Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirthschaft.
enden Theiles, befand sich unmittelbar in der Hand des Prinzen; un⸗
Der Prinz⸗ Gemahl von En gland und seine Ver—⸗ seiner 8 nar — * wuren e der
etzten 16 Jahre durchgreifende Veränderungtn und Verbesserungen
dienste auf dem Gebiete der Landwirthschaft. darin vorgenommen. Wie andauernd und mühevoll diese Arbeiten *
wesen sind, kann man aus den Listen und Verzeichnissen der Hauptan⸗
lagen, z. B. der Gebäude, der Landwege, der Drainage, der Baum—
pflanzungen u. dgl. m. ersehen. So wurden mehr als 400 engl. Mei⸗
len (95,5 preuß. Meilen.) bedeckte Kanäle gegraben, 264 auf der Os—
borne⸗- und Bart on-Herrschaft, und mehr als 130 in Olverstone;
außerdem wurde eine ansehnliche Anzahl offener Gräben durch die
Baumpflanzungen geleitet. Unter der Zahl der Gebäude erstanden neue
Wohn- und Wirthschaftsgebäude, Häuser flir das Unterkommen der Land—
arbeiter, Schulen und Kirchen.
In weiterer Ausdehnung wurden neue Wege angelegt und zwar
20 Meilen innerhalb der Grenzen der Herrschaft, welche in bunter
Abwechselung Küsten- und Waldlandschaft umfaßte. Durch eine neue
Feldeintheilung sind die Grundstücke den besten und neuesten Cultur⸗
arten zugänglich gemacht worden, namentlich sind umfangreiche Baum⸗
oflanzungen gemacht worden, so daß die Herrschaft jetzt einen sprechenden
Beleg für vortreffliche Bewirthschaftung liefert und die größte Aufmerk⸗
amkeit, des Landmannes verdient.

Durch die Veröffentlichung eines Prachtwerkes des bekannten land
wirthschaftlichen Schriftstellers J. C. Morton, unter dem Titel: „The
brince Consorus Farms“, ist dem langgefühlten Bedürfnisse, die segens—
reiche Thätigkeit des Prinzen Albert genauer kennen zu lernen, in
der befriedigenden Weise abgeholfen worden. Die „preuß. Annalen“
zaben diese interessante Mittheilung nach dem „ournal of Agriculture
 and the Transaction of the Highland and Argicultural Society
of Scotland gebracht. In keiner der bisherigen Schriften über den
prinzen ist seinem Geschmack, seinen Anlagen und seinen Kenntnissen
in der Landwirthschaft, welche unzweifelhaft bedeutend waren, genügent
Rechnung getragen worden.
Bereits in demselben Jahre, als der Prinz Albert als Gemah!
der Königin Victoria nach Englano kam, legte er sein Interesse
für die Gesellschaften zur Beförderung des Landbaues dadurch an den
Tag, daß er Mitglied einer der ältesten landwirthschaftlichen Gesell—
schaft wurde, nämlich des Smithfield-Club; bei ihren Ausstellungen
betheiligte er sich sowohl als häufiger Besucher wie als Aussteller mit
bestem Erfolge. Im folgenden Jahre trat er mit den beiden National—
gesellschaften — der Highland Agricultural Society of Scotland unt
der Royal Agricultural Society of England, — theils als Ehrenmit
glied, theils als actives Vorstandsmitglied in Beziehung und zeichnete
iich in der letzten Zeit auch hier als Aussteller in der glücklichsten Weise
aus. Kurze Zeit darauf wurde er Mitglied der „Royal Agricultural
improvement Society of lreland“ und der „Royal Dublin Society.“
Wie hohen Werth er auf die Verbesserung der Landescultur legte mi
allen Mitteln, welche Praxis und Theorie bieten, geht daraus hervor,
daß er das ihm angetragene Patrenat des „Koyal Agricultural College“
zu Cirencester annahm, dessen Zweck die Erweiterung und Verb esserng
der laudwirthschaftlichen Ausbildung durch das ganze Land umfaßte.
Dies rege Interesse, welches der Prinz an dem Gedeihen der Landes—
zultur nahm und welches er durch seine Betheiligung bei den verschie—
denartigsten landwirthschaftlichen Unternehmungen kund gab, bewies er
nicht nur durch leere Worte, sondern dadurch, daß er thätig mitwirkte
an der Hebung und Förderung der Landwirthschaft und sowohl in
der Rolle des Grundherrn, als auch in der des Pächters, die Licht
und Schattenseiten dieses Lebensberufes aus eigenster unmittelbarster
Anschauung kennen lernte.
Der Prinz Gemahl pachtete von der Krone Grundstücke in der
Amgegend von Windsor und war Eigenthümer der Osborne⸗—Herr—⸗
ichaft auf der Insel Wight in Gemeinschaft mit der Königin. Nach
dem Bilde, welches uns Hr. Morton entwirft, Ffinden wir den Prinz
GHemahl als Eigenthümer von 1810 Acres (à 17/10 preuß. Morgen)
dändereien auf der Insel Wight, wovon 700 Acres Ackerland, der übrige
Theil Park u. Forst waren; ferner besaß er 30,000 Acres in Aberdeenshire,
Balmoral, Birkhall ꝛc. Die Grundstücke im Gebiete von Windsor, deren
bächter er war, bestanden aus 2,400 Acres, wovon 700 Ackerland waren,
»ährend der übrige Theil Park und Forst umfaßte.
Alle diese Besitzungen waren, als er sie übernahm, völlig vernach—
äsfigt, die Wirthschaftsgebäude bedurften dringend der Reparatur und
baxen oft dem Einsturz nahe. Das Land wat nicht entwässert, die
n England gebräuchlichen, aus Ginsterhecken bestehenden Einfriedigungen
zer Felder waren verwildert, Wege in geringer Anzahl vorhanden und
ie vorhandenen im schlechten Zustande. Hier bot sich dem Talente
und der Energie des Prinz Gemahls ein weites Feld dar, die Landes—
aultur in jeder Beziehung zu verbessern, indem er einerseits größere
Erträge zu erzielen sirebte, andererseits bisher unbenutztes Land dem
ofluge unterwarf. Er ließe es denn auch nicht an Mühe und Eifer
ehlen, seine pracktischen Erfahrungen, verbunden mit seinem erfindungs—
wichen und fruchtbaren Sinne für Hebung der Cultur zu bethätigen
und Culturpläne zum Nutzen und Frommen dieser vereachlässigten Lan—
zestheile zu entwerfen und auszuführen. Der größte Theil der Herr⸗
chaft Os borne auf der Insel Wight, mit Ausnahme eines unbedeu—

