Programm
der drei und dreißigsten Generau⸗ Versammlung des landwirthschaft
lichen Vereins für Rheinpreußen zu Aachen
bom 11. bis incl. 14. September 1864.
(Fortsetzung.)
9) Hat man in neuerer Zeit bei Anlegung neuer Wiesen nützliche
Beobachtungen uͤber die richtige Samenmischung der Gräfer für
die verschiedenen Bodenarten und Lagen gemacht?
Welche großen Nachtheile hat das Beweiden der Wiesen im Herbste
mit Schafen? (Nef.: Direcior Sons.)
11) Ist der Kalk als Duͤnger bei Anlegung neuer Wiesen zu empfeh⸗
jen, und wie stark darf derselbe in den verschiedenen Bodenarten
angewendet werden? (Ref.: Lokal⸗Abth.⸗Direktor Rolshoven.)
Welche Gräser eignen sich als Beimischung zum rothen, weißen
und schwedischen Klee? (Ref.: Direktor Sons.)
13) Welcher Dünger hat sich für die Graskultur auf den verschiede⸗
nen Bodenarten und Lagen als der beste bewährt?e
14) Welche Erfahrungen hat man über die Petersen'sche Wiesenbau—
Methode gemacht, und welche Zukunft dürfte dieselbe haben?
VI. Section Waldbau.
Oberforster a. D. Biermans über Conservirung des Holzes
durch Imprägnation und über Wachsraum der Hölzer.
VII. Section Garten⸗- und Obstban.
1) Welches sind die bewährtesten, auch im Großen anwendbaren
Mittel, die Apfelblattlaus (Aphis lanigera Hausm.) zu vertil—
gen, die sich in den letzten Jahren in einer wahrhaft zerstoören⸗
den Weise in vielen Gegenden der Rheinprovinz verbreitet hat?
2) Welchen Werth haben die empfohlenen neuen Veredlungsarten
für den praktischen Obsibau in Hinsicht der älteren Veredlungs—
Methoden?
3) Wie können wir die Degeneration der einzelnen Gemüsesorten,
besonders bei der Samenzucht am besten verhüten? *
Womit und wie müssen wir die Obstbäume düngen ?
VIII. Section Weinbau.
1) die Qualität und die Preise der Weine der Rheinprovinz haben
in neuerer Zeit sehr gewonnen; worin iß diese Erscheinung be—
gründet? Sind erhebliche Abweichungen gegen früher dort in
der Anlage der Weinberge, in der Auswahl der Rebsorte, in
der Behandlung des Bodens und des Rebstockes, in der Dum—
gung, in der Lese und Bereitung des Weines, in der Leitung
der Gährung und Behandlung im Keller nach der Gährung
eingetreten?
M) Es wird behauptet, das Bouquet des weißen Weines werde
reicher, wenn die Trauben abgebeert, die Krappen (Traubenstiele)
entfernt, und der Traubensaft mindesteng 36 Stunden auf den
Haͤuten der Beeren stehen gelassen würde, bevor das Keltern
eintrete. Was sagt die Erfahrung dazu? Sind schon compara⸗
tive Versuche hierüber angestellt, oder wer will sie uübernehmen?
3) Bericht über die gegen die Traubenkrankheit angewendeten Mittel.
IX. Section Seidenzucht.
1) Welches sind die Wahrnehmungen über den Ausfall der dies—
jährigen Cocons-Ernte?
2) Kann der japanischen Seidenraupe in Betreff der kräftigen Ent—
wickelung sowie der Widerstandsfähigkeit gegen die herrschenden
Krankheitsformen vor den bisher gezüchteten Seidenraupen Racen
der Vorzug eingeräumt werden?
3) Vide Eisa dungen liegen über die Zuchten der Seidenrauve
ünstliche Erwärmung der Zuchträume vor?
de welcher Zeit und in welcher Art und Weise kann der Maul⸗
eerbaum entlaubt werden, ohne Schaden zu leiden?
X. Section Bienenzucht.
) Welche Wege sind zur extensiven und intensiven Förderung der
Bienenzucht einzuschlagen?
Auf welche Dinge kommt es in der Bienenzucht, besonders fin
den Anfänger, am meisten an
3) Die bei dem gewöhnlichen Manne in Bezug auf die Bienen⸗
zucht herrschenden Vorurtheife.
