Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Die Grenzen des Erfindungsgeistes im Transport⸗
wesen.
Von Dr. Engel.

(Fortsetzung)
Blicken wir jetzt auf die See⸗Dampfschifffahrt. Jedweder Fort
schritt concentrirt sich da lediglich auf die Kraft der Forlbewegung der
Schiffe, Am Wege ist des Dampfes wegen nichts, am Fahrzeuge
nur wenig zu ändern. Dazu kommt: die künstliche Kraft ist so theuer,
daß die durch sie hervorgebrachte Zeitersparniß beim Waarentranspor!
in der Regel nicht die Vergrößerung der Kosten aufwiegt, welche be—
Anwendung des Dampfes statt des natürlichen unenigeltlichen Luft
druckes, des Windes, enisteht.

Es gibt indeß auch künstliche Wasserwege, und diese haben für die
Wohlfahrt der Völker Außerordentliches gewirkt. Das sind die Ca⸗
näle. Von natürlichen Wasserwegen abhängig, ist ihre Zahl nich
beliebig zu vermehren, wie die der Eisenbahnen; aber da, wo sie mög—
lich sind und angelegt wurden, waren sie Ursache zur Entwickelung des
menschlichen Scharfsinns nach vielen Richtungen und zu den trefflich
sten Bauwerken. Sie waren die würdigen Vorläufer des Eisenbahn—
wesens. Ohne einen Telford wäre es wahrscheinlich auch einem
George Stephenson nicht möglich gewesen, in so kurzer Zeit Das
zu leisten, was er leistete. —

Wie steht es nun um den Massentransport in der Luft? Die
Antwort auf diese Frage ist einfach, noch leider nicht ermuthigend. Ue—
ber den Weg, wie vollkommen er nach gewissen Seiten hin auch sei
selbst sind die Kenntnisse noch außerordentlich dürftig, ja unendlich vie'
duͤrftiger als über die Wasserwege. Auch ist keine Aussicht vorhanden.
das geringe Maß unseres Wissens über die Bewegungen der Atmo
sphäre rasch zu vermehren. Die Natur der bewegenden Kraft ist ver
möge der geringen Schwere der Luft in die engsten Grenzen gewiesen,
ja in so enge, daß noch nicht einmal ein nennenswerther Versuch zur
Direction der Luftfahrzeuge gemacht worden ist; willenlos sind sie den
Naturkräften überlassen. Und was die Fahrzeuge selbst anlangt, so sint
Größe und Gewicht derselben im höchsten Maße von den Bedingun—
gen des Weges und der Kraft abhängig.
Dem Erfindungsgeiste sind also hier von der Natur ungemein
enge Schranken gezogen. Sie zu durchbrechen, ist ihm nicht gestattet
Daß es aber innerhalb derselben dennoch zu einem guten Ziele kommer
könne, das ist ihm von vornherein nicht abzusprechen, obgleich von der
eben so häufig mißglückten als geglückten vereinzelten Luftschifffahrts—
Versuchen bis zu jenem Ziel noch eine lange Strecke Weges ist. Die
Möglichkeit einer wirthschaftlichen Bedeutung des Lufttransports muß
nach dem jetzigen Standpunkte des menschlichen Wissens in Zweife
gezogen werden.

Obige Ausführungen dürften des Beweises nicht entbehren, daf
das natürliche Verkehrsgesetz in gewisse natürliche Grenzen eingeschlof
sen ist, wonach der Ausspruch gerechtfertigt ist: Je enger die von der
Natur dem Erfiudungsgeiste gezogenen Grenzen sind, je beschränkter das
Feld der Vervollkommnung der Wege, der Kräfte und der Fahrzeuge
desto stabiler ist eine Verkehrsform (wenn sie überhaupt möglich isth)
und desto weniger ist ihr Einfluß auf die Nölker eines aroßen Wachs
hums fähig.

Es erübrigt noch, einige Worte über den Brief- und Depe—
schentransport hinzuzufügen. Auch seiner ist in dem spmbolischer
Schema Erwaͤhnung geschehen und dafelbst angegeben, daß dazu mich
blos alle Arten des Personen⸗ und Gütertransports mit zu verwenden,
sondern daß auch einige Transportweisen lediglich fuür den Gedanken—
austausch vorhanden sind. Die ältesten sind natürlich auch hier die
gleichsam von der Natur selbst dargebotenen: der Luftkreis ist der Weg
tine Naturkraft oder Eigenschaft ist die befördernde Kraft. Eines Fahr
zeuges bedurfte es gar nicht, denn der menschliche Gedanke ist nach
ohysikalischer Ausdrucksweise imponderabel und incoörcibel. Das Sig
nalgeben durch Flaggen oder sonsuige weithin sichtbare Zeichen, dure
weithin hörbare Schallwirkungen, iñ gewiß eive shon -rnken.

