) Samenersparniß um 20-30 pCt. der breitwuͤrfigen Saat gegen
sͤber, und in Folge alles dessen:
5) Höherer Ertrag des Ackers.
Nicht darin, daß die Pflanzen in Reihen stehen, darf man der
Vortheil allein suchen wollen, sondern die Reihensaat ist nur das Mit
el zum Zwecke. Jeder geschidte Säemann und in Ermangelung einde
solchen rine gute breiwuͤrfige Säemaschine vermag rine regelmäßige
Saat zu erwirken. Die Unterbringung erfolgt durch Pflug, Exstirpator,
Kummer oder Egge. Angenommen, diese Geräthe bearbeiten den Bo—
den von 124 Zoll Tiefe, so mengen sie den Samen mit dieser Erd—
schicht und derselbe wird in gleichem Verhältniß obenauf liegen bleiben,
wie er von Linie zu Linie bis zu der Tiefe, wie die angewendeten Ge⸗
räthe arbeiten, untergebracht sein wird. Selbstverständlich ist in vielen
Füllen ein ungleichmäßiger Aufgang und zweiwüchsige Frucht die Folgt
davon. Der obenaufliegende Samen wird entweder von den Vögeln
aufgezehtt oder kommt gar nicht zum Aufgang, oder gibt schwächlicht
Pflanzen. Beide letztgedachte Fälle treten ein bei zu ticf untergebrach
sem Samen und deshalb erfordert breitwürfige Saat unter gleichen
Verhältnissen mehr Samen als Reihensaat.
Hierzu kommt noch, daß die breitwürfige Saat eine vorherige Be—
arbeiung mit Egge und Waize des in der Saatfurche liegenden Ackers
nicht gut zuläßt, weil die Vertiefungen der rauhen Furchen und der
Furchenkämme benutzt werden müssen, um den Samen unterzubringen
bei der Reihensaat dagegen kann eine vorbereitende Bearbeitung belie
hig vorgenommen werden, je nachdem es die zur Verfügung stehenden
Gespannkräfte, Witterungs- und Wirthschaftsverhältnisse vortheilhaf'
erscheinen lassen. — Derjenige Acker, welcher schon vor der Saat ein—
mal gewalzt oder geeggt und gewalzt ist, um die befruchtende Feuchtig—
keit zu erhalten, wird bei nachheriger trockener Witterung eher eine
Saatbestellung zulassen, 'als der Acker, welcher in der rauhen Furcht
gelegen hat. Unterbrechungen der Saat durch Regenweiter, eintretende
Mittags- oder Feierabendzeit ist bei Reihensaat nicht so störend, als
hei breitwürfiger Saat, weil der Akt des Samenstreuens und Unter—
bringens mit der Drillmaschine gleichzeitig erfolgt, also niemals Samen
yben aufliegen bleibt.
Um sich die Vortheile der Reihensaat möglichst zu sichern, ist eine
recht sorgfältige Ackerbestellung unerläßliche Bedingung, gleichviel, mit
welcher Duillmaschine gearbeieet wird, und die durch eine bessere Acker—
bestellung vermehrte Mühe ist nicht etwa der Reihensaat zur Last zu
legen, sondern durch sie wird die Bestimmung jedes Samenkorns, zur
Pflanze sich zu entwickeln und Früchte zu tragen, gesichert, wodurch jede
Mühe reichlich vergolten wird,
Der Lardwirth hat ja nur dadurch auf das Pflanzenwachsthum
Linfluß, daß er deren Standort möglichft gut vorbereitet und denselben
vährend der ersten Vegetationszeit in der zum Gedeihen der Pflanz⸗
zünstigsten Beschaffenheit durch mechanische Bearbeitung (Jäten, Hacken
Anhäufeln) zu erhallen bemüht ist. Denn durch Bearbeiten der Rei
henzwischenräume wird das gemeinsame Zusammenwirken der atmosphä
rischen, vegetabilischen, mineralischen und animalischen Düngung ver
mittelt und unterhalten. Stöckhhardt sagt in seinen Feldpredigten, S
342: „Der Sauerstoff der Luft ist es, der im Bunde mit der Feuch
igkeit die im Boden stattfindenden Prozesse, die der Landwirth unte
dem Namen „Gährung oder Gahre“ begreift, unterhält, nämlich die
Berwesung der organischen und die Verwitterung der unorganischen
Bodenbestandtheile. Eben so muß den Wurzeln der Pflanzen, daferr
ie gesund bleiben und kräftig erwachsen sollen, immer frischer Sauer—
stoff gegeben werden. Daher der außerordentlich günstige Erfdlg des
Behackens und Behäufelns der Pflanzen, wodurch man den Luftzutrit
ind Luftwechsel vermehrt. Daher das Stillstehen der Vegetation ir
einem Boden mit festgeschlossener Oberfläche und das sofortige Wieder
forischreiten derselben nach vorgenommener Lockerung der letzteren, wel
be beiderseitigen Erscheinungen man bei der Mais- und Rübenculiur
insbesondere so augenfällig wahrnehmen kann.“
Das Löthen mit Gas.
