Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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Kreis-Blatt

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den Kreis Saarbrücken.

48 68.

Donnerstag den 21. Jul.

1864

Amtliches.

Bekauntmachung.
Die Königl. Artilleriewerkstatt zu Deutz ist höhern Orts autorisirt
worden, die ältern Mannschaften zu entlassen, und zum Ersatze dersel
ben Freiwillige zu engagiren. Tischler und Schlosser, welche ihrer Mi—
litärpflicht durch dreijährigen freiwilligen Eintritt bei den Handwerks—
Compagnieen der Rheinischen Artillerie-Brigade No. 8 zu genügen die
Absicht haben, werden hiermit veranlaßt, sich unter Vorlage
1) der Einwilligung des Vaters, event. Vormundes,
2) eines Zeugnisses ihrer Orts⸗ oder Polizeibehörde über un—
tadelhafte Fuhrung und Moralität
bei mir persönlich zu melden.
Saarbrücken, den 10. Juli 1864.

Bekanntmachung.
Gemäß 8 11 der Vorschriften über die Befähigung zu den tech—
aischen Aemtern der Berg⸗, Hütten- und Salinen-Verwaltung vom
21. Dezember v. J. werden diejenigen, welche bei Schluß des laufen—
den Sommer-Semesters die Berg-Eleven-Prüfung abzulegen beabsich
tigen, hierdurch aufgefordert, ihre Meldungen mit Beifügung der vor
geschriebenen Atteste baldigst an die unterzeichnete Kommission, Linden
raße No. 47 hierselbst, portofrei einzureichen.
Berlin, den 11. Juli 1864.
Die Kommission zur Prüfung der Berg-Eleven.
Im Auftrage:
Lottner,
Bergrath.

Der Königliche Landrath,
v. Gäaärtner.

Einiges über die Pflaumen.

Der Pflaumenbaum gedeiht fast in jedem Boden, wenn er nur
nicht zu naß, kalt, sandig und schwer ist. Am geeigneisten für ihn ist
ein lockerer, fruchtbarer, etwas feuchter Boden, der eine warme, sonnige
Lage hat und gegen Nordwinde geschützt ist. Unter allen Obstbäumen
kann er den Dünger am besten vertragen. Man verwendet ihn, sobald
das Laub abgefallen ist. Durch Schnee, Regen xc. loset er sich den
Winter hindurch auf, dringt in die Erde und macht dieselbe fruchtbar.
Am besten ist der Dünger aus Abtritten, nur muß er mit Regenwasser
verdünnt werden. Die Bäume bekommen durch die Benutzung dessel—
ben einen freudigen Wuchs, eine schöne, glatte Rinde, sind weniger
dem Harzflusse unterworfen und tragen viel größere und schönere Früchte;
auch werden freistehende Bäume meist dadurch so fruchtbar, daß man
sie stützen muß. Deßhalb den Pflaumenbaum nur fleißig gedüngt und
wo es nöthig ist, beschnitten, es lohn's reichlich.
Gewöhnlich wird der Pflaumenbaum nur 15 bis 20 Fuß hoch,
wird er indeß gedüngt und beschnitten, so erreicht er nicht selten eine
Höhe von 30 Fuß und wird, wenn man ihn durch das Abwersen der
Krone verjüngt, wohl 40 bis 50 Jahre alt. Er macht eine nur we—
nig ausgebreitete Krone, die meist mit vielen Aesten besetzt ist. Die
Wurzeln dringen nicht tief in die Erde, laufen meist flach und machen
dadurch häufig Wurzelausläufer, wodurch sich die meisten Arten viel⸗
fältig selbst vermehren. Im Allgemeinen ist der Pflaumenbaum sehr
fruchtbar und trägt reichlich; selbst die Wasserschossen, welche er häufig
treibt, setzen bald Tragaugen und Bouquetzweige an und liefern oft
schon im zweiten Jahre Früchte. Schade, daß sein Holz so leicht bricht
und er bei Ueberfuͤllung der Zweige durch die Schwere der Früchte
fast jährlich Aeste verliert, indem sie, wenn sie nicht angebunden wer—
den, abbrechen, wodurch der Baum oft verunstaltet und kränklich wird.
Die Vermehrung des Pflaumenbaums geschieht theils durch den
Samen, theils durch Wurzelausläufer, durch welche die gemeine Haus—
zwetsche und überhaupt die zwetschenartigen Pflaumenbäume, wenn auch
znicht immer in ihrer vollkommenen Gestalt und Güte, doch mehrentheils

Die Pflaume ist eine geschätzte und nützliche Frucht, welche sowoh
m rohen Genuß, wegen ihres süßen und vortrefflich schmeckenden Flei
pés allgemein beliebt, noch mehr aber zu wirthschaftlichen Zwecken
rwendet, von großem Nutzen ist. Von Mitte Juli bis Mitte Okto—
r findet man unter dieser Obstgattung eine Auswahl der schmackhaf
ten und schönsten Früchte zur Besetzung des Nachtisches. Viele, z. B
Reineclaude, die verschiedenen Perdrigons, Cors, Goldpflaumen
—D
ichnen sich ganz besonders durch einen köstlichen, süßen und gewürz—
aften Geschmack aus und übertressen nicht selten in Hinsicht ihrer Güte
die Pfirschen und Aprikosen und gewähren uns selbst in ungünstigen
Jahren, wo diese nicht gerathen, einen herrlichen Ersatz für dieselben
Der große Obsikenner Quintynie nennt in seiner Abhandlung über die
pflaumen die Perdrigons, die Catharinen- und Aprikosenpflaumen, wenn
e am Spalier an den Wänden erzogen würden, die besten Früchte
er Welt. Und um wie viel neue, herrliche Sorten ist seit dieser Zei
as Geschlecht der Pflaumen vermehrt worden! Die Reineclaude de
Bavay, Coes golden drop, Ickworths Imperatrice, die italienische und
umgarische Zwetsche und viele andere kannte man damals noch nicht.
Fast jedes Jahr kommen neue Sorten zum Vorschein, die wenn sie in
irgend einer Hinsicht ausgezeichnet sind, rasch vermehrt und verbreite
Merbden

An Schönheit übertrifft die Pflaume die meisten Obstarten. Der
blaue und weiße Duft, der allen Pflaumen eigen ist, die vielen Far
menmischungen ꝛc. geben ihnen ein überaus liebliches Ansehen. In Be—
reff der Form und Größe sind sie sehr verschieden. Man findet unter
den Pflaumen längliche und runde Fruͤchte, von der Größe eines Huͤh—
nereies bis zu der einer Haselnuß. Auch die Fruchtstiele sind von ver—
hiedener Länge, Farbe und Dicke, bald glatt, bald mit feinen Härcher
gcklt.
            
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