Die Muskelkraft der Menschen ist die unstreitig am meisten fün
den Verkehr in Anspruch genommene Kraft. Welch' immense Summe
von Arbeit wird z. B. nicht von der zu Fuße ihren Geschäften nach—
zehenden Bevölkerung einer Stadt wie London, Paris, Berlin, Wien ꝛc
an einem einzigen Tage verrichtet? Ein Mensch von ca. 140 Pfund
Gewicht, der mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48/. Fuß pr
Secunde täglich 10 Stunden lang auf horizontalem Wege auf den
Beinen ist, verrichtet eine Arbeit von nahe 24 Millionen Fußpfund
d. h. er hätte in der Zeit von 10 Stunden 24 Millionen Pfund 1 Fuf
hoch gehoben. Eine Leistung von 480 Fußpfund pr. Secunde ist das,
was man eine Pferdekraft nennt. Ist der Mensch beladen, so sinkt die
Leistung freilich sofort wesentlich, unter Umständen bis auf 2/, und /,
jener. Ein Grund der außerordentlich starken Benutzung der mensch—
lichen Muskelkraft im Verkehr ist, daß sie neben leichtester Indienst⸗
setzung die vielfachsten Anwendungeu zuläßt. Der Mensch kann fast
auf allen Landwegen gehen, er kann durch Rudern sich zu Schiff auch
auf allen Wasserwegen bewegen oder bewegen lassen. Nur wie der
Vogel in der Luft zu fliegen, das ist ihm noch nicht gelungen — Nächst
der Muskelkraft des Menschen ist die auf Landwegen am häufigsten
henutzte Kraft die Muskelkraft der Thiere.
Die Ausnutzung der Schwerkraft bei abfallenden Wegen ist eine
sehr bekannte Sache; leider aber hat es noch nicht gelingen wollen,
davon einen großen Gebrauch zu machen und die verloren gehende
straft für die bergaufgehenden Wagen wieder zu gewinnen. Die Thal—
bewegung der Flöße und Schifse auf fließenden Wässern erfolgt eben—
falls durch die Schwerkraft, obgleich es hier nicht das Fahrzeug ist,
velches durch dieselbe bewegt wird, sondern das Wasser, welches die
schiefe Ebene hinabrollt und das Fahrzeug trägt. — Der Luftdruck
wirkt verschieden. Indem er die Segel bläht, treibt er Schiffe; in
Thina verrichten Segelwagen, auf vielen zugefrorenen Seen und Haf—
fen Segelschliten, regelmäßigen Verkehrsdienst. Große Exhaustoren
oerursachen in luftdichten Röhren eine Kolbenbewegung, welche Wagen
mit sich fortreißt, die zur Aufnahme von Personen und Sachen einge—
richtet sind. Und indem Lufiballons mit leichteren Gasen als die Luf
jelbst gefüllt werden, gestattet die größere specifische Schwere der Luft,
daß sie sich in derselben erheben und in höhere Schichten gelangen,
woselbst sie von den Luftströmungen weiter getrieben werden. — Wel—
he Anwendung von der Expansion des Dampfes, der erwärmten Luft,
gewisser Gase gemacht wird, welche Rolle Elektromagnetismus, Licht
und Schall im Transportwesen spielen, alles Das läßt nun das
folgende Tableau erkennen, welches die Eigenschaften eines sym—
bolischen Schema's an sich trägt. (Die Tabelle folgt in einer der
nächsten Nummern.)
Es ist schon öfters darauf hingewiesen worden, daß eine Tabelle
mit einer Sammlung von Functionen verschiedener Art zu vergleichen
sei, indem die Werthe, die in die vorderste Spalte gesetzt werden, den
unabhängigen oder Urvariablen entsprechen, während, wenn man be—
züglich dieser eine Feststellung getroffen hat, die Werthe in allen fol—
genden Spalten sich nur nach Maßgabe jener verändern, mithin die
abhängigen Variabeln sind. Letztere sind aber die Functionen der er—
teren. Dies auf das so eben mitgetheilte symbolische Tableau ange—
vendet, führt zu der Erkenntniß, daß die Fahrzeuge wie eine Function
aus Kraft und Weg angesehen werden können. So ist es in der That.
Der Weg ist immer tn erster Linie das bestimmende Element, das Fahr—⸗
zeug muß vor Allem dem Wege angepaßt sein. Hierauf ist noch zu—
rückzukommen.
Wenn das Schema der Wege mit dem Schema der Kräfte durch
rinien in Verbindung gebracht wird, so läßt sich rasch ein Ueberblick
über die Verwendung der Wege und die Verwendung der Kräfte nach
zwei Seiten hin gewinnen. Man übersicht nämlich, indem man die
Augen über die horizontalen Linien schweifen läßt, sofort, wie auf einer
bestimmten Art von Wegen die verschiedenen Kräfte be—
reits ausgenutzt werden, resp. werden können, und ebenso sieht man
beim Verfolg der verticalen Linien, wie je eine bestimmte Kraft
auf den verschiedenen Wegen zur Dienstleistung gelangt. Es ist ein⸗
euchtend, daß da, wo der unvohkommenste Weg mit der unvollkom—
nensten Kraft zusammentrifft, der Berkehr vom technischen Standpunkte
zus der unvollkommenste sein muß, umgekehrt aber da der vollko
nenste, wo das Gegentheil stattfindet. Der Grad der Vollkommend
»er Kraft bestimmt sich nach ihren Kosten bei gleicher Leisungz.
