Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

diest Weise ist der zu frühen Verbindung des Kalkes mit dem Dünger
und seinen zersetzenden Wirkungen vorgebeugt und allen wohlthätigen
Einflüssen des Kalkes Vorschub geleistet.
Daß der Kalk, wenn er auf die vorbeschriebene Weise gebrauch
wird, die günstigsten Wirkungen hervorruft, könnte ich durch zahlreich
Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung belegen. Ich will deren nu
zwei anführen, indem ich diese als hinreichenden Beweis meiner Be—
hauptung erachte. Auf einem Hofe in Benrath befand sich ein sehr
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kam, daß er fast kein Inventar mehr besaß und seine Felder nur Un
kräuter statt Früchte erzeugten. Ich mußte diesen Pächter zuletzt von
diesem Hofe abziehen lassen und diesen, da derselbe sich in dem ver
wahrloseten Zustande nicht füglich weiter verpachten ließ, selbst bewirth
schaften. Diesem Boden fehlte nicht nur Dünger, sondern auch Kall
Obwohl nun in der dortigen Gegend niemals Kallk angewendet wor
den war und man mir allgemein versicherte, der Kalk bringe in der
dortigen Gegend keine gute Wirkung hervor, so ließ ich mich doch nich
irre machen und gab dem Boden eine tüchtige Kalkdüngung. Die Folge
war, daß ich nach langer Zeit dort wieder eine ordentliche Ernte und
insbesondere einen reichlichen Körnerertrag erzielte und nach der Win
terfrucht den schönsten Klee in der, ganzen dortigen Gegend erhielt.
Das zweite Beispiel, welches ich mittheilen will, bezieht sich au
einen Fall, welcher sich auf dem von mir bewirthschafteten Gute Ep
pinghofen, im Kreise Neuß, ereignet hat. Im Herbst 1857 düngte eir
Nachbar ein unmittelbar neben einem zum Gute Eppinghofen gehöri
gen Grundstück gelegencs Ackerland von derselben Qualität, sehr —X
mit gutem Stalldünger, streute in diesen Dünger noch eine gehörige
Kalkdüngung und brachte die ganze Düngung unter die Erde und be
särte das Stück mit Weizen.
Ich düngte gleichfalls mein daneben liegendes Stück in gleichen
Weise mit Stalldünger, pflügte diesen unter und brachte später mit der
Saatfurche Kalk auf das Grundstück, welchen ich mit der Saatfruch
untereggte, während mein Nachbar denselben zugleich mit dem Düngen
untergepflügt hatte. Ich erhiel: eine überaus reichliche Weizenernte
während die Ernte meines Nachbars sehr spärlich ausfiel. Wenn mar
beide Stücke sah, so hatte es den Anschein, als wenn mein Nachban
ohne Düngung, und ich mit einer solchen den Acker bestellt hätte.
In den Weizen wurde von uns Beiden Klee gesäet und zeigte sich be—
demselben der Unterschied zwischen beiden Stücken nicht minder und
bewährte das von mir eingeschlagene Verfahren. Die Wirkung des
Kalkes zeigt sich überhaupt bei keiner Fruchtgattung mehr, als wie bei
dem Klee, wenn der Kalk im Herbste auf dasjenige Grundstück, auf
welches im Frühjahre Klee gesäet werden soll, gebracht wird.
Was nun schließlich noch das Quantum des anzuwendenden Kal
kes betrifft, so rechnet man in der Regel für den Morgen, zu 180 O—
Ruthen, 12 Berl. Scheffel.

Die Nahrung des Volkes.

Freiherr v. d. Goltz gibt in der landw. Ztg. f. W. eine Zusam—
menstellung des Nahrungswerthes verschiedener Lebensmittel, woraus
hervorgeht, daß die Stosse, welche man bisher für die billigsten hielt
es keineswegs sind. Kartoffeln z. B. enthalten nunr 2 pCt. Blut unt
Fleisch bildende Stoffe und 20 pCt. Fett bildende (auch Athmungs
mittel genannt, welche die körperliche Wärme ergänzen und erhalten
müssen), Brod 8 und 30 pCt., Erbsen 25 und 50. Die Kosten vor
100 Loth dieser Stoffe sind circa!/3 bis 1 Sgr. Für 1 Sgr. erhäl
man aber in den Karltoffeln noch nicht den vierten Theil blutbildender
Stoffe, welche die Erbse enthält. Der Mensch bedarf zu seiner Nah—
rung täglich 8,2 Loth Blutbildner und 25!/2 Loth Fettbildner, die Le—
bensmitlel, welche diese Stoffe in solchem Verhältniß enthalten, sind
also die besten, oder das beste Essen dasjenige, wo eine Speise die an—
dere in diesem Verhältniß ergänzt. Fleisch (mit 19 pCt. Blut und é
QQoatsa bitee it sSartaFelsr wenn man von e»vGerem 17Th

