Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Der Weizenbrand.
Die Verhütung des Brandes ist eine Aufgabe, deren Lösung schor
seit undenklichen Zeiten versucht wrd. Wie viele Versuche und Be—
mühungen sind dafür vergeblich angewendet worden. Und konnte das
Ergebniß ein anderes sein, da man fort und fort den wahren Grunt
verkannt hat? Man glaubte an einen Staub von feinen Kügelchen, der
den Körnern anhange und die Fortpflanzung der Krankheit vermittle
Theorien dieser Art fanden in der Wissenschaft Platz und noch heut
sind sie allgemein in Aufnahme. Hätte uns nicht die Erfahrung die
Augen geöffnet, so theilten wir wahrscheinlich noch selbst diesen Irrthum
wenigstens würden wir nicht wagen dürfen, so vielen gelehrten Leuter
zu widersprechen, wären andererseits auch nicht im Stande, die That
9 nach Belieben zu wiederholen, welche unserer Ansicht zur Stütze
nen.

Nach unserer Meinung hat der Brand keine andere Ursache, als
die Unreife des Samenkorns; er ist für uns, was die Skrophulose,
die Constitutionsschwäche bei Menschen und Thieren ist, die von zu
jungen Eltern stammen. Es sei uns erlaubt, eine Reihe beobachteter
Thatsachen vorzuführen, die uns in den Stand setzen, diese wichtigt
Wahrheit zu beweisen.

Als Vorstand eines Gutes zu Laperriere hatten wir, mit Ausnahm
des ersten Jahres, beständig Ernten, die von allen jenen Krankheits
erscheinungen frei waren, die unsere Nachbarn zur Verzweiflung brach
ten; obwohl wir uns nicht die Mühe nahmen, unser Samenkorn an—
derswoher zu nehmen, als von unsern eigenen Feldern. Wir wurder
dabei von keiner besondern Idee geleitet, sondern folgten einer her—
fömmlichen Praxis, die uns stets zum Guten ausschlug.

Später, als wir zu Beire die Direktion eines anderen Gutes über
nahmen, kauften wir zur Saat Weizen von Varennes, der als der
beste in der Gegend angesehen wurde. Um sicher zu gehen, beizten
wir überdies noch; aber wir müssen der Wahrheit die Ehre geben und
sagen, daß wir so traurige Ernten wie niemals hatten, denn zwei Drite!
der Körner waren brandig. Wir erfuhren nun, daß die Leute zu Va—
rennes, um ein helleres, größeres und schweres Korn zu gewinnen,
ihren Weizen vor der vollständigen Reife abmachten. Die äußere Be—
schaffenheit des Korns schien uns nun verdächtig und wir entschlosser
uns, selbstgebauten Weizen zu säen, den wir, wie früher zu Laperriere
vollständig hatten ausreifen lassen. Wir wuschen blos die Körner, um
sie besser beurtheilen zu können und entfernten sogleich alles Obenauf
schwimmende.

Ein Nachbar, der uns zusah, glaubte, nachdem er das Beseitigte
sorgfältig untersucht hatte, wir seien im Zuge, einen großen Theil nutz—
baren Samens wegzuwerfen und erbat sich scherzweise die Erlaubniß
diese weggeworfenen Körner in seinem Garten aussäen zu dürfen. Ar
demselben Tage, fast um dieselbe Stunde, säeten wir, er in seinem Gar—
ten, wir auf dem Felde. Das Aufgehen erfolgte beiderseits gut und
rasch; im Frühjahr konnte es der Garten mit dem Felde aufnehmen
Die Blüthe trat ein und schon glaubten wir dem Gespött des Dorfes
eine Blöße gegeben zu haben, als im Garten Korn und Aehre, stat
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Felde dagegen standen die Aehren dick, gelb und schwer, und nun hat—
ten wir die Lacher auf unserer Seite.
Ungeachtet dieser Fall zu reiflichem Nachdenken Anlaß geben mußte
verhinderten uns doch zufällige Umstände, die Sache weiter zu verfol—
gen. Vor einigen Jahren jedoch, um Raum für einen Bau zu gewin—
nen, kamen wir in die Nothwendigkeit, einen Weizen umhauen zu lassen
dessen Körner noch milchig waren. Diesen grünen Weizen erhielt das
Vieh und nur aus Unachtsamkeit blieb etwas davon liegen, wurde trok—
ken und gab nach einigen Wochen ein ausgezeichnetes Korn. Es fie
uns hierbei unsere lang gehegte Vermuthung wieder ein und um dar
über ins Klare zu kommen, säeten wir einen Theil der Körner ins frei—
Land und einen andern Theil ließen wir vorher auf dem Kamin kei—
men. Alle Körner gaben ein schönes Stroh, aber sämmiliche Aehrer
waren schwarz und alle Körner brandig. Von nun an waren wir der
Ursache des Brandes Fischer und unscke weiteren häufig wiederholter

J

Versuche gaben uns stets die nämlichen Resultate. Man sieht, wi
leicht es ist, sich ohne Kosten schönes und gutes Samenkorn zu ver
chaffen; eine vollständige Reife, das ist die erste Bedingung. Ferner
das vorgängige Wegschneiden der die Furchen und Ränder einnehmen
den Pflanzen, um Alles zu entfernen, was nicht völlig reif werden könnte
eine Vorsichtsmaßregel, die man niemals bereuen wird.

