räuber sind Alle Helden. Die an die schönsten Düfte gewöhnten Bie—
nen sind besonders empfindlich gegen alle beleidigende Gerüche. Unt
es ist eine Lust, zuzusehen, mit welcher Kunst und Schnelligkeit sie der
gleichen Gegenstände hermelisch verschließen und überkleben, wenn ihner
die Ameisen nicht in Aushöhlung todter Körper zuvorkommen. Furcht
bar und unerbittlich sind sie in dem jährlich im Juli wiederkehrenden
Massacre aller für überflüssig gehaltenen Drohnen.
Bei den Präsidentenwahlen in Amerika kann es nicht stürmischer
zugehen, als nach dem Tode einer Bienenkönigin zur Wahl einer neuen
Die Wahl ist freilich nicht besonders schwer, da sie blos eine geborene
Prinzessin wählen können. Deren gibt es nur immer wenige. Sie sehen
gemeiner aus als die Gemeinen und tragen den Schein ihrer hohen
Bestimmung blos in Form sehr langer Hintertheile mit sich herum. Die
Bienen-⸗Monarchinnen führen oder schicken zuweilen ihre Unterthanen
zur Eroberung kleinerer Staaten aus, wie das auch menschlichen Herr—
schern angeblich oft zur höchsten religiösen Pflicht gemacht wird; aber
zum Ausfechten diplomatischer und Erbfolgestreitigkeiten lassen sich die
Arbeitsbienen nie gebrauchen. In solchen Fällen müssen die verschiede—
nen Thronprätendentinnen die Sache selbst ausfechten und die Unter—
thanen sehen hübsch zu.
Sie stehen im Verdachte, daß sie ihre Kranken tödten, weil sie
von dem Grundsatze ausgehen, daß, wer bei einer so gesunden Be—
schäftigung, wie das Fliegen von Blume zu Blume ist, krank werde.
überhaupt nicht mehr zu retten sei oder das Leben verwirkt habe. Daf
Menschen ihre Kranken tödten, ist übrigens auch gebräuchlicher, als mar
glaubt. Woher käme es denn sonst, daß fast alle Apotheker und die
meisten Aerzte, wenn sie's erst ordentlich zum Rezept-Verschreiben und
einer Equipage gebracht haben, so reich werden?
Um einige wenige Eigenthümlichkeiten der Bienen anzuführen, ist
zunächst ihre geniale Art, auch unzugänglichen Honig zu ernten, be—
merkenswerth. Von den Hummeln ist es bekannt, daß sie Bohnen—
blüthen, dexen Kelche für die dicken Köpfe zu eng sind, gerade über
dem Sitze des Honigs durchbelßen und ihn so heraussaugen. Die Ar—
beitsbiene mach's aber mit jeder Blume, die keinen zugänglichen Weg
zu den innerhalb verborgenen Schätzen bietet, eben so. Am häufigsten
kann man dieses Kunststück an den Fuchsiablüthen bemerken, vorausge—
setzt, daß die Fülle anderer Blüthen und Blumen nicht zu groß sei
Es ist wohl ziemlich bekannt, daß die Bienen nicht eigentlich Honig
saugen, sondern wirklich fabriciren. Was sie aus den Blumen holen,
ist blos Rohmaterial in Form einer geschmacklosen Flüssigkeit. Den Ho—
nig davon destilliren sie erst in einer Blase, einem besondern Magen
der gefüllt wie ein heller Wassertropfen aussieht. Die Farbe, der Ge
schmack und das Aroma des Honigs ist Produkt und Verdienst ve
Biene.
Die Königin ist stets die eigentliche Landesmutter in des Wortes
umfassendster Bedeutung. Sie legt alle Eier, aus den die Nachkom
men hervorgehen; manches Jahr wenig, ein andermal aber desto mehr
von einem bloßen Schock bis zu hunderttausend. Die Metamorphosen
die mit den Eiern vorgehen, che Bienen daraus werden, sind verwil—
kelt und können in einem Bienenhandbuche nachgelesen werden.
Ein geistreicher und langjähriger Beobachter der Bienen gibt noch
folgende Details an: Es ist eben eine junge Königin gewählt worden
Aber sie zeigt die großte Unruhe und auch die Unterthanen stecken neu
gierig und versammlungslustig die Köpfe zusammen, so daß man sieht
das Vaterland muͤsse noch in Gefahr sein. Die neue Monarchin wit
tert Verschwörungen, Sturz des Thrones und Stbrung der Gewerbe
und des Handels. Man munkelt von herrschsüchtigem, königlichem Ge—
blüte in anderen jungen Königinnen noch ohne Siaat und Krone in
der Gemeinde. Sie ist noch außerhalb, wo sie eben gewählt worden
Und innen lauert der Verrath. Sie ergrimmt, sie stuͤrmt gegen der
Eingang, welcher von Schildwachen besetzt ist, und will hinein, um die
Hochverräther selbst zu tödten. Doch nein, die Königin soll hier erster
Diener des Staates, nicht willkürlicher Herrscher sein. Die Schild
wache thut ihre Staatspflicht und weist die neue Herrscherin, um einen
Verfassungsbruch zu verhüten, zurück. Es ist Sache der Gemeinde
uu entscheiden. wie das Naterland und vie Monarchie zu retten sei
Die junge Herrscherin in ihrer Machtvollkommenheit will die Bew—
der Schildwache ignoriren, sie braucht Gewalt und die Schildwa
beißt sie zurück. Ihr Leben selbst würde jetzt in Gefahr sein, wenn
nicht die eingeborne magische Gewalt hätte, durch ein einziges W
ein kaum Menschen vernehmliches leises Quieken, die Schildwache
zubannen.
