Die Gründüngung.
Von Rößler in Eldena.
Schon vor Jahrhunderten war in den Niederlanden, besondere
aber in England, die Gründüngung beliebt und im Gange; in Deufssch—
land war sie ebenfalls bekannt, wurde aber sehr wenig angewendet, da
es an Männern fehlte, welche Versuche damit anstellten, und diejeni
gen, welche dergleichen unternommen hatten, entweder aus ver fehler—
haften Verwendung nicht zusagender Frucht- und Gewächsarten, oder
unrichtiger Wahl und Behandlung des Bodens, nur kostspieligen Auf—
wand und Zeitverlust, aber keine entsprechenden Resultate erzielten.
Später zur Zeit der Ablösung aller Frohn- und Dienstverhältnisse
nach Beseitigung der Dreifelder⸗ und Uebergänge zur Schlag⸗ und Wechsel
virthschaft sah man sich genöthigt, auf Vermehrung von Düngmitteln
zu denken, da das nöthige Material dazu, bei Uebergängen aus einer
Fruchtfolge zur andern, nicht hinreichend vorhanden war, und kam end—
lich wieder auf die Benutzung der Gründüngung zurück. In den 20er
und 30er Jahren erwuchs daraus ein wahres Modethema, ein Versuch
drängte den andern, Mittheilungen von günstigen und mindergäͤnstigen
Resultaten waren in allen Zeitschriften zu lesen.
Was wir darüber damals und später durch Anschauungen erfah
een und praktisch versucht und geübt haben, wollen wir jetzt mittheilen
Die Gründüngung bleibt, in Bezug auf gleiche Wirkung, durch—
aus nicht auf allen Bodenarten dieselbe; für schwere, bindige, naßkalte
Thon⸗ und Lehmboden eignet sie sich am allerwenigsten, daher verdien
die Beschaffenheit des Bodens, vor Anwendung derselben, die erste Be—
achtung. — Bei allen thätigen, leichten Bodenarten, selbst den sterilen
Sandboden nicht ausgenommen, welcher schnell von der Sonne erwärm
wird und durch Mangel an Feuchtigkeit leidet, ist die Gründüngung
an ihrem Platze. Sie kühlt den Boden vermöge ihrer saftigen Be—
standtheile und vermehrt die Pflanzenerde durch deren Verwesung. Ue—
berhaupt in Gegenden, wo es an Stroh und anderem ergänzenden
Einstreumaterial fehlt, daher Düngmangel entsteht, ist die Gründüngungß
ein sehr beachtenswerther Ersatz und fast das einzige Hülfsmittel, sol
hem Boden entsprechende Erträge abzugewinnen und denselben frucht—
bar zu erhalten. Es können aber auch besondere Verhältnisse die wie—
derholte Gründüngung veranlassen, z. B. für zu entfernt liegende Fel—
der oder solche, wohin der Stalldünger wegen ihrer steilen Lage nicht
geführt werden kann, endlich auch, um das Lagern der Halmfrüchte zu
berhüten.
Die Gründüngung eignet sich überhaupt in unserm Klima nur zur
Winterfrucht, weil alle bisher zu diesem Zwecke benutzten Dungsaaten
zu spät im Jahre die gehörige Stärke und Ueppigkeit im Wuchse er—
reichen, um rechtzeitig zu Sommerfrüchten verwendet werden zu können.
Haupterforderniß eines guten Erfolges bei der Gründüngung ist ein
bichter und geschlossener Stand der Dungsaat, daher die Aussaat dazu
auch immer etwas stärker als gewöhnlich erfolgen muß. Ferner ver—
dient besondere Berücksichtigung, daß der Same der zur Dungsaat zr
benutzenden Pflanzen und Gewächse nicht zu theuer, leicht zu gewinnen
und schnellwüchsig ist, besonders aber, daß die zur Gründüngung an—
gesäeten Gewächse ihre Hauptnahrung mehr aus der Atmosphäre als
aus dem Boden sich aneignen, wie z. B. alle Leguminosen, welche min
der Bodenkraft beanspruchen. Man würde sich übrigens gewaltig täu—
schen, wenn man annehmen wollte, durch eine selbst mehrmals vor der
Wintersaat wiederholte vegetabilische Düngung eine Normal-Stalldün—
gung vollkommen und eben so nachhaltig ersetzen zu können. Sie ist
oielmehr, besonders auf leichterem und Sandboden, unter der obigen
Voraussetzung öfterer Wiederholung in den meisten Fällen nur einer
halben Düngung gleich zu stellen.
