ten in demselben, der charakteristische Geruch der Fäulniß aber fehlte
Sogleich wurden einige Tropfen von diesem Blute zwei starken und
gesunden Kaninchen eingeimpft. Nach 24 Stunden war noch nicht dic
geringste Veränderung an den Thieren zu bemerken. Ihr Blut wurde
mit großer Sorgfalt mikroskopisch untersucht und keine Infusorien in
demselben gefunden: aber 19 Stunden spüäter, also 43 Stunden nach
der Impfung, war eines der Kaninchen dem Tode nahe. Es wurde
eiligst in die Zunge ein Einschnitt gemacht, das Blut aufgefangen und
unter das Vergrößerungsglas gebracht. Millionen von Bacterien wa—
ren unleugbar zu sehen. Das zweite Kaninchen hatte 48 Stunden
nach der Impfung noch keine Bacterien, starb aber Tags darauf plötz⸗
lich, 63 Stunden nach oer Inoculation. Das Blut desselben wurde
2/2 Stunde nach erfolgtem Tode untersucht und war voll von Bacterien,
wie bei dem ersten Kaninchen. Diese Bacterien erscheinen als freie,
runde, sehr dünne Fäden von 4 bis 12 Millimeter Länge. Die läng—
sten derselben haben zwei stumpfe Winkel bildende Haken. Bei sehr
starker Vergrößerung sieht man auch Spuren von Segmenten. Sie
haben keine selbstständige Bewegung. Getrocknet bleibt ihre Form und
Consistenz unverändert. Concentrirte Auflösungen von Schwefelsäure
und kaustische Lauge zerstören sie nicht. Sie sind also den Conserven
ähnlich. Bei beginnender Fäulniß werden die Segmente deutlich. All
mälig zerfallen sie in Stücke und bei volllommner Fäulniß werden die
Segmente ganz aufgelöst. Dies allein schon stellt eine auffallende
Verschiedenheit von denjenigen Infusorien dar, welche gewöhnlich in
faulenden Substanzen sich bilden, außer der, daß sie schon im lebenden
Blute gefunden werden, und der charakteristische Geruch der Fäulnif
auch nicht bemerkt wird. Die Bacterien entwickeln sich im Blute selbs
und in keinem eigens hierzu bestimmten speciellen Organe. Wenn ce
durch angestrengtes Nachsuchen gelingt, schon zu Anfang der Infection
einige dieser Thierchen aufzufinden, so sind sie immer sehr klein und
in sehr geringer Menge vorhanden; aber sie vergrößern und vermehren
sich außerordentlich schnell, und zwar schon innerhalb weniger Stun
den. Ein Kaninchen, dessen Blut nur wenige, sehr kleine Bacterien
zeigte, starb gleichwohl schon vier Siunden nach der Untersuchung, und
jetzt schon waren die Infusorien in ungeheurer Menge vorhanden
Mit dem eintretenden Tode hoͤrt die Vermehrung der Bacterien auf
Wird Blut längere Zeit aufbewahrt, so gehen die Bacterien zu Grund—
und lösen sich gänzlich auf, und hierbei geht auch die Fortpflanzungs
fähigkeit der Krankheit auf andere Thiere verloren. Zwei Inoculatio
nen, die eine mit seit 8 Tagen aufbewahrtem bacterienhaltigen Ham—
melblute, die andere mit dem Blute eines vor 10 Tagen verstorbenen
Kaninchens gemacht, konnten weder die Krankheit, noch Bacterienblu
zu Stande bringen. Frisches bacterienhaltiges Blut wurde in einen
Glastubus gethan und 10 Minuten in siedendes Wasser gestellt, dann
ein Kaninchen mit diesem Blute inoculirt. Das Thier starb nach 31
Stunden mit Bacterien im Blute. Die Siedehitze ist daher nicht im
Stande, die Bacterien zu vernichten. Im Allgemeinen zeigten alle
Versuche, daß jüngere Thiere schneller starben als ältere, nusgewachsene
Während der Inoculation, d. i. vom Augenblicke der Impfung bis zu
der Zeit, wo die Bacterien im Blute sichtbar werden, ist an den ge
impften Thieren irgend etwas Krankhaftes durchaus nicht zu bemerken.
