Kalk und phosphorsaurer Magnesia oder Knochenerde. Butter, geron
nene Milch, Milchzucker und mineralische Substanzen sind dann die
normalen Bestandtheile der Milch. In kranker Milch findet man eine
Anzahl von außerwesentlichen Substanzen, welche, obgleich sie nicht im
mer unter einen Begriff gebracht werden können, durch chemische Rea
gentien, gemeiniglich durch das Mikroskop, erkannt werden. Dies is
der Fall bei Eiter oder verdorbenem Stoff; indeß ist selbst das Mi
kroskop nicht in allen Fällen im Stande zu entscheiden, ob die Mild
gesund ist oder nicht.
In vielen Fällen enthält das Futter Substanzen, welche eine ent
schieden heilkräftige Wirkung haben und welche rasch in Milch über
gehen und ihr dieselben heilkräftigen Eigenschaften miltheilen, welch
die Substanzen selbst besitzen. Wenn z. B. ein Thier Ricinusbl in be
trächtlicher Quantität nimmt, so gehen die purgativen Wirkungen des
Oels auf die Milch über. Farbstoffe (das Roth des Krapp, das Blau
im Indigo, die Farbe der Unkräuter Mercurialis annua u. Polygonum
aviculare) gehen ebenfalls in die Milch über und färben sie. In ähn—
licher Weise geben riechende Substanzen einen Geschmack, und wird auf
solche Weise der Turnipsgeschmack der Milch mitgetheilt.
Das weiße Aussehen der Milch rührt von den Milchkügelchen her
die in ihr schvimmen. Wenn diese Kügelchen in der Gestalt von Sahne
gesondert werden, wird die Milch klarer und bekommt eine besondert
bläuliche Farbe, welche ein sehr gutes Kennzeichen ihres Charakters ist
Je weniger durchsichtig die Milch ist, desto besser ist sie und desto mehr
Butter enthält sie. Eine ausgedehnte Reihe von Analysen, die der Her'
Verf. gemacht, hat die Thatsache herausgestellt, daß, während das Ver
hältniß von Casein nur in einem unbedeutenden Grade varirt, der Be
trag von Butter oder Fettstoff in Milch sehr großen Schwankungen un
terworfen ist. Nachstehende Tabelle gibt einen Begriff von dem Be—
rage dieser Schwankungen.
Zusammensetzung frischer Milch.
1. 2. 3. 4.
Wasser .......... 83,90 85,20 87,40 89,95
Butter ....... 7,62 496 3,43 1,90
Caseĩn. ......... 331 3,66 3,12 2,94
Milchzucker ..... . 46 3,05 5,12 4,At
Mineralstoff (Asche) ........ 071 1,13 0,93 0,64
100,000 100,00 100,00 100,00
Procente trockener Stoffe.. 16,10 14,80 12,60 10,053
In runden Zahlen findet man in der ersten Probe nicht weniger
als 72,, Proc. Butter, in der zweiten 5 Proc., in der dritten 3/2 Proc.
in der vierten 2 Proc. Die erste Probe, welche eine außerordeutlich
reiche Milch ist, kommt aus der Molkerei von Mr. Harrison ven Fro
ster Court, die zweite ist reicher an Butter als gewehnliche Milch, die
dritte repräsentirt in hübscher Weise die Zusammensetzung von Milch
von durchschnittlich guter Qualität, und die letzte Milch ist von armer
Qualität. Alle 4 Proben sind natürliche Milch und nicht in irgent
einer Weise abnorm hervörgebracht. Den bedeutenden Reichthum der
ersteren schreibt der Herr Verf, der lüberaus guten Weide zu, auf de'
die Kühe zu einer Zeit des Jahres gingen, in der die Milch im All—
gemeinen an Qualität reicher wird, aber ärmer an Quantität, d. h. im
September und October bis zum November. Im Allgemeinen gesagt
ist die Milch reicher im Herbst und ärmer im Frühling; wenn abe—
Kühe in ihrem Futter im Herbst beschränkt werden, so geben sie nich
allein weniger, sondern auch arme Milch. Nachstehende Tabelle zeig
nun die verschiedenen Unterschiede in der Zusammensetzung der Milch
von kräuterfressenden Thieren und in einem Beispiel von fleischfressen
den Thieren.
Zusammensetzung der Milch von
ae
Kühen. Menschen. Eseln. Ziegen. Schafen. (Hunde).
