rieb. Doch die Freude währte nicht lange. Ein Staarenpaar, das
schoͤn lange umhergezogen war und keinen Nistplatz hatte finden können
entdeckte die Höhlen, vertrieb aus beiden die Bewohner, warf die Eien
hinaus und siedelte sich in der einen selbst an. Und das thaten Staare
die doch sonst hoch oben nisten bei Bruthöhlen, die kaum 6 Fuß über
dem Boden sich befanden. So groß war die Wohnungsnoth.
Und was ist die Folge derselben? Keine geringere, als daß eir
Vogel dem andern das Nest zerstört und daß viele, welche keine Brut
plätze finden können, sich gar nicht fortpflanzen, mithin die Wohnungs
noth zur fortwährenden Verminderung der so nützlichen Höhlenbrüte
beiträgt.
Diesem muß, wenn es besser werden soll, abgeholfen werden. Das
geschieht fürs Erste dadurch, daß man überall in den Wäldern einzelnt
angefaulte Stämme stehen läßt, die, wenn auch bei ihnen selbst ein jähr—
licher Holzzuwachs nicht mehr stattfindet, dennoch der Holzerzeugung
dienen, indem sie den Feinden der schädlichen Forstinsekten Bruthöhlen
darbieten.
Das Zweite, was geschehen muß, ist die Aufstellung künstliche
Bruthohlen, welche sich besonders für Gärten, Obstpflanzungen, Parl
anlagen u. dgl. eignen. Das natürlichste sind hohle Aststücke, welche
man oft von Holzhauern erhalten kann. Man schließt sie auf beiden
Seiten mit Brettchen und macht 'an dem obersten Ende eine rund
Seitenöffnung, wenn nicht schon eine solche vorhanden ist.
Leichter und handlicher sind die von Schreinern gefertigten Brut
kästchen. Auch von Thon hat man sie bereits gebildet. Immer aber
müssen sie mit Moos oder Baumrinde überzogen sein, damit sie den
mißtrauischen Auge der so viel verfolgten Vögel nichts Auffallendes
hieten.“
Alle diese Bruthöhlen werden an den Aesten der Bäume oder auch
an hohen, über dieselben hinausragenden Stangen mit Draht befestig
und zwar so, daß die Eingangsöffnung nicht nach der Wetterseite, son
dern nach Nordost gerichtet ist.
Es trägt nicht wenig zur Erhöhung der Freude über die erwachende
Frühlingsnatur bei, wenn man so in seinem Garten die verschiedenen
Bruthöhlen, einige groß, einige klein, einige hoch, andere niedrig, be—
obachten kann. Da kommen aus der Fremde die lieben alten Bekann—
len, einer nach dem andern, und begruͤßen mit Freude die allbekannte
Wohnung. Oder es finden sich neue Ansiedler ein, die dann um eine
Bruthöhle mit andern hart kämpfen müssen. Die Meisen und der Baum
läufer, der Wendehals und der Gartenrothschwanz, der Staar, die weiße
Bachstelze, der Ringelsperling u. a., sie alle lieben die Nähe der Men—
schen und nehmen gern in Gärten und Obstpflanzungen die ihnen ge—
botenen Wohnungen an.
Oft aber wird unsere Freude über die Ansiedelung dieser schönen
und nützlichen Vögel durch die Katzen auf die grausamste Weise gestört
Diese, wenn sie in den Gärten umherschleichen, fangen nicht bloß die
Mäuse, sondern sie horchen auch beständig auf das Zwitschern der jun
gen Vogel, die ihnen viel lieber sind, als Mäuse. Ja alte, erfahren
Katzen merken es schon, wenn alte Vögel in einer Höhle beständig ein
und ausfliegen. Sie klettern deshalb auf die Bäume und hacken mi
ihren Krallen nicht nur die Jungen, sondern auch oft die brütenden
Alten aus den Hoöhlen heraus. Da wo Katzen umhergehen, ist es deß⸗
halb durchaus nothwendig, daß man die Baumstämme, auf welchen sich
Bruthöhlen befinden, mit Dornen gegen dieselben schützt. Sonst lockt
man diese armen Vögel für diese unbarmherzigen Räuber nur an
Solche Dornbündel unterhalb der Aeste und am Stamme der Obst
bäume fest gebunden, bilden zugleich auch einen Schutz gegen andert
unberufene Kletterer. In öffentlichen Parkanlagen, Promenaden, Al—
leen u. s. w., wo sich selten Katzen einfinden, ist eine solche Schutzweh