Erst in den letzten Stunden, wo die Anzahl der Bacterien im Bluti
schon groß geworden ist, hören die Kaninchen auf, herumzulaufen. Sit
fressen nicht mehr, liegen still auf dem Bauche, werden sehr schwach
und sterben ohne eine der Bemerkung sich darbietende Erscheinung. Nu
in einigen Fällen wurden eonvulsivische Bewegungen vor dem Todi
beobachtet. Die gleich nach dem Tode gemachte Autopsie läßt in keinen
Organe anomale Veränderungen wahrnehmen. Das Herz und die gro
ßen Gefäße sind mit dicht geronnenen Blutmassen angefüllt. Die Ge
rinnung des Blutes scheint die einzige efficiente Ursache des Todes
abzugeben. Schon im noch lebenden Zustande werden Spuren begin
nender Gerinnung gesehen, indem die Blutkügelchen an einander ge—
klebt erscheinen. Unter den Organen, welche ihres größeren Blutgehal—-tes
wegen eine größere Anzahl Bakterien aufweisen, steht die Milz
obenan. Ihre Structur ist nicht verändert, aber sie ist größer als im
gesunden Zustande, und enthält eine große Menge Bacterien, weil sie
ꝛeine größere Menge Blut aufnimpnt. Nächst der Milz enthalten die
Mlie“⸗snund QLunaSio meisfen Muskeln uc28 MNrüsen va——
die wenigsten Bacterien, immer im Verhältniß der in diesen Orga
enthaltenen Blutmenge. Da nun die Beobachtung gezeigt hat, daß,
Erscheinung der Bacterien mit der Erscheinung der Krankheit pisa
menfällt, so darf die Seuche wohl mit Recht als von den Bacter
abhängig angesehen werden. Die nächste, d. i. die allererste uns
jetzigen Kenntnissen zugangbare Ursache, sind daher Infusorien, die
Vorstehendem mehrbesprochenen Bacterien. Nun haben seit ura
Zeiten schon Aerzte und Naturforscher der Theorie gehuldigt, daß
wisse contagiöse Krankheiten, heftige epidemische Fieber, orientah
Bubonenpest, nach Hahnemann auch die Cholera durch mikroskopi
Thierchen erzeugt werde, aber bis jetzt ist noch kein einziger posit
Beweis für diese Behauptung vorgelegt worden. Erst seit Davan
oben erwähnten und später (vom 17. Juli bis 17. August) sorgi
von demselben fortgesetzten Versuchen (bei welch' letzteren nach 14410
Impfungen mit bacterienhaltigem Blute bei gesunden Kaninchen in
ohne Ausnahme der Tod folgte und auch das von noch lebenden d
ren entnommene Blut Bacterieninfection und Tod hervorbrachte) bes
wir Kenntniß einer unleugbaren Thatsache, daß im lebenden Blute
Thieren, die von einer ihrer Ursache nach bisher ganz unbekannten St
dahin gerafft werden, lebende Thierchen durch das Mikroskop nat
wiesen worden sind. Diese Bacterien entstehen schon, während die
gesteckten Thiere sich noch am Leben befinden, und stehen im innit
Zusammenhange mit dem bald darauf erfolgten Tode. (Lndw. C—
Theure und wohlfeile Ernährung.
Es gibt wohl kaum ein Wort, welches sich einer allgemen
Mißdeutung erfreute, als das Wort Diät. Mit diesem Ausd
verbindet das große Publikum bis zu den gebildetsten Classen
eine Reihe von Verboten, namentlich aber die mögliche Enthaltu—
Speisen und aufregenden Einflüssen, während Diät doch mes
Handeln, als im Unterlassen besteht.
Es ist in der Neuzeit wohl kein literarisches Werk erschienen.
rücksichtlich seiner Faßlichkeit und seines hohen praktischen Werth«
sehr der Lesewelt empfohlen zu;werden verdient, als das vor Ku
in Leipzig erschienene Buch des Prof. Reclam von der vernünf
Lebensweise, welches das zweckmäßige Verhalten in den einzelnen
tern und Beschäftigungen bezeichnet, das nöthig ist, um den Indivn
zu längerem Leben, zu guter Gesundheit und erhöhter Leistungsi—
keit zu verhelfen.
Entfernt von aller Phrasenmacherei, von schwer oder gar nic
srealisirenden Anforderungen, hat die erwähnte Schrift nur das
liegende, das praktisch Erreichbare im Auge und es bringt „Die Gl
mit Rücksicht auf die thatsächliche Bedeutung der Ernährungsfrag
die Bevölkerung, einige einschlägige Stellen der betreffenden S
die nachstehend folgen.
Es ist bekannt, daß die Nahrungsmittel, die wir zu uns ne
in zwei große Gruppen zerfallen; die einen dienen zum Ersat
durch jede Bewegung abgestoßenen Körpertheilchen (sogenannte
mittel), während die anderen den Zweck erfüllen, durch einen lo
ren Verbrennungsprozeß, dem sie im Organismus unterliegen.
die nöthige Wärme zu liefern.
Fleisch, Eier, Milch können als Repräsentanten der ersten
und stärkemehlreiche Stoffe als Vertreter der zweiten Gruppe
und ein Erwachsener wird am besten bei einer Nahrung gedeihen
che aus !/z von Stoffen aus der ersten und */, aus denen der w
Kategorie besteht.
Ein Erwachsener würde an „Ersatzmittel“ binnen 24 Sin
wenn er nur eines derselben oder Reis zur Wärmeerzeugung
beiläufig bedürfen: 8,, Pfd. ausgeschälter Eier oder 1 Pfd. gebre
Rindfleisch ohne Knochen, oder 1975 Pfd. gekochtes Rindfleisch
eben so viel gebratenes Kalbfleisch, oder 19)5 Pfd. Weizenbrot
11/. Pfd. weiße oder 17/3 Pfd. braune Bohnen, oder 234 Pfn.
frische grüne Erbsen, oder 32,,0 Pfd. Kornbrod, oder 20 Mid. a
»3 Neic »83* efochte Har