Sind nun auch Weg und Kraft die Hauptelemente des Tran
portwesens, so bedarf doch die Kraft, um Gegenstände von einem C
um andern gelangen zu lassen, eines Fahrzeugs, wofern der Trä
der Kraft nicht gleichzeitig der bewegte Gegenstand ist. Der Men
ohne Füße kann nicht gehen, eben so wenig das Thier. Ein aus
blähtes Segel ohne Fahrzeug hat für den Verkehr keinen Zweck E
Dampfmaschine ohne Räder auf einer Eisenbahn ist eben eine stehen
aber keine Locomotive. Das Fahrzeug ist also für den Massentrausp
zleichfalls eine nothwendige Bedingung. Es ist nicht schwer, sich
jedem einzelnen Fall zu vergegenwärtigen, welche Art von Fahrzeuge
den von Weg und Kraft gegebenen Bedingungen am meisten Gem
eistet. Setzt man die Namen der Fahrzeuge in die Felder, weh
durch die Verbindung der Namen der Kräfte und der Wege gebilht
verden, so zeigt das symbolische Schema auf einen Blick das ga
Feld des Verkehrs, d. h. der Kräfte, welche auf demselben thätig si
der Wege, in welchen sie es sind, und der Fahrzeuge, welche vond
verschiedenen Kräften auf den verschiedenen Wegen bewegt werd
Da, wo die Felder leer sind, fehlt der betreffende Modus des Verkeht
vo sie voll sind, ist die Frage leicht zu beantworten: entspricht die
Art des Verkehrs (Dd. i. der Benutzung der Kraft und der Fahrze
uuf bestimmte Wege) schon der höchsten Vollkommenheit, oder ist
ein technisch unausgebisdeter Verkehrszustand, mit dem man es hier
hun hat? Auf die so gestellte Frage die richtige Antwort zu gebt
Das ist es, worauf es ankommt; denn die richtige Antwort weist ein
seits dem Erfindungsgeist seine Grenzen an, anderseits verweist sie
auf die in ihren Zwecken und Mitteln gleich bewundernswürdigen Na
Fortsetzung folgt.)
Die Anilinfarben.
Der kolossale Verbrauch der Anilinfarben, welcher fort und
unimmt, so sprechen sich Gehenn. Comp. in Dresden in ih
reuesten Waarenberichte aus, wird jetzt vorzugsweise mit trockener Wa
in Krystallen und Pulver, statt der früheren flüssigen Waare befried
Die in Deutschland fortwährend gesunkenen Preise waren im let
zalben Jahre der Gegenstand beständiger Fluctuationen. Erst vor
nigen Monaten ist der Moment eingetreten, wo die Fabrikanten
agen konnten, daß ohne weiteren Rückgang des Rohmaterials
ohne Verlust reelle Primaqualitäten nicht mehr billiger hergestellteu
ausgeboten werden könnten. Trotzdem fanden sich in neuester Zeit
zin und wieder noch billigere Anerbietungen für allerlei Qualit
vor, die indessen bei genauestem Vergleiche das Resultat lieferten,
oie billigeren Preise entweder auf Kosten der Reinheit, oder aber,
»ei den meisten Proben sich herausstellte, auf Kosten der Trocker
»er Krystalle erzielt waren. Was die letztere anlangt, so haben
orgfältigsten Untersuchungen gezeigt, daß auch anscheinend nicht
nindeste Feuchtigkeit enthaltende Sorten sich noch um 25, ja selbst
Proc. eintrocknen ließen, um dann erst normalen Zustand zu reprn
iren, gleich unseren Qualitäten, die zur Erhaltung der nöthigen ve
»arkeit doch auch nicht ganz ausgetrocknet sind.
Intelligente Consumenten mußten diese Differenz früher oder
ser entdecken. Darauf scheint nun der Zeitpunkt eingetreten, in
ich die effectiven Primaqualitäten genugsam Geltung verschafft be
ind gern so bezahlt werden, daß sie die Fabrikation streng reell zu
tern vermag. Noch selten hat übrigens bei einem neuen Artikel dit
Loncurrenz, wie sie in Deutschland stattfindet, so ungeheuere Resu—
hervorgebracht, wie bei den Anilinfarben geschehen, deren Anwenn ·
rasch die großartigste Verbreitung erfuhr, deren Fabrikation des
zuch rapid die gewaltigsten Fortschritte machte und zur Erlangung
chönsten Qualitäten, wie zur größten Wohlfeilheit der Darstellung
ꝛer Verkaufspreise führte. Wenn man nun den Unierschied der je
Preise in Deutschland zu denjenigen Preisen in's Auge faßt, welch
ranzösischen und englischen Fabrikanten, gestützt auf ihre Patent