Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

So wird denn die Gewohnheit, das Fleisch einzusalzen, so bald
loch nicht sich verdrängen lassen; und möchten wir wohl die Salzgur
u. Salzbohnen u. dgl. missen, oder gar auf den allbeliebten Sauer
hi verzichten? Einen tief- und weitgreifenden Einfluß hat das Sal,
„uf das Wohl und die Ernährung des Menschengeschlechts.

Künstliche Diamanten.

Zwar die Möglichkeit der Darstellung künstlicher Diamanten war
„ffenbar, seiddem die Zusammensetzung des Edelsteins bekannt gewor⸗
gen, sie war entschieden, seit die neuere Wissenschaft Diamanten, wenn
uuch nur mikroskopisch klein, künstlich dargestellt hatte und doch stellte
zie völlige Loͤsung des Problems häufig neben die Auffindung des
Zteines der Weisen oder des Perpetuum mobile. Zu seiner Lösung ist
ein großer Schritt vorwärts gethan, vielleicht ist sie ganz gelungep
und zwar dem Herrn Dr. A. Rabe in Hamburg. „Ich haͤtte,“ sag
dieser im „Hamb. Gewerbebl.,“ „in vergangenem Jahre Veranlassung
zielfach mit Kieselverbindungen zu experimentiren und da mir das Her
»eiführen des löslichen Zustandes derselben durch den Schmelzprozeß
uu theuer für die Ausführung im Fabrikmaßstabe zu stehen kam, so
zing ich zum nassen Verfahren uͤber. Ich erreichte hier bei Anwen—
zung von Druck vollständig meinen Zweck und da ich mir nun einmal
zie ihrueren Apparate beschafft haute, so versuchte ich mich auch in ver
vandten Aufgaben. Als solche trat mir zuerst die auf, den kohlen—
rnuern Kalk in den krystallinischen Marmor überzuführen. Gerade zu
r Zeit veröffentlichte Prof. Vose die Resultate seiner interessanten
erauf bezüglichen Versuche.“
„Ich behandelte reine gemahlene Kreide mit Wasser unter 4, dann
und endlich 12 Atmosphären Druck und es gelang mir hier auch,
hne electrische Sröme zu Hülfe zu nehmen, eine gleichmäßige Lösung
erbeizuführen. Diese Lösung dampfte ich später bis zur Consistenz
on 38 Grad B. ab und überließ diese drei Tage hindurch der Ruhe
einem circa 18 Grad C. warmen Raume. Ich fand nun pracht⸗
olle schneeweiße Marmorkrystalle GKalkspath- oder Aragonittrystalle?)
a mächtigen Drusen angeschossen und in einer trüben Mutterlauge
Darauf bereitete ich mir eine reine Zuckerkohle. Diese fein gemahlen,
nit Wasser unter 12 Atmosphären Druck acht Stunden lang gekocht,
zing ebenfalls zum großen Theil in Lösung. Eine vollständige Auflö—
ung konnte ich nicht erreichen, da mein Apparat mir nicht erlaubte,
imen noch höheren Druck anzuwenden. Aus der erkalteten Lösung
hossen bald Krystalle an, die leider nicht rein farblos, sondern mehr
ich dunkel waren. Nach dem Auswaschen gemocknet, besaßen diesel—
en alle physikalischen Eigenschafien der Diamanten, verbrannten mit
eller Flamme und waren von einer durch Stahlfeilen nicht angreif⸗
aren Härte, während Glas sich sehr gut damit schneiden ließ. Ir
oit weit man durch Wiederauflösen und Umkrystallisiren der ersten Kry—
talle Diamanten vom reinsten Wasser erhalten kann, werde ich noch
urch Versuche feststelen. Ich bin der Ansicht, daß außer dem vissen—
haftlichen diese Entdeckung auch technischen Werth habe, wenngleich
ieselbe dem Juwelierstande keineswegs angenehm sein möchte, da sit
vesentlich zur Entwerthung der Diamanten beiträgt, deren hoher Werrth
Alein in ihrer Seltenheit begründet ist“

Künstliche Fischzucht.

