Die Verjüngung der Obstbäume.
Das Verjüngen der Obstbäume wird ungeachtet der großen Vor
heile, die es dem Eigenthümer gewährt, selten in Anwendung gebracht
Wie häufig findet man nicht alte Bäume, die bei zweckmäßiger Behand
lung und Pflege noch zu retten wären und ihren Besitzer noch Jahr
zehnte hindurch mit Früchten erfreuen könnten, sich selbst überlassen
Dem allmäligen Absterben und Verdorren derselben wird meist ruhig
zugesehen; nicht selten werden sie sogar, sobald die Aeste anfangen, dürr
zu werden, sich Unfruchtbarkeit einstellt ꝛzc., ohne Erbarmen abgehauen
Bei Bäumen, deren Uebel unheilbar ist, deren Rinde abgestorben ꝛc.
ist dieses nicht zu rügen, wohl aber bei allen denen, die durch eine
zweckmäßige Behandlung noch zu erhalten sind. Bei diesen bekunden
ein solches Verfahren entweder großen Unverstand oder Leichtsinn. Doch
zur Sache.
Hat man alte Bäume, welche gutes Obst tragen, so reinigt man
erst den Stamm von allet aufgesprungenen Rinde, vom Moose ꝛc. und
schneidet dann die Aeste, mögen sie auch noch so dick sein, an schickli⸗
chen Stellen, die zur Bildung einer neuen, schönen Krone am geeig—
netsten erscheinen, behutsam ab und bedeckt die Wunden, nachdem dit
Stelle mit einem scharfen Messer rein und bis auf's gesunde Holz
nachbeschnitten worden, mit Baumlitt oder besser noch mit Steinkohlen—
heer, den man mit Kienruß oder feingesiebter Holz⸗ oder Torfasche
ewas anmengt, damit er dicker und fester werde und nicht ablaufe. In
der Nähe von Städten ist dieser Wundbalsam am wohlfeilsten und
kann hier leicht aus den Gas abriken bezogen werden. Seine Benu—
zung ist um so vortheilhafter, da er ein Gift für alle Insecten und Wür⸗
mer ist; auch ist ihnen der Geruch des Theers so zuwider, daß sie alle
mit diesem Material bestrichenen Bäume, wenn es auch nur an den Wund⸗
fjächen geschieht, meiden und ste gern in Ruhe lassen. Die Anwen⸗
dung ist sehr leicht und einfach, die Arbeit geht sehr schnell von Stat—
jen und die Kosten sind ganz unbedeutend. Bei jedem Ausputzen, un⸗
gefähr alle 2 bis 3 Jahre, wird der Anstrich auf die älteren Wunden
wiederholt und dieses bis zur vblligen Vernarbung fortgesetzt, Es be⸗
fordert die Bildung neuer Rinde ungemein, wenn man vor dem wie⸗
derholten Auftragen des Anstrichs einen kleinen Streifen der neugebil—
deten Rinde wegschneidet, indem der Theer, auf einem frischen, saftigen
Schnitt angebracht, die merkwürdige Eigenschaft hat, die Bildung der
Rinde mächtig zu befördern und auf diese Weise bei alljährlich im Früh
jahre wiederholter Verwundung, die wunden und von Rinde entblößten
Stellen sich viel schneller mit Rinde bedecken. Interessaute Mittheilun⸗
gen über diesen Gegenstand enthält ein Aufsatz des Herrn v. Fellen—
berg in dem Würtemb. Wochenblatt für Land- und Forstwirthschaft,
S. 257. Kann man nicht gut Theer haben, so verschaffe man sich
einen Topf mit dem sonst fast unbrauchbaren, daher billigen Bodensatz
von dunkler, brauner Oelfarbe, die mit Leinblfirniß zum Gebrauch ver⸗
duüͤnnt wird. Nachdem man etwas dicken Terpentin hinzugesetzt hat,
wird das Gemisch mit einem kurzhaarigen Pinsel dünn auf die Schnittwunde,
indeß auch nur auf diese, gestrichen. Gegen das Vertrocknen
wird der noch vorhandene Vorrath etwas mit Wasser übergossen und
dann der Topf bis zur Wiederbenutzung weggestellt.
Beim Abnehmen der Aeste, welches am besten von Ende October
an bis zum Januar geschieht, muß man besonders die Bildung der
aeuen Krone im Auge haben und dieser zufolge die Aeste mehr oder
weniger hoch, nahe oder etwas entfernt vom Stamme abnehmen. Daß
man hin und wieder Zugäste stehen läßt, ist besonders deshalb nöthig,
um den Saftzufluß abzuleiten und zu verhüten, daß der Baum nicht
im Safte ersticke. Später werden sie nach und nach weggenommen,
oder auch, wenn sie zur Verschönerung des Baumes dienen können, an
den geeignetsten Stellen eingekürzt.
