungs-Verhältnisse der Pflanzen
sind in jeder Oertlichkeit andere, weil diese selbst eine andere, verschie⸗
dene ist.
Gleiche Bewandmiß hat es jedenfalls auch mit der Grundbeschaf⸗
fenheit und der Bodenzusammensetzung der Gegenden, welche man zum
Bezuge von Saatgetreiden am vortheilhaftesten wählen soll. Es ist
wohl jet em Landwirthe bekannt, daß die beste Weizengegend nicht im⸗
mer auch die beste Roggengegend, und umgekehrt die beste Roggenge—
gend nicht die beste Weizengegend ist und hieraus erklärt es sich, wes⸗
halb man aus gewissen, durch die Erfahrung bestimmten Gegenden das
gewünschte Saatgut holen soll.
Was das klimatische Verhältniß anbelangt, so kann man da auf
die Erfahrung, welche noch im verflossenen Winter theuer erkauft wurde,
verweisen. Behlanntlich liefert England einen ausgezeichneten Weizen,
und man glaubte, denselben namentlich in der Rheingegend als Saat⸗
zut mit Erfolg verwenden zu können. Dieser Weizen lieferte denn auch
wirklich bei günstigen Witterungs-Verhältnissen sehr schene Erträge;
allein die Witterung im verflossenen Winter behagte ihm nicht und er
winterte total aus; wohingegen der einheimische Weizen sehr schönt
Ernten abwarf.
Ich selbst habe hier im Köllerthale englischen Weizen gebaut, kam
aber davon zurück, weil ihm der Winter zu kalt war. Das sind die
Folgen, wenn man die klimatischen Verhältnisse nicht berücksichtigt. Die
Praxis lehrt es also wohl auf das Bestimmteste, „daß diesen Verhält⸗
nissen große Bedeutung beigelegt, daß ihnen Rechnung getragen werden
muß.“
Fassen wir dies Alles zusammen, so glaube ich, daß man bei der
Frage vom Samenwechsel folgende Grundsätze aufstellen darf:
1) Der zur Aussaat bestimmte Samen muß vor Allem keimfähig und
keimkräftig sein. Solchen Samen gewinnt man nur, wenn zum
Saatgut die vollkommensten und reifsten Körner ausgewählt wer⸗
den. Besonders ist es zu berücksichtigen, daß die Saatfrucht auf
dem Felde gehörig reife, da fast alle Körnerfrüchte mit aroßem