Wasser .... 87,.020 88,94 91,66 85,91 7670 8370 6720
Butter..... 3,13 2,67 0,11 408 1,20 445 13,30
Casein..... 448 3,92 1,82 4,52 13,37 5,76 14,60
Milchzucker. 4,77 4,33 aoo 7,510 5,73 3,42
Mineralstofse 5,86
(Asche) .. 0,60 0,14 0,34 1,663 0,96 1,48
tOnon 100, o0 100 00 100 00 400 00 400 00 Tonn!n
Die Milch von fleischfressenden Thieren ist sehr viel reicher in au
den verschiedenen Bestandtheilen, namentlich in Casein oder Ou—
Neine andere Nahrung läßt sich mit ihr vergleichen. Gutes Schli—
terfleisch enthält weniger wirkliche Nahrung und mehr Wasser, als ve
Art von Milch. Dieses wird zugleich die ungeheure Schwierigken
klären, einen jungen Hund ohne Muttermilch aufzuziehen. Keine
Futter ist vollständig genug concentrirt, um die Nahrung für einen,
gen Hund zu beschaffen; starker Rindfleischaufguß ist vielleicht der
lichste Ersatz für diesen Zweck. Es ist nicht allein der Betrag
Casein, sondern auch von Butter, der in der Milch einer Hündu
äußerst groß ist. Die Milch von fleischfressenden Thieren hat noch
andere Eigenthümlichkeit, sie enthält nämlich gar keinen Milchzu—
Milchzucker ist in der Milch kräuterfressender Thiere in reichlichem M
porhanden und, merkwürdiger Weise genug, kommt er in der
fleischfressender Thiere zum Vorschein, sobald sie durch ihre Gewöhn
an das Haus an eine Brotkost gewöhnt werden, und er nimmt zu
dem zunehmenden Betrag von brot- und von stärkehaltendem Fu
welches den Thieren gereicht wird. Dieses zeigt den intimen Zu
menhang zwischen der Nahrung und der Zusammensetzung der Mi
Verglichen mit der Milch fleischfressender Thiere erscheint die
Esels äußerst arm; da sie nun nach vorstehender Tabelle 911/ P
Wasser aufweist, so enthält sie nur wenig Casein, kaum etwas Bu
und eine kleine Quantität Asche. Andererseits ist sie, vergleichsw
gesprochen, reich an Milchzucker, der ein sehr verdaulicher Sioff ist,
wird daher auf dem Continent als Medicin für Unverdaulichteit,
sonders bei Kindern gebraucht; als abführende Medizin ist keine
gesund für Schwache, als diese. Die Zusammensetzung der Milch ein
wohlgenährten Esels würde indeß wahrscheinlich reicher sein, als
analysirte Probe, welche von einem deutschen Esel genommen wun
der gleich den irischen Eseln an der Straße und sicherlich nicht von
— Sorte Futter lebte.
Die beiden oben aufgestellten Proben Schafmilch betreffend, se bo
der Herr Verf. die erste Probe für den Herzog von Richmond analysit
Derselbe hatte mehrere Lämmer seiner Heerde verloren und hielt es sr
wahrscheinlich, daß die Ursache seines Verlustes darin liege, daß d
Milch arm sei, oder daß sie sonst etwas Schädliches enthalte. Bei ein
sorgsamen Untersuchung der Milch mit dem Mikroskop wurde sie v
kommen normal befunden und keine Krankheitssymptome bemerkt. 4
Analyse des Verf. stimmte auch in der Hauptsache mit anderen ver'
fentlichten Analysen von Schafmilch überein. Als er aber die zwe
Annlyse von der Milch der Mutterschafe auf der College Farm mach
welche ungefähr 3 Tage vorher gelammt hatten, war er über den gr
ßen Unterschied in der aufgewiesenen Qualität überrascht, da die
tere Probe 30 Proc. feste Masse enthielt, während sich in der erster
nur 16 Proc. fanden. Der Verf. hat nicht erfahren, wie viel3
bei den Mutterschafen des Herzogs von Richmond seit dem Lamm
vergangen war, — ein Umstand, der sehr großen Einfluß auf die O.
lität der Milch übt; in der That ist die erste Milch, welche Muttersch
nach dem Lammen geben, mehr Sahne als Milch ähnlich. Es ist hö
interessant, die bedeutende Concentration der Milch von Mutterscha
in den 3 ersten Tagen nach dem Lammen wahrzunehmen, — ein lh
stand, welcher die Schwierigkeit erklärt, welche bei der Aufzucht em
Lammes entsteht, wenn die Mutter unmittelbar nach der Geburt nd
Auf die Qualität der Kuhmilch ist sowohl das Alter des Thiei
von Einwirkung, als auch der Abstand von der Zeit des Kalbens.Eu
alte Kuh gibt nicht so gute und nicht so viele Vilch, wie eine jung
Nichts erscheint daher so unvortheilhaäft, als Kuͤhe zu lange Zeit
durch zu halten, und kann man im Allgemeinen sagen, daß die Mih
nach dem vierten oder fünften Kalben ärmer wird.
Auch das Klima berührt die Qualität der Milch in einem
fallenden Grade: In feuchten und gemäßigten Jahreszeiten und O
lichkeiten erhält man eine größere Quantität, obgleich im Allgeme'
eine ärmere Gattung von Müsch, als in trokdenen und waärmen“
dern. Auf die Qualität der Milch ist also die Temperatur und
Betrag von Feuchtigkeit in der Aimosphäre von Einwirkung. Etwa
jedoch rührt ohne Zweifel von dem größeren Betrage von Wasser
welches in nassen Jahreszeiten im Fuͤtter vorhanden ist. Daß der
gemeine Zustand der Gesuͤndheit und der Condition des Thieres
bestimmten Einfluß auf die Qualität der Milch haben, bedarf
der Erwähnuna. (Schluß folat.
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