Alle mit der kuͤnstlichen Fischzucht bisher im Inlande mit und
hne Beihülfe des Staats angestellten Versuche, die den ausreichenden
Beweis geliefert haben, daß die künstliche Befruchtung des Fischlaichs
nit Erfolg geschehen kann, sind, wenigstens so weit es sich um die
zerthvollen Salmonen handelt, bisher nur auf die Erwerbung des
aichs vom Auslande, aus den Fischbrutanstalten in Hüningen und
Nünchen, zu stüten gewesen. Abgesehen davon, daß der weitere
Fransport die Konservirun- des Fischlaichs gefährdet. so erscheint »

auch unerläßlich, zum Zweck ausgedehnteren, über die Grenzen der
Versuche hinausgehenden Züchtungsbetriebes die Unabhängigkeit vom
Auslande zu gewinnen. Zur Erreichung dieses Zweckes sind seitens
der Regierung zu Koblenz bereits Unterhandlungen mit den Rhein⸗
fischern zu St. Goar zur Erlangung von Lachslaich, leider aber ohnt
den gewünschten Erfolg, angeknüpft worden. Diese Bestrebungen find
jedoch nicht aufgegeben worden, und der Minister für die landw. An—
gelegenheiten hat die Oberpräsidenten der Rheinprovinz und Pommerns
ersucht, die nöthigen Schritte zu thun, ob nicht der Laich, der von den
Fischern an der unteren Sieg und an der Ruhr, resp. in Pommern an
der Ostsee, dem Haff ꝛc. gefangenen Lachse gegen eine angemessene Ver⸗
gütung zu erwerben wäre. Sollten diese Bemühungen von Erfolg ge—
frönt werden, so wird der künstlich befruchtete Laich an diejenigen Fisch—
züchter abgegeben werden, welche die weitere Behandlung übernehmen
wollen.

Vermischtes.

Vergiftung durch mit Grünspan gefälschte Kapern
sind neuerdings in Prag vorgekommen. Es erscheint daher gerathen,
die Kapern nicht früher zu verwenden, bevor sie nicht auf ihre Rein—
heit geprüft worden sind. Die Prüfung ist sehr einfach. Man über—
gießt ein paar Kapern in einem Glase mit eiwas Essig und stedt in
das Gefäß ein gewöhnliches Tischmesser. Bleibt die Klinge unverän—
dert, so sind die Kapern rein, zeigt sich ein kupferfarbiger Ueberzug, so
sind sie mit Grünspan gefüälscht.

In der Wüste Sahara wurden im Jahre 1860 fünf artesi⸗
sche Brunnen gebohrt, um welche die Vegetation in üppiger Fülle sich
befindet. 30,000 Palmbäume und 1000 Fruchtbäume wurden gepflanzt.
Bei einer Tiefe von 500 Fuß fand man einen unterirdischen Fluß, in
dem sogar Fische vorkommen. Grischr.)

Literatur.

Gartenfreunde und Botaniker machen wir auf eine in der Wagner⸗
schen Univ.-Buchhandlung in Insbruck erschienenes Büchlein von Pro—
fessor Dr. A. Kerner, „die Kultur der Alvenpflanzen“ betitelt, auf⸗
merksam.
Der Verfasser, dessen jüngstes Werk: „Das Pflanzenleben der
Donauländer“ als epochemachend allseitig begrüßt worden ist, — hat
mit außerordentlichem Erfolge die Alpinen⸗Kultur im botanischen Gar⸗
ten der k. k. Universität zu Insbruck begründet. In diesem Büchlein
gibt Prof. Kerner eine ausfuͤhrliche, mit Holzschnitten erläuterte Be⸗
schreibung des Kultur-Verfahrens mit sorgfältiger Rücksichtnahme auf
die Bodenverschiedenheiten und die Lebensbedingungen der Alpenpflan⸗
zen in der Alpinen⸗Region und in niederen Gegenden.
Eine eingehende Kritik in der österr. Wochenschrift für Wissen⸗
schaft und Kunst bezeichnet das Buch als ein kurzgefaßtes Lehrbuch
der allgemeinen Physiologie der Alpenpflanzen, aus dem der Laie eben
so gut, wie der Sachverständige die Lebensbedingungen derselben ken—⸗
nen und einsehen lernt, wie es möglich sei, die große Mehrzahl der⸗
selben in der Niederung der Art zu kultiviren, daß sie dem Freunde
der Alpenflora einen leicht erworbenen Genuß, dem Forscher ein kost⸗
bares Mittel zur beständigen Beobachtung und zu Versuchen bietet.
Von demselben Verfasser steht, wie wir hören, ein mit Illustratio⸗
nen geschmücktes „Pflanzenleben der Alpenwelt“ als Gegenstück zu
Tschudis Thierleben der Alpenwelt in Aussicht.
            
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