Forts. folgt.)

Nutzen der Drainirung für den Gemüsegarten.
Dieser Nutzen besteht nach Jäger besonders in Folgendem. Die
Drainirung bewirkt erstens, daß der Anbau von Frühgemüsen, welcher
sonst auf einigermaßen feuchten Grundstücken oder in nassen Frühjahren
ganz unterbleiben müßte, unter allen Umständen stattsinden kann. Wird
drainirt, so trocknet der Boden nach dem Schmelzen des Schnees und
nach Regen sogleich wieder ab, ist jederzeit leicht zu bearbeiten und
erwärmt fich bei dem geringsten Sonnenschein. Die jungen Pflanzen
ind Samen wachsen und keimen daher zu einer Zeit, wo in nicht drai⸗
airtem, tiefliegendem, schwerem Boden noch gar nicht an das Graben
ind Bestellen zu denken ist. Wie groß die Vorhheile einer frühzeitigen
Bestellung sind, ist allen Gärtnern bekannt. Ein zweiter Vortheil ist,
haß auf drainirtem Boden Gemüse gezogen werden können, die in
iefen, nassen Gärten fchlecht oder gar nicht gedeihen. Hierher gehört
»or allem der Spargel, der bekanntlich in schwerem Boden oder auf
(wenn auch nur im Winter und Frühjahre) nassen Ländereien schwache,
brandige Stengel von schlechtem Geschmack treibt und kein hohes Alter
erreicht, mithin die Kosten der umständlichen Anlage nicht werth ist. —
Welchen anderen Gemüsen eine Bodenentwässerung noch besonders
jut thun würde, kann als den Gärtnern bekannt vorausgesetzt werden

Die Fruchtbarmachung einer Baumschule durch
Mistdüngung ist schädlich.
Der Mistdünger schwellt zwar die Bäume auf und läßt sie schnell
ind ansehnlich erwachsen; aber was nützt hier eine blühende Jugend
die nicht zum männlichen Alter reift und bald zur Erde hinwelkt?
Bäume, die auf einem vom Dunge fetten Boden erzogen worden sind,
verden nicht fruchtbar, bekommen ein schwammiges, zum Brand geneigtes
dolz, dauern nicht lange und nach Beschaffenheit des Grundes und
Bodens, worauf sie versetzt werden, sterben sie schon ab, wenn sie eben
anfangen sollen, die von sich gegebene Hoffnung zu erfüllen. Durch
die unzeitig überhäuften Nahrungssäfte werden die Saftgefäße zu weit
usgedehnt, die Dauerhaftigkeit der Bäume gegen Frost wird äußersi
zermindert, dagegen ihre Zartheit und Schwäche geradezu befördert,
so daß sie, wenn sie in ein Sandland oder sonst in einen geringen Bo—
den kommen, zurückgehen und absterben. Es ist daher jedenfalls besser
nit der Natur auf ihrem etwas langsameren aber sicheren Wege fort⸗
uuschreiten, als ihren Gang übereilen und ihr Ziel überschreiten zu
wollen.
            
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