Das schon seit mehr als 20 Jahren in England und Frankreich
angewendete Löthen mit Gas ist in Deutschland erst seit einigen Jahren
zu einer allgemeinen Verwendung gekommen und findet hier immer
mehr Beifall. Die Hauptursache dieser wachsenden Verbreinung in den
Werkstätten der Kleingewerbe findet ein Praktiker, der Flaschner W.
Volz in Backnang, der sich darüber im „Württemb. Gewerbebl.“ aus—
spricht, namentlich darin, daß sich der Verbrauch an Gas beinahe um
zwei Drittheile billiger berechnet, als der von Kohlen, indem ein Ar—
deiter, der den ganzen Tag löthet, ungefähr für 32 Pfg. Kohlen ver—
brennt, während derjenige, welcher mit Gas löthet, nur 480 Liter, also
nicht einmalnt Cubikmeter Gas consumirt; da der Cubikmeter aber
nur 24 Pfg. kostet, so beträgt der Preis von 500 Liter 12 Pfg.; folg—⸗
lich stellt sich eine Ersparniß pro Tag und pro Arbeiter von 2 Sgr.
heraus. Damit ist aber noch ein weiterer Vortheil verbunden. Man
— nie kalt
wird, ganz in sciner Gewalt, weil man die Flamme je nach Bedürfniß
größer oder kleiner machen und folglich deuselben zu jeder Arbeit so—
gleich (nach Verlauf von zwei Minuten) verwenden kann, ohne vorher
Zeit mit Auflegen von Kohlen, Anblasen derselben ꝛc. zu versäumen.
Hieraus ergibt sich von selbst eine Zeitersparniß von käglich 119/ bis
2 Stunden, ein Vortheil, der auch, wo der Kostenpreis der beiden Brenn—
materialien sich gleichstellen sollte, nicht zu übersehen ist. Auch mag
noch erwähnt werden, daß durch diese Einrichtung der Löthofen entbehr⸗
lich und in der Werkstätte dadurch bedeutend an Raum gewonnen wird.
Die Beschaffenheit eines solchen Löthkolbens ist sehr einfach: durch
das Kolbenheft gehen zwei Röhren bis auf ungefähr 1 Zoll hinter
den eigentlichen Löthkolben, der, ein ganz einfaches Stück Kupfer, jeden
Augenblick aus der sogenannten Gabel herausgenommen und geschmie—
det, gefeilt, oder auch durch einen anderen ersetzt werden kaun. Jede
dieser beiden Röhren wird durch einen am hintern Theile des Kolben—
heftes angebrachten Kautschuckschlauch, die eine mit Gas, die andere
mit Luft gespeist; erstere entströmt natürlich der gewöhnlichen Gaslei—
tung, die auch für die Beleuchtung dient, letztere aber einer, an irgend
einem beliebigen Orte aufgestellten Glocke, die in rinem Wasserbehälter
sich auf- und abbewegt und durch ihr Sinken den erfo derlichen Druck
auf die Luft hervorbringt. Diese Luft wird in Bleiröhren neben der
Gasleitung in der ganzen Werkstätte herumgeführt, um an derselben
Stelle wie das Gas durch einen Hahn und den oben bezeichneten 4
bis 5 Zoll langen Kauischuckschlauch in den Kolben zu gelangen und
beim Ausströmen aus riner gewöhnlichen Gasflamme tine sogenannte
Stichflamme zu erzeugen.
Die Luftglocke muß natürlich, so oft sie gesunken ist, wieder auf—
gezogen werden; in welchen Zeiträumen dies zu geschehen hat, hängt
von der Größe der Glocke und der Zahl der Arbeiter ab, die eben
mit Löthen beschäftigt sind. Die Kosten der Einrichtung sind, nament—
lich in einer Werkstätte, in welcher schon eine Gasleitung besteht, nich
sehr erheblich; unter allen Umständen rentiren sie sich, wie sofort ein—
leuchtet, sehr gut.
Vermischtes.
Leinwand und Papier aus Maisstroh. — In Pesth soll
demnächst von einer Gesellschaft, die sich „Hungaria“ nennt und bei
der rheinische und belgische Kapitalisten betheiligt sind, eine mechanische
Mais Spinnerei und Weberei, dann eine Mais-Papierfabrik mit einem
Betriebskapital von 185,. Mill. errichtet werden. Die Erzeugung von
Papier aus Maisstroh hat auf die Idee gebracht, den Faserstoff auch
zur Erzeugung von Leinwand zu bereiten. Die Aufgabe wurde gelöst
und in einer Versammlung der Pesther Handelskammer kamen Fabrikate
aus diesem Zeuge zur Ansicht, welche Aufsehen erregten. Das gewon—
nene Zeug ist stark und fest und das Gewebe jedenfalls verbesserungs—
fähig. Man hat bereits wiederholte Proben gemacht und gefunden,
daß aus 3 bis 4 CEtr. Maisfasern eirca 60 Ellen Leinzeug, 60 Pfd.
Papierhalbzeug und als Ueberrest 30 Pfd. zur Erzeugung von Brod—
soff gewonnen werden können. Das Maisstrohpapier erscheint bereits
in allen Qualitäten, vom durchsichtigen Cigarettenumschlag bis zur
Dichtigkeit des Pergaments. Duͤrch diese Enideckung dürfte der Mais
—XWD