nund letzterem 4 Theile nimmt, ziemlich das richtige Verhälmiß, dahan
man zu Fleisch meist Kartoffeln als Gemüse oder Salat ißt. Eier ehn
halten nahezu das richtige Verhältniß: 18 Bl. und 30 F., weshei
man unter allen Speisen Eier am ehesten allein essen kann. Mi
enthält 41/, pCt. B. und 8 pCt. F., Brod 8 B. und 30 F., X
man zu Milch gern Brod oder Kartoffeln ißt, welche einen Uebersch.
von Fettbildnern enthalten. Aus diesen physiologischen Gründen erhl
sich unsere ganze jetzige Küche und unser Geschmack. Es ist nicht W
kür, daß man zu gewissen Speisen gern diese oder jene Zuthat nim
oder die eine oder andere beigesellt. Es ist kein Zufall, daß wir
Braten am liebsten Kartoffeln, zur Milch Reis, 7 B. und 80 F.,
Brod, zu Erbsen Kartoffelbrei (2) gerne essen, sondern es ist dier
dem Bedarf an Nährstoffen wissenschaftlich begründet, und deß
schmecken sie uns gut.
Daraus ergibt sich leicht, welche Speisen am zuträglichsten
zugleich am billigsten sind. Nicht die Kartofseln sind es, von d
man große Mengen vertilgen muß, bis man den nöthigen Bedarf.
Blutbildnern hat, nicht Reis und Fleisch allein, sondern eine Verbu
dung beider. Vergleicht man die Preise der genannten Stoffe, so su
det man, daß Erbsen, Brod, Hafer⸗ und Gerstengrütze (13,6 B.
551/, F.), verbunden mit etwas Fleisch, die billigsten Nahrungsmit:
Kartoffeln und Reis dagegen trotz ihres nach der Masse gerin—
Preises theuer sind.
Es ist selbstverständlich, daß außer diesen beiden Hauptstoffen
menschliche Organismus noch eine Menge anderer (Kalk, Phospr
Eisen, Schwefel ꝛc.) nöthig hat, die zum Theil in jenem mitenthal.
zum Theil durch Gewürze, namentlich das Salz, zugezogen werde
und es ist selbstverständlich, daß von der Zubereitung viel abhängt,
diese Stoffe vollkommen auszunutzen, bezw. leicht verdaulich zu mach
Erbsen sind z. B. sehr nahrhaft und leicht zu verdauen, ebenso binse
mit den Schalen aber ein sehr schweres Essen, weil die S
zar nicht verdaut wird. Es ist nun auch das Beduͤrfniß der beub
welche viel Kartoffeln essen, nach Kaffee erklärt, weil dieser ihnen do.
jenen fehlende Stoffe zuführt, und darum der häufige Gebrauch
Cichorie zu bedauern, der zur Ernährung gar nichts beiträgt. Es
klärt sich aus Obigem ferner das Bedürfniß nach stetem Wechsel
Speisen und Mannigfaltigkeit derselben, weil diese erst alle Stofs
führen, die der Körper braucht. Eine nach dem Krimkriege angeß
Untersuchung in England ergab nach dem Urtheil der Aerzte, daß
Krankheiten in den Kasernen von dem Mangel an Wechsel in
Speisen herrühren, und der italienische Krieg zeigte, daß die Oeste
cher, selbst wo sie überflüssig mit Fleisch und Wein genährt wur
doch nicht so kräftig waren, als die Franzosen, die statt Wein oft K
Zucker xc. erhielten.
Aus dieser Zusammenstellung mögen die Arbeitgeber und die
beiter selbst entnehmen, daß es falsch gerechnet ist, schlechte Nab
wenn auch viel, zu geben, daß es vielmehr darauf ankommt, die
tige Nahrung zu geben. Denn gut genährte Leute arbeiten meb
schlecht genährte, und der Verlust des Volks durch häufigere Kre
ten und den frühen Tod solcher Arbeiter ist noch weit größer.
kofer in München hat in Gemeinschaft mit Voigt Versuche in
Richtung angestellt, die höchst interessante Aufschluͤsse gewähren.
selben gehen u. A. auch dahin, daß nicht Mangel an Nahrun
Hauptursache des Hungertyphus und von Krankheiten in Kasernen
Kriegen ist, sondern einseitige Nahrung.

Die Erschöpfung des Bodens durch den Rübenb

Unter diesem Titel ist ein kleines Werk von Leopold M.
hammer 1863 in der Calve'schen Buchhandlung in Prag ersch
dem, da der Gegenstand nicht nur für unser deutsches Vaterland
dern auch für alle ackerbautreibenden Volker von zu tiefgreife
‚olkswirthschaftlichem Interesse ist nachstehend Einiges entnomm⸗
Aom ver Nerf ein «Argreifendesßs Urtsois pene ile snndern die
            
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