Nieotinfreier Tabak.
In der allerneuesten Zeit ist etwas noch nicht Dagewesenes aut
den Markt gekommen, nämlich nicotinfreier Tabak und nicotin
freie Cigarren. Fast Jedermann hat seit dem Bocarme'schen Pro
zeß davon gehört, daß der Tabak einen sehr giftigen Bestandtheil ent
hält, das sogenannte Nicotin. Dieser Stoff geht bei dem langsamen
Verbrennen des Tabaks in Pfeifen und Cigarren in den Rauch über,
aus dem Kautabak wird er durch den Speichel, aus dem Schnupf
tabak durch die Absonderung der Nasenschleimhaut ausgezogen, und so
gelangt er, allerdings in sehr geringen Mengen, in das Blut. Dar
auf beruhen die hauptsächlichsten Wirkungen des Tabaks, die dem Neu
ling im Genusse unangenehm genug fühlbar werden. Kranke rauchen
auch; sollte man nicht den Männern dankbar sein, die ihnen den Ge—
nuß erhalten und Gesunde vor den denkbaren schlimmen Folgen be
wahren wollen, indem sie den schädlichen Stoff entfernen?
Ein wunderbarer Naturtrieb leitet die Menschen an, durch auf
regende Mittel (wie Wein, Branntwein, Bier, Kaffee, Thee ꝛc.
oder durch betäubende (wie Opium, Haschisch, Fliegenschwamm, Coca
Tabak ꝛc.) die Reize des Daseins zeiwweilig zu erhöhen. Die Urein
wohner von Centralamerika genossen den Rauch des Tabakkrautes, langt
bevor Columbus geboren wurde oder Sir Walter Raleigh's Genosser
es an den Hof der Königin Elifabeth brachten. Das Cocablatt, wel
ches jetzt die indianischen Bewohner von Peru labt und zu unglaub
lichen Anstrengungen stärkt, wurde, wie heute, schon in den frühesten
Zeiten von ihren Voreltern gebaut. Der Gebrauch des Opium, Ha—
schisch (ein aus dem Samen des indischen Hanfes bereiteter Auszug,
und das Betelkauen in den asiatischen Ländern verlieren sich in dite
Zeiten des fabelhaften Alterthums. Die Bewohner der Südse einselr
und des indischen Archipels benutzten die berauschenden Pfefferpflanzen
ihrer Heimath, die Eingeborenen der Anden und die Anwohner dee
Himalaya den Stechapfel, die Bewohner des nördlichen Europa der
Sumpfporst (wilden Rosmarin) und den Hopfen, die Bewohner Si
biriens den betäubenden Schwamm zu denselben Zwecken, lange bevor
das Licht der Geschichte anfängt, das Dunkel ihres Daseins zu erhel.
len. Die außerordentlich rasche Verbreitung des Tabaks über die ganzt
Erde, die ihn zu einem der wichtigsten Handelsartikel gemach
hat, seine Einbürgerung bei allen Bürgern in den verschiedensten Kli
maten und unter den verschiedensten Lebensbedingungen, bei den Ar
deitern des Körpers und des Geistes, bei Hoch und Niedrig, bei Ge
bildeten und Ungebildeten, lehrt, daß in seinem Genuß ein Reiz vor
handen sein muß, der stärker ist als seine abschreckenden Erstwirkunger
bei dem Ungewöhnten, stärker als die heftigen Gegenschriften des ge—
lehrten Königs Jakob J. von England, stärker als das Auflegen gro
tzer Abgaben und die Beschränkung des Virginischen Anbaues, als die
Androhung der Peitsche und des Kerkers an die Tabaksverkäufer in
Frankreich, als diejenigen der Knute, des Nasenabschneidens und des
Todes in Rußland, stärker als die Bannbullen des Papstes Urban VIII.
und die Verbote der Priester und Sultane in den mohamedanischer
Laändern.
Von den andern betäubenden Genußmitteln, so sehr sie auch ir
den einzelnen Gegenden eingebürgert sind, hat keines auch nur entfernt
eine solche Verbreiuung gefunden, wie der Tabak, aber keines von ih—
nen hat auch so wenig nachtheilige Wirkungen. Von Opium ist es
ja allgemein bekannt, daß es in stärkeren und stärkeren Gaben genosser
werden muß, um die gewünschten Wirkungen hervorzubringen, bis ee
endlich seine Opfer körperlich und geistig elend zu Grunde richtet. De—
Tabak hat keine so gewaltigen Wirkungen. Sind die ersten Unannehm
lichkeiten der Angewöhnung einmal überwunden, so ist von einem mä
tigen Genusse desselben keine andere Folge bemerkbar, als daß er das
Nahrungsbedürfniß vermindert, ohne die Ernährung zu beeinträchtigen.