Der Bienenvater Huber behauptet, dies oft mit angesehen zu
ben. Doch ihr Zauber dauert nicht lange. Ehe sie es möglich mun
kann, einzudringen, erholen sich die Wächter des Gesetzes und wied
holen sofort ihre Ausweisung. Huber beschreibt genauer, unter weld
Verhältnissen sie das Zauberwort aussprechen und zwar in einem Fa
wo die Königin schon im Staate inwendig Miene machte, die Zehb
in welchen noch unvollendete junge Königinnen steckten, aufzuren
Von den Wachen zurückgeschlagen, stellte sie sich mit ihrer Brust
eine Wache, kreuzte ihre Flügel über den Rücken und hielt sie in
wegung, ohne zu fliegen und gab dann den magischen Ton von;
der heiserer und schwächer von den noch in den Zellen vergrakk
jüngeren Königinnen wiederholt ward. Die Wirkung auf die Wa
bienen ist augenblicklich. Sie sitzen wie versteinert, erholen sich
immer wieder, ehe die Königin ihren Mordplan ausführen kann.
muß sie dem von den Unterthanen scharf bewachten Gesetze endlich ne
geben. Und worin besteht dieses Bienenstaatsgrundgesetz? Den S
zu verlassen und mit einer Anzahl Getreuen eine Kolonie zu grüm
das Souveränetätsrecht aber ihren noch hilflosen im Auskriechen
griffenen königlichen Schwestern zu überlassen. Aber welcher? 2
hängt von dem allgemeinen Wahlrecht der Unterthanen ab. Die ne
gewählten Königinnen werden von den Unterthanen gegen die abse
ten Geluͤste der gewählten Herrscherin sorgfältig geschützt, damit sie?
haben, sich zum Abzuge und zur Gründung einer neuen Kolonie
rüsten. So ziehen manches Jahr zwei, drei, vier, sogar fünf Kon
nien ab, um den neugeborenen Königinnen Staaten zu gründen. Aben
wenn dadurch das Mutterland so geschwächt wird, daß die Wien
der jungen auskriechenden Königinnen nicht mehr stark genug veiben·
ist Bürgerkrieg die unvermeidliche Folge. Zwei Königinnen treten 38
gleichzeitig ans' Tageslicht, und die stark gelichteten Unterthanen reich
noch kaum hin, das Mutterland zu erhalten, was geschieht nun? Sch
gen sich einige zu dieser, andere zur anderen Königin und führen
Krieg? Mit Nichten. Die Königinnen müssen ihren Kampf selbst au
fechten und die Unterthanen sehen zu und gehorchen der Siegerin.
Die beiden Thron-Candidatinnen sehen sich zum ersten Male
finden, daß das Staatsgrundgesetz nur Einer das Existenzrecht ge
tet, Prinzen und Thronfolger werden nicht geduldet. Sie stürzen
sofort kämpfend gegen einander; jeder packt den Rüssel der andern
in einem wahren Faust- und Zweikampfe ringen sie so lange mit
ander, bis eine todt auf dem Platze bleibt.
Merkwürdigerweise verrathen sie dabei zugleich gern Schop
gegen einander, wenigstens zögert jede möglich lange, ehe sie ihren
liche Waffe braucht. Auch versuchen sie oft, die Entscheidung an
schieben und geben das Duell plötzlich auf. Aber die zuschauem
Bienen dulden das nicht. Sie wollen einen Herrscher und keine sw
beunden Verhältnisse. Der Staat darf der Könige wegen
leiden. So werden die beiden Thron⸗Candidatinnen unbarmherzig
der gegen einander gehetzt, und immer wieder, so oft auch beid
furchtbare Entscheidung aufzuschieben suchen. Endlich faßt die
kere die Schwächere bei den Flügeln, zwängt Füße und Kopf
den Körper, drückt sie nieder und bringt ihr den tödtlichen Streich
Oft sind inzwischen neue Königinnen ausgekrochen, mit welcher
Siegerin auf's Neue kämpfen muß und denen sie zuweilen noch“
liegt. Ist auf diese Weise die Monarchie wieder hergestellt, gehen
Bienen wieder an ihre genau bestimmten Geschäfte und leben fle
und glücklich bis zum nächsten Jahre.
Der großmuͤthige Zug, womit fie die jungen Königinnen —
und vor feigem Mord schützen, damit ehrlicher Zweikampf entschtn
enthält viel Romantik und Weisheit. Und wer könnte in der Art—
sie Bürgerkriege führen, d. h. vermeiden, indem sie, was bei uns
terthanen ausfechten müssen, auf die Interessenten allein beschran
diese volkswirthschoftliche Meisheit verkennen?