Behandlung des abgesetzten Fohlens im ersten Jah

Um ein tüchtiges werthvolles Pferd zu erhalten, ist es Grund⸗
und Naturgesetz, das Fohlen reichlich zu füttern. Man gibt täglich
Pfd. oder 3 Mäßchen Hafer, dazu 3 Pfd. Hecksel, bestehend aus 2 pf
Heu und 1 Pfd. Stroh, nebstdem 6 Pfd. gutes, süßes Heu. Da
Fohlen soll sich am Trockenfutter sättigen können; Grünfutter, ob Grat
Klee oder Weide, soll üur Nebenfutter sein. Fohlen, welche hinen
HDafer, blos nur Heu oder Grünfutter erhalten, bekommen keine fehser
Knochen, gedeihen nicht und geben kraftlose Thiere. Ohne Hafer
eine gute Pferdezucht geradezu unmöglich; daher das Sprich⸗- und Wah
wort: „Das Geheimniß, große, tüchtige und werthvolle Pferde
ziehen, steckt im Hafersacke.“ Fohlen, die schon im ersten Jahre No
leiden an reichlichem, kräftigem Futter, an Reinlichkeit und Pflege, a
Bewegung im Freien, werden niemals brauchbare Pferde, sondern m
elende Mähren. Die Bewegung der Gliedmaßen in den, dem Fohle
beliebig verschiedenen Gangarten ist für die Ausbildung des Körper
unbedingt nethig. Es ist daher ohne Laufstall — Stall-Abtheilun—
in welcher das Fohlen ungehindert hin- und hergehen kann — ohr
Tummelplatz im Freien, auf welchem sich die Fohlen gleicher Alter
klasse und gleichen Geschlechts herumtummeln und scherzen, wodurch
Korperform, die sichere und regelmäßige Gangart, die Behendigkeit
Gebrauche der Gliedmaßen entwickelt werden, eine richtige Pferdezu
nicht durchführbar.
Fohlen, die von frühester Jugend an im Stalle an der Halft
hängen und sich des Tages höchstens einmal auf einem meist mit Kol
verunreinigten, feuchten Platze kaum bewegen können, sind leicht erkenn
lich an der schlechten Stellung, an der unbehülflichen Gangart, sie hea
ben geringen Werth, Fehler, welche durch die spätere Dressur seht
verbessert werden. Wer daher gute Pferde züchten will, muß vor?
lem für die Fohlen Raum im Stalle und eine trockene, hinlänglich gr—
Weide für dieselben haben. Da für Einzelne die Weide — Tumm
platz — oft zu kostspielig wird, so sollten die Gemeinden, in wels
Pferdezucht betrieben wird, durch Anlegung von entsprechenden gem
schaftlichen Fohlen-Tummelplätzen diesen höchst wichtigen Zweig
Landwirthschaft fördern.
Die Fohlen müssen ihr Futter in kleinen Gaben, aber öfter
Tages erhalten. Am Morgen früh zwischen 5 und 6 Uhr gibt
ihnen den 4. Theil der täglichen Haferportion mit hinreichendem,
geschnittenem Hecksel vermischt, tränkt dann und gibt hierauf Heu—
rauf wieder getränkt wird. Nachdem die Fohlen ihr Futter verzt
haben, sollen sie sich in freier Luft bewegen können. Um 10 Uhr 8
mittags gibt man wieder die vorige Futter-Quantität, Mittags um
Uhr erhalten die Fohlen Heu. Um 2 Uhr Nachmittags gibt man
3. Viertheil Hafer mit Hecksel und etwas Heu; Abends 6 Uhred
letzte Viertheil Hafer der täglichen Ration mit Hecksel und steckt da
Heu auf. Die Fohlen müssen des Tages wenigstens dreimal getrör
werden. Am zweckmäßigsten ist es, wenn der Tränktrog im Fob“
stalle selbst und am Tummelplatze angebracht ist, damit die Fohlen
Belieben saufen können. Die Fohlen sollen täglich mit der Kardör
oder dem Strohwisch, nicht mit dem Striegel gut gereinigt und gty
werden, ebenso die Augen, Lippen, Nase, Geschlechtstheile, After
Schwanzwurzel mit dem Schwamme gewaschen werden.
Reinlichkeit ist bei Fohlen so dringend nöthig, befördert ihren“
sundheitsstand eben so, wie bei erwachsenen Pferden. Es ist xa
großer Unsinn, zu meinen, Fohlen sollen im ersten Jahre nicht ger
und gereinigt werden; solche vernunftlofe Urtheile strafen sich imr
selbst, nur Schade, daß damit das Thier unverschulbeter Weise
leiden muß füür die gante Lehensvauer
            
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