Die andere Hälfte ist aber, wo es nur irgend möglich, durch Stall—
dünger zu bewirken. Wir haben zu dem Ende bereits im Herbst, wäh
rend des Winters oder im allerzeitigsten Frühjahre, den Acker pr. Mor
jen mit 4 Fuder Stalldünger befahren, darauf eine dem Boden zusa
zgende Dungsaat ausgestreut und das Produkt zu gehöriger Zeit unter
zepflügt. Bei gutem Boden, auf welchem in der Regel mehr stickstoff
haltige und mehr Masse liefernde Gewächse, wie Erbsen, Wicken. Lu—
pinen u. dgl. zur Dungsaat gewählt werden, gewinnt man durch jen
halbe Mistdüngnng bedeutend an Masse; auf leichterem und Sandbo
den, wo jene Leguminosen nur spärlich wachsen, wählt man Buchwei
jsen oder am besten Spargel. Selbstverständlich wachsen auch diese au
einem mit halber Düngung versehenen Acker viel voluminöser, als au
einem magern, und so ist der Nutzen der halben Mistdüngung zur Grün—
düngung und im Verein mit dieser zur Winterung ein augenscheinlicher
Alle Leguminosen können in unserm Klima, sollen sie Masse liesten
wegen ihrer langsamen Entwickelung, nur einmal vor der Wintersau
zur Gründüngung mit Erfolg angewendet werden. Der Spargel hin
gegen, welchen man mit Recht den Klee der Saatfelder benannt ha
kann wegen seines schnellen Wuchses recht gut dreimal hinter einande
vor der Wintersaat benutzt werden, da er zu seinem Wachsthume, b
einigermaßen günstiger Witterung, nur eine Periode von 6—7 Woche
bedarf. Ohne allen und jeden Nachtheil kann der Spargel vor de
Umbruch zu neuer Saat zuvor vom Rindvieh abgeweidet werden. Di
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die Dungabfälle der Thiere kommen ihm auch noch zu Gute. So pu
blematisch auch Manchem die Aufstellung vorkommen mag, daß dur
die Beweidung der Dungkraft nicht Abbruch geschehen sollte, so ist da
Gegentheil dennoch nach vielen und oft wiederholten Versuchen bis 3
Evidenz erwiesen.
Auf weichem, gutem Boden, wo natürlich auch Buchweizen un
Spargel voluminöser gedeihen und daher auch besser düngen, benut
man, wie schon bemerkt, zur Dungsaat Erbsen, Wicken, Lupinen, Ro—
gen, Oelgewächse u. dgl. Alle jene Wirkungen übertrifft jedoch der Kle
namentlich der rothe Kopfklee. Während man die beiden ersten Schnit
desselben zur Grünfütternng benutzt, verwendet man den dritten Schn
zur Grundüngung. Er liefert die bedeutendste Masse und außer d
saftigen Blättern und Stengeln wirkt noch vorzüglich sein reiches Wurz
vermögen zur Düngung. Man pflügt den dritten Schnitt 4 Wod
vor der Wintersaat zur gehörigen Tiefe unter, säet später auf und eg
scharf ein. Stand der Klee gut und dicht, so geräth die Winteru
darnach eben so gut, wie diejenige auf geduͤngter Brache. Nur mr
der Umbruch des Klee's, wie schon erwähnt, wenigstens 4 Wochen vr
der Aussaat erfolgen, damit der Boden Zeit hat, sich gehörig zu setzt
aund die Furchen nicht hohl liegen bleiben, unter welche sich in dieser
Falle bei Schneethau leicht Wasser ansammelt und dadurch ein Au
frieren der Saat bewirken kann, oder auch in jenen Höhlungen
Mäuse einnisten.
Unter allen Dungarten iß die vegetabilische unbestritten die billig
und es ist daher mit Recht zu verwundern, daß sie nicht mehr und hi
figer angewendet wird. Alle üppig und voluminds wachsenden Pflanz
sind dazu verwendbar, selbst mit Unkräutern und Giftgewächsen 6
entsprechende Versuche nachzuweisen und da die Dungsaat jedesma'
der Blüthe umgebrochen wird, daher nicht Samen erzeugen kann,
erwächst dem Acker durch ihre Verwendung nicht im Geringsten ira
ein Nachtheil durch Verunreinigung.
Selbst zu Sommerfrüchten ist die Gründüngung und zwar inn
Art verwendbar, daß man im Herbste in die umgebrochene Stop
Raps oder Rübsen säet und im Frühjahr zu Gerste, Hafer oder ar
zu Kartoffeln unterpflügt. Thut man dies im Vorherbste mit Spar—
so hat man noch bei günstiger Witterung eine gute Herbstweide zu
wärtigen und erreicht noch den Zweck der Düngung.
An vielen Orten, besonders in England, werden Turnips und
dere Rübenarten zur Gründüngung verwendet. Die Hälfte davon wi
im Herbst gewöhnlich durch Rind- und Schafvieh auf dem Felde
geweidet, was jedoch für unser Klima und unsere Wirthschaftseinti
ungen nicht eben passend erscheint. Schon in früheren Jahren, bes
ders aber in der Neuzeit, hat die Anwendung der Lupinen zur Gri
düngung allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Wir haben leider bisb
nicht Gelegenheit gehabt, Selbstbeobachtungen anzustellen, zweifeln ot
keinen Augenblick, daß sie sich wegen ihrer umfangreichen Masse nm
ganz besonders dazu eignen sollten, vorausgesetzt in einem Klima
der Samen alljährlich reif wird; soll aber dieser in jedem Jahre
südlicheren Gegenden neu bezogen werden, so erscheint uns diese ⁊
zung zu theuer.
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