eine ruhige Gemüthsstimmung befördert und zugleich munter und zu
geistiger und körperlicher Arbeit geschickt erhält. Wenn nun auch über
mäßiger Tabaksgenuß allerlei unangenehme Folgen hat, wie z. B. ein
mit Unruhe verbundene Erschlaffung, Verstimmung und einen unruhi
gen, durch ängstliche Träume unterbrochenen Schlaf, oder wenn er ein
zelnen Naturen überhaupt nicht bekommt, so folgt daraus doch weiter
nichts, als daß lektere sich des Genussea enthalten und daß überhaunt
das Uebermaß vermieden wird, aber die große Mehrzahl braucht;
halb einem Genußmittel nicht zu entsagen, das nicht nur nicht r
theilig auf sie wirkt, sondern entschiedene Annehmlichkeiten und
theile mit sich bringt. Das seltenere Nahrungsbedürfniß z. B.,
bei den Rauchern nur zu den Hauptmahlzeiten sich geltend macht,
wahrt sie vor der Neigung zu Näschereien außer der Zeit, welche »
raucher oft kennzeichnet, und durch unregelmäßige und ungeeignete
schäftigung des Magens und Unterbrechung der auch diesem On
nothwendigen Ruhepausen die Verdauung stört.
Diese günstigen Wirkungen des Tabaks beruhen aber gerad,
der Anwesenheit einer geringen Menge von Nicotin, während du
angenehmen Folgen größtentheils anderen Stoffen, namentlich der
der Verbrennung sich bildenden flüchtigen Oelen und theerartigen
stanzen, zur Last fallen. Die Bereitung und Benutzungsweise de
garren und Tabake geht deshalb darauf aus, den zu reichlichen
tingehalt zu verringern und die Bildung jener öl- und theerartigen E
möglichst zu vermindern oder dieselben aufzufangen. Wirklich nice
freier Tabak zeichnet sich durch einen unangenehmen Geruch se—
Rauches und durch die Erzeugung eines ekelhaften, kratzenden
ichmackes aus, und würde deshalb gewiß keinen Beifall finden, wi
er in den Handel käme. Der angeblich nicotinfreie Tabak, welt
Herr Biermann in Berlin fabricirt und empfiehlt, ist aber, laut
in der Berliner Polytechnischen Gesellschaft mitgetheilten Ergebnisse
nauer chemischer Untersuchung, gar nicht frei von Nicotin, sondern
hält davon eben so viel, als anderer gewöhnlicher Rauchtabaf. Ob
dies bei allen angeblich nicotinfreien Cigarren und Tabaken so
hält, ist dem Verf. nicht bekannt; aber wenn auch keine solche Ta
schung vorläge und das Nicotin wirklich entfernt wäre, so erhielten d
Käufer doch eine Waare, welcher gerade der Sioff fehlte, um desse
willen sie dieselbe kaufen, und welche daher diejenigen Wirkungen m
hätte, die ihr nachgerühmt werden. (Frisch⸗
Das Blumengärtchen.
Von A. Stetefeld.
Es gibt kein größeres und unschuldigeres Vergnügen, als ein
nes Blumengärtchen zu haben, das man selbst bearbeitet! Was *
uns mehr erfreuen, als der Anblick des prachtvollen Farbenspiels
Blumen, die mannigfaltigen, wunderbaren Formen der Blumenkro
sowie der Blätter, und der liebliche Duft, den sie uns freudig entgt
hauchen?
Soll aber ein Blumengärichen stets Genuß uud Freude berei
so muß es immer mit blühenden und nicht verbluͤhten Blumenstöt
besetzt sein. Um ein solches Gärtchen immer mit lauter in Bl
stehenden Pflanzen schmücken zu können, muß man ein Reservebeet!
Blumen in Topfen haben. So wie eine Pflanze nicht mehr blu
muß man sie herausnehmen und sie durch eine blühende vom Resen
heete ersetzen. Die Blumenstöcke lassen sich Abends in voller Be
versetzen, wenn man sie mit großen Erdballen heraushebt; und
dies zu können, drücke man bei feuchtem Wetter (oder nachdem
einige Stunden vorher gegossen hah) die Erde um die Pflanzen
umsleche die Pflanzen in einer gewissen Entfernung, je nachdem
Wurzeln derselben sind, mit einer kleinen Grabschippe, hebe dan
pflanzen vorsichtig aus, setze sie in die schon fertige Oeffnung auf
Blumenbeete und gieße sie stark an.
Ist die verblühte Blume eine perennirende, so setze man sie
das Reservebeet. Als Beispiel gibt der Herr Verf. nun an, wie e
vorigen Jahre ein rundes, hochgewölbtes Beet von 8 Fuß im Dun
messer, in der Mitte eines Rasenplatzes mit Blumen ausschmückte
daß es vom Frühjahre bis zum Spätherbste fast immer in Bli
stand.
Einfassung des Beetes Crocus, dann ein Kranz von weißer N
gibole unb Wechnelke abwechselnd. dicht neben einander gepflanrt
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