Von den sich entwickelnden Trieben im Frühjahr hält man die
schönsten und am besten stehenden bei und schneidet die übrigen dicht
am Stamme ab. Wurzelausläufer und Wasserreiser werden gleich nach
ihrem Erscheinen abgenommen, damit den guten Aesten der Saft allein
zukomme. Im nächsten Frühjahre schneidet man alle Triebe, welcha
ich durchkreuzen oder nicht gut stehen, weg, putzt die übrigen aus, wo
es nöthig ist, bedeckt die Wunden aufs Neue und fährt in dieser Be
Jandlung der Bäume einige Jahre fort? Wird dabei auch jedes Jahr
Ider Boden umgraben und gedüngt, oder, wo es nöthig erscheint,
alte Erde um den Baum herum weggenommen und mit frischer, neu—
räftiger Erde vertauscht, so hat man meist in 3 bis 4 Jahren wied
schöne Bäume, die noch lange reichlich Frucht tragen und die auf
verwendete Mühe hundertfältig lohnen.
Apfel- und Birnbäume lassen sich auf diese Weise sehr gut
jüngen, nicht aber die Kirsch- und Pflaumenbäume, indem diese m
durch das Abwerfen der Aeste brandig werden und bald eingehen. M
kann es indeß mit einigen der schlechtesten und am meisten abgestor
nen Aeste versuchen; geht's nicht, so muß man den alten Baum w
nehmen und einen andern, nur auf eine andere Stelle, daflr anpfl
zen. Da der Kirschbaum die ihm zusagenden Nahrungsstoffe an sein
Standorte und der nächsten Umgebung ausgesogen, pflanzt man in
Loch, nachdem die Wurzeln gehörig ausgehauen und beseitigt wun
und das Loch wieder mit frischer, guter, nabrhafter Erde angefüllt
einen Apfel⸗ oder Birnbaum.
Beim Pflaumenbaum, vorzüglich bei der Hauszwetsche oder B
pflaume, geschieht die Verjüngung meist nicht durch das Abwerfen
Aeste, sondern durch das Heranziehen und Ausbilden des besten W
zelausläufers. Alle übrige Wurzelbrut muß dabei sorgfältig auf
alten Wurzeln rein abgeschnitien und der Boden dann aufgelockert u.
etwas gedüngt werden.
Auch durch die Ausbildung der Wasserreiser läßt sich ein Bau
oerjungen. Man nimmt alsdann nach und nach die alten Aeste w
und bildet aus dem Wasserboden eine neue Krone.
Hat man erwachsene, große Bäume, die schlechte oder nicht tre
bare Sorten enthalten, so muß man sie umpfropfen. Es geschieht du
das Pfropfen in die Rinde, weil man dadurch dem Baume keine
tiefe Wunden, die im Alter schwer vernarben, verursacht. Auch du
das Kopuliren der an den abgeworfenen Aesten hervorkommenden Scho
kann man alte Büume veredeln und verjüngen. Letzteres ist um
mehr vorzuziehen, weil die Wunden dabei schon im ersten Johre ve—
narben, mithin die Aeste gesunder und dauerhafter werden. Bei altt
Aepfelbäumen ist die Veredlung und Verjüngung auf diese Weise d
beste und auch allein rathsamste, wei die starken Aeste nicht guten
Erfolg zu pfropfen sind und die sehr hoch aufgesetzten Reiser leicht dur
den Wind abgeschlagen werden. Ist der Stamm indeß nicht sehr star
haben die Aeste an den Pfropfstellen nur etwa 2 — 3 Zoll im Dun
messer, so lassen sie sich noch sehr gut veredeln. Daß man dabei ein
kleine Zugäste, die später weggenommen werden, stehen läßt, ist sch
angegeben worden. Man kann auch die Hälfte der Aeste im folg
den Frühjahr veredeln und diese bis dahin ungehindert fortwachsen
sen. Es werden dann nach allen Seiten hin Aeste weggenommen
stehen gelassen. Hauptsache dabei ist, daß die künftige Baumkrone
zleichfꝛermig ausbreite und überall Aeste in genügender Menge vord
den sind. Treiben die Edelreiser stark, so müssen sie Anfangs bis
Juli eingekürzt werden, damit sie der Wind nicht abschlägt. Im
bruar oder März des folgenden Jahres werden sie, je nach ihrer Ste
auf ein bis zwei Drittel ihrer Länge zurückgeschnitten, damit sie
nach und nach zu einer schönen Baumkrone ergänzen. Alle Aeste, w
sich kreuzen, müssen weggenommen, alle die indeß, durch deren W
nahme eine Lücke entstehen würde, geschont werden.
Der Birnbaum unterscheidet sich vom Apfelbaum in Betreß
Veredlung besonders dadurch, daß bei ihm die Pfropfreiser auf du
Aesten am besten anschlagen. Statt 2 bis 3 kleinere Nebenäste zu
edeln, wählt man daher am besten den dickeren, unteren Theil des Har
astes, sägt die oberen, schwächeren Aeste ab und bepfropft dann
dickeren Ast, wenn er auch die Dicke eines Mannesarmes und noch
hätte, und setzt dann lieber auf die Platte desto mehr Reiser auf,
so, daß diese wenigstens 12, bis 2 Zoll von einander zu stehen
men. Dies gibt, zumal da der Birnbaum seine Triebe meist gerad
die Höhe macht, einen weit schöneren Baum. — Der Zug des Son
ist an den dickeren Aesten weit stärker, weßhalb deren Edelreiser die
schwächere Aeste gesetzten rasch überholen, worauf bei der Umbild
des Baumes vorzüglich Rücksicht genommen werden muß. Da
Birnbaum früher in Saft tritt, als der Apfelbaum, so muß man
ruch früher als diesen veredeln