XI. Sectivn Fischzucht.
1) Berechtigen die seither mit der künstlichen Fischzucht erzielten Re—
sultate zu der Hoffnung, daß vermittelst dieses Verfahrens eine
nachhaltige Hebung der Fischzucht erzielt werden kann?
Wenn dies der Fall, welche Schritte sind dann zu thun, um die
künstliche Fischzucht allgemeiner in Anwendung zu bringen?
3) Was ist außerdem noch zu thun, um die Ermäge der Fischereien
in hiesiger Gegend andauernd zu steigern?
4) Von wo, wann und unter welchen Bedingungen kann man in
der Rheinprovinz oder im angrenzenden Westphalen gute Forel⸗
len und Aeschen beziehen?
Wo und wann werden besonders die sogenannten Rümpchen ge⸗
fangen?
6) Welches Züchtungsverfahren ist in den verschiedenen Theilen der
Provinz als das zweckmäßigste bei einer gedeihlichen Karpfen—
zucht erprobt worden?
XII. Section Techniitk.
1) Welche Rolle spielt die Fabrikation von Kunstduͤnger in der Rhein
provinz? In wie weit ist es wünschenswerth, daß sich der Land—
wirth denselben selbst bereite? Auf welchem Standpunkte befin⸗
den sich die Kunstdüngerfabriken in unserer Provinz? Was ge⸗
schieht, um den Handel mit Kunstdünger im Interrsse der Land
wirthschaft zu überwachen? (Ref.. Director Freyt ag.)
Welchen Einfluß üben die Exhalativnen von Eisen⸗-, Zink- und
Bleihütten, sowie von chemischen Etablissements auf benachbarte
Grundstücke aus, und wie läßt sich denselben porbeugen?
ESchluß folgt.)
Bericht
über den Besuch des landwirthschaftlichen Wanderlehrers, Herrr
Nentamtmanns Kühner von Ehrenfels, im
Bezirke Ellwangen.
(Forhsetzung statt Schluß aus Nr. 60.)
Beim Unterpflügen des Düngers hat man darauf zu achten, daß
derselbe in die Mitte der Ackerkrume zu liegen kommt; es ist also
ganz fehlerhaft, ihn auf den Untergrund zu legen, weil da viel von
ihm verloren geht. Um diesen Zweck zu erreichen, ist allerdings nolh⸗
wendig, daß tief gepflügt wird. Die Hauptvortheile des tiefen
pflügens bestehen darin, daß das Getreide nicht so gerne lagert, daß
Trockenheit und Nässe weniger schaden, daß der Körneransatz reichlicher
und somit der gesammte Ernteertrag ein viel höherer ist; eine tiefe Acker⸗
krume gestattet ein tiefes Wurzeln des Getreides, sie behält noch Feuch⸗
tigkeit, wenn es auch sehr trocken ist, sie gestattet dem Wasser den Durch—
gang und enthält selbstverständlich mehr pflanzennährende Stoffe, als
eine seichte Ackerkrume. Freilich bestehen gegen das tiefe Pflügen viele
Vorurtheile, man fürchtet „wilden“ Boden heraufzubringen, man hat
es vielleicht schon probirt und ist getäuscht worden. Das ist alles mög—
lich, es fragt sich nur, wie man die Sache angegriffen hat. Wenn man
einen Acker tiefer pflügen will, so darf dies nicht etwa im Frühjahr
oder im Sommer, sondern es muß im Herbste geschehen, damit der
Boden den Winter über allen Einflüssen der Witterung ausgesetzt ist.
Im Frühjahre sieht dann der Boden ganz anders aus, als er im Herbste
ausgesehen hat, und baut man auf einen solchen Acker nach vorange⸗
gangener reichlicher Düungung Hackfrüchte, damit der Boden tuͤchtig
verarbeitet und dadurch je wieder den Einflüssen der Witterung zugäng—
slich gemacht wird, so wird der Erfolg ein guter und sicherer sein. Es
ist eine ganz verfehlte Spekulation, wenn man Aecker kauft, während
diejenigen, die man bereits besitzt, noch lange nicht so weit verbessert
sind, daß sie die höchsten Erträge liefern.
Wenn schon das Pflügen da und dort noch manches zu wünschen
übria läßt, so ist dies bezüglich dves Fgaqens in der Negef poch wen