Zeit getroffene Einrichtung, obgleich die methodische Ausbildung des
optischen and des akustischen Telegraphen viel neuer ist. Diese Ari
der Mittheilung setzt freilich gewisse Verständigungen über die Bedeu⸗
tung der mitgetheilten Zeichen oder Laute voraus, allein beim brieflichen
Verkehr ist ganz dasselbe der Fall. Jede Sprache ist eine Ueberein⸗
kunft. Was nützt Dei der ausführlichste Brief, der ihn nicht lesen
kann! Jene Ureinfachheit des Gedankentransports ist aber auch seine
Schwäche. Die Zeichen, welche durch das Licht weiter getragen wer—
den, werden unsichtbar, sobald die Nacht den Tag ablöst oder Nebel
die Fortpflanzung der Lichtstrahlen hemmen und beschränken. Signale
von künstlichem Licht wirken nur auf geringe Entfernungen. Schall⸗
signale sind diesen Nachtheilen zwar nicht unterworfen, dafür aber an—
deren und größeren. Durch die verschiedenen Brechungen des Schal⸗
sles wird das Signal oft gänzlich verändert und können die größten
Täuschungen stattfinden, ganz abgesehen davon, daß die Variationen
des Schalls und der Schallsignale wegen ihres Dimensionen- und
Farbenmangels viel geringer sind, als die des Lichts und der Lich
signale.
Der beiden Transportweisen gemeinsame Nachtheile, daß sie nur
von beschränktester Verwendbarkeit und niemals Communikationsmittel
für den großen Privatverkehr sind und sein können, verkümmert ihre
wirthschaftliche Bedeutung. Dem zu entgehen, hat der Privatverkchr
früher ein Depeschen-Transportmittel ausgebildet, welches noch heute
als Tauben-Briefpost in Vieler Erinnerung ist. Hier ist wiederum der
Luftkreis der Weg, die Kraft aber ist die Flugkraft der Taube, und
ihr Leib ist das Fahrzeug, indem die zu verkündende Nachricht der
Taube in einem Briefchen um den Hals gebunden wird. Auf den
ersten Blick erhellt es, daß, wie einfach und praktisch diese Transport⸗
weise sei, sie doch eine höchst unsichere und darum nur wenig verbrei⸗
tete gewesen sein kann. In der That, der Allen zugängliche elektri—
sche Telegraph hat sie rasch gänzlich beseitigt. War die Taube ein
zeflügelter Bote, so reitet der elektrische Telegraph mit dem Blitze. Er
bedient sich als Weg eines Drahts, als Kraft der Elektricität; der fort—
hewegte Gegenstand sind Worte und Zeichen, ohne Fahrzeug. Hier
hat die Kunst wieder ihren Spielraum, und sie hat bereits Erstaun⸗
liches geleistt. Vor Einem muß sie jedoch Halt machen. Die Schnel—
ligkeit der Beförderung des einzelnen Worts und der einzelnen De—
pesche kennt, wenn sie einmal zur Beförderung gelangt, zwar keine für
uinsere Sinne wahrnehmbare Grenzen; allein weil der Telegraph kein
Fahrzeug besitzt, in welchem er viele Worte auf einmal fortschaffen kann,
muß jedes einzelne hinsichtlich der Beförderung auf das andere war—
ten. Dadurch entstehen große Zeitverluste, die durch Vermehrung der
Straßen, der Drähte, nur unvollkommen aufgewogen werden. Kein
Wunder, daß der Erfindungsgeist jetzt vorzugsweise dahin gerichtet ist,
die Zahl der in einer bestimmten Zeiteinheit auf einem Draht zu be—
fördernden Worte zu vermehren. An die Befoörderung eines Fahrzeu—
ges auf dem Draht mittels des elektrischen Stroms ist leider nicht zu
denken.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Die electrischen Grubensignale von Faulkner in
Manchester, über deren Einrichtung wir noch keine näheren Angaben
gefunden haben, sollen die Klingelzüge ꝛc. zur Communication mit der
Grube ersetzen, zugleich aber signalisiren, wenn eine Wetterthüre unge—
höriger Weise geöffnet oder geschlossen ist. Der Apparat beginnt in
einem solchen Falle einen gewaltigen Lärm zu machen und setzt das so
lange fort, bis Alles wieder in Ordnung ist und zwar lärmt er eben
so stark, wenn eine Thüxe nur 3“ offen, wie wenn sie vollständig
geöffnet ist. Um zu zeigen, von welchem Theile der Grube ein Signal
ausgeht, wird an beliebigen Stellen ein Apparat mit einem Zifserblatte
angebracht, dessen Ziffern bestimmten Theilen der Grube entsprechen unr
der mit den Leitungsdrähten in Verbindung steht.
            
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