nicht nöthig. Da aber gerade sollten solche Bruthöhlen für die Vb
gel nicht fehlen. Wie viel mehr würden dann solche öffentliche Erho
lungsorte durch den Gesang und muntere Treiben des befiederten Völk
chens der Lüfte belebt werden. Selbst Vogel, die sonst scheu sind, als
Hohltauben, Spechte, Blauspechte, Wiedehopfe u. s. w. lassen sich durch
das Aufhängen von geeigneten Brut- und Schlafhöhlen an solche Or!⸗
locken und gewöhnen sich. wenn sie unhebelliat bleiben. an den Verkeh
xoMenschrv
Wäre diese Kunst, die Vögel im Freien anzulocken, zu hegen
zu pflegen, allgemein bekannt, dann würde auch die Liebhaberei, Va
in Gefangenschaft zu halten, mehr und mehr verschwinden. Dem
ist doch wahrlich ein größeres Vergnügen, einen Vogel im Garm
haben, wo man ihn in seinem natuͤrlichen Treiben und Leben beoin
ten kann, als einen armen Gefangenen im Käsig, wo er Jahr a
Jahr ein nichts thut, als von einem Springholz auf's ändere zub
fen. Den Vogel, den ich an mein Haus oder auf meinen Kirschboe
gewöhnt habe, der jedes Jahr, wenn der Lenz erscheint, sich wi
einfindet, ihn kann ich auch in einem gewissen Sinne mein nennen
brauche ihn dazu nicht in einen Käfig zu sperren. Will man den—
Stubenvögel haben, so wähle man ausländische, wie Kanarienv
und andere und lasse den einheimischen ihre Freiheit. Doch dar
— DD
Filtriren großer Wassermengen.
Hierzu hat der französische Ingenieur Burg eine Idee vo
schlagen, die unter Umständen wohl ihre Vortheile haben kann.
das Wasser eines Flusses ꝛc. zu filtriren, will er ein eisernes Booter
flachem Boden bauen, das in der Richtung seiner Länge eine Anj
weiter, paralleler, eiserner, oder besser irdener Röhren enthalten
Diese Röhren sind an beiden Enden offen und haben an der unte
Seite Oeffnungen, die mit eincementirten Platten von porösen Steir
(wie Ransome's Patenkffiltrirsteine), von 119/2 bis 2 Centimeter D
verschlossen werden. Taucht das Boot bis unter das Niveau der of
sten Rohren in's Wasser, so werden sich natürlich alle Röhren fül
und durch den Druck filtrirt die Flüssigkeit durch die porösen Plat
in die Höhlung des Bootes. Auf dem Verdeck liegen der Pumpapf
rat und die Dampfmaschine, durch die das Wasser aus dem Inne
des Bootes nach seinen Bestimmungsorten gedrückt wird. Das Bo
liegt so vor Anker, daß die Wasserströmung forwwährend durch die Re
ren geht, so daß die äußere Fläche der Filtrirplatten immer rein
halten wird. Jede Rohre ist naturlich mit einem Schieber verset
um sie beim Bruche einer Platte trocken legen zu können,
Ein solches Boot kann 6000 bis 7000 Quadratmeter Filtrirv
ten erhalten und da 1 Quadratmeter in 24 Stunden 5 bis 6 Cu
meter reines Wasser gibt, so wird das eine Boot täglich 30,000
40,000 Cubikmeter reines Wasser geben. Damit das Boot nicht d
ein Versehen oder dadurch, daß kein reines Wasser abgepumpt r
während das Filtriren immer fortgeht, vollständig mit Wasser g
wird „wo es dann untersinken müßte, so kann es wenigstens an
Seiten eine doppelte Wandung erhalten.
Vermischtes.
In der Brünner Ztg. macht Jemand darauf aufmerksam, dat
Abzwicken der Kartoffelblüthen die Fruchtbarkei
Knollen befördere. Man braucht kein Pflanzenphysiolog zu
um einzusehen, daß die Karloffelpflanze einen großen Theil ihrer «
an die Blüthe und den Samen abgäbe, während diese Kräfte
Abzwicken der Blüthen für die Knollen erhalten bleiben.
Die neuen großblumigen Riesen- oder Baumlevke
kennzeichnen sich vor Allem durch ein üppiges Wachsthum, reiches*
hen und Größe der einzelnen Blumen. Zum Schneiden für Bouan
sind dieselben wegen ihres gefälligen lockeren Baues der Blüthenko
besonders zu empfehlen. Samen hiervon in Frauendorf bei Vilsbe
in Bayern, aͤ Prise 5 Sgr. (18 kr.)